Aller Anfang ist schwer – oder: Wie man immer noch etwas „drehen“ kann…

27. Dezember 2011

Für meine ersten Ergebnisse im Bereich Ätzradierung habe ich nun doch etwas länger gebraucht.

Mit der Kaltnadelradierung kenne ich mich recht gut aus: sie ist relativ einfach herzustellen, kommt ohne Säure, Kolophonium etc. aus und ist somit auch für Anfänger gut zu handhaben. Das Arbeiten auf Kunststoffplatten kostet wenig Kraft, die Verwendung von Zinkplatten kann schon Muskelkater in Hand und Unterarm verursachen. Jedoch ist das Druckbild bei Metallplatten schöner und die Platte arbeitet sich nicht ganz so schnell ab. Kunststoffplatten ergeben ca. 10 Drucke, Zinkplatten 12-20 Drucke – danach sind die Gravuren verbraucht.

"Verliebt" Cordula Kerlikowski, je 5 x 5 cm, Kaltnadelradierung auf Hahnemuehle- Kupferdruckbütten

Die Ätzradierung erfordert viel mehr Planung, Vorausschau und Materialeinsatz (Salpetersäure, Kolophonium, Heizplatte, Asphaltlack….). Man kann eine Strichätzung ausführen, wobei die Zink- oder Kupferplatte mit Asphaltlack abgedeckt wird und die Zeichnung mit einer Radiernadel ohne großen Kraftaufwand durch diese Schicht „geschnitten“ wird. Im Säurebad ätzen sich die Linien tief ein – das Druckbild ist sauber und bleibt auch nach vielen Druckvorgängen klar und deutlich.
Tonwertabstufungen erhält man, indem man Kolophonium auf die Platte pudert, diese erhitzt bis das Pulver schmilzt und eine fühlbar rauhe Oberfläche hinterlässt. Nun wird im Wechsel Lack aufgetragen und geätzt – Flächen, die hell bleiben sollen, werden zuerst abgedeckt, die dunkelsten Flächen zuletzt. Ihr seht, das allein kann schon verwirren… Wenn dann auch noch ein Dreiplattendruck entstehen soll, wie ihn Susanne Haun für ihr Buch ausgearbeitet hat, ist das Chaos perfekt!

Also habe ich mir zunächst eine ganz kleine Zinkplatte genommen und mit einer  Strichätzung begonnen. Das Auftragen und gleichmäßige Einschmelzen des Kolophoniums ist mir nicht sehr gut gelungen – an einigen Stellen hatte ich es zu dick aufgetragen, wodurch im Druck bläschenartige Erhebungen entstehen (siehe unten), jedoch waren die Tonwertabstufungen schon ganz ok:

Erster Druckversuch - viele Fehler auf der Platte

Die Bläschen ergeben zwar eine interessante Struktur, dominieren jedoch die Zeichnung. Auch die spiralförmige Linie ist nicht klar abgegrenzt, so dass das ganze verschwommen wirkt. Also zunächst ein recht enttäuschendes Ergebnis.

Aber aufgeben wollte ich nicht – es wäre schade ums Material und die aufgewendete Zeit. Zunächst dachte ich daran, den Druck durch eine darüber ausgeführte  Tuschezeichnung zu verbessern, entschied mich dann aber, das überschüssige Kolophonium vorsichtig abzutragen und die Spirallinie nachzuätzen. Das sah dann schon wesentlich besser aus:

2. Druckreihe - monochrom

Hier sind die Linien klarer und die störenden Pünktchen verschwunden. Für die beiden äußeren Drucke verwendete ich Paynesgrau, ein bläuliches Dunkelgrau: links weniger Farbe weggewischt, so dass auch auf den glatten Flächen Tonwerte verbleiben, rechts viel Farbe ausgewischt, wodurch hauptsächlich die geätzten Linien hervortreten.

Die dünne Linie oben rechts gefiel mir immer noch nicht so ganz, ich beschloss daher, diese durch den Farbauftrag abzuschwächen bzw. ihr später durch eine Tuschelinie aus der Druckfläche heraus eine schlüssige Bedeutung zu geben.

Nun kann ich beginnen mit verschiedenen Druckfarben zu experimentieren. sehr gerne verwende ich lasierende Farben. Die gedruckten Flächen und Linien wirken dann besonders leicht und transparent, auch in der Mischung verhalten sich lasierende Farben besonders reizvoll:

Farbenspiele, links Siena gebr., rechts Kobaltblau

Links ein Druck in lasierendem Siena gebrannt, rechts in deckendem Kobaltblau, in der Mitte die Druckplatte.

Vor jedem Druckvorgang mit einer neuen Farbe sollte die Platte gewissenhaft gereinigt werden, damit die Farben klar und sauber gedruckt werden. Man kann aber auch bewußt Farben ineinander wischen und erhält so sehr interessante Mischtöne und Farbübergänge, hier mit Siena gebrannt und Paynesgrau:

"Schnecke" - 5 x 5cm - Radierung von Cordula Kerlikowski

"Schnecke" 5 x 5cm - Radierung von Cordula Kerlikowski

Diese beiden Varianten gefallen mir am besten. Durch die verwendete Farbmischung wirkt die Schnecke nun erdverbunden, etwas morbide, aber eben natürlich und die Rundungen der Form kommen hier wesentlich besser zur Geltung.

Ich fertigte noch verschiedene weitere Drucke an, auf denen ich in den nächsten Tagen weiter experimentieren werde. Dann kommt auch die Zeichenfeder zum Einsatz….

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6 Antworten to “Aller Anfang ist schwer – oder: Wie man immer noch etwas „drehen“ kann…”

  1. susannehaun Says:

    Gut, Cordula, da hast du viel gelernt…. ich finde es toll, dass du das Kolofonium abgetragen hast, es ist ja auch nur dafür da, die Platte vor der Säure zu schützen…..
    Bis Morgen Susanne


  2. Danke, Susanne – von DIR gelernt! Und morgen geht es weiter …
    Ich feu mich drauf!

  3. Dagi Says:

    Die letzten beiden Varianten gefallen mir auch am besten…..interessant zu lesen und irgendwann möchte ich das auch mal probieren…..Liebe Grüsse und komm gut ins neue Jahr..Dagmar


    • Danke, Dagmar, ich mag das Morbide an diesen Tönen… Probier das unbedingt mal aus, wenigstens die Kaltnadelradierung! Die Möglichkeiten sind schier unerschöpflich!
      Alles Liebe für einen guten Start ins Jahr 2012!

      LG
      Cordula


  4. […] versuchte ich einen monochromen Druck in Paynesgrau, der mir bei der Aqua Tinta “ Schneckenhaus“ so gut gefallen hatte. Diese Farbe habe ich für die „Eva“ sofort wieder verworfen […]


  5. […] ich in meinem Blog vom 27.12.11 bereits beschrieben habe, befasse ich mich gerade intensiv mit der Ätzradierung und Aquatinta. Die […]


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