Ein rosa Kater – oder die neue Annäherung an bekannte Schwierigkeiten

13. Januar 2012

Wie ich bereits in meinen vorangegangenen Blogs beschrieben habe, befasse ich mich zurzeit intensiv mit Drucktechniken – das begann mit Kaltnadelradierungen, setzte sich mit Aquatinta fort und nun geht es um neue Versuche im Mehrplattendruck.

Meine erster und bisher einziger Dreiplattendruck liegt einige Zeit zurück – genauer 2006. Ich war damals einerseits begeistert von den grafischen Möglichkeiten, andererseits fand ich schnell heraus, dass das eine Technik mit Tücken ist, die viel Konzentration, Durchhaltevermögen und abstraktes Denken erfordert.

Und so sah der Druck aus:

"Kater auf Brautschau" - von Cordula Kerlikowski

"Kater auf Brautschau" - von Cordula Kerlikowski, Dreiplattendruck, 10 x 12,5 cm

Ich arbeitete noch zwei andere Varianten aus: mit blauem Himmel und mit gelbem Himmel – alles etwas sureal, aber so sollte es sein. So konnte ich am besten ausprobieren, wie die verschieden gefärbten Platten miteinander korrespondieren.

Im Groben ist die Technik wie folgt zu verstehen: es werden drei Platten geätzt (siehe Ätzradierung), wobei die erste die Strichätzung enthält und diese durch einen Umdruck auf die beiden anderen Platten übertragen wird. Alle drei Platten erhalten nun unterschiedliche Aufträge auf Asphaltlack, so dass auf  jeder Platte andere Flächen geätzt werden. Wo die gleiche Fläche auf mehreren Platten geätzt wird, entstehen später Farbmischungen. Das sollte genügen – man muss es wahrscheinlich SEHEN um zu verstehen…

Für den Druck wird nun in jede Platte eine andere Farbe eingerieben. Der erste Druck beginnt meist mit der hellsten Farbe, dann folgt der mittlere Tonwert, danach der dunkelste, der meist auch die Konturen der Strichätzung beinhaltet. Wichtig ist es dabei, die nachfolgenden Platten genau in die Prägung des Druckpapiers vom ersten Druck zu plazieren, sonst gibt es unerwünschte Farbverschiebungen und Doppelränder.

Das Ergebnis sieht man dann eben erst nach dem dritten Druckvorgang. Kompliziert, oder?

Aber nun nicht so abschreckend, um es nicht mit dem Abstand der Jahre noch einmal zu versuchen. Ich wählte dafür einen Zweiplattendruck. Auch der erfordert schon einiges an Ausdauer. Der Ablauf ist der selbe wie oben beschrieben, nur eben auf zwei Platten beschränkt. Spannend sind dann die ersten Probedrucke:

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

Hier sind die Linien und Farbwerte ganz gut zu erkennen, jedoch „verschwindet“ der sanfte Bogen unten rechts fast völlig. Die Farbmischung Paynesgrau-Siena überzeugt mich nicht – das Bild wirkt kalt.

Also ein neuer Versuch, diesmal mit Kadmiumgelb und Krappkarmin:

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

Das gefällt mir schon besser, der eben angesprochene Bogen ist deutlicher und der Kontrast zwischen gelben und rötlichen Flächen ebenfalls. Nur im unteren Drittel ist der Druck mir zu rosa. Deshalb verwende ich nun statt des Krappkarmin ein deckendes Kardinalrot:

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

Jetzt wirkt das ganze wärmer, intensiver. In einem weiteren Versuch variiere ich den Farbauftrag der zweiten Platte etwas:

o.T. Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

o.T. Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

Die Entscheidung ist nun zunächst zugunsten warmer Farben gefallen, jedoch versuche ich noch einen weiteren Druck in Gelb und Siena:

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

Diese Kombination gefällt mir sehr gut. Die Tonwerte sind stimmig und der Goldton in den Bereichen, wo sich beide Farben überlappen gibt dem Motive Wärme und Leichtigkeit. Das liegt auch daran, dass Siena eine nur teildeckende Farbe ist und sich deshalb wie eine gefärbte, durchsichtige Folie über den Gelbton legt.

An diesen Probedrucken ist gut zu erkennen, dass man mit dem Mehrplattendruck intensivere Farbgebungen als bei der Aquatina bzw. der Kaltnadelradierung erzielen kann. Der Aufwand lohnt sich also…

Wie immer werde ich mir übers Wochenende Zeit lassen, bevor ich entscheide, ob ich zufrieden bin und mit dem numerierten Druck beginne… vielleicht bearbeite ich ja doch noch eine dritte Platte, z.B. um das große geschwungene Band in seiner Wirkung zu verändern.

Und wer sich den Arbeitsablauf einmal live anschauen will oder es selbst probieren möchte, ist jederzeit willkommen!

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4 Antworten to “Ein rosa Kater – oder die neue Annäherung an bekannte Schwierigkeiten”

  1. xandimusic Says:

    „.T. – Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm“ ist wirklich wunder, wunderschön!!
    Gruß
    xandi

  2. Adrian Says:

    Super Post, ich komme nun oefter


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