Goslar-Frankenberger Kirche – oder: Zeichnen als Meditation…

13. März 2012

Heute möchte ich eine Arbeit zeigen, die schon sehr lange zurückliegt, jedoch mein Fable für die Tuschezeichnung erklärt.

Ich fahre sehr oft und gern nach Goslar: früher zur Sommerakademie, seit 7 Jahren mit meinen MalschülerInnen. Gern bin ich auch privat dort, die alte Kaiserstadt bietet so viel zu sehen: mittelalterlicher Stadtkern, interessante Kirchen und Museen, u.a. das Mönchehaus-Museum. In der Stadt stehen Werke bekannter Künstler (auch von Kaiserring-Preisträgern) und der Kaiserring ist in der Kunstszene ein vielbeachteter Preis.

Ich mag dort vor allem die versteckten Winkel, die kleinen Gassen und die Details am alten Fachwerk. Die Frankenberger Kirche hat es mir dabei besonders angetan – ein schlichter Bau, rein äußerlich, im Inneren eine wunderschöne barocke Kanzel.

Hier haben wir oft gezeichnet:

Goslar-Frankenberger Kirche - Tuschezeichnung auf Karton, (c) by Cordula Kerlikowski

Goslar-Frankenberger Kirche - Tuschezeichnung auf A3 - Karton, (c) by Cordula Kerlikowski

Die Entstehung dieser Federzeichnung schon fast 17 Jahre zurückliegt. Eine der ersten Begegnungen mit einer Stadt, die mir inzwischen lieb und teuer geworden ist, Quelle der Inspiration, des Kraftschöpfens, von Begegnungen und Erfahrungen.

Ein kleines Detail an der Frankenberger Kirche, wenn man um die Apsis herumgeht, dicht neben einem Seiteneingang. Es ist wie Meditation, in der Stille dieses Ortes zu zeichnen – stundenlang – Blätter, Mauerstrukturen, Schieferschindeln zu erfassen, darzustellen – möglichst exakt zu sein und sich doch auf das Wesentliche zu konzentrieren. Sicherlich ist an dieser Arbeit nicht alles perfekt – es war eben der Stand meiner damaligen Möglichkeiten. Heute würde ich manches anders herausarbeiten, aber ich genieße es nach wie vor, gelegentlich in langer Kleinarbeit solche Momentaufnahmen zu zeichnen. Der Efeubewuchs existiert so schon nicht mehr und so sind diese Arbeiten auch schon fast Zeitzeugen des Wachsens und Vergehens…

Heute kann ich mir kaum noch vorstellen, Stunden und Tage an einem Platz zu sitzen und in dieser Weise so akribisch vor mich hin zu zeichnen, zumal ich diesen Platz inzwischen ganz anders zu Papier bringen würde… weniger Details, Konzentration auf das Wesentliche… Was jedoch geblieben ist: meine Liebe zur Tuschezeichnung…

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2 Antworten to “Goslar-Frankenberger Kirche – oder: Zeichnen als Meditation…”

  1. susannehaun Says:

    Ja, Cordula, die liebe zur Tuschezeichnung ist ja auch bei dir wie bei mir ein wesentliches Element deiner Arbeit…. Wirst du dieses Jahr in Goslar diese Ecke nochmals zeichnen?


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