„Lilie” – oder: die Symbolik in der Malerei, Teil 2…

18. Juni 2012

Kaum eine Pflanze wurde in der Geschichte der Malerei so oft abgebildet wie die Lilie:

"Lilie" - Farbstiftzeichnung auf Zeichenkarton, 20 x 30 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

„Lilie“ – Farbstiftzeichnung auf Zeichenkarton, 20 x 30 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

In der Kunst wird die Lilie als Symbol der Jungfräulichkeit verwendet. Sie verkörpert die Unschuld, die unbefleckte Empfängis Marias und die Reinheit. Meist sehen wir die Blüte in weiß, was die Aussage noch einmal verstärkt, denn wir kennen auch heute noch weiß als Farbe der Unschuld und Reinheit. Aus diesem Grunde trugen die Bräute bei ihrer Hochzeit ein weißes Kleid und einen Kranz aus weißen Orangenblüten. Heute hat sich da einiges verändert, aber wir kennen uns mit Symbolen ja auch kaum noch aus.

Auf Altarbildern und Gemälden, die Maria bei der Verkündigung oder mit dem Jesuskind darstellen, sehen wir die Lilie, neben anderen, am häufigsten. Die Botschaft war damals auch demjenigen verständlich, der nicht lesen und schreiben konnte:  hier sieht er die Jungfrau, die von einem Engel die Botschaft über ihre Schwangerschaft erfährt (Verkündigung) bzw. er wird darauf hingewiesen, dass die dargestellte Frau Gottes Sohn geboren hat und beide rein, unschuldig und Gott zugewandt sind…

Auch auf Portraitdarstellungen junger Mädchen kann man die Blume gelegentlich entdecken.

In der Stillebenmalerei ist die Lilie ebenfalls ein beliebtes Motiv. Wie ich bereits im Teil 1 zur Schwertlilie angeführt habe, ist bei diesen Bildern der Symbolgehalt stärker verschlüsselt bzw. nur bedingt gegeben.

Beispiele in der Kunst:

Hugo van der Goes: Portinari-Altar

Meister der Verkündigung von Ais: Verkündigung Mariens

Jan van Eyck: Verkündigung Mariens

Stefan Lochner: Madonna im Rosenhaag

Francesco di Giorgio: Krönung Mariens

Leonardo da Vinci: Verkündigung

Carlo Crivelli: Madonna mit der kleinen Kerze

Literaturquellen:

Rolf Toman (Hrsg.): “Die Kunst der italienischen Renaissance”,
Könemann, ISBN 3-8331-1040-6

Rolf Toman (Hrsg.): “Die Kunst der Gotik”,
Könemann, ISBN 3-8331-1038-4

Wikipedia

Die gezeigte Farbstiftzeichnung ist in meinem Buch

“Zeichnen Basics – Blumen und Blüten”
(OZ-Verlag)

erschienen.

Kleines P.S.:  Zur Abiturprüfung im Fach Kunst war es meine Aufgabe die Madonnenbilder im Laufe der Kunstgeschichte anhand der „Madonna im Rosenhaag“ von Lochner und der „Sixtinischen Madonna“ von Rafael zu vergleichen. Was für ein Fest für mich!

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3 Antworten to “„Lilie” – oder: die Symbolik in der Malerei, Teil 2…”


  1. Ich beschäftige mich seit langer Zeit mit Farben und von daher habe ich Deinen Abschnitt über das Weiß sehr interessiert gelesen – es war mir zwar nicht unbekannt, aber im Moment arbeite ich mich gerade in Blau, Gelb und Violett ein, von daher war es interessant, auch bezüglich Weiß noch einmal ein „Tutorial“ zu bekommen 🙂

    Was das Bild anbetrifft: die Farben sind nicht nur wunderschön, auch in dieser Kombination, sondern schaffen fast schon ein Wunder, nämlich intensiv und zart zugleich zu sein – das finde ich faszinierend!


    • Oh, ganzu lieben Dank, Thomas.. In Farben zu schwelgen ist schön, und Blau, Violett und Gelb sind ja im weitesten Sinne komplementär und somit kommt das Leuchten fast von alleine.
      Ich bin schonb sehr gespannt auf deine neuen Arbeiten.

      Viele Grüße nach Hamburg!!


  2. Ich beschäftige mich seit längerer Zeit mit Farben und von daher habe ich Deinen Abschnitt über das Weiß sehr interessiert gelesen – es war mir zwar nicht unbekannt, aber im Moment arbeite ich mich gerade intensiv in Blau, Gelb und Violett ein, von daher war es interessant, auch bezüglich Weiß noch einmal ein “Tutorial” zu bekommen

    Was das Bild anbetrifft: die Farben sind nicht nur wunderschön – auch in dieser Kombination – sondern schaffen fast schon ein Wunder, nämlich intensiv und zart zugleich zu sein – das finde ich faszinierend!

    (das andere Posting bitte löschen 🙂 )


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