Aquarellpapiere – oder: Bütten vs. Aquarellkarton…

27. Juni 2012

Ich werde häufig gefragt, warum Büttenpapiere so teuer sind bzw. was den Unterschied zum Aquarellkarton, auch Akademiepapiere genannt, ausmacht.

Nun, zum einen sind die Herstellungsverfahren unterschiedlich. In meinem Beitrag über den Besuch bei der Firma Hahnemühle habe ich dazu schon einiges gesagt, hier noch einmal eine Zusammenfassung:

Büttenpapiere werden auf einem sog. Rundsieb hergestellt:

Die Rundsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Die Rundsiebmaschine bei der Hahnemühle FineArt GmbH, Foto von Susanne Haun

In der Bütte dreht sich eine Siebrolle langsam durch den Papierbrei und die kleinen Partikel legen sich kreuz und quer auf das Sieb. Das Wasser tropft ab und der nasse Bogen wird über ein Rollen- und Walzensystem vom Rundsieb abgenommen und gepresst und getrocknet.

Da der Prozess aufwändig ist, werden hier vergleichsweise geringe Papiermengen produziert. Allerdings entstehen so auch  das Wasserzeichen und durch das Ablaufen des Wassers der typische Büttenrand. An den im Einzelhandel zu kaufenden Einzelbögen ist das sehr gut zu sehen. Kauft man die Büttenpapiere als Block, sind sie natürlich abgeschnitten.

Büttenpapiere gibt es in vielen verschiedenen Gewichten/m², Grammaturen und Größen. Sie zeichnen sich in jedem Falle durch ein hervorragendes Fließverhalten der Aquarellfarben aus. Durch die völlig diffuse Ausrichtung des Papierbreies auf dem Rundsieb haben die Büttenpapiere keine bevorzugte Fließrichtung und die Aquarellfarbe fließt gleichmäßig in alle Richtungen:

Fließverhalten von Aquarellfarbe auf Büttenpapier, (c) Cordula Kerlikowski

Fließverhalten von Aquarellfarbe auf Büttenpapier, (c) Cordula Kerlikowski

Ein Tropfen Aquarellfarbe, senkrecht auf das Büttenpapier aufgebracht, verteilt sich fast kreisrund auf der Fläche.

Aquarellkarton entsteht auf der Langsiebmaschine:

Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Hahnemühle FineArt GmbH, Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Hier wird der Papierbrei gleichmäßig und schnell aufgebracht. Dadurch kann der Prozess fortlaufend schneller vonstatten gehen und die Papierpartikel legen sich bevorzugt in der Laufrichtung des Bandes und der Spritzdüsen auf das Band. Der weitere Press- und Trocknungsverlauf unterscheidet sich dann nicht von dem der Büttenherstellung, jedoch entsteht in der gleichen Zeit so das Mehrfache an Aquarellpapier. Einen Büttenrand gibt es also logischerweise auch nicht.

Alles zusammen erklärt nun auch den Preisunterschied zwischen beiden Papierarten, oder?

Hier ist die leicht längliche Ausrichtung des Farbtropfens gut zu erkennen:

Ausrichtung der Aquarellfarbe auf Aquarellkarton, (c) Cordula Kerlikowski

Ausrichtung der Aquarellfarbe auf Aquarellkarton, (c) Cordula Kerlikowski

Eine ausschließliche Orientierung auf das eine oder andere Papier ist nicht zwingend. Zwischen den verschiedenen Sorten gibt es eine unglaubliche Bandbreite an Möglichkeiten. Man muss es halt ausprobieren. Jeder Aquarellist wird andere Lieblingspapiere haben. Im Handel kann man Probeblöcke mit einer Auswahl an gängigen Papieren erwerben. Fragen Sie beim Händler auch ruhig einmal nach Probeblättern!

Noch ein Hinweis: auch wenn das Fließverhalten leicht unterschiedlich ist, wird sich das bei der Aquarellmalerei nur selten negativ bemerkbar machen, es sei denn, Sie wollen wirklich kreisrunde Objekte nass in nass ausarbeiten. Letzten Endes entscheidet immer das handwerkliche Können des Künstlers/der Künstlerin.

Hier zwei Bildbeispiele:

Das fertige Bild (c) von Cordula Kerlikowski

Hahnemühle Aquarell Bütten 300g/m²,  (c) von Cordula Kerlikowski

"Tränendes Herz" - ca.20 x 20 cm, Tuschezeichnung auf Aquarellpapier, (c) Cordula Kerlikowski

Hahnemühle Aquarell Anniversary Edition, 425g/m², (c) Cordula Kerlikowski

Diese  beiden Papiere gehören zu meinen Lieblingen, die ich sehr häufig verwende. Sie entsprechen meiner Malweise am meisten. Ich benutze jedoch auch etliche andere Sorten – es kommt immer auf den Zweck an…

Also – probieren sie sich und die Papiere aus! Viel Spaß dabei!

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