Keilrahmen selber machen – oder: geht das einfach ???

4. Juni 2014

KEILRAHMEN SELBST HERSTELLEN

Sicherlich fragt ihr euch, warum man sich Keilrahmen selber machen sollte. Stimmt! Auf den ersten Blick. Jedoch sprechen inzwischen einige Gründe dafür:

1. Es ist nahezu jedes Format möglich, im Gegensatz zu handelsüblichen Formaten.

2. Man kann die Art der Keilrahmen – Bespannung selbst bestimmen, je nach gewünschtem Oberflächeneffekt (Baumwolle, grobe Leinwand, Sackleinen etc). Es gibt im Handel ganze Rollen in verschiedenen Qualitäten, aber auch Teilrollen oder kleinere Abschnitte, so dass jeder nach seinem Bedarf etwas passendes finden sollte. Grundierte Maltuche ersparen das aufwändige eigene Leimen und Grundieren.

3. Im Handel bekommt man sehr hochwertige, vorgefertigte Leisten, die eine ausgezeichnete Stabilität besitzen und den Stoff gut halten. So entsteht in eigener Herstellung ein Keilrahmen höchster Qualität, für die man im Handel schon richtig Geld bezahlen muss.

4. Somit folgt aus (3.), dass man Geld sparen kann – echt nicht zu verachten.

5. Der Aufwand an Werkzeugen ist gering. Die meisten sind ohnehin in einem Durchschnittshaushalt vorhanden.

WAS BRAUCHEN WIR FÜR EIGENE KEILRAHMEN?

– 2 x 2 Keilrahmenleisten
je nach gewünschter Größe (z.B. 2 Leisten á 60 cm und zwei Leisten á 100 cm), bei Formaten ab 50 x 60 cm sollte auch noch ein Mittelstück verwendet werden.

– 1 Stück Maltuch
ca. rundherum etwa 10 cm größer als das gewünschte Format (bei einer Leistenhöhe von 2 cm).

– Werkzeuge
Hammer, besser noch Holzhammer, Metallwinkel, Schere, Bleistift, Tacker, breiter Pinsel

Das Material

Das Material

WIE WERDEN KEILRAHMEN GEMACHT?

Legt euch zunächst das Material zurecht, am besten auf einer Decke auf einen festen Untergrund, und dann die Holzleisten mit Nut und Feder locker zusammenstecken. bei größeren Formaten nicht das Mittelstück vergessen. Nach und nach die Leisten fester zusammen bringen, bis die Lücke zwischen den Leisten geschlossen ist. Ggf. vorsichtig einen Hammer verwenden und die Rechtwinkligkeit  immer mal wieder mit dem Metallwinkel überprüfen:

Nut und Feder zusammenstecken

Nut und Feder zusammenstecken

fertig zusammen gesteckter Keilrahmen

fertig zusammen gesteckter Keilrahmen

Danach legt ihr den Rahmen mit dem gewölbten Rand nach unten auf die Rückseite der grob zugeschnittenen Leinwand. Das Ganze so ausrichten, dass der Keilrahmen mittig aufliegt. Wenn ihr euch bei den ersten Malen noch nicht sicher seid, könnt ihr euch mit einem Bleistift Markierungen setzen. Wichtig ist eine Markierung der Mitten der jeweiligen Leisten.

Jetzt folgt der nächste Schritt:  Legt an der längeren Seite des Keilrahmens den Stoff straff über die Leiste und tackert ihn mit einer ersten Krampe  in Höhe der Markierung fest. Dann auf der gegenüberliegenden Seite ebenso verfahren. Weiter auf den Mitten der Schmalseiten eine erste Tackerung setzen. Von der Mitte ausgehend  zu  den Seiten weiter tackern, dabei die Leinwand straff, aber nicht mit Gewalt über die Kanten auf die Leisten ziehen. Nach meiner Erfahrung geht das auch gut ohne Tuchzange. Das Ergebnis sollte so aussehen:

Das Maltuch ist auf den Leisten fixiert

Das Maltuch ist auf den Leisten fixiert

So sehen die Ecken aus

So sehen die Ecken aus

 

Sicherlich kommt jetzt das Schwierigste – das Umlegen der Ecken zu einem schönen, sauberen Rand. Dazu zunächst einen glatten, diagonalen Falz bilden (in einer Linie zu der darunter liegenden Fuge von Nut und Feder) und dann zu einer Seite der Leiste umschlagen:

 

Diagonaler Falz in Fiugenrichtung

Diagonaler Falz in Fugenrichtung

Umgeschlagene Ecke

Umgeschlagene Ecke

Nun nur noch das übrige Stoffstück sauber auf die Kante legen und dort festtackern. Aufpassen, das Ihr nicht die Fuge zutackert! Diese Fuge ist nötig, damit der Keilrahmen “arbeiten” und Spannungsunterschiede ausgleichen kann!!!

Kleiner Tipp: überlegt euch vorher, ob das geplante Bild im Hoch- oder im Querformat hängen soll. Dann könnt ihr die Ecken so umschlagen, dass an den sichtbaren Seiten des Keilrahmens (links und rechts) keine Falze zu sehen sind.  Vergesst nicht, dass die Ecken einer Seite (oben und unten) in die  gleiche Richtung  umgeschlagen sein müssen – sonst sieht es komisch aus.. Das ist mir auch schon passiert. Wenn es dazu kommt – kein Problem, man kann die Krampen  entfernen und die Ecke neu ausrichten.

Wenn alles geklappt hat, sollte der fertige Keilrahmen  so aussehen:

 

Rückseite

Rückseite

Vorderseite

Vorderseite

Mittlerweile kann sich das Ergebnis schon ganz gut sehen lassen, finde ich. Jetzt stellt sich noch die Kardinalfrage nach den kleinen Holzkeilen, die man immer sieht und die bei den “Keilrahmen von der Stange” in kleinen Tüten mit dabei sind.

TIPP AM RANDE – HOLZKEILE ODER “WASSERKUR” ???

Nach meiner Erfahrung sind die Holzkeile meist nicht notwendig. Die Keile werden, je zwei gegenüber in die kleinen ausgefrästen Schlitze in den Ecken der Leistenverbindung gesteckt und bei Bedarf mit einem kleinen Hammer tiefer in die Schlitze geklopft. Dadurch werden die Leisten an ihrer Steckverbindung auseinandergetrieben und der Stoff spannt sich.

Diese Methode ist recht rabiat und bei dünnen Maltüchern besteht die Gefahr, dass der Stoff reißt.

Ich bevorzuge den Einsatz von Wasser. Dazu verwende ich einen breiten Flachpinsel, mit dem ich die Rückseite der Leinwand großzügig und recht nass einpinsele. Auch unter die Leisten und in die Ecken muss Wasser gelangen können. Alternativ kann das Ganze auch mit einem Wassersprüher gemacht werden- Hauptsache, die Leinwand ist gut durchtränkt. Danach den Keilrahmen waagerecht trocknen lassen, ggf. die Ecken beschweren, damit sich nichts verziehen kann.

 

Wässern der Leinwand-Rückseite

Wässern der Leinwand-Rückseite

Wässern der Leinwand-Rückseite

Wässern der Leinwand-Rückseite

Nach dem Trocknen ist der Keilrahmen glatt und gut gespannt. Diesen Vorgang kann man übrigens auch an fertigen Bildern wiederholen, falls sie sich während des Hängens verzogen haben.

Auch das Umspannen verzogener Bilder auf neue Keilrahmen oder das Neubespannen alter Keilrahmen ist auf diese Weise möglich – ihr seht also, es hat schon Vorteile, das selbst mal auszuprobieren.

Versucht es einfach mal an einem kleinen Format oder einem ausrangierten alten Keilrahmen.

Viel Spaß!

P.S.: Eine Malschülerin hat einen alten Keilrahmen mit  reliefartig strukturierten Kleiderstoff bespannt. Natürlich musste sie dessen Oberfläche noch mit Acrylbinder wasserfest machen und danach mehrfach mit Gesso grundieren. Aber die erhabenen Blumenranken der Stofftstruktur boten einen ganz interessanten Untergrund für ein Acrylbild…..

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2 Antworten to “Keilrahmen selber machen – oder: geht das einfach ???”

  1. WoDuWo Says:

    Super, herzlichen Dank für den Beitrag und die tollen Tips zum selbermachen!
    Liebe Grüße
    Franz


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