Botanisch malen lernen – oder: Schritt für Schritt und mit Geduld zum optimalen Ergebnis…

6. November 2014


"Walnusszweig II" - 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnusszweig II“ – 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

Ich werde oft gefragt, wie es möglich ist, so akkurat Pflanzen, Früchte oder Strukturen aufs Papier zu bringen, und ob es möglich ist, das zu erlernen.

Ja, man kann es lernen. Sicherlich gehören lange Erfahrung, zeichnerisches Handwerk und der geschulte Blick unbedingt dazu, um die Natur (fast) perfekt abzubilden – aber: ohne ständige Übung und das aufmerksame Beobachten der Natur und kleinster Details im täglichen Leben kann auch das größte Talent u.U. nicht zu solchen Ergebnissen gelangen. Anders herum: Malanfänger oder ein Neueinsteiger können durch Fleiß und regelmäßiges Üben recht schnell schöne Ergebnisse erzielen. Das sehe ich regelmäßig in meinen Kursen zur Botanischen Aquarellmalerei.

Zunächst gilt: keine Überforderung! Natürlich ist es schön, gleich eine Rose oder Hortensie so naturgetreu zu malen. Hat man sich jedoch noch nie bzw. kaum mit dem Zeichnen oder Malen von Blumen beschäftigt, ist hier die erste Möglichkeit des Scheiterns fast vorprogrammiert. Je komplizierter der Aufbau der Blüte/ der Frucht, desto schwieriger ist es auch, die Formen aufzunehmen und in eine Zeichnung/ ein Aquarell umzusetzen. Also – mit einfachen Blumen beginnen: Schneeglöckchen, Tulpen, Magnolien, Krokusse etc. sind hervorragend geeignet, erfolgreich erste Schritte in Richtung Botanische Studien zu gehen. Mit zunehmenden Fertigkeiten darf es dann auch schwieriger werden.

Weiter sind zeichnerische Fähigkeiten unabdingbar. Tägliche kleine Übungen, Kritzelschraffuren, Skizzen helfen, die Feinmotorik zu schulen und die Verbindung Auge-Hand zu verbessern. Es ist völlig ausreichend, bei einer Kaffeepause die Tasse oder den Löffel zu zeichnen, ein kleines buntes Blatt anzuschauen und das Wesentliche zu erfassen oder einfach nur in die Gegend zu schauen und Motive auf Farben, Formen, Strukturen und Besonderheiten zu analysieren. Das hilft ungemein! 20 Minuten täglich genügen schon. Fehlende Zeit ist also keine Ausrede mehr.

"Ginkgo-Blätter", Bleistiftzeichnung auf Skizzenpapier, (c) Cordula Kerlikowski

„Ginkgo-Blätter“, Bleistiftzeichnung, (c) C. Kerlikowski

"Vogelfänger" 9 x 10cm auf 20 x 30cm, Bleistiftzeichnung von (c) Cordula Kerlikowski

„Vogelfänger“ 9 x 10cm auf 20 x 30cm, Bleistiftzeichnung von (c) Cordula Kerlikowski

Ginkgo-Blätter sind recht einfach strukturiert und der „Vogelfänger“ zeigt, wie aus willkürlich gezogenen Linien Flächen entstehen, die durch ihre unterschiedlichen Grauabstufungen plötzlich Figuren entwickeln. Letzteres kann auch gut mit Farbstiften oder Aquarellfarben ausgeführt werden.

Damit sind die besten Voraussetzungen gegeben, sich an die ersten Blütenmotive zu wagen. Tulpen eignen sich sehr gut. Sie sind farbenfroh, es gibt schlichte Formen und man kann sich Schritt für Schritt an schwierigere Varianten wagen. Hier ein Beispiel von KursteilnehmerInnen:

Ergebnisse der 3. Kurseinheit

Ergebnisse nach 3 Kursabenden

Nach solchen Übungen sollten gute Vorzeichnungen für das erste botanische Aquarell möglich sein. Dabei sind klare, dünne Linien wichtig. Bitte nicht „stricheln“, sondern möglichst in einem Zug die wichtigsten Konturen abbilden. Nicht zu stark aufdrücken! Ob mit dem Bleistift oder Aquarellstiften, bleibt jedem selbst überlassen. Ich bevorzuge Bleistift. Den kann man ggf. besser radieren.

Granatapfel - Bleistiftstudie (c) C.Kerlikowski

Granatapfel – Bleistiftstudie (c) C.Kerlikowski

Nun geht es an die Farbe. Gute Aquarellfarben sind wichtig. Es gibt im Fachhandel verschiedene Hersteller, die ich empfehlen kann: Schmincke, Windsor & Newton, Sennelier. Besonders für die Lasurarbeit ist eine gute Qualität wichtig. Und das gewährleisten Marken-Hersteller.

Pinsel sind genauso wichtig. Hier kann man preisgünstige Mischhaarpinsel oder Rotmarder-Qualitäten wählen. Ich arbeite am Liebsten mit Rotmarder Stärke 8 (bei größeren Formaten auch Stärke 12) und 2 für feinste Details. Die Spitze des 8er Pinsels ist aber so fein, dass ich mit diesem die Aquarelle oft durchmale ohne auf den kleinen, feinen zu wechseln. Mischhaarpinsel gewährleisten durch Naturhaare eine gute Wasseraufnahme und durch Synthetikhaare guten Stand. Mehr ist nicht nötig.

Das richtige Papier hat großen Einfluss auf schöne Arbeiten. Ich nutze meist Papiere ab einer Grammatik von 300 g/qm – Aquarellkarton oder Bütten. Die Formate bleiben meist bei 24 x 32 cm oder 24 x 24 cm, selten größer. Hier muss man für sich ausprobieren, welches Papier einem am besten liegt. Es gibt keine universelle Empfehlung, denn die Wahl des Malgrundes hängt entscheidend von der Malweise ab: stark saugendes Papier erfordert eine schnelle Malweise, bei anderen Papieren ist langsameres Arbeiten möglich, aber die Fließeigenschaften sind anders. Also: ausprobieren!

Botanische Aquarellstudien erfordern Geduld. Schritt für Schritt entwickeln sich die Strukturen über feinste Lasuren. Die einzelnen Schichten müssen gut durchtrocknen, bevor es weiter gehen kann.

Zur Zeit arbeite ich an Kürbissen – sie sind gute Motive, einfach in ihrer Form und in vielen Farben zu finden:

"Neue Ernte" - Schritt 1, (c) C.Kerlikowski

„Neue Ernte“ – Zwischenschritt, (c) C.Kerlikowski

"Zwei Kürbisse" - Ergebnis (c) C.Kerlikowski

„Neue Ernte“- Endergebnis, 24 x 32 cm (c) C.Kerlikowski

"Zwei Kürbisse II", 24 x 32 cm - (c) Cordula Kerlikowski

„Zwei Kürbisse II“, 24 x 32 cm – (c) Cordula Kerlikowski

"Kürbisse-III"-Zwischenschritt, (c) C.Kerlikowski

„Kürbisse-III“-Zwischenschritt, (c) C.Kerlikowski

"Kürbisse-III"-Endergebnis, (c) C.Kerlikowski

Endergebnis, (c) C.Kerlikowski

Nach ganz viel Übung sind dann auch solche Studien möglich:

"Grüne und gelbe Bohnen" Aquarell, 25 x 25 cm, (c) Cordula kerlikowski

„Grüne und gelbe Bohnen“, 25 x 25 cm, (c) Cordula Kerlikowski

"Französische Tulpen", Aquarell auf Hahnemühle Bütten 300 g/m² (rau), 34 x 34cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Französische Tulpen“, 34 x 34cm, (c) Cordula Kerlikowski

"Papageientulpe I", Aquarell auf Bütten, 300g/m², rau, (c) Cordula Kerlikowski

„Papageientulpe I“, Aquarell auf Bütten,, rau, (c) Cordula Kerlikowski

"Tulpe gelb-rot", Aquarell auf Hahnemühle Bütten 300g/m², rau, (c) Cordula Kerlikowski

„Tulpe gelb-rot“, Aquarell auf Bütten 300g/m², rau, (c) Cordula Kerlikowski

"Kastanien" - Aquarell auf Bütten, 25 x 25cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Kastanien“ – Aquarell auf Bütten, 25 x 25cm, (c) Cordula Kerlikowski

Kleines P.S.: Ich arbeite grundsätzlich nach realen Objekten, nicht  nach Fotos. So kann ich die Details überprüfen, wenn es nötig wird. Auf Fotos ist das kaum noch im Nachgang möglich.

Das erzwingt zwar das Arbeiten mir der Saison, aber auch im Winter ist einiges zu finden: lagerfähige Kürbisse, Kiefernzapfen, Zweige, Hamamelis…

 

 

 

Advertisements

6 Antworten to “Botanisch malen lernen – oder: Schritt für Schritt und mit Geduld zum optimalen Ergebnis…”

  1. Xandi Says:

    Wie immer – wunderschön! 🙂

  2. Sigrid Says:

    Das ist ja unglaublich schön!

  3. Hannes Says:

    Wunderschöne Bilder und tolle Tipps.
    Gerade für Anfänger sehr interessant.
    Danke 🙂


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: