Kürbisse malen – oder: Viel Lust auf Farbe…!

30. September 2015


Es ist endlich wieder so weit! Kürbiszeit! Neben den Tulpen sind Kürbisse meine liebsten Motive im botanischen Aquarell. Sie bieten eine schier unendliche Formenvielfalt und die leuchtenden Farben vom hellsten Gelb (Baby Boo, Flat White Boer) bis zu Schwarzgrün (Eichelkürbis, Acorn Squash) faszinieren mich immer wieder.

Kürbishof Heinemann Foto (c) C.Kerlikowski

Kürbishof Heinemann in Berklingen Foto (c) C.Kerlikowski

„Kürbisberg“ in der Späth’schen Baumschule, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Kürbisse einfach malen!

Die Modelle

Kürbisse kann man im Herbst fast überall kaufen – ob im Blumengeschäft, im Baumarkt, auf Wochenmärkten oder direkt vom Bauern.  Während Tulpen nach absehbarer Zeit verwelken, lassen sich Kürbisse gut lagern. Wer mag, kann sie nach dem Malen in der Küche zu leckeren Speisen verarbeiten oder sie, einfach als Dekoration oder für weitere Bilder, stehen lassen.

Sollen sie später noch gegessen werden, ist Qualität wichtig und die Kürbisse sollten beim Bauern oder einem guten Lebensmittelgeschäft gekauft werden.

Ich kaufe meine Exemplare immer direkt auf dem Kürbishof von Christine Heinemann in Berklingen – Niedersachsen. Hier gibt es eine riesige Auswahl an großen und kleinen Kürbissen und immer neue Sorten, Tipps zur Lagerung und zur Zubereitung inklusive. Berklingen liegt auf dem Weg nach Goslar. Also muss ich nicht einmal einen Umweg fahren, wenn ich von meinem Herbstkurs im Zeppelinhaus zurückkomme.

Die Qual der Kürbiswahl

In diesem Jahr fiel meine Wahl auf die Sorten Siam, Türkenhut (=Bischofsmütze), Acorn Squash, Queensland, Bicolor Spoon und Barbara (Butternut). Also alles dabei vom Winzling bis zum großen Speisekürbis. Wichtig ist es mir immer, dass die Kürbisse sich lange lagern lassen. Deshalb ist, wie schon erwähnt, Qualität unabdingbar. Die Exemplare sollten trocken und ohne frische Beschädigungen sein. Es gibt Sorten, die für den schnelleren Gebrauch gezüchtet werden und innerhalb von 3 Monaten verwendet werden sollten, andere können bis zu einem Jahr (!!) aufbewahrt werden.

Ansonsten empfehle ich zum Malen und Zeichnen eine schöne Auswahl von einfachen und komplizierteren Formen – je nach Vorkenntnissen und dem Willen sich durch schwierigere Objekte durchkämpfen zu wollen.

Erste Schritte

Da Kürbisse sich eben wunderbar lange halten und mit der Zeit auch ihre Farbigkeit verändern, ist viel Zeit sich diesen Objekten entspannt und ohne  Zeitdruck zu widmen. Wer sich noch unsicher im Zeichnen der Konturen ist, kann sich zunächst mit Zeichnungen und Skizzen dem Thema nähern. Auch eine Zeichnung mit Feder und Tusche oder Liner kann faszinierend sein:

"Kürbis" schnelle Skizze, Bleistift und Liner, (c) Cordula Kerlikowski

„Kürbis“ schnelle Skizze, Bleistift und Liner, (c) Cordula Kerlikowski

"Kürbis-zeichnen", Schreibtinte auf Aquarellpapier (425g/m²), (c) by Cordula Kerlikowski

Schreibtinte auf Aquarellpapier, (c) by C.Kerlikowski

Zunehmend werden Sie sicherer in ihren Fertigkeiten und dann geht es endlich los mit Farbe und Pinsel!

Kürbisse als botanische Studie

Wie immer konnte ich es kaum erwarten sie zu malen. Auf dem Traditionsfest der Späth’schen Baumschule im September startete ich mit den ersten Aquarellen in die neue „Saison“:

Mini-Kürbisse Foto+Aquarell (c) C.Kerlikowski

Mini-Kürbisse (c) C.Kerlikowski

Bischofsmütze Foto+Aquarell (c) C.Kerlikowski

Bischofsmütze Foto+Aquarell (c) C.Kerlikowski

Kleine, wenig strukturierte Kürbisse eignen sich gut, um sich ins Thema „einzumalen“. Es ist nicht wichtig jeden Farbpunkt auf dem Kürbis 1:1 auf das Bild zu übertragen. Man wird nie zwei völlig identische Früchte finden. Und auch wenn die Form etwas länger oder gestauchter ist als im Original – das darf man als Anfänger gerne etwas locker nehmen, solange die Form nicht völlig abweicht und eigentlich zu einer anderen Sorte zu gehören scheint.

Die kleinen Früchtchen sind dann auch schnell gemalt. Ich unterteile mein Blatt in zwei gleich große Flächen und kann dann im Wechsel an den Bildern arbeiten. Wenn die Kürbisse nicht zu groß sind, male ich sie ungefähr in Originalgröße:

"Mini-Kürbis I" Aquarell (c) C.Kerlikowski

„Mini-Kürbis I“ Aquarell 9x9cm ,(c) C.Kerlikowski

"Mini-Kürbis II" Aquarell (c) C.Kerlikowski

„Mini-Kürbis II“ Aquarell 9x9cm, (c) C.Kerlikowski

Bischofsmützen sind schon etwas aufwändiger zu malen. Es braucht viel Zeit, sich auf die Details zu konzentrieren und es ist gut, diese Kürbissorte in Etappen zu malen. Fehler sind sonst vorprogrammiert, da das Auge ermüdet und die Farben nicht mehr korrekt wahrnehmen kann.

So kann ich hier von meinem Bild vorerst nur einen Zwischenschritt präsentieren:

"Bischofsmütze" - Zwischenschritt (c) C.Kerlikowski

„Bischofsmütze“ – Zwischenschritt (c) C.Kerlikowski

Auch wenn er schon ziemlich fertig aussieht, fehlen doch noch etliche Schritte bis zu einem Ergebnis, das mich zufrieden stellt.

Es werden noch viele Kürbisaquarelle folgen. Die Saison hat ja gerade erst begonnen.

Keine Zeit zum Malen?

Ein paar Tipps

Ich höre immer wieder, dass man ja gerne malen würde, die Zeit aber gerade ungünstig ist oder man einfach mit anderem zu viel zu tun hat. Das mag sein, aber gerade Kürbisse bieten sich an, um Schritt für Schritt ausgearbeitet zu werden. Man kann also seine Arbeit durchaus unterbrechen oder sogar planen:

  1. Beginnen Sie mit einigen Skizzen. Dafür brauchen Sie weniger Zeit als Sie denken – sicher machen Sie auch zu Hause gelegentlich eine Kaffeepause. Das wäre z.B. die ideale Möglichkeit, nebenbei etwas herumzukritzeln oder ein, zwei Skizzen anzufertigen. Das entspannt und Sie haben den ersten Schritt schon getan. Aus dieser positiven Erfahrung heraus können Sie bei einer späteren Gelegenheit eine Vorzeichnung aufs Aquarellpapier bringen.
  2. Legen Sie den Kürbis, den Sie malen wollen, an eine für Sie gut sichtbare Stelle – vielleicht auf die Arbeitsplatte oder auf das Fensterbrett in der Küche. Hier können sie ihn sich immer wieder anschauen, die Formen erkunden, z.B. beim Geschirr spülen oder bei der Beaufsichtigung ihrer Töpfe beim Essen kochen. Überlegen Sie sich, welche Farben Sie für Ihr Bild brauchen und in welchen Mischungen Sie die besten Effekte erzielen.
  3. Abends beim Fernsehen können Sie Ihre Farb- und Mischideen überprüfen. Nehmen Sie Ihren Aquarellkasten und fertigen Sie Probemischungen auf einem Aquarellblatt an. Notieren Sie die verwendeten Farben. Und schauen Sie danach entspannt den Film zu Ende.
  4. Wochenende! Sie haben durch die Übungen schon Sicherheit bekommen. Nun nehmen Sie Ihre Vorzeichnung, den Kürbis, Ihre Farben und das Blatt mit den Probemischungen. Suchen Sie die hellste Farbe auf dem Kürbis und grundieren Sie die gesamte Fläche in dieser hellen Farbe. Achtung: hat der Kürbis orange UND grüne Flächen, unterlegen Sie die orangen Flächen NICHT mit dem hellen Grün, sondern sparen diese aus.
  5. Trocknen lassen! Pause! Jetzt können Sie Ihre wichtige Hausarbeit erledigen, einkaufen gehen, Essen kochen oder einfach nur einen Kaffee oder Tee trinken.
  6. Arbeiten Sie die folgenden Farbabstufungen ebenso. Flächen, die ihre endgültige Farbe schon haben, lassen Sie aus. Auch hier müssen Sie die Flächen immer wieder gut trocknen lassen. Wenn nötig, können Sie die Arbeit nun unterbrechen und an einem anderen Tag fortführen.
  7. Zum Schluss die Details. Auch hierfür in Etappen vorgehen. Man kann sich schnell verzetteln.
  8. Die fertige Arbeit an einem der folgenden Tage noch einmal überprüfen, vielleicht letzte Details ausarbeiten – fertig!
Jarrahdale-Kürbis, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Jarrahdale-Kürbis, Foto (c) Cordula Kerlikowski

"Kürbisse" - erste Farbflächen anlegen, (c) Cordula Kerlikowski

„Kürbisse“ – erste Farbflächen anlegen,

Stolperfallen

Ein Arbeiten in Etappen hat einige „Stolperfallen“, die Sie aber leicht umgehen können:

Achten Sie beim Ausarbeiten der ersten Schritte auf Licht und Schatten und bleiben Sie dann konsequent bei dieser Festlegung, auch wenn sich die Lichtverhältnisse an den Folgetagen anders darstellen sollten.

Unterbrechen Sie Ihre Arbeit gezielt, wenn Sie einen Arbeitsgang über das ganze Bild beendet haben. Es ist schwierig ein paar Tage später denselben Farbton wieder genau zu treffen und anzumischen. Also  malen Sie die Flächen gleicher Farbe zu Ende und unterbrechen erst dann.

Überfordern Sie sich nicht. Manchmal will man unbedingt zum Ende kommen und das Bild fertig stellen. Das kann fatal sein, wenn Auge und Hand schon ermüdet sind. Meist hat man dann länger an den Korrekturen zu arbeiten bzw. verdirbt das bisher gut gelungene Bild. Bleiben Sie geduldig und machen zu einem späteren Zeitpunkt ausgeruht und mit neuer Energie weiter.

In diesem Sinne: viel Spaß beim Malen von Kürbissen!

"Jarrahdale-Kürbisse" - 40 x 40cm, Aquarell, (c) Cordula Kerlikowski

„Jarrahdale-Kürbisse“ – 40 x 40cm, Aquarell, (c) Cordula Kerlikowski

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4 Antworten to “Kürbisse malen – oder: Viel Lust auf Farbe…!”


  1. Danke für die wirklich hilfreichen und Lust machenden Tipps zum Malen und zur Einteilung!
    Da bekomme ich wirklich zuckende Finger, die nach Stift oder Pinsel greifen möchten, Cordula. ^^
    Sehr schöne Kürbismotive und -ergebnisse!

    Liebe Grüße
    Michèle


    • Vielen Dank, liebe Michèle! Ja, mach das mal – es macht sooo viel Spaß und es gibt so tolle Motive. Und vielleicht erzählst du uns dann von DEINEN Erfahrungen mit dem bunten Gemüse 😉

      Viele Grüße
      Cordula

  2. Timo Says:

    Tolle kleine Anleitung und gute Tipps. Da bekommt man direkt Lust zu malen! Ich finde es auch immer sehr schwer sich aufzuraffen, obwohl ich eigentlich sehr gerne male. Bei deinen Bildern gefällt mit besonders das von dem halben Kürbis. Sehr cool gemalt!


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