In dem Maße, wie die Menschen ihre  Weihnachtsvorbereitungen beschleunigen, wird es bei mir im Atelier ruhiger: die meisten meiner Malschülerinnen haben sich für den Rest des Jahres bereits in den Urlaub verabschiedet, die Aufträge sind erledigt und in dem Gebäude, in dem ich mein Atelier habe, ist auch weniger Betrieb.

Und so ist Zeit – zum Aufräumen und Sortieren, aber auch für entspannte kleinere Arbeiten, so ohne Zeitdruck, Termine oder Störungen von außen. Ich mag diese stillen Tage. Meist entstehen in dieser Zeit ganz besondere Werke, z.B. 2005:

"Fräulein Henriette" - Mischtechnik auf Künstlerpapier, 20 x 28 cm - von Cordula Kerlikowski

"Sir Winston mit Zylinder" - Mischtechnik auf Künstlerpapier, 20 x 28 cm - von Cordula Kerlikowski

Genauer waren das zunächst entspannte, ziellose Spachtelspuren auf zwei Blättern, danach kam die verträumte Suche nach Strukturen, Formen oder Zeichen – und so schälte sich zunächst der würdige alte Herr, danach das junge Mädchen aus der Fläche. Ich arbeitete dabei, wie so oft, mit Tusche und Feder und bemühte mich, mit möglichst wenig Linien auszukommen. Die Figuren sollten unvollständig bleiben.

Heute nun war wieder so ein Tag. Meine Malschülerinnen vom Vormittagskurs waren gegangen und ich begann aufzuräumen. Erstaunlicherweise finden sich dann immer einmal Dinge an, von denen ich schon gar nicht mehr wußte, dass es sie gibt – so z.B. eine fast fertige Druckplatte zur Serie „Paradiesgarten“, die ich vor einigen Jahren als Kaltnadelradierung gestaltet habe, und einen großer quadratischer Aquarellblock, auf dem ich spontan ein paar Flächen anlegte:

Druckplatte zur Serie "Paradiesgarten" - 10 x 15 cm, Kaltnadelradierung

Aquarellblock und Druckplatte - Fundstücke im Dezember 2011

Bei der Druckplatte sind nur noch wenige Flächen auszuarbeiten und so beschloss ich, diese Platte, ebenso wie das begonnene Aquarell, samt „Werkzeugen“ mit nach Hause zu nehmen, um sie am Wochenende zu beenden. Ein kleines Stück wollte ich gleich in Angriff nehmen. Dabei kam sofort in Erinnerung, wie kraftaufwändig das ist…

Es bleibt abzuwarten, ob ich alles schaffe, ansonsten geht es nächste Woche im Atelier damit weiter. Ich werde berichten…

Musik inspiriert…

6. Dezember 2011

Es ist bekannt, dass etliche Musiker malen (David Bowie, Chris Rea,….) oder Maler ein Instrument spielen (Alfred Müller-Stahl…) bzw. Künstler synästhetisch denken und arbeiten (W. Kandinsky..).

Die Übergänge sind fließend, da die Denk- und Gefühlsstrukturen sich ähneln, wenn man malt, musiziert oder komponiert. Inspirationen gibt es viele. So komponierte Modest Mussorgsky den Zyklus „Bilder einer Ausstellung“ 1874  nach den Arbeiten des  befreundeten Künstlers Viktor Hartmann. Dessen Werke sind zumeist verschollen, und Mussorgsky hat auch „weitergesponnen“, wo es keine Bilder gab – so inspiriert ein Anstoß von außen zu eigenen Wegen des künstlerischen Ausdrucks.

Ich mag die Musik des ausgehenden 19. /beginnenden 20.Jahrhunderts mit ihrer Klarheit und Kraft, insbesondere die Werke von Grieg (Peer Gynt), Sibelius (Karelia Suite), Schostakowitsch (Jazz Suite), Mussorgsky (Das alte Schloss), Ravel (Bolero)… und so kann es schon vorkommen, dass beim Erarbeiten eines Bildes plötzlich Erinnerungen an Musikstücke auftauchen, sich festsetzen und die Arbeit bestimmen.

So geschehen bei „Der Wanderer“ und „Anitras Tanz“ – inspiriert von den Peer Gynt Suiten:

Die Peer Gynt-Suiten sind relativ bekannt: „Morgendämmerung“, „In der Halle des Bergkönigs“ und eben „Anitras Tanz“ hat wohl jeder schon gehört, wenn auch die Titel der Stücke vielleicht nicht bewußt wahrgenommen wurden. Sie klingen  nach nordischer Weite, Frieden, Ruhe und freiem Blick….

"Der Wanderer" - von Cordula Kerlikowski, 16 x 29 cm, Acryl und Tusche auf Acrylkarton

Peer Gynt ist ein junger Mann, der sich mit Mogeleien, Lügen und lockerer Lebensweise durchschlägt. Er geht respektlos mit seinen Mitmenschen um, demütigt sie, Frauen, an die er sich bindet, verläßt er nach kurzer Zeit. Er ist ruhelos, sucht nach der Mitte seines Lebens, findet aber nicht das ihm entsprechende. Er sucht in seinem Dorf (Solveig), bei den Trollen (Bergkönig und seine Tochter), wandert aus und reist durch viele Länder (Amerika, Orient…)

"Anitras Tanz" - von Cordula Kerlikowski, 19 x 26 cm, Acryl und Tusche auf Acrylmalkarton

Anitra begegnet er auf einer seiner Reisen. Sie durchschaut ihn und treibt ihr Spiel mit ihm, so wie er sonst mit anderen spielt. Letzten Endes macht sie sich mitsamt seiner Habe davon – ein Betrüger wird betrogen. Das Stück „Anitras Tanz“ besticht durch seine Leichtigkeit, Lebendigkeit, die es dem Hörer vermittelt – ein junges Mädchen tanzt unbekümmert, mit jugendlichem Charme, um einen Mann zu umgarnen, mit ihm zu spielen, ihn zu verführen. Die Folgen ihres Tuns, die nächsten Stunden oder Tage, die Zukunft spielen keine Rolle, sie lebt den Augenblick und kostet ihn aus.

Peer Gynt kehrt in seine Heimat zurück und findet spät doch noch sein Glück – Solveig, die ihn seit ihren Kindertagen liebt, hat auf ihn gewartet und hält zu ihm….

Soweit aus dem Inhalt von „Peer Gynt“. Vielleicht kommt jetzt die Neugier, sich die Suiten einmal anzuhören, der Geschichte dieses jungen Mannes nachzuspüren und für sich selbst zu werten. Und beim Hören von „Morgenstimmung“,  „Anitras Tanz“ oder „In der Halle des Bergkönigs“ eigene Bilder zu finden…

Viel Spaß dabei!

http://www.youtube.com/results?search_query=grieg+peer+gynt&oq=grieg&aq=3&aqi=g10&aql=&gs_sm=e&gs_upl=1047l2047l0l6109l5l4l0l0l0l0l172l500l1.3l4l0

Heute bearbeite ich gescannte kleinere Werkstücke mit GIMP, einem Open-Source-Bildbearbeitungsprogramm, das ich inzwischen sehr schätzen gelernt habe.

Ich verwende für meine Arbeiten sehr hochwertige Farben der Firma Schmincke, die mich durch ihre Farbbrillanz, Lichtechtheit und Verarbeitungsqualität immer wieder aufs Neue begeistern. Trotz guter Schätzung bleiben hin und wieder Farbreste beim Malen übrig, die ich dann gerne auf vorbereitete Papier-Malgründe oder kleine Leinwände verstreiche – ohne Plan, spontan und in verschiedenen Abmischungen. Im Ergebnis entstehen oft Miniaturen, deren weitere Bearbeitung ich dann in Angriff nehme, wenn Ideen reifen. Das kann recht schnell der Fall sein, aber auch Wochen oder Monate dauern.

Um den Bearbeitungsstand zu sichern, die bereits entstandenen Strukturen als Datei weiter zu entwickeln oder mit Papierausdrucken Entwürfe zu gestalten, scanne ich die Bilder oft:

       

Die Malgründe (Hahnemühle Öl- Acrylmalkarton 240 g) habe ich zunächst mit Strukturpaste partiell vorbereitet – so dass sich glatte Flächen, die die Leinenstruktur des Papiers hervortreten lassen, und strukturierte körnige Flächen unregelmäßig abwechseln.

Im Original beträgt die Größe ca. 8 x 25 cm, durch die Scans in hoher Auflösung sind jedoch auch große Prints auf hochwertigen Papieren oder auf Leinwand möglich.

Was letztendlich aus diesen Zwischenergebnissen geworden ist, zeige ich später in Fortsetzung dieses Artikels.

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