Vor genau zwei Wochen habe ich das Königliche Museum der Schönen Künste in Brüssel besucht und war sehr beeindruckt von der Größe und der Qualität der Sammlung.  Mann kann in die Ferne schweifen, aber das Gute liegt auch vor der eigenen Haustür: besser gesagt – in der Gemäldegalerie des Kulturforums in Berlin.

Die Sammlung hat Weltruf und beherbergt eine Vielzahl hochkarätiger Exemplare der europäischen Malerei, u.a. von Rubens, Rembrandt, van Dyck, Breughel, Bosch, Tizian, Cranach, Dürer, Boticelli.

Heute konzentrierte ich mich besonders auf die niederländische und flämische Malerei, die ich ganz besonders mag. Die Lebendigkeit eines Rembrandts, die Fantasie von Hieronymus Bosch, der Humor Pieter Breughel d.Ä. oder die fantastischen Stilleben von Snyders oder Fyt sind unübertroffen und ich könnte mich stundenlang davor aufhalten.

Beeindruckend war die Anzahl von Bildern der einzelnen Künstler aus verschiedenen Schaffensperioden. Gut war zu erkennen, wie sich deren Entwicklung vollzog – keiner war zu Beginn seiner Laufzeit das Genie der späten Jahre. Deutlich sieht man Unstimmigkeiten, kleine Irritationen oder „Fehler“, die in den späteren Werken nicht mehr vorkommen. Das läßt uns Maler doch entspannter auf unsere eigenen Werke blicken: der Weg ist das Ziel!

Neu waren mir die flämischen Maler Daniel Seghers und  Jan Fyt. Sie zeichnen sich durch brillante Stilleben aus, die ich bisher noch nicht aktiv wahrgenommen hatte. Während Seghers Blumenstilleben mit Grisaille-Malerei kombinierte, ist Fyt vor allem für Jagdstilleben bekannt…

Besonders liebe ich jedoch Hieronymus Bosch, der es mir schon seit Schultagen angetan hat: seine surrealen Figuren sind weltbekannt (in Brüssel kann man im Museums-Shop sogar kleine Plastiken davon kaufen) und mich bewegt nach wie vor die Frage, was den Künstler bei der Ausarbeitung bewegt hat: wollte er schockieren, Angst machen, eine Botschaft übermitteln oder einfach nur seiner überbordenden Fantasie freien Lauf lassen? Wir werden es nie erfahren, aber es macht Spaß, seine Bilder sowohl im Kontext der damaligen Zeit als auch im Bezug auf die heutige Sichtweise zu betrachten.

Beim Anschauen des Films „Constantine“ kamen mir die „Höllen-Szenen“ ziemlich bekannt vor im Sinne der Bilder von Bosch.

Nun muss ich das Gesehene erst einmal für mich verarbeiten. In meinem Kopf flattern die verrückten Bosch-Vögel herum, ich sehe wundervolle Blumensträuße vor meinem geistigen Auge und erinnere mich immer noch an das subtile Lächeln der Cranachschen Frauen…

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Dieses Bild entstammt dem Zyklus „In Bewegung“ aus dem Jahr 2003, zu dem auch „Der Springer“, „Der Läufer“ und „Der Geher“ gehören. Es entstand für die Ausstellung „Zeitreise Kunst“ in Leipzig im Oktober 2003.

„Der Tänzer“

"Der Tänzer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Der Tänzer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Gemalt an einem warmen Spätsommertag, zeigen die 4 Bilder, insbesondere der „Tänzer“ die Freude an der Bewegung, an den letzten warmen Sonnentagen des Jahres und die heitere Beschwingtheit und Lebensfreude von Wesen, die mit sich im Reinen sind.

Der Tänzer wirbelt über die Leinwand, breitet die Arme aus, so als wollte er die ganze Welt und den Betrachter umarmen. Setzt er zum Sprung an oder zu einer Pirouette? Der feurige Rotton des Hintergrundes unterstreicht die Dynamik des Bildes. Das Objekt hinter dem Tänzer könnte eine Bühne darstellen, aber auch ein Haus, einen Stadtgrundriß oder den Zeil eines Straßenzuges… Entscheiden Sie!

Hier die anderen Arbeiten dieser Serie:

„Der Springer“

"Der Springer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Der Springer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Der Läufer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Der Läufer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Der Geher" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Der Geher" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Anlässlich der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft  folgte  2004 noch eine weitere Arbeit:

"Soccer"  - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 60 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Soccer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 60 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Auf der Fahrt nach Hause hörte ich heute im Radio zufällig den 2. Satz der 5. Sinfonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die „Reformationssinfonie“ deren Fröhlichkeit und Leichtigkeit mich schon seit langem begeistern. Gleichzeitig versetzte  mich die Musik an diesem trüben Tag in eine Stimmung des Resümees und Rückbesinnung. .

So begann ich in meinem Bilderachiv zu stöbern und stieß dabei auf ein Bild, das ich schon beinahe vergessen hatte:

"Fantasia Ministeriale" - Mischtechnik auf Leinwand (c) by Cordula Kerlikowski

"Fantasia Ministeriale" - Mischtechnik auf Leinwand (c) by Cordula Kerlikowski

Vor einigen Jahren hatte ich eine Ausstellung im Kultusministerium in Hannover. Das Ministerium verfügt über gute Ausstellungsräume und gibt Künstlerinnen und Künstlern regelmäßig die Möglichkeit ihre Arbeiten zu präsentieren.

Dieses Bild ist eine Gemeinschaftsarbeit. MitarbeiterInnen des Niedersächsischen Kultusministeriums haben es gewagt, unvorbereitet und ungeübt die Leinwand zu erobern. – grafische Formen, eine Schnecke, Schlangenlinien, Symbole – und meine Aufgabe war es, diese Strukturen und Arbeitsspuren zusammenzubringen, zu gestalten und zu einem Ganzen zusammenzufügen, sie dabei aber so unberührt wie möglich zu lassen.

Entstanden ist ein frisches, fröhliches Bild, das natürlich einige Hinweise auf die Arbeit des Kultusministeriums (§2 – Bildungsparagraph) enthält. Was aber hinter jedem einzelnen Symbol stehen kann, möchte ich den UrheberInnen und dem Betrachter selbst überlassen.

Ich fand es toll, dass sich die MitarbeiterInnen des Ministeriums darauf eingelassen haben! Es gehört Mut dazu, unbekanntes Gelände zu betreten und letzten Endes ist jede Linie, jede Form ein Stück Emotion des Einzelnen – großartig, sich so zu öffnen! Danke für dieses Experiment!

Und hier:

Felix Mendelssohn-Bartholdy
Sinfonie No.5, Op.107 (Reformationssinfonie), 2. Satz

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