Blumen und Blüten zu zeichnen macht Spaß und ist nicht unbedingt so schwer, wie das Endergebnis es erwarten lässt. Wichtig ist es genau hinzuschauen. Man darf nichts zeichnen, was nicht wirklich da ist (außer – die Verfremdung und Reduktion sind beabsichtigt). Auch wenn beim 20. Blütenblatt klar zu sein scheint, wie der Arbeitsgang abläuft, können doch Schattierungen oder andere Unregelmäßigkeiten falsch gesetzt werden.

Heute zeige ich die Entstehung einer Gerberablüte in einer Farbstiftzeichnung:

Step 1:

Gerbera Stepp 1 - Vorzeichnung (c) by Cordula Kerlikowski

Gerbera Stepp 1 – Vorzeichnung (c) by Cordula Kerlikowski

Die Linien können leichter gezeichnet werden. Hier sind sie kräftiger dargestellt, um sie klar auf dem weißen Grund für den Anwender besser sichtbar zumachen. Verwendet wird ein weicher Bleistift, Stärke 2B. Ist die Vorzeichnung zu stark geworden, kann sie durch auftupfen mir einem Knetradierer zurückgenommen werden.

Step 2:

Jetzt beginnt die Arbeit mit dem Farbstift. Hier ist Qualität wichtig. Einfache Schul-Buntstifte sind zu hart für das Mischen und Übereinanderlegen von Farbschichten. Ich verwende am liebsten „Polychromos“ (Farbstifte) oder „Albrecht Dürer“ (Aquarellstifte), da diese sehr weich sind und viele Schichten ermöglichen:

Gerbera Stepp 2 (c) by Cordula Kerlikowski

Gerbera Stepp 2 (c) by Cordula Kerlikowski

Zunächst erfolgt eine weiche Unterzeichnung der Stiele in einem Gelbton. Dadurch erscheinen später darüber gezeichnete Blau- und Grüntöne wärmer. Die Hand liegt locker auf dem Blatt, der Stift gleitet flach über das Papier, so dass eine weiche Fläche entsteht. Darüber wird in Grün und Blau weiter gezeichnet und entsprechend der Lichtsituation auch abschattiert. Zum Nachdunkeln der Schatten kann das Blau kräftiger aufgetragen werden. Nun ist der Stift fester zu halten und der Druck zu erhöhen, der Stift ist gut gespitzt, so dass sehr fein und genau gearbeitet werden kann.

Gerbera Stepp 3 (c) by Cordula Kerlikowski

Gerbera Stepp 3 (c) by Cordula Kerlikowski

Step 3:

Ähnlich werden die Blütenblätter ausgearbeitet: zunächst eine leichte Unterzeichnung in gelb und orange, darüber dann in immer feineren und kräftigeren Strichelungen Orange, Magenta und Rot. Dabei macht es Sinn, die Schichten nacheinander abzuarbeiten – wie rechts zu sehen. Darauf achten, dass die Schattierungen stimmen! Man kann die einzelnen Farbschichten immer wieder übereianander zeichnen und so eine große Vielfalt an Farbtönen erreichen. Am besten, man probiert es auf einem gesonderten Blatt aus, um Fehler auf der Zeichnung selbst zu vermeiden. Radieren ist in diesem Arbeitsgang nicht mehr möglich – die unteren Schichten würden verschmieren.und die Konturen verwischen.

Step 4:

Gerbera Stepp 4 - (c) by Cordula Kerlikowski

Gerbera Stepp 4 – (c) by Cordula Kerlikowski

Jetzt ist die Blütenmitte auszuarbeiten. Kurze Striche mit sehr gut angespitztem Stift gewährleisten Feinheiten darzustellen. Manchmal spitze ich dem Farbstift nach 5-6 Strichen neu… Auch hier ist es wichtig, Licht- und Schattenbereiche zu beachten und die einzelnen Arbeitsschritte immer wieder zu überprüfen. Man erspart sich eine Menge Nacharbeit und Frust, wenn man sich hier Zeit nimmt.

Tipp für Arbeitsunterbrechungen: die Stifte nicht in den Kasten zurücklegen, sondern mit einem Gummi bündeln – von einem Tag zum anderen kann man schon einmal vergessen, welchen Farbton man am Vortag verwendet hat.

Die gelbe Blüte wird genauso gearbeitet. Hier verwendet man Gelb und Orange, nur selten rote Nuancen.

Das Ergebnis:

Gerbera, Farbstiftzeichnung auf Zeichenkarton, (c) by Cordula Kerlikowski

Gerbera, Farbstiftzeichnung auf Zeichenkarton, (c) by Cordula Kerlikowski

Die Mühe hat sich gelohnt, aber Schritt für Schritt kommt man zum Ziel.

Auf Wunsch kann ich gegen eine Schutzgebühr eine ausführliche Beschreibung zur Verfügung stellen.

In meinem Buch „Zeichnen Basics – Blumen und Blüten“ finden sich die Anleitungen für folgende Blüten: Schneeglöckchen, Tulpe, Krokus, Ballonblume, Lilie, Gerbera (andere Stellung der Blüten), Strelitzia, Orchidee, Rose, Rosenknospe, Kapuzinerkresse, Mohnblume,…. Dort gibt es auch einen ausführlichen Theorie-Teil. Das Buch ist Buchhandel und in Online-Shops erhältlich.

Gern können sie von mir direkt auch ein signiertes Exemplar unter

Cordula.Kerlikowski@gmx.de

bestellen (9,90€ zzg. Versand).

Viel Spaß beim Zeichnen!

In den vergangenen beiden Tagen erhielten Susanne Haun und  ich die  seltene Möglichkeit, die Produktionsräume und Herstellungsprozesse in der Hahnemühle FineArt GmbH in Einbeck und in Dassel/ Relliehausen zu besichtigen.

Die Hahnemühle ist ein Traditionsbetrieb, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1584 zurückreichen und somit eine Firma, die sich ihren Manufakturcharakter bis in unsere Zeit in großen Bereichen bewahrt hat.

Kaum jemand von uns KünstlerInnen, die wir täglich mit diesem Material umgehen, weiß viel über die Herstellung von Papier – deshalb möchte ich heute ein etwas anderes Blog schreiben: theoretischer, mehr Fotos, längere Textpassagen (Susanne hat das ganze aus der emotionalen Sicht aufbereitet). Aber ich denke, es wird für meine Leser trotzdem interessant sein.

Alle Fotos stammen von Susanne Haun, mit freundlicher Genehmigung der Hahnemühle FineArt GmbH, vertreten durch Frau  Bettina Scheerbarth.

1. Die Herstellung des „Papierbreies“

Ausgangsstoffe für die Papierherstellung sind Zellulose, Wasser, Kreide, Stärke und einige wenige weitere Zusatzstoffe (z.B. Pigmente). Früher verwendete man ausschließlich Lumpen, d.h. alte Leinenstoffe. Heute wird importierte Baumwolle in Form von Zellstoff verarbeitet, für die Herstellung des „Bamboo“-Papiers auch Bambusfasern:

Zellstoff als Grundlage der Papierproduktion, Foto von Susanne Haun

Zellstoff als Grundlage der Papierproduktion, Foto von Susanne Haun

Blick in den Pölper, Foto von Susanne Haun

Blick in den Pulper, Foto von Susanne Haun

Zellulosebrei im Pölper: hier wird der Zellstoff zerkleinert und mit Quellwasser versetzt, so dass eine breiartige Masse entsteht. An den Türen des Pulpers sieht man die kleinen Flöckchen – es fühlt sich an wie ein nasses Papiertaschentuch…

Papierflocken aus dem Pölper, Foto von Susanne Haun

Papierflocken aus dem Pulper, Foto von Susanne Haun

Der "Hollaender", Foto von Susanne Haun

Der "Holländer", Foto von Susanne Haun

Historisches Zeugnis der Papierproduktion – der „Holländer“  – so genannt, weil ihn holländische Papierhersteller erfunden haben.

Im folgenden Schritt fließt der Brei in große Behälter, wo durch kräftiges maschinelles Rühren eine homogene Masse entsteht. Durch Hinzufügen von Stärke, Kreide und ggf. Pigmenten wird der individuelle Charakter des Papiers bestimmt und ganz auf die Wünsche der Kunden zugeschnitten.

Behälter mit Papierbrei, Foto von Susanne Haun

Behälter mit Papierbrei, Foto von Susanne Haun

Der Zellstoff auf den Weg in den Pölper, Foto von Susanne Haun

Der Zellstoff auf den Weg in den Pölper, Foto von Susanne Haun

Rohrleitungssysteme befördern den Zellstoffbrei direkt zu den Papiermaschinen. Auf der Langsiebmaschine entstehen die meisten Papiere (z.B. Aquarellkartons etc.), auf der Rundsiebmaschine das hochwertige Büttenpapier.

2. Die Langsiebmaschine

Hier wird der Papierbrei gleichmäßig auf lange Siebe aufgespritzt, so das sich die Zellulosefasern in einer bevorzugten Richtung ablegen. Dadurch hat das Fließverhalten von nasser Farbe auf diesen Papieren eine leichte Tendenz in diese Richtung, was jedoch kaum sichtlich auffällt. Die Langsiebmaschinen arbeiten schneller – dementsprechend sind Langsiebpapiere später im Fachhandel günstiger.

Langsam läuft das Band vorwärts, so dass das überschüssige Wasser abfließen kann (dieses Wasser wird gereinigt und dem Produktionsprozess wieder zugeführt):

Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Filzbahnen übernehmen das nasse Papier vom Sieb, so dass sich die Papiermasse zwischen diesen befindet. Die Struktur des Filzes und die Andruckstärke der Walzen bestimmen dann die Oberfläche das Papiers.

In weiteren Schritten schneiden scharfe Wasserstrahlen die Ränder glatt und die  Papierbahn passiert mehrere heiße Walzen. Sie wird dabei von Düsen befeuchtet, um Risse zu vermeiden und die Bahn gleichmäßig zu trocknen.

Die abgeschnittenen Ränder, Foto von Susanne Haun

Die abgeschnittenen Ränder, Foto von Susanne Haun

Walzen an der Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Walzen an der Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Abschließend entsteht eine riesige Papierrolle, die so genannte „Mutterrolle“ – aus der später Einzelbögen geschnitten und Blöcke gefertigt werden. Ein Mitarbeiter prüft die Restfeuchte des Papiers, bevor die Rolle zur weiteren Verarbeitung abtransportiert wird.

Messung der Restfeuchte, Foto von Susanne Haun

Messung der Restfeuchte, Foto von Susanne Haun

3. Die Rundsiebmaschine

Das Herstellungsverfahren auf der Rundsiebmaschine ähnelt dem auf dem Langsieb – nur dass hier eine Rolle mit einem Kupfersieb in einer Wanne rotiert und dabei die Zellulosefasern aufnimmt. Diese legen sich völlig ungeordnet auf das Sieb und entwickeln keine bevorzugte Ausrichtung. Dadurch ist das Fließverhalten der Büttenpapiere (Bütte=Bottich) gleichmäßiger. Dieser Herstellungsprozess ist der traditionelle, er dauert länger, macht das Papier teurer, aber auch hochwertiger. Der charakteristische Büttenrand entsteht durch das über die Seitenränder ablaufende Wasser. Hier einige Bildimpressionen:

Die Rundsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Die Rundsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Die "Bütte" - das Rundsieb ist als dunkle Rolle zu sehen

Die "Bütte" - das Rundsieb ist als dunkle Rolle zu sehen

Scheinbar endlos ist die Bahn an Büttenpapier, die die Maschine verlässt. Hier wird das Papier für die spätere Verarbeitung zu Blöcken auf eine große Rolle gewickelt. Für Bogenware befindet sich auf dem Rundsieb ein Kupferstreifen, auf dem sich, wie beim Wasserzeichen, weniger Papierbrei ablagert – hier kann das Papier in der gewünschten Länge reißen.

4. Die Weiterverarbeitung

Anschließend kommen die Papierrollen bzw. Bögen in eine große Halle zum Schneiden in handelsübliche Größen (für Bogenware) und werden dann nochmals auf Qualität überprüft und danach verpackt.

Schneidmaschine, Foto von Susanne Haun

Schneidmaschine, Foto von Susanne Haun

Das Wasserzeichen in einem Büttenbogen, Foto von Susanne Haun

Das Wasserzeichen in einem Büttenbogen, Foto von Susanne Haun

Hahnemuehle-Wasserzeichen auf einem Rundsieb, Foto von Susanne Haun

Hahnemuehle-Wasserzeichen auf einem Rundsieb, Foto von Susanne Haun

Blockware wird dann in Einbeck hergestellt. Dazu lagern dort Unmengen von Pappen, Papieren und Blockdecken – ein faszinierender Anblick…

5. Die Blockproduktion in Einbeck

Hier werden die bekannten Blöcke der Firma hergestellt und finden danach ihren Weg in die Künstlerwelt:

Viel Platz für die Herstellung, Foto von Susanne Haun

Viel Platz für die Herstellung, Foto von Susanne Haun

Hier wird geklebt! Foto von Susanne Haun

Hier wird geklebt! Foto von Susanne Haun

Zuschneiden auf Maß, Ausrichten der Pappen und Papiere, Kleben und das Aufbringen der Blockdecken – hier geschieht es!!! Trotz Maschinen sehr viel Handarbeit zu Gunsten von Qualität und Abfallminimierung.

6. Hahnemühle FineArt GmbH und die Umwelt

Die Firma engagiert sich für die Umwelt, denn Papierproduktion ist energieintensiv und benötigt viel Wasser: Das verwendete Wasser wird aufbereitet und der Produktion wieder zugeführt. Ständige Qualitätskontrollen stellen sicher, dass die Umwelt sauber bleibt.

Papierreste und aussortierte Bögen mit kleinen Qualitätsmängeln wandern zurück in den Pölper und der Kreislauf beginnt von Neuem. Auf Grund des hohen Anteils an manueller Nachkontrolle halten sich diese Rückführungen jedoch sehr in Grenzen. Wir haben wenig Verschnitt und Fehlpapiere gesehen.

Neben der traditionellen Verwendung von Baumwolle nutzt die Hahnemühle auch schnell nachwachsende Rohstoffe: seit einigen Jahren sind zwei Papiere aus Bambusfasern im Handel: der Mixed Media Block und ein Skizzenblock mit dem schönen Namen „Bamboo“ – durch die grünne Blockdecken schnell wahrzunehmen. Ich habe beide Qualitäten oft verwendet und bin damit sehr zufrieden.

Mit der Umweltinitiative „Green Rooster“ engagiert sich die Firma auch für größere Projekte. Ein Teil der Einnahmen aus den „Bamboo“-Verkäufen geht in diese Vorhaben.

Ich hoffe, hier einen kleinen Einblick gegeben zu haben in den Produktionsprozeß von Künstlerpapieren. Um den Blog nicht zu umfangreich zu gestalten, erwähne ich hier nur am Rande, dass die Hahnemühle neben Künstlerpapieren auch Marktführer im Digital Print Bereich ist und Filtrationspapiere herstellt. Aber das ist dann vielleicht Inhalt eines anderen Blogs…

Acrylmalerei auf Leinwand/Keilrahmen ist jedem bekannt. Das Bild kann sofort ohne weitere Rahmung aufgehängt werden, die Präsentation ist edel – und so kennt man es halt…

Nun geraten wir, die wir oft und regelmäßig künstlerisch tätig sind, aber doch auch schnell an unsere räumlichen Kapazitätsgrenzen bzw. wollen einfach nur etwas neues ausprobieren und haben dabei nicht sofort den Verkauf des Werkes vor Augen. Da trifft es sich gut, dass es auch ausgezeichnete Papiere für die Acrylmalerei gibt. Die geschaffenen Werke kommen in eine Aufbewahrungsmappe, sind geschützt und können  bei Bedarf auf eine präsentable Unterlage aufgezogen werden.

Ich arbeite sehr gern auf dem Öl- und Acryl-Malkarton 230 g/m² von Hahnemühle. Dieser hat eine schöne glatte Oberfläche mit Leinenstruktur, die meiner Art zu arbeiten sehr entgegenkommt. Ich kaufe es immer als Bogenware, dann kann ich mir meine eigenen Formate zurechtschneiden. Da das Papier ausgezeichnet präpariert ist, wirft es beim Malen kaum Wellen und wenn doch einmal (ganz leichte) Verwerfungen auftreten sollten, zieht sich das Blatt beim Trocknen der Farbe wieder hervorragend glatt! Meist fixiere ich das Einzelblatt mit Kreppband auf einer Malplatte oder meinem Arbeitstisch – aber eher, um einen sauberen Abschluss der Malerei zu bekommen…

Hier ein Beispiel:

"Kreisläufe" - 70 x 100cm, Acryl und Tusche auf Karton (c) von Cordula Kerlikowski

"Kreisläufe" - 70 x 100cm, Acryl und Tusche auf Karton (c) von Cordula Kerlikowski

Hier wirbeln die kühlen Farben kräftig durcheinander: optimistisches Türkis, gedämpftes, zurückhaltendes Blau, hoffnungsvolles, aber zurückgenommenes Grün. Je nach Stimmung scheint die Spirale aufwärts oder abwärts zu führen. Jedoch vermittelt der hohe Weißanteil im Hintergrund Perspektive und Licht. Die schwarzen Linien fangen den Fall auf, ordnen das Chaos in der Bewegung. Und immer wieder ein leuchtender Lichtpunkt in Orangerot im Gewimmel, der für Hoffnung, Antrieb und Kommunikation steht…

Wer lässt sich mitreißen….?

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