Über den Werdegang meiner Auftragsarbeit für einen Porsche-Fan habe ich bereits in vorangegangenen Beiträgen ausführlich berichtet.

Die Arbeit hat mich herausgefordert und gleichzeitig viel Spaß gemacht – und ich habe viel dabei gelernt.

Umso mehr freut es mich, wenn dann die Rückmeldung des Auftraggebers kommt und sagt, dass er zufrieden ist:

„Liebe Cordula,

das lange Warten hat sich gelohnt. Das Bild ist da, und sieht noch vieeel besser aus, wie ich es mir vorgestellt habe, richtig klasse.

Vielen Dank

Herzliche Grüße….“

Nun geht es an den zweiten Auftrag, der mir auch so einiges abverlangen wird. Dazu später mehr, nur ein Stichwort: Nürburgring….

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Auftragsarbeiten haben ihren eigenen Reiz und ihre besonderen Schwierigkeiten. Einerseits ist es interessant sich mit den Wünschen und Vorgaben des Auftraggebers auseinander zu setzen, andererseits können die Vorstellungen des Kunden und die eigenen ganz schön auseinander klaffen.

Bei der folgenden Arbeit hat der Auftraggeber mir völlig frei Hand gelassen, was mir viel Spielraum verschaffte, aber auch dazu führte, dass ich die Sache ziemlich lange vor mir her schob. Leider eine alte Schwäche von mir…

Vorgabe für dieses Bild in der Größe 80 x 100 cm war der Sportwagen des Kunden, ein Porsche Cayman, dessen Kotfügel sich im Seitenspiegel des Fahrzeugs spiegeln sollte. Zudem war die Geschwindigkeit, mit der der sportliche Fahrer unterwegs ist, sichtbar  zu machen. Bei einem Vor-Ort-Termin konnte ich die Farben und Formen aufnehmen, fotografieren und das (Mit-)Fahrgefühl 250 km/h in Echtzeit erleben.

Mit diesem Wissen und Erleben im Kopf galt es eine Arbeitsvorlage zu schaffen und mit dem Kunden abzustimmen, wobei mir meine Tochter mit ihrem Bildbearbeitungskönnen einiges erleichtert hat.

Die Umsetzung des klaren Bildes im Kopf auf die Leinwand ist dann immer wieder eine Herausforderung, der es sich zu stellen gilt. Dabei war die Darstellung des Fahrtempos im Hintergrund (Wald und Asphalt) kein Problem und schnell erledigt. Schwieriger wurde die Ausarbeitung der Spiegelungen – zum einen die Abbildung der Fahrstrecke im Spiegel, aber auch die der sich im Rückspiegel wiederum spiegelnden Fensterscheibe:

Blick auf die Fahrstrecke duch den Rückspiegel

Blick auf die Fahrstrecke durch den Rückspiegel

Hier sieht man die verschwimmenden Farben und Formen der Bäume, der Straße und die Licht- und Schattenspiele auf dem Asphalt, gearbeitet in schnellen Pinselstrichen und mit wenigen verschiedenen Farben.

Die nächste Schwierigkeit kam mit den glänzenden Lack des Kotflügels, der zusätzlich farblich von den Spiegelungen der Bäume beeinflusst wurde. Hier war mit viel Geduld Farbschicht für Farbschicht aufzutragen, bevor die Lichter in Weiss gesetzt werden konnten:

Die Ausarbeitung der Lackfläche

Die Ausarbeitung der Lackfläche

Hinzu kommen die Feinarbeiten: Fenstergummi, Spiegeleinfassung, erste Reflexionen auf dem Rand des Spiegels. Hierbei kam es darauf an, das gesamte Bild im Auge zu behalten. Zu diesem Zeitpunkt waren Korrekturen noch relativ unproblematisch möglich – und notwendig. Also wechselte ich beim Malen mehrfach zwischen den einzelnen Bildbereichen.

Als nächstes mussten die Spiegelungen des Waldes auf dem Fensterglas ausgearbeitet werden, wobei aber auch noch etwas Durchblick ins Fahrzeuginnere zu gewährleisten war (z.B. Heckscheibe und Sicherheitsgurt)  – ein Arbeitsschritt, vor dem ich mich etwas fürchtete, der dann aber doch viel schneller und problemloser ablief als erwartet:

doppelte Spiegelung: Fenster und Spiegelglas

Jetzt gewann auch die innere Fensterkante (unten links) an Struktur, so dass sich der Gesamteindruck des Bildes erahnen ließ. Weitere Feinarbeiten waren am Spiegel, am Asphalt und auf dem Randstreifen unterhalb der Leitplanke erforderlich.

Als letztes blieben die Schattierungen auf dem Arm des Spiegels und die Entscheidung, noch weitere Reflexionen oder Spiegelungen einzufügen. dazu brauchte ich etwas Zeit zum Nachdenken. Da hilft es, das Bild unter verschiedenen Lichtverhältnissen immer wieder anzuschauen und den Gesamteindruck zu prüfen – oder aber, es einige Zeit weg zu stellen. Schnell verdirbt ein übereifriger Pinselstrich die Arbeit von Tagen und Wochen.

In diesem Stadium zeigte ich das Bild dem Kunden, d.h. ich schickte ihm eine E-Mail mit einem Foto und wartete gespannt und etwas nervös auf sein Urteil. Er war mit diesem Zwischenergebnis sehr zufrieden und so kann ich beruhigt und entspannt an die letzten Arbeiten gehen. Das Endergebnis folgt…

Nun habe ich die Arbeit heute, am 10.12., fortgesetzt und wie es zu erwarten war, bin ich mit dem Ergebnis doch noch nicht so ganz zufrieden:

Der Versuch, die Reflexionen auf dem Spiegelglas herauszuarbeiten

Der Arm des Spiegels ist fertig und das Spiegelglas weiter ausgearbeitet. Dem habe ich den Sicherheitsgurt geopfert, der in der letzten Aufnahme noch zu sehen war. Ich glaube, so ist es besser. Die beiden vorderen Reflexionen auf dem Spiegelglas gefallen mir noch nicht 100%ig – sie haben noch ein bißchen was von Weihnachtsbäumen… Aber ich werde mir morgen das Foto und am Montag das Bild selbst noch mehrfach intensiv anschauen, dann kann ich genauer entscheiden, ob und wie es weiter geht…

12.12.: Heute habe ich die Arbeit beendet:

Das Ergebnis

Hier ging es nur noch um die Überarbeitung des Fahrzeugfensters. Jetzt sind die Reflexionen besser gelungen, denke ich…. Das ist nun der Stand der Dinge und damit schließe ich das Bild ab. Möglicherweise sehe ich das in einem halben Jahr anders, aber exessiver Perfektionismus ist nicht das Ziel. In den nächsten Tagen werde ich nur noch kleinste Korrekturen vornehmen (Leerstellen am Rand des Keilrahmens farblich füllen, kleine Wackler im Pinselstrich ausgleichen u.ä.). Um mich vor weiteren gravierenden Überarbeitungen  im Bild zu bewahren, habe ich die Arbeit heute signiert – meine persönliche Bremse, um am Schluss noch  etwas zu verderben.

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