… ist es noch lange nicht dasselbe.

Heute war eine Malschülerin zum Einzelunterricht bei mir. Sie ist eine sehr gute Zeichnerin und auch in der Acrylmalerei weit fortgeschritten. Heute wollte sie Zeichnung und aquarellartige Malerei miteinander verbinden und fand dazu meinen Alpenveilchentopf gut geeignet. Meist arbeitet sie auf großen Formaten, so dass eine kleinere Arbeit eine neue Erfahrung war.

Alpenveilchen und Azaleen begleiten mich schon seit frühester Kindheit. Ich habe im Februar Geburtstag und als Winterkind zu DDR-Zeiten fast immer nur Alpenveilchen und Azaleentöpfe geschenkt bekommen. Zum Glück ist das heute anders.

Wahrscheinlich habe ich mich aus diesem Grund auch nie besonders für diese Pflanzen interessiert (der Blumentopf in meiner Küche war auch ein Geschenk). Da aber nun grad nichts anderes zur Hand war (mein Tulpenstrauß ist bereits verwelkt), wurden nun endlich die Alpenveilchen (Cyclamen) zum Mittelpunkt des Unterrichts.

"Cyclamen" kolorierte Zeichnung auf Aquarellpapier, 15 x 25cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Cyclamen“ kolorierte Zeichnung auf Aquarellpapier, 15 x 25 cm, (c) Cordula Kerlikowski

"Cyclamen" kolorierte Zeichnung auf Aquarellpapier, 15 x 25cm, (c) I.Mittelhäußer

„Cyclamen“ kolorierte Zeichnung auf Aquarellpapier, 20 x 25 cm, (c) I.Mittelhäußer

Offensichtlich wird hier, dass trotz der gleichen Vorgabe und Materialien völlig verschiedene Werke entstehen können. Zum einen liegt das an der Sicht auf das Objekt, zum anderen an der unterschiedlichen Interpretation der Ausführenden. Auch die verschiedenen Malgründe spielten eine wesesntliche Rolle. Links bemühte ich mich um eine gewisse Leichtigkeit, während Ilka sich, aus ihrer Erfahrung heraus, mehr auf die grafische Ausformung bemühte. Wir arbeiteten parallel und tauschten uns über unsere Erfahrungen und die Zwischenergebnisse laufend aus.

Das find ich immer wieder spannend. Nie entstehen, selbst bei Schritt-für-Schritt-Demonstrationen, identische Werke. Wir werden in der nächsten Woche hier weitermachen, dann mit anderen Blüten, vielleicht auch mit anderen künstlerischen Mitteln oder Materialien.

Bis einschließlich Sonntag liegen jedoch erst einmal andere Aufgaben vor mir…

Es geht stramm auf Weihnachten zu und immer wieder stellt sich die Frage „Was ist mit der Weihnachtspost?“. Das geht offensichtlich nicht nur mir so und deshalb bekomme ich des öfteren Anfragen für Kartenentwürfe.

Ich bin nicht die klassische Landschaftsmalerin und möchte den Motiven gern etwas mehr Humor oder Leichtigkeit beifügen. So sind meine Karten gelegentlich etwas anders: verspielt, abstrakt, mit einem anderen Blick auf das Weihnachtsfest.

Hier einige Beispiele, wie ich das Thema umgesetzt habe:

"Adventsdekoration" - Aquarell auf Hahnemühle Postkarte, (c) Cordula Kerlikowski

„Adventsdekoration“ – Aquarell auf Hahnemühle Postkarte, (c) Cordula Kerlikowski

"Weihnachtsstern" - Aquarell auf Hahnemühle Postkarte, (c) Cordula Kerlikowski

„Weihnachtsstern“ – Aquarell auf Hahnemühle Postkarte, (c) Cordula Kerlikowski

"Bunter Baum" - Aquarell auf Hahnemühle Aquarellkarton, (c) Cordula Kerlikowski

„Bunter Baum“ – Aquarell auf Hahnemühle Aquarellkarton, (c) Cordula Kerlikowski

"Stille Nacht" - Aquarell auf Hahnemühle Aquarellkarton, (c) Cordula Kerlikowski

„Stille Nacht“ – Aquarell auf Hahnemühle Aquarellkarton, (c) Cordula Kerlikowski

"Nikolaussocke" - Aquarell auf Hahnemühle Aquarellkarton, (c) Cordula Kerlikowski

„Nikolaussocke“ – Aquarell auf Hahnemühle Aquarellkarton, (c) Cordula Kerlikowski

Also von klassisch über abstrakt bis naiv ist alles möglich.  So kennt man mich… Besonders mag ich die „Socke“ und „Stille Nacht“.

Es besteht die Möglichkeit, diese Karten  bei MyGall zu erwerben:

http://www.mygall.net/index.php?manufacturers_id=4292&showImages=1&galerie_id=12264

Bei Interesse an Drucklizenzen bitte ich um Anfrage per E-Mail:

cordula.kerlikowski@gmx.de

Nun denn.. noch eine schöne Vorweihnachtszeit…

Gestern vor einem Jahr ist mein erster Blogbeitrag online gegangen. Im Alltagstrott hätte ich das beinahe vergessen…

So war es an der Zeit zu resümieren und auf das vergangene (Blog-) Jahr zurückzublicken. Was habe ich gelernt, was erreicht, welche positiven und negativen Erfahrungen begleiteten mich? Es ist eine Vielfalt von Arbeiten entstanden, die die ganze Bandbreite meiner Ideen, Fertigkeiten und Möglichkeiten zeigen. Das macht mich stolz.

Von der abstrakten Acrylmalerei über die Druckgrafik bis zum naturalistischen Aquarell war alles vertreten, was meine Kreativität abbildet…

Zu diesem kleinen Jubiläum nun eine besondere Arbeit vorzustellen war gar nicht so einfach. Etwas neues sollte es schon sein. Deshalb versuchte ich es mit Farbstiften, Pastellkreiden, Bleistift… Naturalistisch mein altes Thema „Spirale/Muschel“ aufzugreifen war also nicht möglich. Schauen Sie selbst, was mir heute aus Pinsel und Feder geflossen ist:

“ Maria Stuart – Die Einsamkeit der verbanntenKönigin“ 35 x 51 cm, Mischtechnik auf Aquarellpapier, (c) Cordula Kerlikowski

Manchmal beginne ich damit, die Farben fließen zu lassen. Noch keine Planung, kein Titel, kein Ziel – so geht es am besten. Mit dem Setzen der ersten Linien entsteht dann eine Idee – zunächst vage, dann immer konkreter…

Oft höre ich dabei Musik, die nicht unbedingt mit dem Thema der Malerei zu tun hat (Heute war es Gotye – „Somebody that I use to know“) – ein einziger Titel in der Endlosschleife. Durch die ständige Wiederholung der Rhythmen bildet sich ein eigentümliches Hintergrunderlebnis, das es ermöglicht abzuschalten und loszulassen. Die Gedanken beginnen zu kreisen während die Hand ihre eigenen Bahnen zieht. Das ist ein sehr entspannender und entspannter Zustand. Automatisierte Sicherheit im Handwerk gewährleistet mir dabei, nicht den Faden zu verlieren…

So spann sich nach und nach die Figur einer Königin zusammen: aufrecht, stolz, würdevoll, jedoch einsam und der Welt entrückt. Die Blüte in ihren verborgenen Händen scheint mehr einer Distel  als einer eleganten exotischen Blume zu ähneln- unverwüstlich, aber wehrhaft. Damit entstand unbewußt ein Hinweis auf  das Symbol Schottlands – die Distel…

Die um die Figur schwingenden Linien können sowohl ihr Gewand darstellen als auch die sich um sie schließenden Fesseln. Das Ende dieser stolzen Frau ist allgemein bekannt…

Nun denn… eine Zeitreise in die schottische Geschichte und zugleich Erinnerung an besuchte Orte, die mit Maria Stuart in Verbindung stehen. Und zum Schluss: die Hinrichtung dieser ambivalenten Persönlichkeit fand (nach julianischem Kalender) am 8. Februar 1587 in London statt. 376 Jahre später (nach gregorianischem Kalender) wurde ich geboren…

Vor 3 Tagen begann ich mit einem größeren Aquarell auf einem Format 40 x 40cm. Für eine botanische Studie schon etwas aufwändiger, aber auch einfacher zu malen, da für die Details mehr Platz zur Verfügung steht:

Die Probleme mit dem Licht habe ich im o.g. Blog schon beschrieben, hinzu kam jetzt ein weiteres: Das Innere des Kürbis verdirbt sehr schnell und auch das Einwickeln in Folie und die Aufbewahrung im Kühlschrank können diesen Prozeß nur kurz aufhalten. Deshalb macht es Sinn, einige Detailaufnahmen von den markanten Bereichen des Objekts zu machen und ggf. danach weiter zu arbeiten.

Zwischenschritt - Detail Kerne, (c) Cordula Kerlikowski

Zwischenschritt – Detail Kerne, (c) Cordula Kerlikowski

Hier habe ich die Kerne bereits weiter ausgearbeitet und einige orange Lasuren aufgebracht. Das erfolgt schrittweise. Geduldiges Warten bis die lasierten Flächen getrocknet sind, ist unbedingt notwendig – Zeit für einen Kaffee zwischendurch.

Weiter geht es dann Schritt für Schritt an die Ausarbeitung der nächsten Details:

Zwischenschritt - Detail des Stiels, (c) Cordula Kerlikowski

Zwischenschritt – Detail des Stiels, (c) Cordula Kerlikowski

Das Innenleben ist fertig, (c) Cordula Kerlikowski

Das Innenleben ist fertig –  (c) Cordula Kerlikowski

Und hier die frei liegenden Kerne:

einige Kerne..., (c) Cordula Kerlikowski

einige Kerne…, (c) Cordula Kerlikowski

Die fertige Arbeit sieht dann so aus:

"Jarrahdale-Kürbisse" - 40 x 40cm, Aquarell, (c) Cordula Kerlikowski

„Jarrahdale-Kürbisse“ – 40 x 40cm, Aquarell, (c) Cordula Kerlikowski

Den hinteren Kürbis habe ich absichtlich nicht so detailliert ausgeführt, um den Fokus nicht von der angeschnittenen Frucht zu nehmen. Die blau-grüne Farbigkeit der äußeren Schale ist am vorderen Kürbis gut zu sehen. Jedoch habe ich mehr Aufwand für den Stiel betrieben. Vorn ist er angeschnitten, am hinteren Kürbis unversehrt.

Spannend zu arbeiten ist die Unterseite – dort hat der Jarrahdale rund um den ehemaligen Blütenansatz eine markante, hellere kreisförmige Struktur, die von einem ockerfarbenen Ring umschlossen ist. Hier ist er nur angedeutet.

Für heute ist es aber genug der Kürbismalerei…

Am Donnerstag habe ich wieder einen halben meiner Kürbisse verarbeitet, die zweite Hälfte bot sich da geradezu an, eine größere, detailreiche Studie auszuarbeiten:

Jarrahdale-Kürbis, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Jarrahdale-Kürbis, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Der Kontrast zwischen dem Graugrün der äußeren Hülle und dem intensiven Orange des Fruchtfleisches ist faszinierend. Die dafür notwendigen Farbtöne sind schnell gefunden bzw. zu mischen und das Handwerkszeug muss dieses Mal etwas größer ausfallen, da ich auf einem Format 40 x 40 cm arbeiten will. Neben meinen bewährten „Rotmardern“ kommt also heute auch ein 20er Top-Point Mix zum Einsatz…

Die Tage werden kürzer und deshalb macht das Malen unter sich verändernden Lichtverhältnissen besondere Schwierigkeiten: Tageslicht eignet sich am besten – die Schatten sind weicher, die Kontraste nicht zu hart. Trotzdem macht es Sinn, zunächst die wichtigsten Farbflächen schnell anzulegen um nicht von veränderten Lichtverhältnissen während der Arbeitszeit in die Irre geführt zu werden:

"Kürbisse" - erste Farbflächen anlegen, (c) Cordula Kerlikowski

„Kürbisse“ – erste Farbflächen anlegen, (c) Cordula Kerlikowski

Nach und nach sind dann weitere Details auszuarbeiten. Ich musste meinen Arbeitsplatz wechseln, da das Tageslicht an meinem Tisch nicht mehr ausreichte. Schon hier wird es schwierig, in den einmal festgelegten Tönen zu bleiben und die Schattierungen dort beizubehalten, wo sie am ersten Arbeitsplatz waren. Da ist Abstraktionsvermögen und Umdenken gefragt.

Hier zwei Details:

"Kürbisse" - Detail 1, (c) Cordula Kerlikowski

„Kürbisse“ – Detail 1, (c) Cordula Kerlikowski

"Kürbisse" - Detail 2, (c) Cordula Kerlikowski

„Kürbisse“ – Detail 2, (c) Cordula Kerlikowski

Damit sind auch einige weitere Entscheidungen über zu verwendende Farben getroffen und die Arbeit kann nun auch unterbrochen werden. Denn jetzt ist das Arbeiten nur noch unter Kunstlicht möglich – und das will ich an diesem Aquarell vermeiden.

Also kommst der angeschnittene Kürbis bis morgen in den Kühlschrank.

Fortsetzung folgt….

Es wird kalt und ungemütlich draußen, die Blätter fallen und auch von der sommerlichen Blumenpracht ist nicht mehr viel übrig. Nun stellt sich die Frage, wie man künstlerisch „über den Winter“ kommt ohne das Malen unterbrechen zu müssen. Vorausschauende Malfreunde haben über den Sommer gesammelt: Schneckenhäuser, Muscheln, Steine, getrocknete Gräser und Blüten, aber auch jede Menge Fotos. Auch ich habe einen ziemlich großen Fundus an Material, so dass mir die Ideen nie ausgehen.

In der letzten Woche fand ich eine ganze Ansammlung leerer Häuser von Weinbergschnecken!

Sehr gerne male und zeichne ich Steine. Hier ein Beispiel, wie es als Aquarell aussehen kann:

"Vier Steine" - Aquarell, 30 x 40 cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Vier Steine“ – Aquarell, 30 x 40 cm, (c) Cordula Kerlikowski

Es ist spannend, die Oberflächen der verschiedenen Steine zu erkunden, die markanten Eigenschaften herauszufinden und sich den besten Weg zu überlegen, sie darzustellen. In diesem Bild finden sich grobe, verwitterte Strukturen neben glatten Oberflächen, nahezu monochrome Bereiche, Maserungen oder scharfe Kanten.

Hier ist sehr schön zu üben, was Strukturen und Oberflächen ausmacht. Mit diesen neuen Fertigkeiten macht es dann besonderen Spaß, in den wärmeren Monaten vor Ort Findlinge, Berge, Hauswände und was sonst noch aus Steinen besteht, zu malen oder zu zeichnen…

Es ist schon ziemlich herbstlich draußen und wenn die Sonne sich versteckt, wird es schon kalt. Bei einem Spaziergang mit Tochter und Enkelkind habe ich einige Herbstfrüchte gesammelt: Hagebutten, Sanddorn, Eicheln…

Eigentlich wollte ich auch diese mit botanischer Genauigkeit abbilden, aber nach 3 Wochen intensiver Studien mussten einfach mal mehr Farbe und eine freiere Malweise her!

Ich spürte beim Entwickeln dieser Arbeit, dass es mir zunehmend schwerer fällt, mit Rot umzugehen… Typisch für mich, denn in den kühlen Jahreszeiten benutze ich tatsächlich, mehr oder weniger unbewußt, ganz andere Farben als im späten Frühling oder im Sommer.

So habe ich mich ziemlich mühen müssen, den Hagebutten die ihnen eigene Farbigkeit zu geben und auch die Blätter, die schon herbstlich-bunte Flecken aufwiesen, sorgfältig zu malen. Dass es trotzdem noch gelungen ist, freut mich… Sicher werde ich bis zum Winter noch einige botanische Studien malen, doch mit den roten Früchten wird es wohl vorbei sein bis zum nächsten Jahr…

"Hagebuttenzweig" - 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Hagebuttenzweig“ – 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

Seit einiger Zeit beschäftigen mich botanische Studien, deren Ausarbeitung mich immer mehr fasziniert. Im letzten Blog habe ich eine erste Studie zu Walnüssen vorgestellt, jetzt folgt der Zweig aus einer anderen Sicht – mit einer aufgeplatzten Fruchtschale, die die reife Nuss zeigt.

Das war schon eine Herausforderung, denn nicht nur die strukturierte Nussschale auszuarbeiten, sondern auch auf die schnell vertrocknende Fruchtschale zu reagieren ist knifflig. Seit einer Woche versuchte ich  den Zweig frisch zu halten. Doch nun war das Ende seines Überlebenswillens erreicht und er trocknete beinahe schneller aus als ich malen konnte. Damit muss man leben. Ich begann also mit den Fruchtschalen, da hier die Veränderungen am schnellsten vor sich gingen. Die Blätter hatte ich bereits für die erste Studie ausgiebig studiert und konnte diese Erfahrungen für die zweite Arbeit nutzen.

"Walnusszweig II", Zwischenergebnis, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnusszweig II“, Zwischenergebnis, (c) Cordula Kerlikowski

Hier sind auch die feinen Fädchen zu sehen, die die Nuss in der Schale abpolstern und an deren Innenseite halten. Das ergibt auch die Furchen in der verholzten Nussschale.

Schritt für Schritt geht es wieder über viele Lasuren zum Endergebnis:

"Walnusszweig II" - 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnusszweig II“ – 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten

Dieses Mal habe ich nicht alle Blätter voll ausgearbeitet, um den Fokus auf die drei Nüssen zu lenken. Wichtig waren mir aber die typischen Drehungen der Blätter, die das Bild lebendiger erscheinen lassen.

Was nun noch bleibt, wäre die Darstellung der reifen Nüsse in verschiedenen Ansichten. Das überlege ich mir noch. Fürs erste ist es genug mit den Walnüssen. Ich freue mich jedoch auf den Frühling. Dann geht es mit der Studie über die Blattknospen und Blüten weiter…

Gestern und heute habe ich an einer weiteren botanischen Studie gearbeitet. Nach Birnen, Äpfeln, Kastanien und Kürbissen folgt nun ein Walnusszweig. Hier in Berlin gibt es Walnussbäume in vielen Gärten – sie sind auch geschützt und so ist solch ein Baum oft Segen und Fluch für die Besitzer. Mit den Massen an Nüssen arrangieren sie sich noch gern, aber das viele Laub und besonders die Fruchtschalen machen sehr viel Arbeit.

So entgeht den Menschen oft die Schönheit der Walnussbäume. Einen Zweig, an dem die Nüsse noch in ihrer Schale stecken, kennt kaum noch jemand.

Hier nun also Schritt für Schritt mein Walnusszweig:

"Walnüsse" - Schritt1, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – Schritt 1, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

Nach der Vorzeichnung male ich mich zunächst am Holz des Zweiges locker und lege dann erste Lasuren über die Fruchtschalen.

Danach lasiere ich das Laub in ein bis zwei ersten Schichten. Wichtig: nicht den Überblick verlieren bei den vielen verschiedenen, teilweise verdrehten Blättern!

"Walnüsse" - Schritt 2, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – Schritt 2, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

Um nicht „betriebsblind“ zu werden, arbeite ich abwechselnd auch an den Details der Früchte. Ständige Kontrolle ist wichtig, um alle Feinheiten korrekt zu erfassen. Das braucht Zeit – und die sollte man sich auch nehmen.

Weiter geht es dann mit der Überarbeitung der Blätter – Lasur auf Lasur:

"Walnüsse" - Schritt 3, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – Schritt 3, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

Immer wieder vergleiche ich das Zwischenergebnis mit dem vor mir liegenden Zweig, um nichts zu übersehen. Das geht am konkreten Objekt viel besser als von einem Foto! Sowohl die Blätter als auch die Fruchtschalen altern während der Stunden, in denen ich an ihnen arbeite. Deshalb habe ich nicht jeden braunen Punkt oder jede trockene Stelle berücksichtigt.

Knifflig ist die Oberfläche der Fruchtschalen. es gibt sowohl weiße Punkte als auch dunkle. Das muss von Anfang an berücksichtigt werden. Nachträgliches Aufbringen weißer Punkte mit Deckfarbe ist nicht empfehlenswert.

Die Früchte im Detail:

"Walnüsse" - Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

Hier ist auch gut der kurze Stiel zu sehen, davor sitzt eine Blattknopse…

Und nun das fertige Aquarell:

"Walnüsse" - 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

In einer weiteren Studie werde ich mich genauer mit den Früchten beschäftigen: Nuss in der Fruchtschale, aufgeplatzte Schale, aufgeschnittene Schale mit Nuss, die Nuss ohne Schale (geschlossen und geöffnet)….

Von meinem Wohnzimmerfenster aus sehe ich zwei riesige Kastanienbäume, deren glänzende Früchten zur Zeit auf dem Rasen reichlich zu finden sind. Es ist spannend, die verschiedenen Reifestufen der Kastanien zu betrachten. Sowohl die stacheligen Kugeln als auch die braunen Früchte selbst sind interessant und vielfältig. Es gibt keine zwei Objekte, die identisch sind.

Diese Formen möglichst naturgetreu nachzuempfinden ist nicht ganz einfach. Sowohl die glänzende Oberfläche der Kastanien als auch die weichen, manchmal schon bräunlich verfärbten Stacheln der Hülle oder die vertrocknenden Blätter sind eine Herausforderung. Hier kommt alles zur Anwendung, was die Aquarellmalerei ausmacht: Nass-in-Nass-Technik, Lasurmalerei, Lavieren, Nass-auf-Trocken, die Details dann mit einem ganz dünnen Pinsel trocken auf die trockene Malfläche:

"Kastanien" - Zwischenergebnis, 25 x 25cm, Aquarell auf Bütten

„Kastanien“ – Zwischenergebnis, 25 x 25cm, Aquarell auf Bütten

Zunächst beginne ich mit den verholzten Stielen. Hier kann ich noch mit den Farben experimentieren ohne dass Korrekturen auffallen – bei den hellen Stachelkugeln ist das nicht mehr so frei möglich, da hier die Farben heller und zu dunkle Bereiche kaum noch aufzuhellen sind. Die in den Zweigen verwendeten Farben nutze ich auch für die braune Oberfläche der Kastanien. Blätter und Fruchtschalen lege ich zuerst mit leichten, sehr hellen Lasuren an.

Lasuren sind der Schlüssel zu perfekten Ergebnis. Es macht sehr viel Arbeit, eine Schicht auf die andere zu legen. Immer wieder warten, bis die Fläche gut durchgetrocknet ist… Um die Wartezeit konstruktiv zu nutzen, arbeite ich nach und nach in anderen Bildbereichen erste Details heraus.

Da ich hier eher eine botanische Studie ausarbeite, verzichte ich bewußt auf einen Hintergrund und Schatten auf Tischflächen etc.

Wichtig sind mir die Details der Pflanzenteile. Nach etlichen Stunden Arbeit wird dieses Ergebnis sichtbar:

"Kastanien" - Aquarell auf Bütten, 25 x 25cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Kastanien“ – Aquarell auf Bütten, 25 x 25cm, (c) Cordula Kerlikowski

Dann nehme ich mir noch etwas Zeit, um das Bild zu überprüfen, kleine Unregelmäßigkeiten zu verbessern oder Details zu vertiefen. Jedoch ist es wichtig rechtzeitig aufzuhören. Irgendwann kommt der Moment, in dem man Gefahr läuft, die Arbeit zu verderben… Also Vorsicht!

Hier noch ein Detail:

"Kastanien" - Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Kastanien“ – Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

Im nächsten Frühling werde ich auf einem großen Bogen Aquarellpapier eine Studie beginnen, die im Laufe des Jahres alle Entwicklungsstufen eines Kastanienbaumes aufnimmt: Laubknospen, Blütenstand (siehe meine Goauche-Studie), Fruchtansatz, ausgewachsene Stachelkugeln, reife Früchte… Darauf bin ich schon gespannt!

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