Für die Ausstellung bei Eveline Armenat (ich berichtete am letzten Donnerstag) arbeite ich weiter an einigen Miniaturen. Heute verwendete ich ein außergewöhnliches Format, das mir durch früher einmal gekaufte Bütten-Passepartouts vorgegeben war. Bambus bietet sich aufgrund seiner Längsausrichtung natürlich besonders an – und so sollte es dann auch sein:

Allen drei Variationen ist die Ausführung auf Aquarellpapier gemeinsam – jedoch habe ich in allen drei Fällen nach dem Auflegen des Bütten-Passepartouts über dieses weiter gezeichnet. Im Foto ist das vielleicht nur bedingt zu erkennen, im Original ist die Wirkung stärker…

Variante 1 – klassisches Grün:

"Bambus I" - 6 x 17cm/20 x 30cm Aquarell/Mischtechnik

„Bambus I“ – 6 x 17 cm/20 x 30 cm Aquarell/Mischtechnik

Dieses Blatt wirkt harmonisch –  so wie die meisten von uns Bambus kennen und erwarten. Die Vielfalt dieser Pflanze ist jedoch viel größer und wenn ich auch farblich vielleicht etwas stärkere Kontraste eingesetzt habe, so stimmt die Farbigkeit der folgenden Arbeiten doch in etwa:

Variante 2 – Blautöne:

"Bambus II" - 6 x 17cm/20 x 30cm Aquarell/Mischtechnik (c) Cordula Kerlikowski

„Bambus II“ – 6 x 17cm/20 x 30cm Aquarell/Mischtechnik

Ja, es gibt „blauen“ Bambus – grau-türkisfarben in etwa: Bambusa Chungii zum Beispiel…

Und hier ein Bambus, in dem Grün und Violett vorkommen – Neosino Calamus als ein Vertreter dieses Farbspiels…:

Variante 3 – Grün-Violett:

"Bambus III" - 6 x 17 cm/ 20 x 30 cm Aquarell/Mischtechnik, (c) Cordula Kerlikowski

„Bambus III“ – 6 x 17 cm/ 20 x 30 cm Aquarell/Mischtechnik

Obwohl Zeichen- und Malstil identisch sind und auch das Motiv das Gleiche bleibt, wirken die drei Arbeiten ziemlich unterschiedlich.

Die Rahmung wird eine Herausforderung. Zum einen möchte ich den schönen Büttenrand des Passepartouts erhalten, zum anderen gibt es für dieses Format mit Sicherheit keinen Standardrahmen….

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Bambus hat so viele interessante Arten, dass es sich lohnt sich näher damit zu beschäftigen. Nicht viele  gedeihen in unserem Klima, obwohl die Pflanze robuster ist als wir Europäer denken. Ein tropischer blauen Bambus, Bambusa Chungii, gefällt mir besonders.

So nahm ich heute meinen Bamboo-Mixed-Media-Block, der, wie der Name schon sagt, aus 90% Bambusfasern besteht und das Foto eines Freundes von den Philippinen, um diese besonders schöne Art als Aquarell zu malen:

"Bambusa Chungii" - Aquarell auf Bamboo Mixed Media, 24 x 32cm, (c) by Cordula Kerlikowski

„Bambusa Chungii“ – Aquarell auf Bamboo Mixed Media, 24 x 32cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Ich arbeitete hier hauptsächlich mit drei Farben, nur für die Details verwendete ich eine vierte, abgemischt mit Türkis und Indigo. Dadurch wirkt das Aquarell harmonisch und ruhig. Auf allzu viele Details habe ich verzichtet, damit das blasse Blau der Halme gut zur Geltung kommt.

Es gibt auch roten und schwarzen Bambus – also noch jede Menge zu entdecken…

Mein geschätztes Bamboo-Papier gibt es nun also auch als A4-Skizzenbuch!

Bamboo-Skizzenbuch A4

Bamboo-Skizzenbuch A4

Ich finde, es ist sehr gut gelungen, fühlt sich stabil an und ist robust genug, um es unterwegs zu benutzen. Und so habe ich es heute, stilgerecht, mit einer Bambuszeichnung eingeweiht:

Bamboo-Skizzenbuch und Bleistiftzeichnung, (c) von Cordula Kerlikowski

Bamboo-Skizzenbuch und Bleistiftzeichnung, (c) von Cordula Kerlikowski

Das Papier fühlt sich beim Zeichnen gut an – die Textur unterstreicht die zu gestaltende Oberfläche auf besondere Weise:

"Bambus", A4, Bleistift auf Bamboo-Skizze, (c) by Cordula Kerlikowski

„Bambus“, A4, Bleistift auf Bamboo-Skizze, (c) by Cordula Kerlikowski

Nachdem ich verschiedene Bleistiftstärken in dieser Zeichnung verwendet habe, werde ich demnächst Farb- und Aquarellstifte ausprobieren. Vielleicht wieder mit dem Bambus-Motiv…

Seit einiger Zeit beschäftige ich intensiv mit dem Bamboo Mixed Media Papier von Hahnemühle und experimentiere mit verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen, wobei ich so konsequent wie möglich die Verwendung von Bambus in die Gestaltung meiner Arbeiten einbeziehen wollte. Das bedeutet, neben dem Papier aus Bambusfasern auch die Bambusfeder, Bambusstäbchen oder Bambusstrukturen zu nutzen. Auch das Motiv der Blätter sollte der Bambus in seinen verschiedenen Strukturen, Wachstumsphasen oder Anwendungen sein.

Hier die letzten Artikel dazu: https://cordulakerlikowski.wordpress.com/category/bamboo-with-bamboo-on-bamboo/

Kürzlich habe ich, wie bereits berichtet, Bambusstäbchen einer alten Pinselmatte verwendet, um mit meiner Tiefdruckpresse Prägungen in das Papier zu drücken. Gestern kombinierte ich diese Prägungen mit der bereits angefertigten Radierplatte. Das Ganze durch die Presse zu bekommen war nicht so einfach, aber das Ergebnis gefiel mir:

"Bamboo with bamboo on Bamboo" I, 30 x 40 cm - Druck, (c) Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" I, 30 x 40 cm - Druck, (c) Cordula Kerlikowski

Da die Druckplatte erst die Testvariante einer künftigen Platte war, habe ich beide vorbereiteten Blätter mit Aquarellfarbe teilweise koloriert und mit Tusche und Rohrfeder bzw. Bambusstäbchen Details herausgearbeitet. Hier die Ergebnisse:

Blatt I:

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" I, 30 x 40 cm - Mischtechnik, (c) Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" I, 30 x 40 cm - Mischtechnik, (c) Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" I, 30 x 40 cm, Detail - Mischtechnik, (c) Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" I, 30 x 40 cm, Detail - Mischtechnik, (c) Cordula Kerlikowski

Blatt II:

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" II, 30 x 40 cm, Mischtechnik, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" II, 30 x 40 cm, Mischtechnik, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" II, 30 x 40 cm, Mischtechnik, Detail 1, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" II, 30 x 40 cm, Mischtechnik, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" II, 30 x 40 cm, Mischtechnik, Detail 2,(c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" II, 30 x 40 cm, Mischtechnik,Detail 2,(c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" II, 30 x 40 cm, Mischtechnik, Detail 3, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" II, 30 x 40 cm, Mischtechnik,Detail 3,(c) by Cordula Kerlikowski

Auf den Detailaufnahmen sind die Prägungen und die aquarellierten Flächen gut zu erkennen.

Mit diesen Ergebnissen bin ich zufrieden und sie erhalten die Titel „Bamboo with Bamboo on Bamboo“ I und II – die weiteren Arbeiten werden dann entsprechend durchnumeriert…

In meinem ersten Artikel zum Thema „Bamboo“ habe ich beschrieben, wie ich Kaltnadelradierung, Aquarell und Zeichnung thematisch miteinander verbunden habe.

Heute versuchte ich, was plastisch geht. Ich zerpflückte eine alte Aquarellmatte aus Bambus und benutzte die Stäbe für einen Reliefdruck auf meiner Druckpresse. In den Mittelteil legte ich eine Radierplatte, um hier eine glatte Fläche zum Zeichnen und Schreiben zu bekommen.

Das Ergebnis war sehr interessant. Die Hoch-Tief-Strukturen haben sich auf dem Bamboo-Papier sehr gut eingeprägt, ohne das Papier zu beschädigen. Zunächst nutze ich die Mittelfläche für die Kombination von Schrift  und Zeichnung mit der Bambusfeder, danach habe ich die Prägungen mit einem der Stäbchen aus der Matte andeutungsweise gezeichnet:

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" - Prägedruck/Mischtechnik, 30 x 40cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" - Prägedruck/Mischtechnik, 30 x 40cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Ich verwendete Sepia-Tinte und Laubgrün als Aquarellfarbe, um sowohl den frischen, als auch den trocknenden Bambus darzustellen. Hier noch einige Details:

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" - Prägedruck/Mischtechnik, 30 x 40cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" - Prägedruck/Mischtechnik, 30 x 40cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" - Prägedruck/Mischtechnik, 30 x 40cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" - Prägedruck/Mischtechnik, 30 x 40cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Insgesamt bin ich noch nicht ganz zufrieden – das Ganze wirkt zu unruhig, ich werde also weitere Prägeblätter vorbereiten und die Zeichnung ruhiger gestalten…

Es ist immer wieder erstaunlich, was so für Ideen herausstolpern, wenn es neue Anregungen und Inspirationen gibt. So haben wir während unseres Besuchs bei der Hahnemühle auch über bewährte und vielseitige Papiere gesprochen – unter anderem über die „Bamboo“– Blöcke, die es als Zeichenblock und als Mixed Media Papier zu kaufen gibt.

Dabei kam mir der Gedanke, es doch einmal mit einer Serie zu versuchen, bei der das Thema „Bambus“ weiter auf die Spitze getrieben wird:

„Bamboo with Bamboo on Bamboo“

Also: Bambus als Motiv – gezeichnet mit einer Bambusfeder auf Bamboo-Papier!

Begonnen habe ich heute mit einer Ätzradierung, da ich ohnehin austesten wollte, ob sich das Mixed Media Papier auch nass verarbeiten lässt.

Hier erste Ergebnisse:

"Bamboo_with_bamboo_on_bamboo" - Material, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" - Material, (c) by Cordula Kerlikowski

Dabei ging es mir heute noch nicht um perfekte Arbeiten. Ich wollte zunächst probieren, ob das überhaupt funktioniert. Und das tut es! Sowohl der Druck mit eingeweichtem Papier, das Trocknen auf der Heizung und das anschließende Zeichnen mit Tusche und Feder sowie das nachkolorieren mit Aquarellfarbe waren problemlos möglich. Meine Bambusfeder hatte ich an einem Ende etwas spitzer geschnitzt, um für dieses Motiv dünnere Linien zu erhalten:

"Bamboo_with_bamboo_on_bamboo" - Probedruck, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" - Probedruck, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" - Probedruck, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" - Probedruck, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" - Probedruck, (c) by Cordula Kerlikowski

"Bamboo with Bamboo on Bamboo" - Probedruck, (c) by Cordula Kerlikowski

Das sind erste Versuche, die noch nicht botanisch korrekt, technisch korrekt und handwerklich optimal sind, aber sie zeigen in die richtige Richtung. Die Feinarbeit folgt in weiteren Schritten und wird nicht nur auf die Radierung beschränkt bleiben.

Sicher gehört es auch dazu, den Botanischen Garten zu besuchen, vor Ort zu skizzieren und Fotos herauszusuchen…

Über die Fortschritte berichte ich …

In den vergangenen beiden Tagen erhielten Susanne Haun und  ich die  seltene Möglichkeit, die Produktionsräume und Herstellungsprozesse in der Hahnemühle FineArt GmbH in Einbeck und in Dassel/ Relliehausen zu besichtigen.

Die Hahnemühle ist ein Traditionsbetrieb, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1584 zurückreichen und somit eine Firma, die sich ihren Manufakturcharakter bis in unsere Zeit in großen Bereichen bewahrt hat.

Kaum jemand von uns KünstlerInnen, die wir täglich mit diesem Material umgehen, weiß viel über die Herstellung von Papier – deshalb möchte ich heute ein etwas anderes Blog schreiben: theoretischer, mehr Fotos, längere Textpassagen (Susanne hat das ganze aus der emotionalen Sicht aufbereitet). Aber ich denke, es wird für meine Leser trotzdem interessant sein.

Alle Fotos stammen von Susanne Haun, mit freundlicher Genehmigung der Hahnemühle FineArt GmbH, vertreten durch Frau  Bettina Scheerbarth.

1. Die Herstellung des „Papierbreies“

Ausgangsstoffe für die Papierherstellung sind Zellulose, Wasser, Kreide, Stärke und einige wenige weitere Zusatzstoffe (z.B. Pigmente). Früher verwendete man ausschließlich Lumpen, d.h. alte Leinenstoffe. Heute wird importierte Baumwolle in Form von Zellstoff verarbeitet, für die Herstellung des „Bamboo“-Papiers auch Bambusfasern:

Zellstoff als Grundlage der Papierproduktion, Foto von Susanne Haun

Zellstoff als Grundlage der Papierproduktion, Foto von Susanne Haun

Blick in den Pölper, Foto von Susanne Haun

Blick in den Pulper, Foto von Susanne Haun

Zellulosebrei im Pölper: hier wird der Zellstoff zerkleinert und mit Quellwasser versetzt, so dass eine breiartige Masse entsteht. An den Türen des Pulpers sieht man die kleinen Flöckchen – es fühlt sich an wie ein nasses Papiertaschentuch…

Papierflocken aus dem Pölper, Foto von Susanne Haun

Papierflocken aus dem Pulper, Foto von Susanne Haun

Der "Hollaender", Foto von Susanne Haun

Der "Holländer", Foto von Susanne Haun

Historisches Zeugnis der Papierproduktion – der „Holländer“  – so genannt, weil ihn holländische Papierhersteller erfunden haben.

Im folgenden Schritt fließt der Brei in große Behälter, wo durch kräftiges maschinelles Rühren eine homogene Masse entsteht. Durch Hinzufügen von Stärke, Kreide und ggf. Pigmenten wird der individuelle Charakter des Papiers bestimmt und ganz auf die Wünsche der Kunden zugeschnitten.

Behälter mit Papierbrei, Foto von Susanne Haun

Behälter mit Papierbrei, Foto von Susanne Haun

Der Zellstoff auf den Weg in den Pölper, Foto von Susanne Haun

Der Zellstoff auf den Weg in den Pölper, Foto von Susanne Haun

Rohrleitungssysteme befördern den Zellstoffbrei direkt zu den Papiermaschinen. Auf der Langsiebmaschine entstehen die meisten Papiere (z.B. Aquarellkartons etc.), auf der Rundsiebmaschine das hochwertige Büttenpapier.

2. Die Langsiebmaschine

Hier wird der Papierbrei gleichmäßig auf lange Siebe aufgespritzt, so das sich die Zellulosefasern in einer bevorzugten Richtung ablegen. Dadurch hat das Fließverhalten von nasser Farbe auf diesen Papieren eine leichte Tendenz in diese Richtung, was jedoch kaum sichtlich auffällt. Die Langsiebmaschinen arbeiten schneller – dementsprechend sind Langsiebpapiere später im Fachhandel günstiger.

Langsam läuft das Band vorwärts, so dass das überschüssige Wasser abfließen kann (dieses Wasser wird gereinigt und dem Produktionsprozess wieder zugeführt):

Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Filzbahnen übernehmen das nasse Papier vom Sieb, so dass sich die Papiermasse zwischen diesen befindet. Die Struktur des Filzes und die Andruckstärke der Walzen bestimmen dann die Oberfläche das Papiers.

In weiteren Schritten schneiden scharfe Wasserstrahlen die Ränder glatt und die  Papierbahn passiert mehrere heiße Walzen. Sie wird dabei von Düsen befeuchtet, um Risse zu vermeiden und die Bahn gleichmäßig zu trocknen.

Die abgeschnittenen Ränder, Foto von Susanne Haun

Die abgeschnittenen Ränder, Foto von Susanne Haun

Walzen an der Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Walzen an der Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Abschließend entsteht eine riesige Papierrolle, die so genannte „Mutterrolle“ – aus der später Einzelbögen geschnitten und Blöcke gefertigt werden. Ein Mitarbeiter prüft die Restfeuchte des Papiers, bevor die Rolle zur weiteren Verarbeitung abtransportiert wird.

Messung der Restfeuchte, Foto von Susanne Haun

Messung der Restfeuchte, Foto von Susanne Haun

3. Die Rundsiebmaschine

Das Herstellungsverfahren auf der Rundsiebmaschine ähnelt dem auf dem Langsieb – nur dass hier eine Rolle mit einem Kupfersieb in einer Wanne rotiert und dabei die Zellulosefasern aufnimmt. Diese legen sich völlig ungeordnet auf das Sieb und entwickeln keine bevorzugte Ausrichtung. Dadurch ist das Fließverhalten der Büttenpapiere (Bütte=Bottich) gleichmäßiger. Dieser Herstellungsprozess ist der traditionelle, er dauert länger, macht das Papier teurer, aber auch hochwertiger. Der charakteristische Büttenrand entsteht durch das über die Seitenränder ablaufende Wasser. Hier einige Bildimpressionen:

Die Rundsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Die Rundsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Die "Bütte" - das Rundsieb ist als dunkle Rolle zu sehen

Die "Bütte" - das Rundsieb ist als dunkle Rolle zu sehen

Scheinbar endlos ist die Bahn an Büttenpapier, die die Maschine verlässt. Hier wird das Papier für die spätere Verarbeitung zu Blöcken auf eine große Rolle gewickelt. Für Bogenware befindet sich auf dem Rundsieb ein Kupferstreifen, auf dem sich, wie beim Wasserzeichen, weniger Papierbrei ablagert – hier kann das Papier in der gewünschten Länge reißen.

4. Die Weiterverarbeitung

Anschließend kommen die Papierrollen bzw. Bögen in eine große Halle zum Schneiden in handelsübliche Größen (für Bogenware) und werden dann nochmals auf Qualität überprüft und danach verpackt.

Schneidmaschine, Foto von Susanne Haun

Schneidmaschine, Foto von Susanne Haun

Das Wasserzeichen in einem Büttenbogen, Foto von Susanne Haun

Das Wasserzeichen in einem Büttenbogen, Foto von Susanne Haun

Hahnemuehle-Wasserzeichen auf einem Rundsieb, Foto von Susanne Haun

Hahnemuehle-Wasserzeichen auf einem Rundsieb, Foto von Susanne Haun

Blockware wird dann in Einbeck hergestellt. Dazu lagern dort Unmengen von Pappen, Papieren und Blockdecken – ein faszinierender Anblick…

5. Die Blockproduktion in Einbeck

Hier werden die bekannten Blöcke der Firma hergestellt und finden danach ihren Weg in die Künstlerwelt:

Viel Platz für die Herstellung, Foto von Susanne Haun

Viel Platz für die Herstellung, Foto von Susanne Haun

Hier wird geklebt! Foto von Susanne Haun

Hier wird geklebt! Foto von Susanne Haun

Zuschneiden auf Maß, Ausrichten der Pappen und Papiere, Kleben und das Aufbringen der Blockdecken – hier geschieht es!!! Trotz Maschinen sehr viel Handarbeit zu Gunsten von Qualität und Abfallminimierung.

6. Hahnemühle FineArt GmbH und die Umwelt

Die Firma engagiert sich für die Umwelt, denn Papierproduktion ist energieintensiv und benötigt viel Wasser: Das verwendete Wasser wird aufbereitet und der Produktion wieder zugeführt. Ständige Qualitätskontrollen stellen sicher, dass die Umwelt sauber bleibt.

Papierreste und aussortierte Bögen mit kleinen Qualitätsmängeln wandern zurück in den Pölper und der Kreislauf beginnt von Neuem. Auf Grund des hohen Anteils an manueller Nachkontrolle halten sich diese Rückführungen jedoch sehr in Grenzen. Wir haben wenig Verschnitt und Fehlpapiere gesehen.

Neben der traditionellen Verwendung von Baumwolle nutzt die Hahnemühle auch schnell nachwachsende Rohstoffe: seit einigen Jahren sind zwei Papiere aus Bambusfasern im Handel: der Mixed Media Block und ein Skizzenblock mit dem schönen Namen „Bamboo“ – durch die grünne Blockdecken schnell wahrzunehmen. Ich habe beide Qualitäten oft verwendet und bin damit sehr zufrieden.

Mit der Umweltinitiative „Green Rooster“ engagiert sich die Firma auch für größere Projekte. Ein Teil der Einnahmen aus den „Bamboo“-Verkäufen geht in diese Vorhaben.

Ich hoffe, hier einen kleinen Einblick gegeben zu haben in den Produktionsprozeß von Künstlerpapieren. Um den Blog nicht zu umfangreich zu gestalten, erwähne ich hier nur am Rande, dass die Hahnemühle neben Künstlerpapieren auch Marktführer im Digital Print Bereich ist und Filtrationspapiere herstellt. Aber das ist dann vielleicht Inhalt eines anderen Blogs…

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