Heute hatte ich endlich wieder Zeit für einen ausgiebigen Herbstspaziergang. Das nahe gelegene Wäldchen bietet für den aufmerksamen Beobachter viele schöne Überraschungen: ob nun große in Form leuchtender Herbstblätter an den Bäumen, das warme Herbstlicht oder die versteckten kleinen Schönheiten – Pilze, die niemand beachtet, weil sie vermutlich nicht essbar sind…

Ahorn im Oktober I - Foto: Cordula Kerlikowski

Ahorn im Oktober I – Foto: Cordula Kerlikowski

Ahorn im Oktober II - Foto: Cordula Kerlikowski

Ahorn im Oktober II – Foto: Cordula Kerlikowski

"Werden und Vergehen" - Detial an einem alten Stamm, Foto: Cordula Kerlikowski

„Werden und Vergehen“ – Detail an einem alten Stamm, Foto: Cordula Kerlikowski

Für die folgenden Aufnahmen habe ich förmlich auf dem Bauch gelegen und einen Hexenschuss riskiert. Das schöne an Berlin ist dabei, dass ich völlig unbeachtet von vorbeieilenden Joggern und Spaziergängern agieren konnte…

Boviste - Foto: Cordula Kerlikowski

Boviste – Foto: Cordula Kerlikowski

Lamellenpilze - Foto: Cordula Kerlikowski

Lamellenpilze – Foto: Cordula Kerlikowski

... nur 3cm hoch - Foto: Cordula Kerlikowski

… nur 3cm hoch – Foto: Cordula Kerlikowski

Ich habe viele Fotos als Gedankenstützen aufgenommen, um dann später Aquarelle oder Zeichnungen anzufertigen. Ein Bovist liegt im Kühlschrank und wartet auf seine Verwendung…

Ach ja, falls jemand die abgebildeten Pilze namentlich kennt – ich bin dankbar für jede Information, denn mein Pilzbuch ist irgendwo in einer meiner Bücherkisten, aber in welcher ???

Nun bin ich selbst ganz gespannt, wie ich die heutigen Eindrücke umsetze – ich werde berichten!

Für heute aber meinen Lesern und Leserinnen erst einmal einen schönen sonnigen Herbstnachmittag…

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Seit einiger Zeit beschäftigen mich botanische Studien, deren Ausarbeitung mich immer mehr fasziniert. Im letzten Blog habe ich eine erste Studie zu Walnüssen vorgestellt, jetzt folgt der Zweig aus einer anderen Sicht – mit einer aufgeplatzten Fruchtschale, die die reife Nuss zeigt.

Das war schon eine Herausforderung, denn nicht nur die strukturierte Nussschale auszuarbeiten, sondern auch auf die schnell vertrocknende Fruchtschale zu reagieren ist knifflig. Seit einer Woche versuchte ich  den Zweig frisch zu halten. Doch nun war das Ende seines Überlebenswillens erreicht und er trocknete beinahe schneller aus als ich malen konnte. Damit muss man leben. Ich begann also mit den Fruchtschalen, da hier die Veränderungen am schnellsten vor sich gingen. Die Blätter hatte ich bereits für die erste Studie ausgiebig studiert und konnte diese Erfahrungen für die zweite Arbeit nutzen.

"Walnusszweig II", Zwischenergebnis, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnusszweig II“, Zwischenergebnis, (c) Cordula Kerlikowski

Hier sind auch die feinen Fädchen zu sehen, die die Nuss in der Schale abpolstern und an deren Innenseite halten. Das ergibt auch die Furchen in der verholzten Nussschale.

Schritt für Schritt geht es wieder über viele Lasuren zum Endergebnis:

"Walnusszweig II" - 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnusszweig II“ – 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten

Dieses Mal habe ich nicht alle Blätter voll ausgearbeitet, um den Fokus auf die drei Nüssen zu lenken. Wichtig waren mir aber die typischen Drehungen der Blätter, die das Bild lebendiger erscheinen lassen.

Was nun noch bleibt, wäre die Darstellung der reifen Nüsse in verschiedenen Ansichten. Das überlege ich mir noch. Fürs erste ist es genug mit den Walnüssen. Ich freue mich jedoch auf den Frühling. Dann geht es mit der Studie über die Blattknospen und Blüten weiter…

Von meinem Wohnzimmerfenster aus sehe ich zwei riesige Kastanienbäume, deren glänzende Früchten zur Zeit auf dem Rasen reichlich zu finden sind. Es ist spannend, die verschiedenen Reifestufen der Kastanien zu betrachten. Sowohl die stacheligen Kugeln als auch die braunen Früchte selbst sind interessant und vielfältig. Es gibt keine zwei Objekte, die identisch sind.

Diese Formen möglichst naturgetreu nachzuempfinden ist nicht ganz einfach. Sowohl die glänzende Oberfläche der Kastanien als auch die weichen, manchmal schon bräunlich verfärbten Stacheln der Hülle oder die vertrocknenden Blätter sind eine Herausforderung. Hier kommt alles zur Anwendung, was die Aquarellmalerei ausmacht: Nass-in-Nass-Technik, Lasurmalerei, Lavieren, Nass-auf-Trocken, die Details dann mit einem ganz dünnen Pinsel trocken auf die trockene Malfläche:

"Kastanien" - Zwischenergebnis, 25 x 25cm, Aquarell auf Bütten

„Kastanien“ – Zwischenergebnis, 25 x 25cm, Aquarell auf Bütten

Zunächst beginne ich mit den verholzten Stielen. Hier kann ich noch mit den Farben experimentieren ohne dass Korrekturen auffallen – bei den hellen Stachelkugeln ist das nicht mehr so frei möglich, da hier die Farben heller und zu dunkle Bereiche kaum noch aufzuhellen sind. Die in den Zweigen verwendeten Farben nutze ich auch für die braune Oberfläche der Kastanien. Blätter und Fruchtschalen lege ich zuerst mit leichten, sehr hellen Lasuren an.

Lasuren sind der Schlüssel zu perfekten Ergebnis. Es macht sehr viel Arbeit, eine Schicht auf die andere zu legen. Immer wieder warten, bis die Fläche gut durchgetrocknet ist… Um die Wartezeit konstruktiv zu nutzen, arbeite ich nach und nach in anderen Bildbereichen erste Details heraus.

Da ich hier eher eine botanische Studie ausarbeite, verzichte ich bewußt auf einen Hintergrund und Schatten auf Tischflächen etc.

Wichtig sind mir die Details der Pflanzenteile. Nach etlichen Stunden Arbeit wird dieses Ergebnis sichtbar:

"Kastanien" - Aquarell auf Bütten, 25 x 25cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Kastanien“ – Aquarell auf Bütten, 25 x 25cm, (c) Cordula Kerlikowski

Dann nehme ich mir noch etwas Zeit, um das Bild zu überprüfen, kleine Unregelmäßigkeiten zu verbessern oder Details zu vertiefen. Jedoch ist es wichtig rechtzeitig aufzuhören. Irgendwann kommt der Moment, in dem man Gefahr läuft, die Arbeit zu verderben… Also Vorsicht!

Hier noch ein Detail:

"Kastanien" - Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Kastanien“ – Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

Im nächsten Frühling werde ich auf einem großen Bogen Aquarellpapier eine Studie beginnen, die im Laufe des Jahres alle Entwicklungsstufen eines Kastanienbaumes aufnimmt: Laubknospen, Blütenstand (siehe meine Goauche-Studie), Fruchtansatz, ausgewachsene Stachelkugeln, reife Früchte… Darauf bin ich schon gespannt!

Ja, ich weiß, ich bin spät dran und bis ich die Inspirationen aus meinem Kurzurlaub an der Küste umgesetzt habe, wird es noch etwas dauern. Ich habe tatsächlich nur fotografiert und meine Farben und Stifte nicht angerührt. Aber das war gut so, manchmal brauche ich Abstand…

Deshalb habe ich heute zum „Warmmalen“ ein Blatt verwendet, das durch ein umgeworfenes Tintenfass ziemlich ruiniert war. Ich konnte den Schaden zwar begrenzen, indem ich es beherzt unter den laufenden Wasserstrahl hielt, aber für die geplante Zeichnung war es nicht mehr zu verwenden:

Zeichnung und Foto (c) Cordula Kerlikowski

Zeichnung und Foto (c) Cordula Kerlikowski

Deutlich ist zu sehen, wie die Tinte links verlaufen ist. Durch das Abspülen wirkt die Fläche jedoch pastellartig und es ist möglich, diesen Bereich in eine neue Zeichnung einzubeziehen.

Ich verwendete den gleichen blau-türkisen Farbton für die Überzeichnung und setzte nur am Schluss einige grüne Akzente. Hier zeigte sich auch, dass die vorangegangenen Bleistiftstudien zum Ginkgo nützlich waren. Aus der Erinnerung dieser Übung war es möglich, aus den Verlaufspuren passende Zweige zu entwickeln und kleine Blattansätze korrekt anzusetzen.

Hier nun das Ergebnis:

"Ginkgo-Zweige" - Zeichnung/Mischtechnik, 11 x 24 cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Ginkgo-Zweige“ – Zeichnung/Mischtechnik, 11 x 24 cm, (c) Cordula Kerlikowski

Jetzt passt sich der kleine „Unfall“ so in die Arbeit ein, dass er nur noch dem Eingeweihten auffällt.

Erkenntnis: auch Arbeiten, die verunglückt erscheinen, können meist noch gerettet werden. Oft sind dazu nur zeitlicher Abstand, Umdenken, ggf. Drehen des Motivs usw. nötig. Es wäre schade um die eingesetzte Zeit und das verwendete Material, wenn das Papier im Abfall landen würde… Das kann jeder und – in diesem Prozeß von Verwerfen, Umarbeiten und Neuanfang gibt es viel zu lernen!

Der Ginkgo beschäftigt mich schon länger – seine Blätter sind faszinierend einfach und trotzdem jedes, in Abhängigkeit von der Größe und dem Alter des einzelnen Blattes, immer wieder etwas anders.

Heute wollte ich diese Einfachheit in mehreren kleineren Formaten darstellen, wobei ich mich auf die Formate 6 x 17cm bzw. 10 x 10cm beschränken wollte.

Ich verwendete dabei Aquarellpapier, Aquarellfarben und einen kleinen Trick, um die Blattform- und Struktur auf den Untergrund zu bringen:

"Ginkgo" Miniatur 1 - Aquarell und Mischtechnik, 6 x 17cm, (c) by Cordula Kerlikowski

„Ginkgo“ Miniatur 1 – Aquarell und Mischtechnik, 6 x 17cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Ginkgo" Miniatur 2 - Aquarell und Mischtechnik, 6 x 17cm, (c) by Cordula Kerlikowski

„Ginkgo“ Miniatur 2 – Aquarell und Mischtechnik, 6 x 17cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Türkisblaue Farbigkeiten, unterstützt von grünen Flächen und Indigo konzentrieren auf das Wesentliche. Diesen Eindruck wollte ich durch einige wenige strenge Linien weiter unterstützen.

Auflockerung erfährt das Ganze durch das Herausragen der Blätter aus dem Format.

Eigentlich hatte ich noch ein drittes Bild vorgesehen, doch ist mir darauf mein intensiv gefärbtes Tuschwasser ausgekippt und nur beherztes „Unter-den-Wasserhahn-halten“ konnte Schlimmeres verhindern. Aber so passt es nicht mehr zu den anderen beiden Bildern – und ich habe einen neuen Ansatz für eine weitere Arbeit…

P.S.: bei der Bildbearbeitung bin ich heute an meine Grenzen gekommen. Die Originale leuchten natürlich viel stärker und auch die Farben der Blätter haben ein subtileres Spektrum.

Diese Art von kleinen Aquarell-Landschaften verwende ich oft, um in Kursen mit einfachen Mitteln die Techniken der Aquarellmalerei zu erklären:

Nass-in-Nass-Technik
Lasieren
Lavieren
Verläufe…

"Blaue Landschaft" - 10 x 15cm, Aquarell auf Aquarellpostkarte, (c) by Cordula Kerlikowski

„Blaue Landschaft“ – 10 x 15cm, Aquarell auf Aquarellpostkarte, (c) by Cordula Kerlikowski

Es ist einfacher als es aussieht und auch dem Anfänger/der Anfängerin gelingen schnell selbst schöne kleine Landschaften.

Weiterhin kann man so die Wirkung von Tonwerten gut lernen: nur eine Farbe in ihren vielen Abstufungen, hervorgerufen durch die Zugabe von mehr oder weniger Wasser, zu verwenden, ist sehr interessant und hilft später beim Einschätzen des richtigen Verhältnisses von Wasser und Farbe.

Diese Art der farblichen Gestaltung gelingt nicht mit jedem Farbton. Der Kontrast zum Weiß des Papiers muss schon ausreichend stark sein, um die gewünschten Effekte zu erreichen. Gut eignen sich Indigo, Sepia, Preußischblau…

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Ich bekam gestern zwei Ginkgo-Zweige geschenkt. Um sie möglichst lange zu halten, habe ich sie gleich frisch angeschnitten und ins Wasser gestellt:

Ginkgo-Zweige, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Ginkgo-Zweige, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Goethe hat sie bedichtet, sie ist Glücksbringer und Heilpflanze. Botanisch bildet diese Pflanzenart das Bindeglied zwischen Nadel- und Laubbäumen.

Die Blattform ist einmalig und fasziniert durch ihre einfache, geradlinige Struktur. Trotzdem ist es nicht so einfach sie darzustellen, denn ihre Regelmäßigkeit ist nur scheinbar… jedes Blatt hat andere „Bewegungen“ in sich.

Zunächst zeichnete ich einen Abschnitt eines Zweiges für meine bordeaux-grüne Serie:

"Ginkgo" - ca. 23 x 23 cm,Tusche auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

„Ginkgo“ – ca. 23 x 23 cm,Tusche auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

Es ist interessant sich die Blätter genauer anzuschauen und ihren Rhythmus zu erfassen… Ich habe wieder auf zu viele Details zu Gunsten der Lebendigkeit des Zweiges verzichtet, werde aber noch weitere Zeichnungen anfertigen, die dann vielleicht genauer ausgearbeitet werden.

Auch ein Aquarell auf einem Hochformat schwebt vor meinem geistigen Auge. Ich hoffe, die Zweige halten so lange durch…

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