In den letzten Wochen war ich durch viele verschiedene Aufgaben beansprucht. Zum einen liefen die ersten Kurse zum „Botanischen Malen und Zeichnen“ an, es gab verschiedene Anfragen für Auftragsarbeiten, Terminabsprachen, die Malreise 22.-28.4.2013 nach Goslar war vorzubereiten uvm.

Da blieb und bleibt  wenig Zeit für die eigene künstlerische Arbeit nur für mich, obwohl sie natürlich nie ganz unterbleibt.

So nutzte ich die Ostertage, um eine großformatige Arbeit wieder aufzunehmen, die ich vor Ostern schon begonnen hatte. Die Fahrt durch das Schneetreiben zum Arbeitsort war schon besonders – einfach zu winterlich für die Osterzeit.

Sicher hat die Sehnsucht nach Sonne die Hand geführt, so dass sich die Farbigkeit meiner Arbeit von Blau-Türkis nach Grün und Gelb bewegte:

noch ohne Titel - 1. Arbeitsphase, (c) Cordula Kerlikowski

noch ohne Titel – 1. Arbeitsphase, (c) Cordula Kerlikowski

Die Abmessungen von zusammen 4 x 100 x 240 cm waren für meine Verhältnisse schon ziemlich groß, und das Hantieren mit diesen sperrigen Formaten eine Herausforderung für sich.

eine Woche später... (c) Cordula Kerlikowski

eine Woche später… (c) Cordula Kerlikowski

Es entwickelte sich, entgegen einem ersten spontanen Themenansatz, eine ganz andere Sicht auf die Dinge und nun fanden sich fliegende, schwebende Elemente auf der Untermalung, viel Bewegung und Farbspiel.

Hier das Ergebnis:

"Don't catch my birds of paradise..." Acryl/Mischtechnik auf Leinwand, 4 x 100 x 240 cm (2teilig) (c) Cordula Kerlikowski

„Don’t catch my birds of paradise…“ Acryl/Mischtechnik auf Leinwand,  4 x 100 x 240 cm (2teilig) (c) Cordula Kerlikowski

… und einige Details:

Detail 1 - (c) Cordula Kerlikowski

Detail 1 – (c) Cordula Kerlikowski

Detail 2 - (c) Cordula Kerlikowski

Detail 3 – (c) Cordula Kerlikowski

Detail 5 - (c) Cordula Kerlikowski

Detail 2 – (c) Cordula Kerlikowski

Detail 3 - (c) Cordula Kerlikowski

Detail 4 – (c) Cordula Kerlikowski

Spannend, wie sich die Bildideen mit dem Arbeitsfortschritt verändern können. Und natürlich gehört es für mich dazu, die Strukturen zeichnerisch zu vertiefen, zu verändern und zusammenzufassen…

Am Mittwoch werde ich das Doppel aus dem Atelier meiner Kollegin abholen. Ich bin gespannt, wie ich das Bild dann wahrnehme…


Wie ihr sicher schon bemerkt habt, war ich für einen pünktlichen Blogbeitrag mal wieder zu beschäftigt.

Die Vorbereitung, Durchführung sowie die Publikation der Termine für meine Botanik-Kurse in verschiedenen Medien erforderte sehr viel Zeit, mal abgesehen von den regulären Kursterminen und diversen Kundenanfragen… Und da ich mich definitiv nicht mehr stressen werde, um pünktlich, aber halbherzig, einen Blogbeitrag zu liefern, möge man mir dieses Versäumnis nachsehen.

Da blieb nur wenig Zeit für eigene künstlerische Beschäftigung – und manchmal endet dieses Chaos durchaus in einer handfesten „Malblockade“.

Eigentlich wollte ich, einfach nur so für mich, eine Rosenblüte aquarellieren – kein großes Ding, aber diesmal ging gar nichts. Ich war ziemlich ärgerlich über mich selbst, denn normalerweise bin ich schon gewohnt, dass alles gelingt. Ich werfe ungern etwas weg – Aquarellpapier und die eingesetzten Farben sind es wert zu einem guten Ergebnis zu gelangen.

Also: weglegen und das missratene Werk ein paar Tage lang nicht anschauen. Das hilft mir am besten Abstand zu gewinnen und vieles klarer zu sehen.

Ein paar Tage später holte ich es wieder hervor und begann auf den Formen mit schwarzen Linien zu spielen, Flächen zu entwickeln und einige Formen genauer auszuarbeiten. Völlig frei – denn zu verderben war ja ohnehin nichts mehr. Leider habe ich versäumt, das Ausgangsbild festzuhalten…

Im Ergebnis entstand dann diese grafische Spielerei:

"Rose" - Aquarell/Mischtechnik, 14 x 14cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Rose“ – Aquarell/Mischtechnik, 14 x 14cm, (c) Cordula Kerlikowski

Das ist am Ende dann doch ein kleiner Farbtupfer im grauen Winter-Frühling!

Heute Vormittag war es dann auch wieder vorbei mit der Muße – schnell zum Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow fahren, um die druckfrischen  Hefte mit dem neuen Veranstaltungsprogramm der Berliner Parks und Gärten abzuholen und im Gegenzug Flyer zu meinen Kursen abzuliefern:

Das aktuelle Programmheft von GRÜNBerlin

Das aktuelle Programmheft von GRÜNBerlin

Ich habe die Zeit genutzt, um gleich ein paar Winterimpressionen zum Frühjahrsanfang mit der Kamera aufzunehmen – es ist einfach zu verrückt, um diese Zeit IN BERLIN noch Schnee in diesen Mengen vorzufinden.

Hier einige Bilder. In einem späteren Blog werde ich mehr über den Volkspark schreiben:

Im Botanischen Volkspark Pankow, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Im Botanischen Volkspark Pankow, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Im Botanischen Volkspark Pankow, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Im Botanischen Volkspark Pankow, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Winterlich-verscheit lädt der Park zum Spazierengehen ein – und am Wochenende kommen viele Familien mit Kindern. Heute war es dagegen sehr ruhig.

Im Botanischen Volkspark Pankow, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Im Botanischen Volkspark Pankow, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Das Gewächshaus wirkt von außen wie der Palast der Schneekönigin – im Inneren grünt und blüht es jedoch. Fotos muss ich schuldig bleiben. Das Objektiv beschlug sofort…

Im Botanischen Volkspark Pankow, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Im Botanischen Volkspark Pankow, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Im Botanischen Volkspark Pankow, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Im Botanischen Volkspark Pankow, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Im Botanischen Volkspark Pankow, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Im Botanischen Volkspark Pankow, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Auch wenn es so recht schön aussieht, ist es doch ein graues Grau. Ich hatte, ehrlich gesagt, schon mit blühenden Krokussen, Schneeglöckchen und Narzissen gerechnet, zumal ich am kommenden Montag mit meinen Kursteilnehmerinnen im Botanischen Garten der Freien Universität Frühblüher malen und zeichnen wollte. Zum Glück gibt es Gewächshäuser!!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen Start in den Frühling, irgendwann muss er ja kommen …


Gestern fand bereits die vierte von sechs Kurseinheiten zum Thema „Botanisches Malen und Zeichnen“ in der Späth’schen Baumschule statt. Einmal pro Woche treffen wir uns auf diesem traditionsreichen Gelände.

Zur Zeit nutzen wir die freundlicherweise zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten, da es draußen noch zu kalt ist und aufgrund der Witterung wenig Blühendes zu finden wäre. So behelfen wir uns mit getrockneten Samenständen des Mohns oder mit Blumen aus dem Blumenladen.

Hier einige Ergebnisse:

erste Ergebnisse aus dem Kurs in der Späth'schen Baumschule

erste Ergebnisse aus dem Kurs in der Späth’schen Baumschule

In den ersten beiden Kurseinheiten ging es vor allem darum,den Umgang mit dem Material kennen zu lernen, das Erkennen der wesentlichen Details zu üben und an einfachen Formen auszuprobieren, wie man eine Pflanze oder ein Pflanzenteil naturalistisch abbildet. Das ist, wie aus dem Bild zu erkennen, schnell und gut gelungen.

Der dritte Kursabend diente dazu, die Feinmotorik weiter zu schulen, Lockerheit in der Linienführung zu gewinnen und auch schon einmal Farbe in Form von Aquarellstiften einzusetzen. Aquarellstifte sind angenehm weich, farbstark und in vielen Farben erhältlich. Am Beispiel einer Tulpenblüte habe ich Schritt für Schritt gezeigt, wie man vorgeht und am Ende ein naturnahes Ergebnis erzielen kann:

Ergebnisse der 3. Kurseinheit

Ergebnisse der 3. Kurseinheit

Auf Wunsch der TeilnehmerInnen blieb die Tulpe auch in der vierten Kurseinheit Thema. Das macht  Sinn – so vertiefen sich die Fähigkeiten, brennen sich sozusagen ins Gedächtnis, und tragen dazu bei, die Formen später ohne Vorlage einer Originalblüte in verschiedenen Ansichten auswendig zeichnen zu können. Keine Blüte, kein Blatt gleicht dem anderen – intensives Beobachten ist und bleibt die Voraussetzung für eine gute Zeichnung.

Es ist schön zu sehen, wie schnell sich die handwerklichen Fähigkeiten der TeilnehmerInnen festigen und entwickeln. Es ist wie beim Fahrrad fahren – es wird immer ein bißchen besser:

Kursergebnisse, 4. Kurseinheit, 8.3.2013

Kursergebnisse, 4. Kurseinheit, 8.3.2013

Hier haben wir begonnen, die farbige Aquarellstiftzeichnung mit Wasser zu vermalen. Ausgangspunkt war eine Demonstration an einem Motiv, das wir in der ersten Kurseinheit verwendet hatten:

Mohnkapsel-Aquarellstiftzeichnung, (c) Cordula Kerlikowski

Mohnkapsel-Aquarellstiftzeichnung, (c) Cordula Kerlikowski

Es ist kaum noch zu erkennen, dass hier eine Zeichnung Grundlage des Bildes war. Nach dem Vermalen mit Wasser sind die Linien völlig aufgelöst.

Nun ist es aber erst einmal genug der Tulpen und Mohnkapseln. Zum nächsten Termin üben wir uns an Primeln….

Ganz nebenbei „stolperte“ ich bei der Vorbereitung des Kursraumes auf der Eingangstreppe zum Gebäude über einen sogenannten „Stolperstein“, von denen ich in der Baumschule nun doch keinen erwartet hätte. „Stolpersteine“ weisen auf Personen hin, die während der Nazi-Diktatur verschleppt, deportiert und ermordet worden sind. In Berlin finden sich davon sehr viele. Hier der Stein aus der Baumschule für Dr. Hellmut Späth:

"Stolperstein" in der Späth'schen Baumschule, März 2013

„Stolperstein“ in der Späth’schen Baumschule, März 2013

Gedenktafel für Dr. Hellmut Späth in der Späth'schen Baumschule

Gedenktafel für Dr. Hellmut Späth in der Späth’schen Baumschule

So holt uns die Geschichte manchmal an einem Ort ein, wo wir es am wenigsten erwarten…

Ich werde oft gefragt wie es mir gelingt so naturalistische Zeichnungen oder Gemälde auszuarbeiten:

"Spiegelungen" - Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Spiegelungen“ – Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, (c) Cordula Kerlikowski

"Gelbbrust-Ara" Acrylmalerei, 80 x 80 cm (c) von Cordula Kerlikowski

„Gelbbrust-Ara“ Acrylmalerei, 80 x 80 cm (c) von Cordula Kerlikowski

In jeder Technik geht es dabei um das Erkennen der wesentlichen Formen, Linien und Farben, um Tonwerte und Abstufungen:

"Walnüsse" - 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

"Zwei Birnen" - Aquarell, 16 x 16cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Zwei Birnen“ – Aquarell, 16 x 16cm, (c) Cordula Kerlikowski

In der Bleistift- oder Tuschezeichnung kommt es auf die richtige Abstufung der Tonwerte an:

"Ginkgo-Blätter", Bleistiftzeichnung auf Skizzenpapier, (c) Cordula Kerlikowski

„Ginkgo-Blätter“, Bleistiftzeichnung auf Skizzenpapier, (c) Cordula Kerlikowski

"Lilie" - Bleistiftzeichnung 1996, (c) by Cordula Kerlikowski

„Lilie“ – Bleistiftzeichnung 1996, (c) by Cordula Kerlikowski

In der Farbstiftzeichnung geht es sowohl um Tonwertabstufung als auch um die richtigen, aber wenigen Farben:

"Koala", Farbstiftzeichnung auf Pastellpapier, 30x40cm, (c) by Cordula Kerlikowski

„Koala“, Farbstiftzeichnung auf Pastellpapier, 30x40cm, (c) by Cordula Kerlikowski

In jeder dieser Arbeiten ist es in erster Linie  das SEHEN. Genau hinschauen, was das Objekt aussagt…

Warum mir das in dieser Weise gelingt ist schwer zu sagen. Ich vermute, dass ich eine Art von fotografischem Gedächtnis oder des fotografischen Sehens habe. Beispielsweise genügt es, eine Wohnung oder einen (begrenzten) Ort einmal zu sehen und ich kann ihn noch viele Jahre später bis ins Detail beschreiben. Möglicherweise ist das bei meinen Arbeiten hilfreich…
Aber trotzdem ist es für Andere  möglich zu ähnlichen Ergebnissen zu kommen, wenn er/sie das SEHEN trainiert und vor allem immer wieder übt.

Am besten ist es am Original zu arbeiten: man kann es von allen Seiten betrachten, Licht- und Schattenbereiche erkunden, Blüten und Blätter befühlen usw. Das hilft sehr bei der realen Erfassung der Details. Manchmal geht das nicht. Entweder es ist Winter und ich will ein Blumenbild arbeiten, oder ich war einfach noch nicht dort, wo es mein angestrebtes Objekt gibt. Im Falle des Koala musste ich auf Fotos einer Kollegin zurückgreifen. Und einen Porsche fahre ich eh nicht!

Für Auftragsarbeiten oder Zeichnungen/Malereien im Winter fertige ich mir einen großen Fundus von Fotos, die das Objekt aus allen möglichen Richtungen darstellen, Details darstellen oder flüchtige Eindrücke einfangen. Damit geht schon einiges…

Nach Jahren ist die notwendige Routine und eine Menge Erfahrung vorhanden, die immer schwierigere Objekte gelingen lässt. Der Weg ist das Ziel…. Und ich zeichne schon seit meiner Kindheit…

Zweifel? In meinen Kursen kann man es erlernen… in angemessenem Tempo …

Gestern und heute habe ich an einer weiteren botanischen Studie gearbeitet. Nach Birnen, Äpfeln, Kastanien und Kürbissen folgt nun ein Walnusszweig. Hier in Berlin gibt es Walnussbäume in vielen Gärten – sie sind auch geschützt und so ist solch ein Baum oft Segen und Fluch für die Besitzer. Mit den Massen an Nüssen arrangieren sie sich noch gern, aber das viele Laub und besonders die Fruchtschalen machen sehr viel Arbeit.

So entgeht den Menschen oft die Schönheit der Walnussbäume. Einen Zweig, an dem die Nüsse noch in ihrer Schale stecken, kennt kaum noch jemand.

Hier nun also Schritt für Schritt mein Walnusszweig:

"Walnüsse" - Schritt1, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – Schritt 1, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

Nach der Vorzeichnung male ich mich zunächst am Holz des Zweiges locker und lege dann erste Lasuren über die Fruchtschalen.

Danach lasiere ich das Laub in ein bis zwei ersten Schichten. Wichtig: nicht den Überblick verlieren bei den vielen verschiedenen, teilweise verdrehten Blättern!

"Walnüsse" - Schritt 2, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – Schritt 2, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

Um nicht „betriebsblind“ zu werden, arbeite ich abwechselnd auch an den Details der Früchte. Ständige Kontrolle ist wichtig, um alle Feinheiten korrekt zu erfassen. Das braucht Zeit – und die sollte man sich auch nehmen.

Weiter geht es dann mit der Überarbeitung der Blätter – Lasur auf Lasur:

"Walnüsse" - Schritt 3, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – Schritt 3, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

Immer wieder vergleiche ich das Zwischenergebnis mit dem vor mir liegenden Zweig, um nichts zu übersehen. Das geht am konkreten Objekt viel besser als von einem Foto! Sowohl die Blätter als auch die Fruchtschalen altern während der Stunden, in denen ich an ihnen arbeite. Deshalb habe ich nicht jeden braunen Punkt oder jede trockene Stelle berücksichtigt.

Knifflig ist die Oberfläche der Fruchtschalen. es gibt sowohl weiße Punkte als auch dunkle. Das muss von Anfang an berücksichtigt werden. Nachträgliches Aufbringen weißer Punkte mit Deckfarbe ist nicht empfehlenswert.

Die Früchte im Detail:

"Walnüsse" - Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

Hier ist auch gut der kurze Stiel zu sehen, davor sitzt eine Blattknopse…

Und nun das fertige Aquarell:

"Walnüsse" - 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

In einer weiteren Studie werde ich mich genauer mit den Früchten beschäftigen: Nuss in der Fruchtschale, aufgeplatzte Schale, aufgeschnittene Schale mit Nuss, die Nuss ohne Schale (geschlossen und geöffnet)….

Von meinem Wohnzimmerfenster aus sehe ich zwei riesige Kastanienbäume, deren glänzende Früchten zur Zeit auf dem Rasen reichlich zu finden sind. Es ist spannend, die verschiedenen Reifestufen der Kastanien zu betrachten. Sowohl die stacheligen Kugeln als auch die braunen Früchte selbst sind interessant und vielfältig. Es gibt keine zwei Objekte, die identisch sind.

Diese Formen möglichst naturgetreu nachzuempfinden ist nicht ganz einfach. Sowohl die glänzende Oberfläche der Kastanien als auch die weichen, manchmal schon bräunlich verfärbten Stacheln der Hülle oder die vertrocknenden Blätter sind eine Herausforderung. Hier kommt alles zur Anwendung, was die Aquarellmalerei ausmacht: Nass-in-Nass-Technik, Lasurmalerei, Lavieren, Nass-auf-Trocken, die Details dann mit einem ganz dünnen Pinsel trocken auf die trockene Malfläche:

"Kastanien" - Zwischenergebnis, 25 x 25cm, Aquarell auf Bütten

„Kastanien“ – Zwischenergebnis, 25 x 25cm, Aquarell auf Bütten

Zunächst beginne ich mit den verholzten Stielen. Hier kann ich noch mit den Farben experimentieren ohne dass Korrekturen auffallen – bei den hellen Stachelkugeln ist das nicht mehr so frei möglich, da hier die Farben heller und zu dunkle Bereiche kaum noch aufzuhellen sind. Die in den Zweigen verwendeten Farben nutze ich auch für die braune Oberfläche der Kastanien. Blätter und Fruchtschalen lege ich zuerst mit leichten, sehr hellen Lasuren an.

Lasuren sind der Schlüssel zu perfekten Ergebnis. Es macht sehr viel Arbeit, eine Schicht auf die andere zu legen. Immer wieder warten, bis die Fläche gut durchgetrocknet ist… Um die Wartezeit konstruktiv zu nutzen, arbeite ich nach und nach in anderen Bildbereichen erste Details heraus.

Da ich hier eher eine botanische Studie ausarbeite, verzichte ich bewußt auf einen Hintergrund und Schatten auf Tischflächen etc.

Wichtig sind mir die Details der Pflanzenteile. Nach etlichen Stunden Arbeit wird dieses Ergebnis sichtbar:

"Kastanien" - Aquarell auf Bütten, 25 x 25cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Kastanien“ – Aquarell auf Bütten, 25 x 25cm, (c) Cordula Kerlikowski

Dann nehme ich mir noch etwas Zeit, um das Bild zu überprüfen, kleine Unregelmäßigkeiten zu verbessern oder Details zu vertiefen. Jedoch ist es wichtig rechtzeitig aufzuhören. Irgendwann kommt der Moment, in dem man Gefahr läuft, die Arbeit zu verderben… Also Vorsicht!

Hier noch ein Detail:

"Kastanien" - Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Kastanien“ – Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

Im nächsten Frühling werde ich auf einem großen Bogen Aquarellpapier eine Studie beginnen, die im Laufe des Jahres alle Entwicklungsstufen eines Kastanienbaumes aufnimmt: Laubknospen, Blütenstand (siehe meine Goauche-Studie), Fruchtansatz, ausgewachsene Stachelkugeln, reife Früchte… Darauf bin ich schon gespannt!

Ich habe die Blätter des Ginkgo schon auf verschiedene Weise dargestellt: als Radierung, als Tuschezeichnung oder in Mischtechnik. Immer faszinierten mich dabei die schlichten Formen der Blätter.

Ginkgo-Blätter, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Ginkgo-Blätter, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Da der Baum aber im Herbst seine Blätter abwerfen wird, macht es Sinn, die wichtigsten Details von Blättern und Astansätzen in einer genauen Bleistiftzeichnung zu sichern. Mit so einem Fundus ist es dann möglich, auch ohne das direkte Vorbild neue Arbeiten zu entwickeln. Man zeichnet also nicht von einem Foto oder der Zeichnung ab, sondern baut sich aus der erinnerten Wahrnehmung und den Erfahrungen eigene Zweige und Blattformationen auf.

In einer ersten Zeichnung habe ich mir die Blätter vorgenommen. Zunächst betrachte ich die Formen, Stielansätze und Besonderheiten einzelner Blätter sehr genau und versuche dann Regeln zu erkennen, die mir bei der Ausarbeitung helfen können. Schnell ist z.B. festzustellen, dass die Blätter unterschiedlich tief geschlitzt sind, die Stiele sehr dünn erscheinen und sich auf Grund dessen immer leicht biegen, was dem Ganzen eine gewisse Eleganz verleiht.

In der unten stehenden Zeichnung kam es mir vor allem auf die Form an, die Drehungen und den Schwung der Blätter hebe ich mir für eine spätere größere Zeichnung auf:

"Ginkgo-Blätter", Bleistiftzeichnung auf Skizzenpapier, (c) Cordula Kerlikowski

„Ginkgo-Blätter“, Bleistiftzeichnung auf Skizzenpapier, (c) Cordula Kerlikowski

Die Blätter erscheinen in Büscheln, die aus dicken verholzten Ansätzen herauswachsen. Wichtig war mir ebenfalls, wie die Stiele am Holz des  Zweiges sitzen, auch das habe ich sehr genau aufgenommen. Markant sind die Schlitze in den Blättern und der Übergang vom Stiel zum Blatt. Die Maserung der Blätter ist schlicht und geradlinig.

Zudem habe ich das Holz etwas genauer dargestellt. Die Rinde an den dünnen Zweigen ist relativ glatt, weist ringförmige Strukturen auf und hat gelegentlich kleine Verwachsungen und Knospenansätze.

In einer zweiten Zeichnung konzentrierte ich mich ausschließlich auf einen verholzten Zweig und ließ die Blätter fast völlig außen vor – sie sind nur als dünn angedeutete Linien wahrzunehmen:

"Ginkgo - Zweig", Bleistiftstudie auf Skizzenpapier, (c) Cordula Kerlikowski

„Ginkgo – Zweig“, Bleistiftstudie auf Skizzenpapier, (c) Cordula Kerlikowski

Hier sind die Wuchsform, Verwachsungen und Unebenheiten, aber auch die Ansatzstellen für die Laubblätter gut zu erkennen. Licht und Schatten bewirken Tonwertunterschiede – auch diese habe ich aufgenommen.

Schon aus diesen beiden Studien ist es nun möglich, einen eigenen Zweig zu konstruieren, vielleicht kann ein Foto noch einige Klarheit zu der Anzahl der Blätter in einem Büschel oder über Größenverhältnisse geben, aber abzeichnen muss man es nun nicht mehr.

Probieren Sie es aus! (Es geht auch mit jeder anderen Pflanze, nur ist der Ginkgo in seinen Formen wesentlich schlichter als eine Rose oder ein Ahornzweig…)

Meine Freunde und Malschülerinnen wissen inzwischen, dass ich so ziemlich alles Male oder zeichne, was die Natur hergibt. So brachte mir Bärbel zwei üppige Zweige mit Hagebutten vorbei. Auch bei meinem Einkauf bei Boesner am Samstag hatte ich schon dicke Exemplare gesehen, mich aber nicht getraut, einen kleinen zweig zu stibitzen. Es waren auch zu viele Dornen dran…

Nun hatte ich also doch, ganz spezielle, Hagebutten, die ich heute gezeichnet habe:

"Hagebutten" - Zweig und Konturzeichnung, (c) by Cordula Kerlikowski

„Hagebutten“ – Zweig und Konturzeichnung, (c) by Cordula Kerlikowski

Die Blätter sind unterschiedlich groß und oft nur im Bereich der Spitze gezackt, die Stiele haben einen roten Schimmer und die Früchte sind rund statt oval. Das alles galt es bei der zeich nung zu bedenken.

Aufgrund der Detailvielfalt habe ich ein größeres Format gewählt: 27 x 40 cm.

Gelegentlich passieren mir auch kleine Panne  wie der grüne farbklecks oben rechts. Damit muss ich erst einmal leben, aber man wird sehen, dass er in der fertigen Zeichnung verschwunden ist. Mit etwas Routine sind durchaus auch bei Tuschezeichnungen Korrekturen möglich.

Hier das Ergebnis:

"Hagebutten" - 27 x 40cm, Tuschezeichnung auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

„Hagebutten“ – 27 x 40cm, Tuschezeichnung auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

Oben links glitzen noch einige feuchte Farbspritzer… Aber während ich hier schreibe, sind sie schon getrocknet.

Noch ein kleines Detail in größerer Ansicht:

"Hagebutten" - Detail, (c) by Cordula Kerlikowski

„Hagebutten“ – Detail, (c) by Cordula Kerlikowski

Heute war ich im Atelier und auf dem Rückweg zum Parkplatz sah ich eine kleine Kolonie Ackerwinden – winzig klein, fast zu übersehen und wirklich unscheinbar. Die Blüten hatten einen Durchmesser von ca. 2 cm und die Blätter waren mit 3-4 cm auch nicht gerade riesig.

Es war gar nicht so einfach, eine etwas davon zu pflücken, denn die Ranken wickeln sich förmlich um alles, was ihnen Halt bietet: Grashalme, Zaunstreben, Baumstämme. Letztlich habe ich es doch geschafft etwas mitzunehmen und hier ist nun der große Auftritt der kleinen Blume:

"Ackerwinde" - Detail, Tuschezeichnung (c) by Cordula Kerlikowski

„Ackerwinde“ – Detail, Tuschezeichnung (c) by Cordula Kerlikowski

"Ackerwinde" - Detail, Tuschezeichnung (c) by Cordula Kerlikowski

„Ackerwinde“ – Detail, Tuschezeichnung (c) by Cordula Kerlikowski

Die Ranke mit ihren Schwingungen ist eine Herausforderung. Sie dreht sich wie ein gesponnener Bindfaden und dieses Charakteristikum sollte auch im Bild zu sehen sein. Dazu genügen ein paar angedeutete Schatten und wenige Tuschelinien.

Hier nun der Gesamteindruck:

"Ackerwinde" - 23 x 23cm, Tuschezeichnung (c) by Cordula Kerlikowski

„Ackerwinde“ – 23 x 23cm, Tuschezeichnung (c) by Cordula Kerlikowski

Da an den Spitzen der Ranken nur Knospen oder Blätter zu finden sind, habe ich mich eines kleinen kompositorischen Tricks bedient und die Ranke kurz aus dem Bild laufen lassen. Oben rechts kommt die Spitze wieder zurück. So ist wenigstens eine Blüte in ihrer vollen Pracht zu sehen. Zugleich kommt so noch etwas Bewegung ins Bild…

Ich bekam gestern zwei Ginkgo-Zweige geschenkt. Um sie möglichst lange zu halten, habe ich sie gleich frisch angeschnitten und ins Wasser gestellt:

Ginkgo-Zweige, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Ginkgo-Zweige, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Goethe hat sie bedichtet, sie ist Glücksbringer und Heilpflanze. Botanisch bildet diese Pflanzenart das Bindeglied zwischen Nadel- und Laubbäumen.

Die Blattform ist einmalig und fasziniert durch ihre einfache, geradlinige Struktur. Trotzdem ist es nicht so einfach sie darzustellen, denn ihre Regelmäßigkeit ist nur scheinbar… jedes Blatt hat andere „Bewegungen“ in sich.

Zunächst zeichnete ich einen Abschnitt eines Zweiges für meine bordeaux-grüne Serie:

"Ginkgo" - ca. 23 x 23 cm,Tusche auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

„Ginkgo“ – ca. 23 x 23 cm,Tusche auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

Es ist interessant sich die Blätter genauer anzuschauen und ihren Rhythmus zu erfassen… Ich habe wieder auf zu viele Details zu Gunsten der Lebendigkeit des Zweiges verzichtet, werde aber noch weitere Zeichnungen anfertigen, die dann vielleicht genauer ausgearbeitet werden.

Auch ein Aquarell auf einem Hochformat schwebt vor meinem geistigen Auge. Ich hoffe, die Zweige halten so lange durch…

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