Ein Wiesenstück – oder: Platz schaffen im CD-Regal… ??

Ich hatte bereits in vorangegangenen Artikeln darüber geschrieben, dass man auf  Metallplatten interessante Kaltnadelradierungen entwickeln kann. Dies ist auch auf Kunststoffplatten möglich:

Ginkgo - Kaltnadelradierung (c) Cordula Kerlikowski

Ginkgo - Kaltnadelradierung (c) Cordula Kerlikowski

Jedoch hat dieses Medium seine Eigenheiten. Beim Ausarbeiten der Zeichnung auf der Platte ist Vorsicht geboten, da der Kunststoff weniger Widerstand bietet als Metall und deshalb Linien schnell zu tief und damit zu dunkel geraten können. Sehr dunkle Flächen können nur durch Kreuzschraffuren erreicht werden, was wir auch vom Radieren auf Metall kennen, jedoch ist hier weniger Kraftaufwand nötig.

Da Kunststoff sehr weich ist, arbeitet sich der entstehende Grat auch schneller ab, wodurch die Linien schon nach ca. 10 Drucken undeutlich werden können – es ist also nur eine sehr begrenzte Anzahl von Drucken möglich. Die Oberfläche von Kunststoffen ist auch weniger widerstandsfähig, wenn es um das Einreiben der Farben geht. Hier ist darauf zu achten, sanft zu wischen, da Kratzer schnell zu Beeinträchtigungen des Drucks führen.

Alles in allem ist eine Radierung auf Kunststoffplatten einen Versuch wert. Gerade für Anfänger ist es eine Möglichkeit sich an die Technik heranzutasten: der Materialaufwand, bis auf die Druckfarben, ist gering. Auf Kunststoffplatten können die Gravuren und das Aufbringen und Auswischen der Druckfarben ausgiebig geübt werden ohne eine teure Zink- oder Kupferplatte zu „verschwenden“.

Noch günstiger geht es mit ausrangierten CDs oder anderen Kunststoffteilen (Getränkekartons, Kassettenhüllen etc.), wobei bei letzteren sicherlich Abstriche in der Qualität des Drucks zu erwarten sind, aber auch das muss man ausprobieren.

Heute also eine Kaltnadelradierung auf CD:

Interessant sind das runde Format, das Loch in der Mitte und die ringförmigen Vertiefungen in geringem Abstand zum Loch in der Silberscheibe. Eine besondere Schwierigkeit ist die silbrige Oberfläche (Reflexionsschicht), die stark spiegelt und gravierte Linien bei bestimmter Lage doppelt erscheinen lässt. Das geht auf die Augen, weil es hohe Konzentration erfordert, die richtige Linie zu treffen. Hier schützt Pausieren vor Fehlern.

Eine gravierte CD kann so aussehen:

CD "Wiesenstueck", Kaltnadelradierung, (c) Cordula Kerlikowski

CD "Wiesenstück", Kaltnadelradierung, (c) Cordula Kerlikowski

Auch hier sind wieder Probedrucke erforderlich, um die Gravuren zu überprüfen – hier fallen Fehler schnell auf und können nachträglich korrigiert werden:

"Wiesenstück" - 1. Probedruck, Kaltnadelradierung (c) Cordula Kerlikowski

"Wiesenstück" - 1. Probedruck, Kaltnadelradierung (c) Cordula Kerlikowski

Hier ist deutlich zu sehen, dass die Schraffuren links viel zu hell sind und vertieft werden müssen. Auch um die Blüten in der Mitte kann ich die Tonwerte noch dunkler ausarbeiten, damit die hellen Blüten mehr betont werden. Die Distel und der Blütenstand des Grashalmes sollten noch etwas mehr schraffiert werden, damit deren runde Form besser hervorgehoben wird. Zudem erscheint mir der kalte Farbton des Drucks nicht passend – ich versuche es wieder mit meinen Lieblingsfarben:

"Wiesenstück" - Kaltnadelradierung (c) Cordula Kerlikowski

"Wiesenstück" - Kaltnadelradierung (c) Cordula Kerlikowski

Jetzt passt es besser, die Formen wirken räumlicher und der warme Rötelton betont Blüten, Knospen und Distel. Auf dieser Basis experimentere ich weiter mit der Farbgebung, bleibe aber bei Rötel und Preußischblau:

"Wiesenstück" - Druckplatte und die ersten Drucke (c) Cordula Kerlikowski

"Wiesenstück" - Druckplatte und die ersten Drucke (c) Cordula Kerlikowski

Auf dieser Basis werde ich demnächst weitere Drucke anfertigen, wobei ich starkes Kupferdruckbütten verwende, und möglicherweise noch andere Farbzusammenstellungen ausprobieren.

Wie ich bereits in meinen vorangegangenen Blogs beschrieben habe, befasse ich mich zurzeit intensiv mit Drucktechniken – das begann mit Kaltnadelradierungen, setzte sich mit Aquatinta fort und nun geht es um neue Versuche im Mehrplattendruck.

Meine erster und bisher einziger Dreiplattendruck liegt einige Zeit zurück – genauer 2006. Ich war damals einerseits begeistert von den grafischen Möglichkeiten, andererseits fand ich schnell heraus, dass das eine Technik mit Tücken ist, die viel Konzentration, Durchhaltevermögen und abstraktes Denken erfordert.

Und so sah der Druck aus:

"Kater auf Brautschau" - von Cordula Kerlikowski

"Kater auf Brautschau" - von Cordula Kerlikowski, Dreiplattendruck, 10 x 12,5 cm

Ich arbeitete noch zwei andere Varianten aus: mit blauem Himmel und mit gelbem Himmel – alles etwas sureal, aber so sollte es sein. So konnte ich am besten ausprobieren, wie die verschieden gefärbten Platten miteinander korrespondieren.

Im Groben ist die Technik wie folgt zu verstehen: es werden drei Platten geätzt (siehe Ätzradierung), wobei die erste die Strichätzung enthält und diese durch einen Umdruck auf die beiden anderen Platten übertragen wird. Alle drei Platten erhalten nun unterschiedliche Aufträge auf Asphaltlack, so dass auf  jeder Platte andere Flächen geätzt werden. Wo die gleiche Fläche auf mehreren Platten geätzt wird, entstehen später Farbmischungen. Das sollte genügen – man muss es wahrscheinlich SEHEN um zu verstehen…

Für den Druck wird nun in jede Platte eine andere Farbe eingerieben. Der erste Druck beginnt meist mit der hellsten Farbe, dann folgt der mittlere Tonwert, danach der dunkelste, der meist auch die Konturen der Strichätzung beinhaltet. Wichtig ist es dabei, die nachfolgenden Platten genau in die Prägung des Druckpapiers vom ersten Druck zu plazieren, sonst gibt es unerwünschte Farbverschiebungen und Doppelränder.

Das Ergebnis sieht man dann eben erst nach dem dritten Druckvorgang. Kompliziert, oder?

Aber nun nicht so abschreckend, um es nicht mit dem Abstand der Jahre noch einmal zu versuchen. Ich wählte dafür einen Zweiplattendruck. Auch der erfordert schon einiges an Ausdauer. Der Ablauf ist der selbe wie oben beschrieben, nur eben auf zwei Platten beschränkt. Spannend sind dann die ersten Probedrucke:

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

Hier sind die Linien und Farbwerte ganz gut zu erkennen, jedoch „verschwindet“ der sanfte Bogen unten rechts fast völlig. Die Farbmischung Paynesgrau-Siena überzeugt mich nicht – das Bild wirkt kalt.

Also ein neuer Versuch, diesmal mit Kadmiumgelb und Krappkarmin:

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

Das gefällt mir schon besser, der eben angesprochene Bogen ist deutlicher und der Kontrast zwischen gelben und rötlichen Flächen ebenfalls. Nur im unteren Drittel ist der Druck mir zu rosa. Deshalb verwende ich nun statt des Krappkarmin ein deckendes Kardinalrot:

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

Jetzt wirkt das ganze wärmer, intensiver. In einem weiteren Versuch variiere ich den Farbauftrag der zweiten Platte etwas:

o.T. Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

o.T. Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

Die Entscheidung ist nun zunächst zugunsten warmer Farben gefallen, jedoch versuche ich noch einen weiteren Druck in Gelb und Siena:

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

o.T. - Zweiplattendruck von Cordula Kerlikowski, 10 x 10 cm

Diese Kombination gefällt mir sehr gut. Die Tonwerte sind stimmig und der Goldton in den Bereichen, wo sich beide Farben überlappen gibt dem Motive Wärme und Leichtigkeit. Das liegt auch daran, dass Siena eine nur teildeckende Farbe ist und sich deshalb wie eine gefärbte, durchsichtige Folie über den Gelbton legt.

An diesen Probedrucken ist gut zu erkennen, dass man mit dem Mehrplattendruck intensivere Farbgebungen als bei der Aquatina bzw. der Kaltnadelradierung erzielen kann. Der Aufwand lohnt sich also…

Wie immer werde ich mir übers Wochenende Zeit lassen, bevor ich entscheide, ob ich zufrieden bin und mit dem numerierten Druck beginne… vielleicht bearbeite ich ja doch noch eine dritte Platte, z.B. um das große geschwungene Band in seiner Wirkung zu verändern.

Und wer sich den Arbeitsablauf einmal live anschauen will oder es selbst probieren möchte, ist jederzeit willkommen!

Wie ich in meinem Blog vom 27.12.11 bereits beschrieben habe, befasse ich mich gerade intensiv mit der Ätzradierung und Aquatinta. Die Kombination von Strichätzung und Aquatinta ergibt vielfältige Möglichkeiten der grafischen Gestaltung. Damit experimentiere ich zurzeit.

Im Zuge der Arbeit entstehen oft Probedrucke, also Blätter, auf denen Farbgebung, grafische Klarheit oder verschiedene Ausmischungen geprüft werden können.

Für die vorliegende Druckplatte gefielen mir die zweifarbigen Exemplare am besten:

"Schnecke" 5 x 5cm - Radierung von Cordula Kerlikowski

"Schnecke" - 5 x 5cm - Radierung von Cordula Kerlikowski

Die monochromen Drucke gefielen mir, so wie sie waren, noch nicht. Hier kam mir die Idee, über den fertigen Druck hinaus weiter zu zeichnen und mit verdünnter Tusche Tonwerte zu vertiefen. Diese Verbindung von Tiefdruck und Zeichnung macht das Bild spannend und lebendig – und: jede Arbeit ist ein UNIKAT !

Schnecke_Zeichnung_pink

Aquatinta und Zeichnung - von Cordula Kerlikowski

Schnecke_Zeichnung_blau

Aquatinta und Zeichnung - von Cordula Kerlikowski

Schnecke_Zeichnung_Paynesgrau_1

Aquatinta und Zeichnung - Von Cordula Kerlikowski

Schnecke_Zeichnung_Sepia

Aquatinta und Zeichnung - von Cordula Kerlikowski

Schnecke_Zeichnung_Orange

Kombination Aquatinta und Zeichnung - von Cordula Kerlikowski

Schnecke_Zeichnung_Paynesgrau_2

Kombination Aquatinta und Zeichnung - von Cordula Kerlikowski

Wie zu sehen ist, kann dabei auch mit der Ausrichtung der Spirale in der Schnecke experimentiert werden.

Der Bereich der Aquatinta bemisst sich auf 5 x 5 cm, die Zeichnungen vergrößern das Motiv auf ca. 6 x6 cm.

Die vorliegenden Arbeiten sind verkäuflich. Nähere Angaben und Preise nenne ich gerne auf Anfrage:

Mail: cordula.kerlikowski@gmx.de

Tel: +49-163 6048 793

Da ich gestern lieber über „Adam und Eva“ parliert habe als über die Probedrucke meiner überarbeiteten Kaltnadelradierung, hole ich die heute nach.

Nach dem Fertigstellen der Druckplatte sind Probedrucke notwendig, um das Bild der Linien und die Tonwerte zu überprüfen und ggf. Korrekturen vorzunehmen. Dazu brauche ich neben dem Platz im Atelier Terpentinersatz zum Säubern der Druckplatte, diverse Papiere, Kupferdruckfarben, feuchtes Kupferdruckpapier und nicht zuletzt – meine Druckpresse:

Druckpresse im Atelier Kerlikowski

Meine Druckpresse - klein, aber fein, mit antikem Touch

Sie ist vor -zig Jahren aus einer alten Wäschemangel umgebaut worden und ich habe sie bei eBay günstig ersteigert. Sie reicht für meine Formate völlig aus, wenn ich größere drucken will, kann ich in eine Litho-Werkstatt gehen.

Zunächst versuchte ich einen monochromen Druck in Paynesgrau, der mir bei der Aqua Tinta “ Schneckenhaus“ so gut gefallen hatte. Diese Farbe habe ich für die „Eva“ sofort wieder verworfen – kalte Farben eignen sich kaum für dieses blumige Motiv.

So benutzte ich danach Siena gebrannt auf der nicht vollständig vom Paynesgrau gereinigten Platte )links), eine Mischung aus zwei (Paynesgrau und Siena gebrannt – Mitte) bzw. drei Farben (Paynesgrau, Kadmiumgelb, Rot – rechts) für weitere Versuche:

Druckvarianten "Eva"

Drei Farbvarianten der "Eva" - Kaltnadelradierung von Cordula Kerlikowski

Diese Mischungen gefallen mir gut – durch die Wärme von Siena gebrannt bzw. Gelb und Rot wirken sowohl das Gesicht der Eva als auch die floralen Elemente der Umgebung leuchtend, warm und sinnlich.

Hier ein Probedruck:

Eva-Probedruck

Probedruck "Eva" in Paynesgrau und Siena - von Cordula Kerlikowski

Das Blatt passt  farblich schon gut zu den bereits vorhandenen Motiven („Der Ruf des Faun“, „Versuchung“, „Paradiesvogel“) und das Druckbild erscheint im Großen und Ganzen stimmig. Ich werde die Drucke nun ein paar tage ruhen lassen, danach noch einmal anschauen, überprüfen und dann „ins Reine“ drucken, wobei ich Unikatdrucke mit verschiedenen Farbkompositionen bevorzuge…

Kürzlich habe ich eine Zinkplatte mit einer begonnenen Kaltnadelradierung wiedergefunden, von der ich schon nicht mehr wusste, dass es sie gab. Ich berichtete darüber im Dezember im Blog „Fundstücke…“

Gestern war es nun an der Zeit sie weiter zu bearbeiten. Da zwischen der ersten Arbeitsphase und dem Heute eine ganze Weile vergangen war, musste ich mich zunächst wieder sowohl an die Arbeitsweise als auch an den Stil der Gravur herantasten. Das Einschneiden des Motivs in die Platte mit der Radiernadel kostet Kraft: je tiefer die Gravur, desto kräftiger die Linie. Gerade bei den winzigen Kreuzschraffuren, die die dunkelsten Bereiche ergeben sollen, braucht es Geduld und Ausdauer.

Eva - Arbeitsfortschritt

Druckplatte, Lichtquelle und Radiernadel - Foto v. Cordula Kerlikowski

Da die Zinkplatte ziemlich spiegelt ist es manchmal schwer, die Tiefe der Linien einzuschätzen bzw. überhaupt das Bild auf der Platte richtig wahrzunehmen. Hier half mir eine quergelegte Tischlampe.

Wie im Bild gut zu sehen, sind vorerst keine weiteren Arbeitsmittel nötig um eine Kaltnadelradierung anzufertigen. Die Verwendung unterschiedlicher Radiernadeln erleichtert in vielen Fällen die Arbeit, ist aber nicht zwingend erforderlich.

Hier die vorerst fertige Platte:

Aus der serie "Paradiesgarten"

Druckplatte "Eva" aus der Serie "Paradiesgarten" - von Cordula Kerlikowski

Die eingeschnittenen Linien und Flächen sind gut zu erkennen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Platte bereits für den Seriendruck fertig ist.

Zunächst werde ich einen Probedruck herstellen um zu überprüfen, ob dieser sowohl die Tonwerte, die hier nur durch die Gravur erreicht werden können, als auch die Linienführung wunschgemäß abbildet. In der Regel sind Korrekturen erforderlich.

Diesen Arbeitsgang werde ich heute im Atelier ausführen, denn nun benötige ich die Druckpresse, Kupferdruckpapier, spezielle Farben und viel Platz…

Experimente…

29. Dezember 2011

Gestern habe ich mit Vernis Mou experimentiert. Hier drückt man in den aufgetragenen, weichen Ätzgrund strukturierte Materialien ein: das können Blätter, Stoffe, Jutebänder, Gräser uvm. sein. Ich verwendete für meine ersten Versuche alte Spitzenreste.

Die Druckplatte wird mit dem Stoff darauf durch die Presse gezogen – nach dem Abheben des Materials haben sich die Strukturen in den Ätzgrund gedrückt und beim Abziehen geben sie Bereiche der Druckplatte wieder frei, so dass die Säure hier Angriffsfläche hat. Auf diese Weise können sehr filigrane Druckbilder entstehen.

Auch hier sind Geduld und Experimentierfreude gefragt, um ein interessantes Ergebnis zu bekommen. In der Regel sind etliche Probedrucke notwendig, um die Zwischenschritte zu überprüfen und die Druckplatte weiter zu bearbeiten. Diese Probedrucke werden meistens verworfen. Kupferdruckpapier ist teures, sehr hochwertiges Papier. Deshalb versuche ich meist daraus, soweit möglich, noch etwas Spannendes zu machen. Hier ein Beispiel:

Probedrucke und Ausarbeitung - Vernis Mou und Tusche - von Cordula Kerlikowski

In der oberen Abbildung  sieht man ein ziemlich undeutliches Druckbild, die Tonwerte liegen zu nah beieinander, die weiße Fläche hebt sich zu stark ab. Eigentlich ein Blatt zum Wegwerfen.

Unten ein mit Tusche überarbeiteter Druck – hier sind die feinen Strukturen des Spitzenstoffes besser zu sehen. Da florale Elemente den Stoff dominieren, habe ich über den Druck eine Tuschezeichnung in Siena und Sepia gesetzt, die einen weichen Übergang schafft und ein harmonisches Gesamtbild ergibt.

Das Ergebnis ist hier genauer zu betrachten:

"Unikatdruck" - , 10 x 15cm, Vernis Mou und Tuschezeichnung - von Cordula Kerlikowski

Mit einer anderen Farbe gedruckt und monochrom gezeichnet, wirkt die Arbeit ganz anders. Da die Spitze nur den unteren Bereich der Druckplatte abgedeckt hat, bleibt rechts oben freier Platz, den ich  immer wieder anders gestalten kann:

"Unikatdruck" - 10 x 15cm, Vernis Mou und Tuschezeichnung - von Cordula Kerlikowski

Das Kupferdruckpapier, ich verwendete  Kupferdruckbütten der Firma Hahnemühle,  hält einiges aus, so dass auch mit Aquarellübermalungen experimentiert werden kann.

Die Druckplatte ist, wie gesehen, noch lange nicht fertig ausgearbeitet – es wird also weitere Probedrucke geben, mit denen ich „spielen“ kann…

In dem Maße, wie die Menschen ihre  Weihnachtsvorbereitungen beschleunigen, wird es bei mir im Atelier ruhiger: die meisten meiner Malschülerinnen haben sich für den Rest des Jahres bereits in den Urlaub verabschiedet, die Aufträge sind erledigt und in dem Gebäude, in dem ich mein Atelier habe, ist auch weniger Betrieb.

Und so ist Zeit – zum Aufräumen und Sortieren, aber auch für entspannte kleinere Arbeiten, so ohne Zeitdruck, Termine oder Störungen von außen. Ich mag diese stillen Tage. Meist entstehen in dieser Zeit ganz besondere Werke, z.B. 2005:

"Fräulein Henriette" - Mischtechnik auf Künstlerpapier, 20 x 28 cm - von Cordula Kerlikowski

"Sir Winston mit Zylinder" - Mischtechnik auf Künstlerpapier, 20 x 28 cm - von Cordula Kerlikowski

Genauer waren das zunächst entspannte, ziellose Spachtelspuren auf zwei Blättern, danach kam die verträumte Suche nach Strukturen, Formen oder Zeichen – und so schälte sich zunächst der würdige alte Herr, danach das junge Mädchen aus der Fläche. Ich arbeitete dabei, wie so oft, mit Tusche und Feder und bemühte mich, mit möglichst wenig Linien auszukommen. Die Figuren sollten unvollständig bleiben.

Heute nun war wieder so ein Tag. Meine Malschülerinnen vom Vormittagskurs waren gegangen und ich begann aufzuräumen. Erstaunlicherweise finden sich dann immer einmal Dinge an, von denen ich schon gar nicht mehr wußte, dass es sie gibt – so z.B. eine fast fertige Druckplatte zur Serie „Paradiesgarten“, die ich vor einigen Jahren als Kaltnadelradierung gestaltet habe, und einen großer quadratischer Aquarellblock, auf dem ich spontan ein paar Flächen anlegte:

Druckplatte zur Serie "Paradiesgarten" - 10 x 15 cm, Kaltnadelradierung

Aquarellblock und Druckplatte - Fundstücke im Dezember 2011

Bei der Druckplatte sind nur noch wenige Flächen auszuarbeiten und so beschloss ich, diese Platte, ebenso wie das begonnene Aquarell, samt „Werkzeugen“ mit nach Hause zu nehmen, um sie am Wochenende zu beenden. Ein kleines Stück wollte ich gleich in Angriff nehmen. Dabei kam sofort in Erinnerung, wie kraftaufwändig das ist…

Es bleibt abzuwarten, ob ich alles schaffe, ansonsten geht es nächste Woche im Atelier damit weiter. Ich werde berichten…

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