Da ich gestern lieber über „Adam und Eva“ parliert habe als über die Probedrucke meiner überarbeiteten Kaltnadelradierung, hole ich die heute nach.

Nach dem Fertigstellen der Druckplatte sind Probedrucke notwendig, um das Bild der Linien und die Tonwerte zu überprüfen und ggf. Korrekturen vorzunehmen. Dazu brauche ich neben dem Platz im Atelier Terpentinersatz zum Säubern der Druckplatte, diverse Papiere, Kupferdruckfarben, feuchtes Kupferdruckpapier und nicht zuletzt – meine Druckpresse:

Druckpresse im Atelier Kerlikowski

Meine Druckpresse - klein, aber fein, mit antikem Touch

Sie ist vor -zig Jahren aus einer alten Wäschemangel umgebaut worden und ich habe sie bei eBay günstig ersteigert. Sie reicht für meine Formate völlig aus, wenn ich größere drucken will, kann ich in eine Litho-Werkstatt gehen.

Zunächst versuchte ich einen monochromen Druck in Paynesgrau, der mir bei der Aqua Tinta “ Schneckenhaus“ so gut gefallen hatte. Diese Farbe habe ich für die „Eva“ sofort wieder verworfen – kalte Farben eignen sich kaum für dieses blumige Motiv.

So benutzte ich danach Siena gebrannt auf der nicht vollständig vom Paynesgrau gereinigten Platte )links), eine Mischung aus zwei (Paynesgrau und Siena gebrannt – Mitte) bzw. drei Farben (Paynesgrau, Kadmiumgelb, Rot – rechts) für weitere Versuche:

Druckvarianten "Eva"

Drei Farbvarianten der "Eva" - Kaltnadelradierung von Cordula Kerlikowski

Diese Mischungen gefallen mir gut – durch die Wärme von Siena gebrannt bzw. Gelb und Rot wirken sowohl das Gesicht der Eva als auch die floralen Elemente der Umgebung leuchtend, warm und sinnlich.

Hier ein Probedruck:

Eva-Probedruck

Probedruck "Eva" in Paynesgrau und Siena - von Cordula Kerlikowski

Das Blatt passt  farblich schon gut zu den bereits vorhandenen Motiven („Der Ruf des Faun“, „Versuchung“, „Paradiesvogel“) und das Druckbild erscheint im Großen und Ganzen stimmig. Ich werde die Drucke nun ein paar tage ruhen lassen, danach noch einmal anschauen, überprüfen und dann „ins Reine“ drucken, wobei ich Unikatdrucke mit verschiedenen Farbkompositionen bevorzuge…

Wieder habe ich einige Bilder gefunden: diese Serie „Adam und Eva“ stand, in einem Dreier-Passepartout und einem Rahmen im Langformat, einer Ecke meines Ateliers, die schon mit anderen, größeren Arbeiten zugestellt war. So „rutschte“ es beim Umräumen und Bilder sortieren immer mehr nach hinten – und heute kamen sie mir wieder in die Hand.

Acryl und Tusche auf Aquarellpapier - von Cordula Kerlikowski

"Eva" - Mischtechnik auf Papier, 10 x 15cm - von Cordula Kerlikowski

Adam - Mischtechnik auf Papier - von Cordula Kerlikowski

"Adam" - Mischtechnik auf Papier, 10 x 15cm - von Cordula Kerlikowski

"Apfel" - Mischtechnik auf Papier - von Cordula Kerlikowski

"Der Apfel" - Mischtechnik auf Papier, 10 x 15cm - von Cordula Kerlikowski

Die Bilder entstanden 2001 während eines Nachmittags mit meiner Freundin – und wie zu sehen ist, hatten wir viel Spaß dabei. Es stellt sich hier die Frage, wer wem den Apfel gibt, … es scheint Eva zu sein, die Adam das Früchtchen anbietet und sich dann klammheimlich aus dem Staub macht… oder anders herum? Ist Adam der triumphierende Sieger?

Je nachdem, wie der Betrachter die Reihenfolge der 3 Bilder wählt, entstehen neue Interpretationsmöglichkeiten.

Besonders interessant ist, dass wir hier einem Wortspiel seinen Lauf lassen können: Apfel oder Apple ??? 2001 gab es weder iPhone, iPad und andere mobile i’s…. Wie würde das Treffen ausgehen, wenn es nicht ein Apfel, sondern ein Apple wäre, der von Hand zu Hand geht ???

Die weitere Auslegung überlasse ich dem geneigten Leser/der schmunzelnden Leserin.

Viel Spaß dabei!

Kürzlich habe ich eine Zinkplatte mit einer begonnenen Kaltnadelradierung wiedergefunden, von der ich schon nicht mehr wusste, dass es sie gab. Ich berichtete darüber im Dezember im Blog „Fundstücke…“

Gestern war es nun an der Zeit sie weiter zu bearbeiten. Da zwischen der ersten Arbeitsphase und dem Heute eine ganze Weile vergangen war, musste ich mich zunächst wieder sowohl an die Arbeitsweise als auch an den Stil der Gravur herantasten. Das Einschneiden des Motivs in die Platte mit der Radiernadel kostet Kraft: je tiefer die Gravur, desto kräftiger die Linie. Gerade bei den winzigen Kreuzschraffuren, die die dunkelsten Bereiche ergeben sollen, braucht es Geduld und Ausdauer.

Eva - Arbeitsfortschritt

Druckplatte, Lichtquelle und Radiernadel - Foto v. Cordula Kerlikowski

Da die Zinkplatte ziemlich spiegelt ist es manchmal schwer, die Tiefe der Linien einzuschätzen bzw. überhaupt das Bild auf der Platte richtig wahrzunehmen. Hier half mir eine quergelegte Tischlampe.

Wie im Bild gut zu sehen, sind vorerst keine weiteren Arbeitsmittel nötig um eine Kaltnadelradierung anzufertigen. Die Verwendung unterschiedlicher Radiernadeln erleichtert in vielen Fällen die Arbeit, ist aber nicht zwingend erforderlich.

Hier die vorerst fertige Platte:

Aus der serie "Paradiesgarten"

Druckplatte "Eva" aus der Serie "Paradiesgarten" - von Cordula Kerlikowski

Die eingeschnittenen Linien und Flächen sind gut zu erkennen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Platte bereits für den Seriendruck fertig ist.

Zunächst werde ich einen Probedruck herstellen um zu überprüfen, ob dieser sowohl die Tonwerte, die hier nur durch die Gravur erreicht werden können, als auch die Linienführung wunschgemäß abbildet. In der Regel sind Korrekturen erforderlich.

Diesen Arbeitsgang werde ich heute im Atelier ausführen, denn nun benötige ich die Druckpresse, Kupferdruckpapier, spezielle Farben und viel Platz…

%d Bloggern gefällt das: