Auf der Fahrt nach Hause hörte ich heute im Radio zufällig den 2. Satz der 5. Sinfonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die „Reformationssinfonie“ deren Fröhlichkeit und Leichtigkeit mich schon seit langem begeistern. Gleichzeitig versetzte  mich die Musik an diesem trüben Tag in eine Stimmung des Resümees und Rückbesinnung. .

So begann ich in meinem Bilderachiv zu stöbern und stieß dabei auf ein Bild, das ich schon beinahe vergessen hatte:

"Fantasia Ministeriale" - Mischtechnik auf Leinwand (c) by Cordula Kerlikowski

"Fantasia Ministeriale" - Mischtechnik auf Leinwand (c) by Cordula Kerlikowski

Vor einigen Jahren hatte ich eine Ausstellung im Kultusministerium in Hannover. Das Ministerium verfügt über gute Ausstellungsräume und gibt Künstlerinnen und Künstlern regelmäßig die Möglichkeit ihre Arbeiten zu präsentieren.

Dieses Bild ist eine Gemeinschaftsarbeit. MitarbeiterInnen des Niedersächsischen Kultusministeriums haben es gewagt, unvorbereitet und ungeübt die Leinwand zu erobern. – grafische Formen, eine Schnecke, Schlangenlinien, Symbole – und meine Aufgabe war es, diese Strukturen und Arbeitsspuren zusammenzubringen, zu gestalten und zu einem Ganzen zusammenzufügen, sie dabei aber so unberührt wie möglich zu lassen.

Entstanden ist ein frisches, fröhliches Bild, das natürlich einige Hinweise auf die Arbeit des Kultusministeriums (§2 – Bildungsparagraph) enthält. Was aber hinter jedem einzelnen Symbol stehen kann, möchte ich den UrheberInnen und dem Betrachter selbst überlassen.

Ich fand es toll, dass sich die MitarbeiterInnen des Ministeriums darauf eingelassen haben! Es gehört Mut dazu, unbekanntes Gelände zu betreten und letzten Endes ist jede Linie, jede Form ein Stück Emotion des Einzelnen – großartig, sich so zu öffnen! Danke für dieses Experiment!

Und hier:

Felix Mendelssohn-Bartholdy
Sinfonie No.5, Op.107 (Reformationssinfonie), 2. Satz

Experimente…

29. Dezember 2011

Gestern habe ich mit Vernis Mou experimentiert. Hier drückt man in den aufgetragenen, weichen Ätzgrund strukturierte Materialien ein: das können Blätter, Stoffe, Jutebänder, Gräser uvm. sein. Ich verwendete für meine ersten Versuche alte Spitzenreste.

Die Druckplatte wird mit dem Stoff darauf durch die Presse gezogen – nach dem Abheben des Materials haben sich die Strukturen in den Ätzgrund gedrückt und beim Abziehen geben sie Bereiche der Druckplatte wieder frei, so dass die Säure hier Angriffsfläche hat. Auf diese Weise können sehr filigrane Druckbilder entstehen.

Auch hier sind Geduld und Experimentierfreude gefragt, um ein interessantes Ergebnis zu bekommen. In der Regel sind etliche Probedrucke notwendig, um die Zwischenschritte zu überprüfen und die Druckplatte weiter zu bearbeiten. Diese Probedrucke werden meistens verworfen. Kupferdruckpapier ist teures, sehr hochwertiges Papier. Deshalb versuche ich meist daraus, soweit möglich, noch etwas Spannendes zu machen. Hier ein Beispiel:

Probedrucke und Ausarbeitung - Vernis Mou und Tusche - von Cordula Kerlikowski

In der oberen Abbildung  sieht man ein ziemlich undeutliches Druckbild, die Tonwerte liegen zu nah beieinander, die weiße Fläche hebt sich zu stark ab. Eigentlich ein Blatt zum Wegwerfen.

Unten ein mit Tusche überarbeiteter Druck – hier sind die feinen Strukturen des Spitzenstoffes besser zu sehen. Da florale Elemente den Stoff dominieren, habe ich über den Druck eine Tuschezeichnung in Siena und Sepia gesetzt, die einen weichen Übergang schafft und ein harmonisches Gesamtbild ergibt.

Das Ergebnis ist hier genauer zu betrachten:

"Unikatdruck" - , 10 x 15cm, Vernis Mou und Tuschezeichnung - von Cordula Kerlikowski

Mit einer anderen Farbe gedruckt und monochrom gezeichnet, wirkt die Arbeit ganz anders. Da die Spitze nur den unteren Bereich der Druckplatte abgedeckt hat, bleibt rechts oben freier Platz, den ich  immer wieder anders gestalten kann:

"Unikatdruck" - 10 x 15cm, Vernis Mou und Tuschezeichnung - von Cordula Kerlikowski

Das Kupferdruckpapier, ich verwendete  Kupferdruckbütten der Firma Hahnemühle,  hält einiges aus, so dass auch mit Aquarellübermalungen experimentiert werden kann.

Die Druckplatte ist, wie gesehen, noch lange nicht fertig ausgearbeitet – es wird also weitere Probedrucke geben, mit denen ich „spielen“ kann…

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