Vor ein paar Tagen erreichte mich die Anfrage meines Kollegen Thorsten U. Hülsberg, ob ich mich einer Arbeit an seinem Kunstprojekt „Grauzone“ beteiligen möchte. Bedingung war die ausschließliche Verwendung von Schwarz, Weiß und Grautönen.

Gegenwärtig arbeite ich sehr farbig – und davon wegzukommen für ein Nebenprojekt ist nicht so einfach und manchmal auch gar nicht sinnvoll, weil der emotionale Fluss für das farbige Arbeiten schnell unterbrochen werden kann.

Auf meinem Tisch lagen noch die Stempel und Probedrucke, die nach einer meiner Originalzeichnungen angefertigt wurden:

Stempel nach Originalzeichnungen (c) Cordula Kerlikowski

Stempel nach Originalzeichnungen (c) Cordula Kerlikowski

So nutzte ich einen der großen Probedrucke für eine Collage.  Weitergearbeitet habe ich dann auf dem weißen Untergrund mit Tusche, Feder und Farbstiften, so dass ich gute Tonwertabstufungen herausarbeiten konnte:

"Schlange in der Grauzone", Collage/Zeichnung, 20 x 30 cm (c) Cordula Kerlikowski

„Schlange in der Grauzone“, Collage/Zeichnung, 20 x 30 cm (c) Cordula Kerlikowski

So wird aus einem Motiv von 2006, einer Stempel-Idee und einer Anfrage ein ganz neues Blatt.

Morgen gehts dann aber wieder an mein großes Acrylgemälde – Schwelgen in Blau- und Grüntönen!!!

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Wie ich schon an anderer Stelle berichtet habe, ziehe ich aus meinem Atelier aus und packe also seit zwei Wochen Kisten und Kartons. Dabei findet sich einiges wieder an, was ich beinahe schon vergessen hätte:

"Vogelfänger" 9 x 10cm auf 20 x 30cm, Bleistiftzeichnung von (c) Cordula Kerlikowski

„Vogelfänger“ 9 x 10cm auf 20 x 30cm, Bleistiftzeichnung von (c) Cordula Kerlikowski

"Hund und Hase" - 9 x 10cm auf 20 x 30cm, Bleistiftzeichnung von (c) Cordula Kerlikowski

„Hund und Hase“ – 9 x 10cm auf 20 x 30cm, Bleistiftzeichnung von (c) Cordula Kerlikowski

Hier habe ich einige Linien gesetzt und dann durch verschieden starke Schraffuren Räumlichkeit erzeugt. Wer genau hinschaut, findet den Vogelfänger und den Vogel, den Hasen und den Hund… Oder?

Das geht auch mit Aquarellflächen oder mit Acrylfarben, letztere dann jedoch im größeren Format, sonst wird es zu fummelig.

Diese Übung eignet sich gut für Bus- oder Zugfahrten, Wartezeiten auf dem Flughafen, im Café oder auf einer Parkbank-Pause. Auf Reisen kann so eine ganze Serie kleinformatiger Arbeiten entstehen!

Heute unterbreche ich meine Tusche-Serie, um drei Beispiele für meine Kurswoche vom 23.-29.4. in Goslar vorzubereiten:

Als eine der Übungen sollen aus allerlei Krimskrams (alte Uhren, Werkzeug, alter Schmuck,Papierreste, Garne) Collagen im Kleinformat entstehen. Dabei ist es notwendig, sich in der Farbigkeit zu reduzieren, um die Effekte der Materialien nicht abzuschwächen.

Hier drei Miniaturen, die aus alten Armbanduhren entstanden sind:

"Time I" - Collage auf Malplatte, 10 x 15 xm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Time I" - Collage auf Malplatte, 10 x 15 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Time II" - Collage auf Malplatte, 10 x 10 xm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Time II" - Collage auf Malplatte, 10 x 10 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Time III" - Collage auf Malplatte, 7,5 x 7,5 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Time III" - Collage auf Malplatte, 7,5 x 7,5 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Als Thema habe ich „Time“ – die Zeit aufgegriffen und deren Inhalt durch das Auseinandernehmen/Zerstören der Uhren aufgehoben. Die Zeiger sind teilweise entfernt, der Rahmen leer, das Uhrwerk entfernt… es lässt sich herrlich experimentieren und ich bin schon gespannt, was meine MalschülerInnen zum Kurs mitbringen und was daraus entsteht. Ich werde berichten…

Dieses Bild entstammt dem Zyklus „In Bewegung“ aus dem Jahr 2003, zu dem auch „Der Springer“, „Der Läufer“ und „Der Geher“ gehören. Es entstand für die Ausstellung „Zeitreise Kunst“ in Leipzig im Oktober 2003.

„Der Tänzer“

"Der Tänzer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Der Tänzer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Gemalt an einem warmen Spätsommertag, zeigen die 4 Bilder, insbesondere der „Tänzer“ die Freude an der Bewegung, an den letzten warmen Sonnentagen des Jahres und die heitere Beschwingtheit und Lebensfreude von Wesen, die mit sich im Reinen sind.

Der Tänzer wirbelt über die Leinwand, breitet die Arme aus, so als wollte er die ganze Welt und den Betrachter umarmen. Setzt er zum Sprung an oder zu einer Pirouette? Der feurige Rotton des Hintergrundes unterstreicht die Dynamik des Bildes. Das Objekt hinter dem Tänzer könnte eine Bühne darstellen, aber auch ein Haus, einen Stadtgrundriß oder den Zeil eines Straßenzuges… Entscheiden Sie!

Hier die anderen Arbeiten dieser Serie:

„Der Springer“

"Der Springer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Der Springer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Der Läufer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Der Läufer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Der Geher" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Der Geher" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Anlässlich der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft  folgte  2004 noch eine weitere Arbeit:

"Soccer"  - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 60 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Soccer" - Mischtechnik auf Leinwand, 50 x 60 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Das unten stehende Bild entstand wieder frei aus der Form heraus. Das Verarbeiten der Acrylfarbe in verschiedenen Tönen auf Acrylmalkarton mittels Spachtel ist interessant und ruft viele interessante Zwischentöne hervor. Nur ist darauf zu achten, diese nicht mit der nächsten Spachtelbewegung wieder zu zerstören.

"Minotauros" - Mischtechnik auf Acrylmalkarton, 50 x 70 cm (c) by Cordula Kerlikowski

"Minotauros" - Mischtechnik auf Acrylmalkarton, 50 x 70 cm (c) by Cordula Kerlikowski

Das Herausfinden der körperlichen Formen ist dann ein weiteres interessantes Kapitel. Schon während die Farbe trocknet, schaue ich mir die Fläche genau an, drehe das Blatt  immer wieder und lasse die gespachtelten Strukturen auf mich wirken. Oft beginne ich mit einigen Tuschelinien mitten ins Farbgewimmel, noch ohne konkretes Ziel vor den Augen. Danach geht es dann oft sehr schnell: es entstehen Ideen, Fragmente, Zitate vor meinem geistigen Auge, Erinnerungen an Bücher, Filme oder Erlebnisse – und die Zeichenfeder findet ihren Weg – ein fast meditativer Prozess…

Am Ende stand die Assoziation zu Minotauros:

Wir kennen sie, die Sage vom stierköpfigen Ungeheuer Minotauros, der in seiner Höhle im Labyrinth haust und die schönsten Jungfrauen der Umgebung als Opfer fordert…? Sicherlich sehen Sie hier eine sehr freie, persönliche Interpretation des Themas – Minotauros mit ausgebreiteten Armen, auf der Suche nach neuen Opfern, oder auf der Suche nach Liebe und menschlicher Wärme? Wie mag es sich so leben, versteckt vor der Zivilisation, mit schrecklichem Spiegelbild, umgeben von Gerüchten, Anschuldigungen und Anfeindungen? Mein Minotauros begibt sich nach draußen, außerhalb seiner Höhle wirkt er versöhnlich, auf der Suche nach Kontakt bewegt er sich durch die griechische Landschaft mit weiß-ockerfarbenen Steinen, sieht, vielleicht zum ersten Mal, Zypressen, Gras und Blumen…

Dieses in sich sehr klare, streng strukturierte Bild entstand 2003 in Vorbereitung einer Ausstellung und hat ein Pendant („Japan II“).

"Japan I" Mischtechnik auf leinwand, 80 x 100 cm (c) von Cordula Kerlikowski

"Japan I" Mischtechnik auf Leinwand, 80 x 100 cm (c) von Cordula Kerlikowski

Nach einem spontanen, intuitiven weißen Farbauftrag erinnerten mich beide Flächen an Kalligrafie, japanische Schriftzeichen, das hier nicht gezeigte „Japan II“ an einen im Kampf herumwirbelnden Samurai. Deshalb entschied ich mich, die weitere Ausarbeitung des Bildes in diese Richtung weiterzutreiben. Ich kann weder Japanisch noch kenne ich mich mit japanischen Traditionen oder Gegebenheiten aus, ich war auch noch nie dort. Deshalb habe ich mich bewußt weiter im abstrakten Raum bewegt, versucht, die Stimmung fernöstlich zu gestalten (kalligrafische Linien, rote Punkte) und einen Moment des Traums von Ferne und Exotik, aber auch die typisch japanische Selbstkontrolle und Disziplin, einzufangen.
Für mich strahlt das Bild Ruhe aus, fordert auf zur inneren Sammlung, zu Meditation, zum Innehalten nach einem Tag voller Spannungen, Begegnungen, Kämpfe, Diskussionen, Unsicherheiten oder Emotionen. Zurück zum Wesentlichen, fernab von Besitzansprüchen, angehäuftem tatsächlichen oder ersehnten Wohlstand, von Heuchelei, Verstellung oder Selbstaufgabe. Wie klein und unwichtig erscheint unsere tägliche Jagd nach Besitz, Ruhm oder gesellschaftlicher Anerkennung angesichts des Kampfes um die nackte Existenz, der Überlebenden der Flutkatastrophe ……

Es hätte für dieses Bild auch einen anderen möglichen Ansatz gegeben: Vielleicht sehen Sie eher eine sitzende weibliche Figur, im Schneidersitz, mit verschränkten Armen (vgl. blaue Scherenschnittfiguren von Matisse) ? Versuchen Sie das Bild auf diese Weise gedanklich weiterzumalen! Welche Gestalt wird es annehmen?

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