Es ist Dienstag – der Tag, an dem ich meine beiden kleinen Malgruppen im Atelier habe. Zudem bin ich am Packen und Räumen, denn die Räumlichkeiten in der Behringstraße stehen  mir nicht mehr lange zur Verfügung. Das Ganze habe ich durch die Entscheidung beschleunigt, bereits Ende Juli auszuziehen.

Deshalb war ich schon früh im Atelier, um weiter Material zu sichten, Bilder zu ordnen, Kisten zu packen. Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich alte Arbeiten bzw. Demonstrationsstücke auf Keilrahmen abgezogen und neu bespannt. So kann ich nach dem Umzug ohne Verzögerung weiter arbeiten:

Werkzeug zum Aufziehen von Leinwand auf Keilrahmen, Foto (c) Corfdula Kerlikowski

Werkzeug zum Aufziehen von Leinwand auf Keilrahmen, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Das geht recht einfach. Früher scheute ich diesen Aufwand, inzwischen habe ich genug Routine schnell und unkompliziert neue Malgründe herzustellen. Zum einen ist das viel günstiger, zum anderen kann ich so Formate schaffen, die es nicht im Handel zu kaufen gibt. Außerdem muss ich ab und zu mit Werkzeug hantieren – das Schrauben, Tackern, Schneiden und Ausrichten mag ich einfach…

Insgesamt habe ich heute wohl an die 20 Rahmen umgespannt – meist kleinere Formate, und diese erst einmal zusammengestellt um sie später zusammen einzupacken.

einige nreu bespannte Keilrahmen, Foto (c) Cordula Kerlikowski

einige neu bespannte Keilrahmen, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Hier sind einige der Formate zu sehen, quadratisch und im Langformat…

Später werde ich die Rahmen, die noch nicht fest genug erscheinen, auf der Rückseite mit einem Wassersprüher oder einem breiten Pinsel anfeuchten. Dann spannt sich der Stoff wie ein Trommelfell und die Keilrahmen sind fertig zum Malen.

einige nreu bespannte Keilrahmen, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Das Lager wächst…  Foto (c) Cordula Kerlikowski

Sicherlich ist das erst einmal Aufwand, aber es geht wirklich ziemlich schnell und ich schleppe keine „Altlasten“ mit, die dann wieder in der Ecke verschwinden. Bilder, die mir wichtiger sind, spanne ich ggf. ebenfalls ab und rolle sie über einen großen Pappzylinder, drumherum kommt zum Schutz vor Verstauben eine Folie. Bei Bedarf kann ich sie wieder auf einen Keilrahmen aufbringen. So kann man auch Platz sparen.

Die Mittagspause habe ich genutzt, um schon einige Radierungen für meine Ausstellung bei Armenat-Keramik im August zu rahmen. Ich mag es, mir für diese Sichtung und Rahmung Zeit zu nehmen und die Auswahl langsam wachsen zu lassen. Hier also die ersten Bilder:

Vier Radierungen, im Rahmen je 20 x 20 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Vier Radierungen, im Rahmen je 20 x 20 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Ich habe die Radierungen mit Bütten-Passepartouts versehen – das gefällt mir gut, zumal durch den unregelmäßigen Büttenrand jede Rahmung individuell ausfällt.

Am Nachmittag geht es mit Aquarellmalerei mit zwei langjährigen Malschülerinnnen weiter. Was genau heute enstehen wird, entscheiden wir meist ganz spontan – es ist Sommer, auch wenn es draußen zur Zeit nicht so ausschaut. Aber ein kleines Stilleben wäre doch schön… Kirschen ?????

Und zum Ausklang des Tages freue ich mich auf ein Treffen mit Neno Artmann, mein XING- und Facebook-Kontakt und Künstlerkollege. Er ist gerade in Berlin und wir werden sicher viele Themen zum Austausch haben…

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In den vergangenen beiden Tagen erhielten Susanne Haun und  ich die  seltene Möglichkeit, die Produktionsräume und Herstellungsprozesse in der Hahnemühle FineArt GmbH in Einbeck und in Dassel/ Relliehausen zu besichtigen.

Die Hahnemühle ist ein Traditionsbetrieb, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1584 zurückreichen und somit eine Firma, die sich ihren Manufakturcharakter bis in unsere Zeit in großen Bereichen bewahrt hat.

Kaum jemand von uns KünstlerInnen, die wir täglich mit diesem Material umgehen, weiß viel über die Herstellung von Papier – deshalb möchte ich heute ein etwas anderes Blog schreiben: theoretischer, mehr Fotos, längere Textpassagen (Susanne hat das ganze aus der emotionalen Sicht aufbereitet). Aber ich denke, es wird für meine Leser trotzdem interessant sein.

Alle Fotos stammen von Susanne Haun, mit freundlicher Genehmigung der Hahnemühle FineArt GmbH, vertreten durch Frau  Bettina Scheerbarth.

1. Die Herstellung des „Papierbreies“

Ausgangsstoffe für die Papierherstellung sind Zellulose, Wasser, Kreide, Stärke und einige wenige weitere Zusatzstoffe (z.B. Pigmente). Früher verwendete man ausschließlich Lumpen, d.h. alte Leinenstoffe. Heute wird importierte Baumwolle in Form von Zellstoff verarbeitet, für die Herstellung des „Bamboo“-Papiers auch Bambusfasern:

Zellstoff als Grundlage der Papierproduktion, Foto von Susanne Haun

Zellstoff als Grundlage der Papierproduktion, Foto von Susanne Haun

Blick in den Pölper, Foto von Susanne Haun

Blick in den Pulper, Foto von Susanne Haun

Zellulosebrei im Pölper: hier wird der Zellstoff zerkleinert und mit Quellwasser versetzt, so dass eine breiartige Masse entsteht. An den Türen des Pulpers sieht man die kleinen Flöckchen – es fühlt sich an wie ein nasses Papiertaschentuch…

Papierflocken aus dem Pölper, Foto von Susanne Haun

Papierflocken aus dem Pulper, Foto von Susanne Haun

Der "Hollaender", Foto von Susanne Haun

Der "Holländer", Foto von Susanne Haun

Historisches Zeugnis der Papierproduktion – der „Holländer“  – so genannt, weil ihn holländische Papierhersteller erfunden haben.

Im folgenden Schritt fließt der Brei in große Behälter, wo durch kräftiges maschinelles Rühren eine homogene Masse entsteht. Durch Hinzufügen von Stärke, Kreide und ggf. Pigmenten wird der individuelle Charakter des Papiers bestimmt und ganz auf die Wünsche der Kunden zugeschnitten.

Behälter mit Papierbrei, Foto von Susanne Haun

Behälter mit Papierbrei, Foto von Susanne Haun

Der Zellstoff auf den Weg in den Pölper, Foto von Susanne Haun

Der Zellstoff auf den Weg in den Pölper, Foto von Susanne Haun

Rohrleitungssysteme befördern den Zellstoffbrei direkt zu den Papiermaschinen. Auf der Langsiebmaschine entstehen die meisten Papiere (z.B. Aquarellkartons etc.), auf der Rundsiebmaschine das hochwertige Büttenpapier.

2. Die Langsiebmaschine

Hier wird der Papierbrei gleichmäßig auf lange Siebe aufgespritzt, so das sich die Zellulosefasern in einer bevorzugten Richtung ablegen. Dadurch hat das Fließverhalten von nasser Farbe auf diesen Papieren eine leichte Tendenz in diese Richtung, was jedoch kaum sichtlich auffällt. Die Langsiebmaschinen arbeiten schneller – dementsprechend sind Langsiebpapiere später im Fachhandel günstiger.

Langsam läuft das Band vorwärts, so dass das überschüssige Wasser abfließen kann (dieses Wasser wird gereinigt und dem Produktionsprozess wieder zugeführt):

Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Filzbahnen übernehmen das nasse Papier vom Sieb, so dass sich die Papiermasse zwischen diesen befindet. Die Struktur des Filzes und die Andruckstärke der Walzen bestimmen dann die Oberfläche das Papiers.

In weiteren Schritten schneiden scharfe Wasserstrahlen die Ränder glatt und die  Papierbahn passiert mehrere heiße Walzen. Sie wird dabei von Düsen befeuchtet, um Risse zu vermeiden und die Bahn gleichmäßig zu trocknen.

Die abgeschnittenen Ränder, Foto von Susanne Haun

Die abgeschnittenen Ränder, Foto von Susanne Haun

Walzen an der Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Walzen an der Langsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Abschließend entsteht eine riesige Papierrolle, die so genannte „Mutterrolle“ – aus der später Einzelbögen geschnitten und Blöcke gefertigt werden. Ein Mitarbeiter prüft die Restfeuchte des Papiers, bevor die Rolle zur weiteren Verarbeitung abtransportiert wird.

Messung der Restfeuchte, Foto von Susanne Haun

Messung der Restfeuchte, Foto von Susanne Haun

3. Die Rundsiebmaschine

Das Herstellungsverfahren auf der Rundsiebmaschine ähnelt dem auf dem Langsieb – nur dass hier eine Rolle mit einem Kupfersieb in einer Wanne rotiert und dabei die Zellulosefasern aufnimmt. Diese legen sich völlig ungeordnet auf das Sieb und entwickeln keine bevorzugte Ausrichtung. Dadurch ist das Fließverhalten der Büttenpapiere (Bütte=Bottich) gleichmäßiger. Dieser Herstellungsprozess ist der traditionelle, er dauert länger, macht das Papier teurer, aber auch hochwertiger. Der charakteristische Büttenrand entsteht durch das über die Seitenränder ablaufende Wasser. Hier einige Bildimpressionen:

Die Rundsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Die Rundsiebmaschine, Foto von Susanne Haun

Die "Bütte" - das Rundsieb ist als dunkle Rolle zu sehen

Die "Bütte" - das Rundsieb ist als dunkle Rolle zu sehen

Scheinbar endlos ist die Bahn an Büttenpapier, die die Maschine verlässt. Hier wird das Papier für die spätere Verarbeitung zu Blöcken auf eine große Rolle gewickelt. Für Bogenware befindet sich auf dem Rundsieb ein Kupferstreifen, auf dem sich, wie beim Wasserzeichen, weniger Papierbrei ablagert – hier kann das Papier in der gewünschten Länge reißen.

4. Die Weiterverarbeitung

Anschließend kommen die Papierrollen bzw. Bögen in eine große Halle zum Schneiden in handelsübliche Größen (für Bogenware) und werden dann nochmals auf Qualität überprüft und danach verpackt.

Schneidmaschine, Foto von Susanne Haun

Schneidmaschine, Foto von Susanne Haun

Das Wasserzeichen in einem Büttenbogen, Foto von Susanne Haun

Das Wasserzeichen in einem Büttenbogen, Foto von Susanne Haun

Hahnemuehle-Wasserzeichen auf einem Rundsieb, Foto von Susanne Haun

Hahnemuehle-Wasserzeichen auf einem Rundsieb, Foto von Susanne Haun

Blockware wird dann in Einbeck hergestellt. Dazu lagern dort Unmengen von Pappen, Papieren und Blockdecken – ein faszinierender Anblick…

5. Die Blockproduktion in Einbeck

Hier werden die bekannten Blöcke der Firma hergestellt und finden danach ihren Weg in die Künstlerwelt:

Viel Platz für die Herstellung, Foto von Susanne Haun

Viel Platz für die Herstellung, Foto von Susanne Haun

Hier wird geklebt! Foto von Susanne Haun

Hier wird geklebt! Foto von Susanne Haun

Zuschneiden auf Maß, Ausrichten der Pappen und Papiere, Kleben und das Aufbringen der Blockdecken – hier geschieht es!!! Trotz Maschinen sehr viel Handarbeit zu Gunsten von Qualität und Abfallminimierung.

6. Hahnemühle FineArt GmbH und die Umwelt

Die Firma engagiert sich für die Umwelt, denn Papierproduktion ist energieintensiv und benötigt viel Wasser: Das verwendete Wasser wird aufbereitet und der Produktion wieder zugeführt. Ständige Qualitätskontrollen stellen sicher, dass die Umwelt sauber bleibt.

Papierreste und aussortierte Bögen mit kleinen Qualitätsmängeln wandern zurück in den Pölper und der Kreislauf beginnt von Neuem. Auf Grund des hohen Anteils an manueller Nachkontrolle halten sich diese Rückführungen jedoch sehr in Grenzen. Wir haben wenig Verschnitt und Fehlpapiere gesehen.

Neben der traditionellen Verwendung von Baumwolle nutzt die Hahnemühle auch schnell nachwachsende Rohstoffe: seit einigen Jahren sind zwei Papiere aus Bambusfasern im Handel: der Mixed Media Block und ein Skizzenblock mit dem schönen Namen „Bamboo“ – durch die grünne Blockdecken schnell wahrzunehmen. Ich habe beide Qualitäten oft verwendet und bin damit sehr zufrieden.

Mit der Umweltinitiative „Green Rooster“ engagiert sich die Firma auch für größere Projekte. Ein Teil der Einnahmen aus den „Bamboo“-Verkäufen geht in diese Vorhaben.

Ich hoffe, hier einen kleinen Einblick gegeben zu haben in den Produktionsprozeß von Künstlerpapieren. Um den Blog nicht zu umfangreich zu gestalten, erwähne ich hier nur am Rande, dass die Hahnemühle neben Künstlerpapieren auch Marktführer im Digital Print Bereich ist und Filtrationspapiere herstellt. Aber das ist dann vielleicht Inhalt eines anderen Blogs…

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