Heute war viel Bürokram zu bewältigen – also hatte ich nicht so recht die Lust etwas neues zu beginnen und habe stattdessen meine Bestände um- und aufgeräumt.

Ich gebe zu, manchmal gehe ich mit meinen Skizzen und Studien nicht gerade zärtlich um und so kann es passieren, dass eine Arbeit dort landet, wie sie nicht hingehört – zwischen die Blätter eines alten Aquarellblocks zum Beispiel.

Doch umso größer ist die Freude über das Wiedersehen, wenn überraschend ein Bild zum Vorschein kommt, das ich schon vergessen hatte:

"Malve" - 24 x 32 cm, Aquarell auf Aquarellkarton 300g/m², (c) Cordula Kerlikowski

„Malve“ – 24 x 32 cm, Aquarell auf Aquarellkarton 300g/m², (c) Cordula Kerlikowski

Diesem Malvenzweig habe ich im Garten einer Freundin gemalt – als Aquarell auf einem meiner Lieblingspapiere. Es macht Spaß, die Sonne zu genießen, den Duft der Blumen aufzunehmen und vor einer Pflanze zu sitzen um sie abzubilden. Ich habe diese Malve nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitet – ungewöhnlich für mich, oder? Ich glaube, der angebotene Kaffee und der Eisbecher waren zu verlockend….

Das ist nun schon wieder Erinnerung. Noch ein paar schöne Herbsttage und damit verbundene Arbeiten über Blätter und Früchte, dann kommt der Winter… Zeit der Stilleben oder abstrakter Malerei… Mal sehen, was dann unter meinen Händen das Licht der Winterwelt erblickt…

Auf Reisen kann ich nicht viel an Malutensilien mitnehmen – so bleibt es meist bei ein paar Papieren, selbst zusammengestelltem Skizzenbuch, Bleistiften und Aquarellkasten. In der Regel genügt das auch. Diesmal hatte ich auch ein Kraftpapier-Heft dabei, weil ich einiges ausprobieren wollte.

Auf einem meiner Morgenspaziergänge durch die Club-Anlage fiel mir diese Blüte auf:

Hibiskusblüte - (c) Foto von Cordula Kerlikowski

Hibiskusblüte - (c) Foto von Cordula Kerlikowski

Mit einer auf die wichtigsten Linien reduzierten Vorzeichnung begann ich eine Grundstruktur festgelegt. Da die Farben der Blüte zum kolorierten Bild verführen, entschied ich mich für ein Aquarell, obwohl das Papier dafür eigentlich nicht bestimmt ist:

"Hibiskus auf Kraftpapier" - Vorzeichnung, 20 x 30 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Hibiskus auf Kraftpapier" - Vorzeichnung, 20 x 30 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Auf dem Kraftpapier ist das nicht einfach – die Nass-in-Nass-Technik funktioniert nur bedingt, da Wasser und Farbe auf dem Papier kaum fließen und schnell einziehen, aber mit Lasuren arbeitet es sich sehr gut. Um auf dem relativ dunklen Untergrund Rosa-Töne zu erreichen, musste ich mit Deckweiß arbeiten, was ich sonst nicht tue. So wirkt die Arbeit auch eher wie eine Gouache-Malerei, jedoch wirkt die Kombination der Papierfarbe mit denen des Bildes sehr reizvoll:

"Hibiskus auf Kraftpapier" - 20 x 30 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Hibiskus auf Kraftpapier" - 20 x 30 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Durch die Komplementärfarben Rot und Grün wirkt die Malerei kontrastreich. Gezielt gesetzte laubgrüne Farbflecken im Hintergrund bringen die Rottöne zusätzlich zum Leuchten.

So ging auch in diesem Falle Probieren über Studieren – das Kraftpapier ist für Überraschungen gut und fordert dem Anwender einiges an Kreativität und Improvisationsvermögen ab – aber genau das macht mir Spaß…

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