Man kennt mich als passionierte Zeichnerin und als Malerin, die gerne auch in Aquarellen und Acrylgemälden mit Tusche und Feder Akzente setzt.

Die Schreib- oder Zeichenfeder ist für mich ein Verbrauchsmaterial, da sie mit der Zeit stumpf wird und die Tinte am Ende unregelmäßig abgibt, zu klecksen beginnt oder verklebt. Dann wird sie ersetzt. Ich pflege sie nicht so akribisch wie meine Pinsel oder Malspachtel, aber  zwei Federn behandle ich beinahe liebevoll und passe gut auf sie auf:

Die eine ist die, an anderer Stelle bereits erwähnte, Glasfeder, die sich dadurch auszeichnet, dass sie sehr viel Tinte aufnehmen kann und eine sehr gleichmäßige Linie zieht. Diese Feder hat mir eine Malschülerin geschenkt und ich war sofort von ihr begeistert.

Die andere ist eine Schreibfeder:

"Brief und Feder", Foto (c) by Cordula Kerlikowski

„Brief und Feder“, Foto (c) by Cordula Kerlikowski

Sieht sie nicht schön aus? Neben der aufwändig gearbeiteten Fassung verfügt sie über einen wunderschön gemaserten und gelackten Stiel – eine Augenweide! Diese Feder kaufte ich vor ein paar Jahren in der Toskana und ich benutze sie hauptsächlich zum Schreiben, weniger zum Zeichnen. Dabei arbeite ich nicht streng kalligrafisch, sondern schreibe in meinem eigenen Stil Texte, Notizen oder Briefe.

ich verfüge über einen großen Fundus von Briefen, Rezeptbüchern, Notizen und über ein Poesiealbum meiner Großtante. Es ist interessant darin zu blättern und sich durch die altdeutsche Schrift (Sütterlin) zu kämpfen. Das ist nicht einfach, denn diese zackige, teilweise eng geschriebene Schrift ist unserer modernen Schreibweise so fern:

"Aus dem Poesie-Album..." , Foto (c) von Cordula Kerlikowski

„Aus dem Poesie-Album…“ , Foto (c) von Cordula Kerlikowski

"Aus dem Poesie-Album..." , Foto (c) von Cordula Kerlikowski

„Aus dem Poesie-Album…“ , Foto (c) von Cordula Kerlikowski

Die altdeutschen, gutbürgerlichen Kochrezepte aus der Sammlung meiner Großtante zu entziffern, aufzubereiten und evtl. nachzukochen und zu illustrieren wird wohl eine Lebensaufgabe…

Dieses in sich sehr klare, streng strukturierte Bild entstand 2003 in Vorbereitung einer Ausstellung und hat ein Pendant („Japan II“).

"Japan I" Mischtechnik auf leinwand, 80 x 100 cm (c) von Cordula Kerlikowski

"Japan I" Mischtechnik auf Leinwand, 80 x 100 cm (c) von Cordula Kerlikowski

Nach einem spontanen, intuitiven weißen Farbauftrag erinnerten mich beide Flächen an Kalligrafie, japanische Schriftzeichen, das hier nicht gezeigte „Japan II“ an einen im Kampf herumwirbelnden Samurai. Deshalb entschied ich mich, die weitere Ausarbeitung des Bildes in diese Richtung weiterzutreiben. Ich kann weder Japanisch noch kenne ich mich mit japanischen Traditionen oder Gegebenheiten aus, ich war auch noch nie dort. Deshalb habe ich mich bewußt weiter im abstrakten Raum bewegt, versucht, die Stimmung fernöstlich zu gestalten (kalligrafische Linien, rote Punkte) und einen Moment des Traums von Ferne und Exotik, aber auch die typisch japanische Selbstkontrolle und Disziplin, einzufangen.
Für mich strahlt das Bild Ruhe aus, fordert auf zur inneren Sammlung, zu Meditation, zum Innehalten nach einem Tag voller Spannungen, Begegnungen, Kämpfe, Diskussionen, Unsicherheiten oder Emotionen. Zurück zum Wesentlichen, fernab von Besitzansprüchen, angehäuftem tatsächlichen oder ersehnten Wohlstand, von Heuchelei, Verstellung oder Selbstaufgabe. Wie klein und unwichtig erscheint unsere tägliche Jagd nach Besitz, Ruhm oder gesellschaftlicher Anerkennung angesichts des Kampfes um die nackte Existenz, der Überlebenden der Flutkatastrophe ……

Es hätte für dieses Bild auch einen anderen möglichen Ansatz gegeben: Vielleicht sehen Sie eher eine sitzende weibliche Figur, im Schneidersitz, mit verschränkten Armen (vgl. blaue Scherenschnittfiguren von Matisse) ? Versuchen Sie das Bild auf diese Weise gedanklich weiterzumalen! Welche Gestalt wird es annehmen?

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