Ich habe in mehreren vorangegangenen Artikeln bereits über die verschiedenen Möglichkeiten berichtet, eine Kaltnadelradierung auf unterschiedlichen Druckplatten anzufertigen. Für den Einsteiger ist es zunächst schwierig, grafisch umzudenken und mit der Radiernadel auf einer Platte zu zeichnen: Zink- und Kupferplatten lassen sich nur mit Kraftaufwand in dieser Technik bearbeiten, eine CD spiegelt stark und ermüdet damit schnell die Augen.

So bietet sich für den Anfänger eine Kunststoffplatte an, die zwei Vorteile aufweist: das Gravieren ist weniger ermüdend und eine vorbereitete Skizze kann einfach durchgepaust werden. Der aufwändige Umdruck entfällt. Am folgenden Druck ist zu sehen, dass die Ergebnisse durchaus sehenswert sind:

"Freesie" - Kaltnadelradierung auf Kunststoffplatte, (c) by Cordula Kerlikowski

"Freesie" - Probedruck, Kaltnadelradierung auf Kunststoffplatte, (c) by Cordula Kerlikowski

Unterschiedliche Tonwerte erreicht man durch Kreuz- oder Parallelschraffuren. Je tiefer die Gravur, desto dunkler die Fläche. Jedoch ist darauf zu achten, dass man die Platte nicht versehentlich durchsticht.

Aber auch Experimente sind möglich. Auf der folgenden Abbildung habe ich die Druckplatte nach dem Drucken nicht gesäubert und noch einmal auf Kupferdruckpapier gedruckt. Das Ergebnis war ein schwacher Abdruck. Nun habe ich die Platte gut gereinigt, neu eingefärbt und dann, um 180 Grad gedreht, ein weiteres Mal auf demselben Blatt gedruckt. Jetzt wirkt der Druck plastischer, obwohl die Zeichnung nur über Konturen erfolgte und ich keine wesentlichen Schraffuren zur Entwicklung von Tonwerten angelegt hatte:

"Ginkgo" - Kaltnadelradierung auf Kunststoffplatte, (c) by Cordula Kerlikowski

"Ginkgo" - Kaltnadelradierung auf Kunststoffplatte, (c) by Cordula Kerlikowski

Ungeübte Zeichner können hier auch gepresste Ginkgo-Blätter unter die Platte legen und so die Konturen einfach nachzeichnen…

weitere Artikel zur Kaltnadelradierung:

https://cordulakerlikowski.wordpress.com/2012/02/12/intensivkurs-kaltnadelradierung-oder-neue-wege-sind-spannend/

https://cordulakerlikowski.wordpress.com/2012/01/28/ein-wiesenstuck-oder-platz-schaffen-im-cd-regal/

https://cordulakerlikowski.wordpress.com/2012/03/15/drei-tulpen-auf-cd-von-der-schwierigkeit-mehrfarbig-zu-drucken/

Heute zeige ich drei Kaltnadelradierungen, die ich nebeneinander auf einem Papier gedruckt habe. Die Platten selbst sind jeweils nur 5 x 5 cm groß und so ist es interessant, mit verschiedenen Farbvarianten und Anordnungen zu spielen. Hier wählte ich die drei Grundfarben:

"Verliebt..." (EA) 30 x 20cm, Kaltnadelradierung auf Kupferdruck-Bütten, (c) b Cordula Kerlikowski

"Verliebt..." (EA) 30 x 20cm, Kaltnadelradierung auf Kupferdruck-Bütten, (c) b Cordula Kerlikowski

Eine Frau und ein Mann, träumend und in Gedanken versunken, dargestellt in floraler Umgebung. Trennendes und zugleich verbindendes Element ist die mittlere Platte, die die Blütenmotive der beiden anderen Platten fortsetzt und vertieft.

So finden wir die beiden in einem Moment der Innigkeit, Ausschließlichkeit und Nähe, einander zugewandt und mit Schmetterlingen im Bauch. Es ist nicht klar, ob sie diesen Augenblick getrennt voneinander oder zusammen erleben. Diese Entscheidung überlasse ich gern dem Betrachter….

Und hier ein neue Kaltnadelradierung – passend zum Frühling:

Über die Kaltnadelradierung, insbesondere auf CD, habe ich bereits einige Artikel geschrieben:

https://cordulakerlikowski.wordpress.com/2012/01/28/ein-wiesenstuck-oder-platz-schaffen-im-cd-regal/

https://cordulakerlikowski.wordpress.com/2012/03/10/wiesenstuck-ii-oder-in-serie-arbeiten/

Heute geht des darum, die Druckfarbe zielgerichtet einzusetzen, um besondere Akzente zu schaffen:

"Drei Tulpen", 2012, Unikatdruck  - Kaltnadelradierung auf CD, (c) Cordula Kerlikowski

"Drei Tulpen", 2012, Unikatdruck - Kaltnadelradierung auf CD, (c) Cordula Kerlikowski

Der sogenannte Irisdruck ist kaum ein Problem – hier werden die Druckfarben, gut voneinander entfernt, aufgetragen und sanfte Übergänge geschaffen.

Dagegen macht es schon größere Schwierigkeiten, einzelne Partien der Druckplatte gezielt farblich zu gestalten. Zum einen ist die Kunststoffplatte nach 10-15 Drucken erschöpft, die Linien werden dann unscharf. Also sind nur wenige Versuche möglich. Zum anderen ist das Auswischen der Druckfarbe aufwändiger und dauert länger. Außerdem kann die Platte durch das intensivere Auswischen der Farben schneller verkratzt werden.

Hier zwei Probedrucke:

"Drei Tulpen", 2012, Probedruck - Kaltnadelradierung auf CD, (c) Cordula Kerlikowski

"Drei Tulpen", 2012, Probedruck - Kaltnadelradierung auf CD, (c) Cordula Kerlikowski

"Drei Tulpen", 2012, Probedruck - Kaltnadelradierung auf CD, (c) Cordula Kerlikowski

"Drei Tulpen", 2012, Probedruck - Kaltnadelradierung auf CD, (c) Cordula Kerlikowski

Während der Irisdruck kraftvoller und abstrahiert wirkt, sind die gezielten Tönungen realistischer. Man kann viel experimentieren – jeder Druck ist ein Unikat.

Es ist wichtig, hier sehr sauber zu arbeiten und die Platte nach jedem Druck vorsichtig mit einem Lappen und Terpentin zu säubern. Die Druckfarbe ist extrem pigmentiert – kleinste Rückstände verfärben den nächsten Druck auf unerwünschte Weise. Trotzdem ist es interessant, die CD auch einmal nicht zu reinigen und eine neue Farbe aufzutragen. Das Ergebnis kann interessant sein:

"Drei Tulpen", 2012, Probedruck - Kaltnadelradierung auf CD, (c) Cordula Kerlikowski

"Drei Tulpen", 2012, Probedruck - Kaltnadelradierung auf CD, (c) Cordula Kerlikowski

Während Rot und Gelb sich dem Rötelton fast vollständig ergeben haben, weil der Kontrast zwischen ihnen nicht sehr groß ist, wirkt das Blau hier kräftig nach. So entstehen in diesem Fall Schattierungen, die die Schraffur der Radierung noch weiter unterstützen…

Nachdem ich in einem meiner vorangegangenen Artikel gezeigt habe, dass es sich auch mit einfachen Materialien gut radieren lässt und nach weiteren Motiven gefragt wurde, habe ich heute ein weiteres „Wiesenstück“ begonnen.

Wieder handelt es sich um eine Kaltnadelradierung auf einer alten  CD. Da der Druck ein Paßstück zum vorigen Motiv werden sollte, habe ich bewußt ähnliche florale Ansatzpunkte und Ausdrucksmittel verwendet.

Hier zunächst die CD:

"Wiesenstueck II" - CD, (c) by Cordula Kerlikowski

"Wiesenstueck II" - CD, (c) by Cordula Kerlikowski

An den Spiegelungen ist zu erkennen, dass das Gravieren der CD die Augen anstrengt – es sind Pausen vonnöten, um Fehler zu vermeiden…

Ein erster Probedruck zeigt, dass ich diesmal die Kontraste kräftig herausgearbeitet habe und die Schraffuren gleichmäßiger erscheinen:

"Wiesenstueck II" - Probedruck, (c) by Cordula Kerlikowski

"Wiesenstueck II" - Probedruck auf Hahnemühle-Kupferdruck-Bütten, (c) by Cordula Kerlikowski

Für die folgenden Drucke gilt es nun, kleine Unregelmäßigkeiten auf der Druckplatte auszugleichen, die passenden Farben auszuwählen und sowohl mit dem Plattenton als auch mit dem Auswischen überschüssiger Druckfarbe zu experimentieren. So wird es möglich, zu harte Kontraste abzumildern, einen anderen Farbeindruck zu gewinnen oder durch Nachkolorierung mittels Aquarellfarben eine stärkere Bunttönung auszuprobieren.

Doch damit geht es am Montag weiter…

Am Samstag, den 11.2. fand mein Intensivkurs „Kaltnadelradierung“ statt.

Versuchung

"Versuchung" Cordula Kerlikowski, Kaltnadelradierung, 10 x 15cm auf 20 x 30 cm, Hahnemuehle, Kupferdruckbütten

Voraussetzungen waren nicht mitzubringen, da sich dieser Kurs auch gerade an Anfänger richtete. Der Materialaufwand, insbesondere wegen der erforderlichen Druckpresse, ist groß, deshalb mein Angebot – diese faszinierende Technik in meinem Atelier auszuprobieren.

Wir begannen mit einer kurzen Einführung in der Technik und die Materialien und näherten uns dann Schritt für Schritt den ersten versuchen auf einer Kunststoffplatte. Zunächst versuchten sich die TeilnehmerInnen auf einer Probierplatte, die Radiernadel kennen zu lernen und im Radieren und Schraffieren auf ungewohntem Material Sicherheit zu erlangen. Dass sie alle bereits über gute Kenntnisse im Zeichnen verfügten, fiel es ihnen relativ leicht, Motive zu finden und den Umgang mit der Radiernadel zu erlernen.

Bereits nach kurzer Zeit konnten sie, zuerst auf einer neuen Kunststoffplatte, ein erstes Motiv ausarbeiten und Probedrucke anfertigen:

Erste Probedrucke - hier auf von CD und Kunststoffplatte, (c) Foto Cordula Kerlikowski

Erste Probedrucke - hier auf von CD und Kunststoffplatte, (c) Foto Cordula Kerlikowski

 einfärben und auswischen der Druckplatte, (c) Foto von Cordula Kerlikowski

einfärben und auswischen der Druckplatte, (c) Foto von Cordula Kerlikowski

Spannend war es dann, die Blätter (Kupferdruckbütten) nach dem Druck von der Platte zu lösen und das Ergebnis anzuschauen – jedes Mal ein wenig anders, immer ein Unikat:

Radierung auf Kunststoffplatte, mit freundlicher Genehmigung von H.T., (c) Foto von C. Kerlikowski

Radierung auf Kunststoffplatte, mit freundlicher Genehmigung von H.T., (c) Foto von C. Kerlikowski

Der Hintergrund ist weniger als gewöhnlich ausgewischt, so dass Arbeitsspuren sichtbar bleiben. Dies war von Kursteilnehmer beabsichtigt und erweckt den Eindruck einer diffusen Landschaft oder Vegetation hinter den Insekten.

Libelle - Kaltnadelradierung auf Kunststoffplatte, mit freundlicher Genehmigung von A.S., (c) Foot von C.Kerlikowski

Libelle - Kaltnadelradierung auf Kunststoffplatte, mit freundlicher Genehmigung von A.S., (c) Foto von C.Kerlikowski

Kirschen - Kaltnadelradierung auf Kunststoffplatte, mit freundlicher Genehmigung von C.H., (c) Foto von C.Kerlikowski

Kirschen - Kaltnadelradierung auf Kunststoffplatte, mit freundlicher Genehmigung von C.H., (c) Foto von C.Kerlikowski

Eine weitere Möglichkeit ist der Druck auf einer Metallplatte (Zink oder Kupfer) – die ebenfalls versucht wurde. Hier ein Ergebnis:

Schnecke - Kaltnadelradierung auf Kupferplatte, mit freundlicher Genehmigung von H.T., (c) Foot von C.Kerlikowski

Schnecke - Kaltnadelradierung auf Kupferplatte, mit freundlicher Genehmigung von H.T., (c) Foto von C.Kerlikowski

es ist interessant zu beobachten, wie wachsendem Gefühl für Nadel, Platte und Druck die Ideen und die Experimentierfreude zunehmen. Das Ausprobieren verschiedener Farbeffekte oder der routinierte Umgang mit den Druckfarben führten zu immer spannenderen Ergebnissen.

Der Kurs hat mir sehr viel Spaß gemacht und an den Ergebnissen ist zu sehen, dass auch ohne Vorkenntnisse schöne erste  Radierungen machbar sind.

Für den Ausbau dieser Kenntnisse werde ich einen Folgekurs anbieten, den ich rechtzeitig bekannt gebe. Ebenso ist auch ein weiterer Intensivkurs in Planung.

Weiter geht es jedoch am Samstag, den 24.3. mit dem Thema

„Das kleine Stilleben“
(verschiedene Techniken)

….

Ein Wiesenstück – oder: Platz schaffen im CD-Regal… ??

Ich hatte bereits in vorangegangenen Artikeln darüber geschrieben, dass man auf  Metallplatten interessante Kaltnadelradierungen entwickeln kann. Dies ist auch auf Kunststoffplatten möglich:

Ginkgo - Kaltnadelradierung (c) Cordula Kerlikowski

Ginkgo - Kaltnadelradierung (c) Cordula Kerlikowski

Jedoch hat dieses Medium seine Eigenheiten. Beim Ausarbeiten der Zeichnung auf der Platte ist Vorsicht geboten, da der Kunststoff weniger Widerstand bietet als Metall und deshalb Linien schnell zu tief und damit zu dunkel geraten können. Sehr dunkle Flächen können nur durch Kreuzschraffuren erreicht werden, was wir auch vom Radieren auf Metall kennen, jedoch ist hier weniger Kraftaufwand nötig.

Da Kunststoff sehr weich ist, arbeitet sich der entstehende Grat auch schneller ab, wodurch die Linien schon nach ca. 10 Drucken undeutlich werden können – es ist also nur eine sehr begrenzte Anzahl von Drucken möglich. Die Oberfläche von Kunststoffen ist auch weniger widerstandsfähig, wenn es um das Einreiben der Farben geht. Hier ist darauf zu achten, sanft zu wischen, da Kratzer schnell zu Beeinträchtigungen des Drucks führen.

Alles in allem ist eine Radierung auf Kunststoffplatten einen Versuch wert. Gerade für Anfänger ist es eine Möglichkeit sich an die Technik heranzutasten: der Materialaufwand, bis auf die Druckfarben, ist gering. Auf Kunststoffplatten können die Gravuren und das Aufbringen und Auswischen der Druckfarben ausgiebig geübt werden ohne eine teure Zink- oder Kupferplatte zu „verschwenden“.

Noch günstiger geht es mit ausrangierten CDs oder anderen Kunststoffteilen (Getränkekartons, Kassettenhüllen etc.), wobei bei letzteren sicherlich Abstriche in der Qualität des Drucks zu erwarten sind, aber auch das muss man ausprobieren.

Heute also eine Kaltnadelradierung auf CD:

Interessant sind das runde Format, das Loch in der Mitte und die ringförmigen Vertiefungen in geringem Abstand zum Loch in der Silberscheibe. Eine besondere Schwierigkeit ist die silbrige Oberfläche (Reflexionsschicht), die stark spiegelt und gravierte Linien bei bestimmter Lage doppelt erscheinen lässt. Das geht auf die Augen, weil es hohe Konzentration erfordert, die richtige Linie zu treffen. Hier schützt Pausieren vor Fehlern.

Eine gravierte CD kann so aussehen:

CD "Wiesenstueck", Kaltnadelradierung, (c) Cordula Kerlikowski

CD "Wiesenstück", Kaltnadelradierung, (c) Cordula Kerlikowski

Auch hier sind wieder Probedrucke erforderlich, um die Gravuren zu überprüfen – hier fallen Fehler schnell auf und können nachträglich korrigiert werden:

"Wiesenstück" - 1. Probedruck, Kaltnadelradierung (c) Cordula Kerlikowski

"Wiesenstück" - 1. Probedruck, Kaltnadelradierung (c) Cordula Kerlikowski

Hier ist deutlich zu sehen, dass die Schraffuren links viel zu hell sind und vertieft werden müssen. Auch um die Blüten in der Mitte kann ich die Tonwerte noch dunkler ausarbeiten, damit die hellen Blüten mehr betont werden. Die Distel und der Blütenstand des Grashalmes sollten noch etwas mehr schraffiert werden, damit deren runde Form besser hervorgehoben wird. Zudem erscheint mir der kalte Farbton des Drucks nicht passend – ich versuche es wieder mit meinen Lieblingsfarben:

"Wiesenstück" - Kaltnadelradierung (c) Cordula Kerlikowski

"Wiesenstück" - Kaltnadelradierung (c) Cordula Kerlikowski

Jetzt passt es besser, die Formen wirken räumlicher und der warme Rötelton betont Blüten, Knospen und Distel. Auf dieser Basis experimentere ich weiter mit der Farbgebung, bleibe aber bei Rötel und Preußischblau:

"Wiesenstück" - Druckplatte und die ersten Drucke (c) Cordula Kerlikowski

"Wiesenstück" - Druckplatte und die ersten Drucke (c) Cordula Kerlikowski

Auf dieser Basis werde ich demnächst weitere Drucke anfertigen, wobei ich starkes Kupferdruckbütten verwende, und möglicherweise noch andere Farbzusammenstellungen ausprobieren.

Da ich gestern lieber über „Adam und Eva“ parliert habe als über die Probedrucke meiner überarbeiteten Kaltnadelradierung, hole ich die heute nach.

Nach dem Fertigstellen der Druckplatte sind Probedrucke notwendig, um das Bild der Linien und die Tonwerte zu überprüfen und ggf. Korrekturen vorzunehmen. Dazu brauche ich neben dem Platz im Atelier Terpentinersatz zum Säubern der Druckplatte, diverse Papiere, Kupferdruckfarben, feuchtes Kupferdruckpapier und nicht zuletzt – meine Druckpresse:

Druckpresse im Atelier Kerlikowski

Meine Druckpresse - klein, aber fein, mit antikem Touch

Sie ist vor -zig Jahren aus einer alten Wäschemangel umgebaut worden und ich habe sie bei eBay günstig ersteigert. Sie reicht für meine Formate völlig aus, wenn ich größere drucken will, kann ich in eine Litho-Werkstatt gehen.

Zunächst versuchte ich einen monochromen Druck in Paynesgrau, der mir bei der Aqua Tinta “ Schneckenhaus“ so gut gefallen hatte. Diese Farbe habe ich für die „Eva“ sofort wieder verworfen – kalte Farben eignen sich kaum für dieses blumige Motiv.

So benutzte ich danach Siena gebrannt auf der nicht vollständig vom Paynesgrau gereinigten Platte )links), eine Mischung aus zwei (Paynesgrau und Siena gebrannt – Mitte) bzw. drei Farben (Paynesgrau, Kadmiumgelb, Rot – rechts) für weitere Versuche:

Druckvarianten "Eva"

Drei Farbvarianten der "Eva" - Kaltnadelradierung von Cordula Kerlikowski

Diese Mischungen gefallen mir gut – durch die Wärme von Siena gebrannt bzw. Gelb und Rot wirken sowohl das Gesicht der Eva als auch die floralen Elemente der Umgebung leuchtend, warm und sinnlich.

Hier ein Probedruck:

Eva-Probedruck

Probedruck "Eva" in Paynesgrau und Siena - von Cordula Kerlikowski

Das Blatt passt  farblich schon gut zu den bereits vorhandenen Motiven („Der Ruf des Faun“, „Versuchung“, „Paradiesvogel“) und das Druckbild erscheint im Großen und Ganzen stimmig. Ich werde die Drucke nun ein paar tage ruhen lassen, danach noch einmal anschauen, überprüfen und dann „ins Reine“ drucken, wobei ich Unikatdrucke mit verschiedenen Farbkompositionen bevorzuge…

Kürzlich habe ich eine Zinkplatte mit einer begonnenen Kaltnadelradierung wiedergefunden, von der ich schon nicht mehr wusste, dass es sie gab. Ich berichtete darüber im Dezember im Blog „Fundstücke…“

Gestern war es nun an der Zeit sie weiter zu bearbeiten. Da zwischen der ersten Arbeitsphase und dem Heute eine ganze Weile vergangen war, musste ich mich zunächst wieder sowohl an die Arbeitsweise als auch an den Stil der Gravur herantasten. Das Einschneiden des Motivs in die Platte mit der Radiernadel kostet Kraft: je tiefer die Gravur, desto kräftiger die Linie. Gerade bei den winzigen Kreuzschraffuren, die die dunkelsten Bereiche ergeben sollen, braucht es Geduld und Ausdauer.

Eva - Arbeitsfortschritt

Druckplatte, Lichtquelle und Radiernadel - Foto v. Cordula Kerlikowski

Da die Zinkplatte ziemlich spiegelt ist es manchmal schwer, die Tiefe der Linien einzuschätzen bzw. überhaupt das Bild auf der Platte richtig wahrzunehmen. Hier half mir eine quergelegte Tischlampe.

Wie im Bild gut zu sehen, sind vorerst keine weiteren Arbeitsmittel nötig um eine Kaltnadelradierung anzufertigen. Die Verwendung unterschiedlicher Radiernadeln erleichtert in vielen Fällen die Arbeit, ist aber nicht zwingend erforderlich.

Hier die vorerst fertige Platte:

Aus der serie "Paradiesgarten"

Druckplatte "Eva" aus der Serie "Paradiesgarten" - von Cordula Kerlikowski

Die eingeschnittenen Linien und Flächen sind gut zu erkennen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Platte bereits für den Seriendruck fertig ist.

Zunächst werde ich einen Probedruck herstellen um zu überprüfen, ob dieser sowohl die Tonwerte, die hier nur durch die Gravur erreicht werden können, als auch die Linienführung wunschgemäß abbildet. In der Regel sind Korrekturen erforderlich.

Diesen Arbeitsgang werde ich heute im Atelier ausführen, denn nun benötige ich die Druckpresse, Kupferdruckpapier, spezielle Farben und viel Platz…

Für meine ersten Ergebnisse im Bereich Ätzradierung habe ich nun doch etwas länger gebraucht.

Mit der Kaltnadelradierung kenne ich mich recht gut aus: sie ist relativ einfach herzustellen, kommt ohne Säure, Kolophonium etc. aus und ist somit auch für Anfänger gut zu handhaben. Das Arbeiten auf Kunststoffplatten kostet wenig Kraft, die Verwendung von Zinkplatten kann schon Muskelkater in Hand und Unterarm verursachen. Jedoch ist das Druckbild bei Metallplatten schöner und die Platte arbeitet sich nicht ganz so schnell ab. Kunststoffplatten ergeben ca. 10 Drucke, Zinkplatten 12-20 Drucke – danach sind die Gravuren verbraucht.

"Verliebt" Cordula Kerlikowski, je 5 x 5 cm, Kaltnadelradierung auf Hahnemuehle- Kupferdruckbütten

Die Ätzradierung erfordert viel mehr Planung, Vorausschau und Materialeinsatz (Salpetersäure, Kolophonium, Heizplatte, Asphaltlack….). Man kann eine Strichätzung ausführen, wobei die Zink- oder Kupferplatte mit Asphaltlack abgedeckt wird und die Zeichnung mit einer Radiernadel ohne großen Kraftaufwand durch diese Schicht „geschnitten“ wird. Im Säurebad ätzen sich die Linien tief ein – das Druckbild ist sauber und bleibt auch nach vielen Druckvorgängen klar und deutlich.
Tonwertabstufungen erhält man, indem man Kolophonium auf die Platte pudert, diese erhitzt bis das Pulver schmilzt und eine fühlbar rauhe Oberfläche hinterlässt. Nun wird im Wechsel Lack aufgetragen und geätzt – Flächen, die hell bleiben sollen, werden zuerst abgedeckt, die dunkelsten Flächen zuletzt. Ihr seht, das allein kann schon verwirren… Wenn dann auch noch ein Dreiplattendruck entstehen soll, wie ihn Susanne Haun für ihr Buch ausgearbeitet hat, ist das Chaos perfekt!

Also habe ich mir zunächst eine ganz kleine Zinkplatte genommen und mit einer  Strichätzung begonnen. Das Auftragen und gleichmäßige Einschmelzen des Kolophoniums ist mir nicht sehr gut gelungen – an einigen Stellen hatte ich es zu dick aufgetragen, wodurch im Druck bläschenartige Erhebungen entstehen (siehe unten), jedoch waren die Tonwertabstufungen schon ganz ok:

Erster Druckversuch - viele Fehler auf der Platte

Die Bläschen ergeben zwar eine interessante Struktur, dominieren jedoch die Zeichnung. Auch die spiralförmige Linie ist nicht klar abgegrenzt, so dass das ganze verschwommen wirkt. Also zunächst ein recht enttäuschendes Ergebnis.

Aber aufgeben wollte ich nicht – es wäre schade ums Material und die aufgewendete Zeit. Zunächst dachte ich daran, den Druck durch eine darüber ausgeführte  Tuschezeichnung zu verbessern, entschied mich dann aber, das überschüssige Kolophonium vorsichtig abzutragen und die Spirallinie nachzuätzen. Das sah dann schon wesentlich besser aus:

2. Druckreihe - monochrom

Hier sind die Linien klarer und die störenden Pünktchen verschwunden. Für die beiden äußeren Drucke verwendete ich Paynesgrau, ein bläuliches Dunkelgrau: links weniger Farbe weggewischt, so dass auch auf den glatten Flächen Tonwerte verbleiben, rechts viel Farbe ausgewischt, wodurch hauptsächlich die geätzten Linien hervortreten.

Die dünne Linie oben rechts gefiel mir immer noch nicht so ganz, ich beschloss daher, diese durch den Farbauftrag abzuschwächen bzw. ihr später durch eine Tuschelinie aus der Druckfläche heraus eine schlüssige Bedeutung zu geben.

Nun kann ich beginnen mit verschiedenen Druckfarben zu experimentieren. sehr gerne verwende ich lasierende Farben. Die gedruckten Flächen und Linien wirken dann besonders leicht und transparent, auch in der Mischung verhalten sich lasierende Farben besonders reizvoll:

Farbenspiele, links Siena gebr., rechts Kobaltblau

Links ein Druck in lasierendem Siena gebrannt, rechts in deckendem Kobaltblau, in der Mitte die Druckplatte.

Vor jedem Druckvorgang mit einer neuen Farbe sollte die Platte gewissenhaft gereinigt werden, damit die Farben klar und sauber gedruckt werden. Man kann aber auch bewußt Farben ineinander wischen und erhält so sehr interessante Mischtöne und Farbübergänge, hier mit Siena gebrannt und Paynesgrau:

"Schnecke" - 5 x 5cm - Radierung von Cordula Kerlikowski

"Schnecke" 5 x 5cm - Radierung von Cordula Kerlikowski

Diese beiden Varianten gefallen mir am besten. Durch die verwendete Farbmischung wirkt die Schnecke nun erdverbunden, etwas morbide, aber eben natürlich und die Rundungen der Form kommen hier wesentlich besser zur Geltung.

Ich fertigte noch verschiedene weitere Drucke an, auf denen ich in den nächsten Tagen weiter experimentieren werde. Dann kommt auch die Zeichenfeder zum Einsatz….

In dem Maße, wie die Menschen ihre  Weihnachtsvorbereitungen beschleunigen, wird es bei mir im Atelier ruhiger: die meisten meiner Malschülerinnen haben sich für den Rest des Jahres bereits in den Urlaub verabschiedet, die Aufträge sind erledigt und in dem Gebäude, in dem ich mein Atelier habe, ist auch weniger Betrieb.

Und so ist Zeit – zum Aufräumen und Sortieren, aber auch für entspannte kleinere Arbeiten, so ohne Zeitdruck, Termine oder Störungen von außen. Ich mag diese stillen Tage. Meist entstehen in dieser Zeit ganz besondere Werke, z.B. 2005:

"Fräulein Henriette" - Mischtechnik auf Künstlerpapier, 20 x 28 cm - von Cordula Kerlikowski

"Sir Winston mit Zylinder" - Mischtechnik auf Künstlerpapier, 20 x 28 cm - von Cordula Kerlikowski

Genauer waren das zunächst entspannte, ziellose Spachtelspuren auf zwei Blättern, danach kam die verträumte Suche nach Strukturen, Formen oder Zeichen – und so schälte sich zunächst der würdige alte Herr, danach das junge Mädchen aus der Fläche. Ich arbeitete dabei, wie so oft, mit Tusche und Feder und bemühte mich, mit möglichst wenig Linien auszukommen. Die Figuren sollten unvollständig bleiben.

Heute nun war wieder so ein Tag. Meine Malschülerinnen vom Vormittagskurs waren gegangen und ich begann aufzuräumen. Erstaunlicherweise finden sich dann immer einmal Dinge an, von denen ich schon gar nicht mehr wußte, dass es sie gibt – so z.B. eine fast fertige Druckplatte zur Serie „Paradiesgarten“, die ich vor einigen Jahren als Kaltnadelradierung gestaltet habe, und einen großer quadratischer Aquarellblock, auf dem ich spontan ein paar Flächen anlegte:

Druckplatte zur Serie "Paradiesgarten" - 10 x 15 cm, Kaltnadelradierung

Aquarellblock und Druckplatte - Fundstücke im Dezember 2011

Bei der Druckplatte sind nur noch wenige Flächen auszuarbeiten und so beschloss ich, diese Platte, ebenso wie das begonnene Aquarell, samt „Werkzeugen“ mit nach Hause zu nehmen, um sie am Wochenende zu beenden. Ein kleines Stück wollte ich gleich in Angriff nehmen. Dabei kam sofort in Erinnerung, wie kraftaufwändig das ist…

Es bleibt abzuwarten, ob ich alles schaffe, ansonsten geht es nächste Woche im Atelier damit weiter. Ich werde berichten…

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