Das unten stehende Bild entstand wieder frei aus der Form heraus. Das Verarbeiten der Acrylfarbe in verschiedenen Tönen auf Acrylmalkarton mittels Spachtel ist interessant und ruft viele interessante Zwischentöne hervor. Nur ist darauf zu achten, diese nicht mit der nächsten Spachtelbewegung wieder zu zerstören.

"Minotauros" - Mischtechnik auf Acrylmalkarton, 50 x 70 cm (c) by Cordula Kerlikowski

"Minotauros" - Mischtechnik auf Acrylmalkarton, 50 x 70 cm (c) by Cordula Kerlikowski

Das Herausfinden der körperlichen Formen ist dann ein weiteres interessantes Kapitel. Schon während die Farbe trocknet, schaue ich mir die Fläche genau an, drehe das Blatt  immer wieder und lasse die gespachtelten Strukturen auf mich wirken. Oft beginne ich mit einigen Tuschelinien mitten ins Farbgewimmel, noch ohne konkretes Ziel vor den Augen. Danach geht es dann oft sehr schnell: es entstehen Ideen, Fragmente, Zitate vor meinem geistigen Auge, Erinnerungen an Bücher, Filme oder Erlebnisse – und die Zeichenfeder findet ihren Weg – ein fast meditativer Prozess…

Am Ende stand die Assoziation zu Minotauros:

Wir kennen sie, die Sage vom stierköpfigen Ungeheuer Minotauros, der in seiner Höhle im Labyrinth haust und die schönsten Jungfrauen der Umgebung als Opfer fordert…? Sicherlich sehen Sie hier eine sehr freie, persönliche Interpretation des Themas – Minotauros mit ausgebreiteten Armen, auf der Suche nach neuen Opfern, oder auf der Suche nach Liebe und menschlicher Wärme? Wie mag es sich so leben, versteckt vor der Zivilisation, mit schrecklichem Spiegelbild, umgeben von Gerüchten, Anschuldigungen und Anfeindungen? Mein Minotauros begibt sich nach draußen, außerhalb seiner Höhle wirkt er versöhnlich, auf der Suche nach Kontakt bewegt er sich durch die griechische Landschaft mit weiß-ockerfarbenen Steinen, sieht, vielleicht zum ersten Mal, Zypressen, Gras und Blumen…

Experimente…

29. Dezember 2011

Gestern habe ich mit Vernis Mou experimentiert. Hier drückt man in den aufgetragenen, weichen Ätzgrund strukturierte Materialien ein: das können Blätter, Stoffe, Jutebänder, Gräser uvm. sein. Ich verwendete für meine ersten Versuche alte Spitzenreste.

Die Druckplatte wird mit dem Stoff darauf durch die Presse gezogen – nach dem Abheben des Materials haben sich die Strukturen in den Ätzgrund gedrückt und beim Abziehen geben sie Bereiche der Druckplatte wieder frei, so dass die Säure hier Angriffsfläche hat. Auf diese Weise können sehr filigrane Druckbilder entstehen.

Auch hier sind Geduld und Experimentierfreude gefragt, um ein interessantes Ergebnis zu bekommen. In der Regel sind etliche Probedrucke notwendig, um die Zwischenschritte zu überprüfen und die Druckplatte weiter zu bearbeiten. Diese Probedrucke werden meistens verworfen. Kupferdruckpapier ist teures, sehr hochwertiges Papier. Deshalb versuche ich meist daraus, soweit möglich, noch etwas Spannendes zu machen. Hier ein Beispiel:

Probedrucke und Ausarbeitung - Vernis Mou und Tusche - von Cordula Kerlikowski

In der oberen Abbildung  sieht man ein ziemlich undeutliches Druckbild, die Tonwerte liegen zu nah beieinander, die weiße Fläche hebt sich zu stark ab. Eigentlich ein Blatt zum Wegwerfen.

Unten ein mit Tusche überarbeiteter Druck – hier sind die feinen Strukturen des Spitzenstoffes besser zu sehen. Da florale Elemente den Stoff dominieren, habe ich über den Druck eine Tuschezeichnung in Siena und Sepia gesetzt, die einen weichen Übergang schafft und ein harmonisches Gesamtbild ergibt.

Das Ergebnis ist hier genauer zu betrachten:

"Unikatdruck" - , 10 x 15cm, Vernis Mou und Tuschezeichnung - von Cordula Kerlikowski

Mit einer anderen Farbe gedruckt und monochrom gezeichnet, wirkt die Arbeit ganz anders. Da die Spitze nur den unteren Bereich der Druckplatte abgedeckt hat, bleibt rechts oben freier Platz, den ich  immer wieder anders gestalten kann:

"Unikatdruck" - 10 x 15cm, Vernis Mou und Tuschezeichnung - von Cordula Kerlikowski

Das Kupferdruckpapier, ich verwendete  Kupferdruckbütten der Firma Hahnemühle,  hält einiges aus, so dass auch mit Aquarellübermalungen experimentiert werden kann.

Die Druckplatte ist, wie gesehen, noch lange nicht fertig ausgearbeitet – es wird also weitere Probedrucke geben, mit denen ich „spielen“ kann…

Musik inspiriert…

6. Dezember 2011

Es ist bekannt, dass etliche Musiker malen (David Bowie, Chris Rea,….) oder Maler ein Instrument spielen (Alfred Müller-Stahl…) bzw. Künstler synästhetisch denken und arbeiten (W. Kandinsky..).

Die Übergänge sind fließend, da die Denk- und Gefühlsstrukturen sich ähneln, wenn man malt, musiziert oder komponiert. Inspirationen gibt es viele. So komponierte Modest Mussorgsky den Zyklus „Bilder einer Ausstellung“ 1874  nach den Arbeiten des  befreundeten Künstlers Viktor Hartmann. Dessen Werke sind zumeist verschollen, und Mussorgsky hat auch „weitergesponnen“, wo es keine Bilder gab – so inspiriert ein Anstoß von außen zu eigenen Wegen des künstlerischen Ausdrucks.

Ich mag die Musik des ausgehenden 19. /beginnenden 20.Jahrhunderts mit ihrer Klarheit und Kraft, insbesondere die Werke von Grieg (Peer Gynt), Sibelius (Karelia Suite), Schostakowitsch (Jazz Suite), Mussorgsky (Das alte Schloss), Ravel (Bolero)… und so kann es schon vorkommen, dass beim Erarbeiten eines Bildes plötzlich Erinnerungen an Musikstücke auftauchen, sich festsetzen und die Arbeit bestimmen.

So geschehen bei „Der Wanderer“ und „Anitras Tanz“ – inspiriert von den Peer Gynt Suiten:

Die Peer Gynt-Suiten sind relativ bekannt: „Morgendämmerung“, „In der Halle des Bergkönigs“ und eben „Anitras Tanz“ hat wohl jeder schon gehört, wenn auch die Titel der Stücke vielleicht nicht bewußt wahrgenommen wurden. Sie klingen  nach nordischer Weite, Frieden, Ruhe und freiem Blick….

"Der Wanderer" - von Cordula Kerlikowski, 16 x 29 cm, Acryl und Tusche auf Acrylkarton

Peer Gynt ist ein junger Mann, der sich mit Mogeleien, Lügen und lockerer Lebensweise durchschlägt. Er geht respektlos mit seinen Mitmenschen um, demütigt sie, Frauen, an die er sich bindet, verläßt er nach kurzer Zeit. Er ist ruhelos, sucht nach der Mitte seines Lebens, findet aber nicht das ihm entsprechende. Er sucht in seinem Dorf (Solveig), bei den Trollen (Bergkönig und seine Tochter), wandert aus und reist durch viele Länder (Amerika, Orient…)

"Anitras Tanz" - von Cordula Kerlikowski, 19 x 26 cm, Acryl und Tusche auf Acrylmalkarton

Anitra begegnet er auf einer seiner Reisen. Sie durchschaut ihn und treibt ihr Spiel mit ihm, so wie er sonst mit anderen spielt. Letzten Endes macht sie sich mitsamt seiner Habe davon – ein Betrüger wird betrogen. Das Stück „Anitras Tanz“ besticht durch seine Leichtigkeit, Lebendigkeit, die es dem Hörer vermittelt – ein junges Mädchen tanzt unbekümmert, mit jugendlichem Charme, um einen Mann zu umgarnen, mit ihm zu spielen, ihn zu verführen. Die Folgen ihres Tuns, die nächsten Stunden oder Tage, die Zukunft spielen keine Rolle, sie lebt den Augenblick und kostet ihn aus.

Peer Gynt kehrt in seine Heimat zurück und findet spät doch noch sein Glück – Solveig, die ihn seit ihren Kindertagen liebt, hat auf ihn gewartet und hält zu ihm….

Soweit aus dem Inhalt von „Peer Gynt“. Vielleicht kommt jetzt die Neugier, sich die Suiten einmal anzuhören, der Geschichte dieses jungen Mannes nachzuspüren und für sich selbst zu werten. Und beim Hören von „Morgenstimmung“,  „Anitras Tanz“ oder „In der Halle des Bergkönigs“ eigene Bilder zu finden…

Viel Spaß dabei!

http://www.youtube.com/results?search_query=grieg+peer+gynt&oq=grieg&aq=3&aqi=g10&aql=&gs_sm=e&gs_upl=1047l2047l0l6109l5l4l0l0l0l0l172l500l1.3l4l0

Heute bearbeite ich gescannte kleinere Werkstücke mit GIMP, einem Open-Source-Bildbearbeitungsprogramm, das ich inzwischen sehr schätzen gelernt habe.

Ich verwende für meine Arbeiten sehr hochwertige Farben der Firma Schmincke, die mich durch ihre Farbbrillanz, Lichtechtheit und Verarbeitungsqualität immer wieder aufs Neue begeistern. Trotz guter Schätzung bleiben hin und wieder Farbreste beim Malen übrig, die ich dann gerne auf vorbereitete Papier-Malgründe oder kleine Leinwände verstreiche – ohne Plan, spontan und in verschiedenen Abmischungen. Im Ergebnis entstehen oft Miniaturen, deren weitere Bearbeitung ich dann in Angriff nehme, wenn Ideen reifen. Das kann recht schnell der Fall sein, aber auch Wochen oder Monate dauern.

Um den Bearbeitungsstand zu sichern, die bereits entstandenen Strukturen als Datei weiter zu entwickeln oder mit Papierausdrucken Entwürfe zu gestalten, scanne ich die Bilder oft:

       

Die Malgründe (Hahnemühle Öl- Acrylmalkarton 240 g) habe ich zunächst mit Strukturpaste partiell vorbereitet – so dass sich glatte Flächen, die die Leinenstruktur des Papiers hervortreten lassen, und strukturierte körnige Flächen unregelmäßig abwechseln.

Im Original beträgt die Größe ca. 8 x 25 cm, durch die Scans in hoher Auflösung sind jedoch auch große Prints auf hochwertigen Papieren oder auf Leinwand möglich.

Was letztendlich aus diesen Zwischenergebnissen geworden ist, zeige ich später in Fortsetzung dieses Artikels.

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