Vor kurzem zeigte ich Aquarelle von Mohnblumen – so wie sie jeder erwartet und kennt – schön bunt, leuchtendes Rot, fließende Farben.

Es ist jedoch auch reizvoll, diese Blüten bewußt monochrom, das heißt einfarbig, darzustellen. Hier eignet sich u.a. die Tuschezeichnung, um die Blüte klar in ihren Strukturen und ihrem Aufbau zu zeigen:

Mohnblüte - Tuschezeichnung, (c) by Cordula Kerlikowski

Mohnblüte – Tuschezeichnung, (c) by Cordula Kerlikowski

Hier ist das Augenmerk auf die zarten Fältchen der Blütenblätter gelegt. Die einzelnen Blütenblätter heben sich durch dichter gesetzte Linien voneinander ab. Es entstehen so unterschiedliche Tonwerte.

Um die Zeichnung aufzulockern, habe ich im Hintergrund kleine, filigrane Zweige aufgesetzt, deren senkrechte Ausrichtung sich gut von den weicheren Strukturen der Blüte absetzt.

Natürlich ist es möglich, diese Zeichnung nun noch zu kolorieren – in Pastelltönen oder in kräftigen Farben.

Ich habe hier bewußt darauf verzichtet…

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Kaum eine Blume wird so oft auf Papier, Leinwand, Karton oder anderen Malgründen verewigt wie die Mohnblume. Es gibt sie in vielen Varianten – als Klatschmohn, Schlafmohn, Türkenmohn oder weitere Zierformen. Die Menge scheint fast unbegrenzt:

"Mohnblüte - Detailansicht", Foto (c) von Cordula Kerlikowski

„Mohnblüte – Detailansicht“, Foto (c) von Cordula Kerlikowski

"Mohnkapsel", Foto (c) von Cordula Kerlikowski

„Mohnkapsel“, Foto (c) von Cordula Kerlikowski

"Mohnknospe", Foto (c) von Cordula Kerlikowski

„Mohnknospe“, Foto (c) von Cordula Kerlikowski

Klatschmohn ist die in der freien Natur anzutreffende Wildform und aufgrund seiner einfachen Struktur leicht zu malen.

Die großblütigen Zuchtformen sind teilweise gefüllt, gefranst oder haben exotische Farben – so dass die Variationsmöglichkeiten schier endlos sind.

Nun ist also Mohnblumenzeit und man sollte die Zeit nutzen, um sich einen großen Fundus an Skizzen und  Fotos anzulegen.Dabei geht es weniger um perfekte Kompositionen als um das Festhalten der Charakteristika: wie sieht die Blüte von oben, von unten, von der Seite aus? Auch die Stadien des Wachsens und Vergehens von der Knospe bis zur verwelkten/vertrockneten Blüte und den Samenkapseln sollte man aufnehmen.  Oft und gern vergessen werden die Laubblätter – wahrscheinlich, weil sie keiner gerne malt mit den haarigen Oberflächen…. Farbskizzen runden die Bestandsaufnahme ab.

So entsteht eine Sammlung an Gedankenstützen, mit denen man auch im Winter tolle Bilder malen kann:

"Mohnblüte I" - Aquarell, (c) by Corfdula Kerlikowski

„Mohnblüte I“ – Aquarell, (c) by Cordula Kerlikowski

"Mohnblüte II" - Aquarell, (c) by Cordula Kerlikowski

„Mohnblüte II“ – Aquarell, (c) by Cordula Kerlikowski

Derartige Blumenarchive kann man sich übrigens für viele Pflanzen anlegen… Die Blütenzeit hat gerade erst begonnen -also: ans Werk!

Für die Vorbereitung auf mein Buch „Zeichnen Basics – Blumen und Blüten“ experimentierte ich auch mit abstrakten Formen, die zwar keinen Eingang in das Buch fanden, jedoch trotzdem Spaß machten und die Effekte der Farbstiftzeichnung deutlich zum Ausdruck brachten:

"Mohn abstrakt", 20 x 30 cm, Farbstiftzeichnung auf Zeichenkarton, (c) von Cordula Kerlikowski

„Mohn abstrakt“, 20 x 30 cm, Farbstiftzeichnung auf Zeichenkarton, (c) von Cordula Kerlikowski

Die Blüte zeigt die Bandbreite der Rottöne, die alle zunächst mit einer ersten Schraffur Gelb unterlegt sind. Schichtweise bauen sich weitere Ebenen auf, so dass die Farben brillant und kräftig wirken.

Gleiches gilt für die verschiedenen Grüntöne am Stielansatz.

Der Hintergrund nimmt die schwingende Form der Blüte auf und schwingt auf eigene Weise weiter fort. Auch hier Schichten übereinander – es ist erstaunlich, was gute Farbstifte leisten können. Dieses Ergebnis ist jedoch mit handelsüblichen Schul-Buntstiften nicht zu erreichen. Hier sind Stifte der Künstlerqualität gefragt – entweder als Farbstifte oder als Aquarellstifte. Wichtig: die Minen müssen weich sein! Diese muss man zwar für Details immer wieder nachspitzen, insgesamt kann man aber viel mehr verschiedene Farbflächen übereinander legen und förmlich auf der Zeichnung mischen.

Das sollten Sie einmal ausprobieren…

Ich zeichne oft und gern, wobei ich immer wieder verschiedene Materialien und Arbeitsmittel ausprobiere: Bleistift, Aquarellstift, Farbstift, Tusche, Zeichenfeder, Rohrfeder, Pinsel…

Dabei kombiniere ich oft verschiedene Techniken miteinander: Aquarellmalerei mit Tuschezeichnung, Bleistiftzeichnung mit einem Farbstiftdetail, nachträgliches Kolorieren einer Zeichnung…. es gibt unendlich viele Möglichkeiten. Einzelne habe ich bereits in vorangegangenen Artikeln vorgestellt.

Mohnblumen faszinieren uns alle – Zartheit verbunden mit leuchtendem Rot, schlichter Form und detailreichen Innenleben. Aber auch als verblühte Pflanze hat Mohn seinen eigenen Reiz:

Mohnkapsel (c) Foto von Cordula Kerlikowski

Mohnkapsel (c) Foto von Cordula Kerlikowski

Mohnblüte - (c) Foto von Cordula Kerlikowski

Mohnblüte - (c) Foto von Cordula Kerlikowski

Wunderbarerweise bleiben die Samenstände auch getrocknet eine interessante Dekoration und laden zum Zeichnen ein:

getrocknete Mohnkapseln (c) Foto von Cordula Kerlikowski

getrocknete Mohnkapseln (c) Foto von Cordula Kerlikowski

Sogar schlicht auf dem Holzboden liegend wirken die Kapseln elegant und farbenfroh…

Ich zeichnete die Kapseln im Spätsommer im Garten meiner Malschülerin Karin. Damals waren die Kapseln noch frisch, prall und saftig grün – und wir zeichneten sie in verschiedenen Techniken und Farben. Es hat viel Spaß gemacht sich auszuprobieren und dabei die Sonne zu genießen.

Ich hatte mir zu der Zeit eine Schreibtinte gekauft, die ich unbedingt ausprobieren wollte, und wählte einen Hahnemühle Aquarellblock 425g/m², Anniversary  Edition, wobei ich mich auf kleine Formate und eine abstrahierte Darstellung beschränkte :

Mohnkapseln_Miniatur - (c) von Cordula Kerlikowski

"Mohnkapseln I" (c) Cordula Kerlikowski, Zeichentusche auf Aquarellpapier

Mohnkapseln_Miniatur - (c) von Cordula Kerlikowski

"Mohnkapseln II" Cordula Kerlikowski, Zeichentusche auf Aquarellpapier

Die Beschränkung auf ein kleines Format hilft dabei sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und von allzu vielen Details Abstand zu nehmen. Wenige Linien, Ausformung der Rundungen durch leichtes Lavieren mit dem Pinsel, Aquarellieren des Hintergrundes – alles ausschließlich mit Tusche, Feder, Pinsel und Wasser… Die runde Form der Kapseln habe ich mit der Abrundung der Formatecken noch einmal aufgenommen, so dass auch die Arbeit insgesamt „rund“ und stimmig wird.

Nachdem ich das Foto von den vertrockneten Kapseln für diesen Blog hervorgeholt habe, denke ich, dass es auch interessant sein könnte, diese zu zeichnen, wobei ich nun auch die  Holzmaserung des Hintergrundes in die Gestaltung einbeziehen könnte…

Also: auch die kleinen, oft unbeachteten Dinge haben ihren Reiz und wir müssen nicht auf die wärmere Jahreszeit warten um Motive zu finden…

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