Der Sommer neigt sich dem Ende. MalschülerInnen und Botanik-Freunde sind aus dem Urlaub zurück und die Natur setzt zum farbenfrohen Finale an! Es ist Erntezeit.
Was liegt da näher als das eine mit dem anderen zu verbinden und das zweite Kurshalbjahr mit herbstlichen Motiven einzuleiten?

Bohnen, Kürbisse, Hagebutten, Kastanien – es findet sich so vieles, was zu malen ist!

"Grüne und gelbe Bohnen" Aquarell, 25 x 25 cm, (c) Cordula kerlikowski

„Grüne und gelbe Bohnen“ Aquarell, 25 x 25 cm, (c) C.Kerlikowski

"Hagebuttenzweig" - 25 x 25cm, Aquarell, (c) Cordula Kerlikowski

„Hagebuttenzweig“ – 25 x 25cm, Aquarell, (c) Cordula Kerlikowski

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Gestern fand bereits die vierte von sechs Kurseinheiten zum Thema „Botanisches Malen und Zeichnen“ in der Späth’schen Baumschule statt. Einmal pro Woche treffen wir uns auf diesem traditionsreichen Gelände.

Zur Zeit nutzen wir die freundlicherweise zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten, da es draußen noch zu kalt ist und aufgrund der Witterung wenig Blühendes zu finden wäre. So behelfen wir uns mit getrockneten Samenständen des Mohns oder mit Blumen aus dem Blumenladen.

Hier einige Ergebnisse:

erste Ergebnisse aus dem Kurs in der Späth'schen Baumschule

erste Ergebnisse aus dem Kurs in der Späth’schen Baumschule

In den ersten beiden Kurseinheiten ging es vor allem darum,den Umgang mit dem Material kennen zu lernen, das Erkennen der wesentlichen Details zu üben und an einfachen Formen auszuprobieren, wie man eine Pflanze oder ein Pflanzenteil naturalistisch abbildet. Das ist, wie aus dem Bild zu erkennen, schnell und gut gelungen.

Der dritte Kursabend diente dazu, die Feinmotorik weiter zu schulen, Lockerheit in der Linienführung zu gewinnen und auch schon einmal Farbe in Form von Aquarellstiften einzusetzen. Aquarellstifte sind angenehm weich, farbstark und in vielen Farben erhältlich. Am Beispiel einer Tulpenblüte habe ich Schritt für Schritt gezeigt, wie man vorgeht und am Ende ein naturnahes Ergebnis erzielen kann:

Ergebnisse der 3. Kurseinheit

Ergebnisse der 3. Kurseinheit

Auf Wunsch der TeilnehmerInnen blieb die Tulpe auch in der vierten Kurseinheit Thema. Das macht  Sinn – so vertiefen sich die Fähigkeiten, brennen sich sozusagen ins Gedächtnis, und tragen dazu bei, die Formen später ohne Vorlage einer Originalblüte in verschiedenen Ansichten auswendig zeichnen zu können. Keine Blüte, kein Blatt gleicht dem anderen – intensives Beobachten ist und bleibt die Voraussetzung für eine gute Zeichnung.

Es ist schön zu sehen, wie schnell sich die handwerklichen Fähigkeiten der TeilnehmerInnen festigen und entwickeln. Es ist wie beim Fahrrad fahren – es wird immer ein bißchen besser:

Kursergebnisse, 4. Kurseinheit, 8.3.2013

Kursergebnisse, 4. Kurseinheit, 8.3.2013

Hier haben wir begonnen, die farbige Aquarellstiftzeichnung mit Wasser zu vermalen. Ausgangspunkt war eine Demonstration an einem Motiv, das wir in der ersten Kurseinheit verwendet hatten:

Mohnkapsel-Aquarellstiftzeichnung, (c) Cordula Kerlikowski

Mohnkapsel-Aquarellstiftzeichnung, (c) Cordula Kerlikowski

Es ist kaum noch zu erkennen, dass hier eine Zeichnung Grundlage des Bildes war. Nach dem Vermalen mit Wasser sind die Linien völlig aufgelöst.

Nun ist es aber erst einmal genug der Tulpen und Mohnkapseln. Zum nächsten Termin üben wir uns an Primeln….

Ganz nebenbei „stolperte“ ich bei der Vorbereitung des Kursraumes auf der Eingangstreppe zum Gebäude über einen sogenannten „Stolperstein“, von denen ich in der Baumschule nun doch keinen erwartet hätte. „Stolpersteine“ weisen auf Personen hin, die während der Nazi-Diktatur verschleppt, deportiert und ermordet worden sind. In Berlin finden sich davon sehr viele. Hier der Stein aus der Baumschule für Dr. Hellmut Späth:

"Stolperstein" in der Späth'schen Baumschule, März 2013

„Stolperstein“ in der Späth’schen Baumschule, März 2013

Gedenktafel für Dr. Hellmut Späth in der Späth'schen Baumschule

Gedenktafel für Dr. Hellmut Späth in der Späth’schen Baumschule

So holt uns die Geschichte manchmal an einem Ort ein, wo wir es am wenigsten erwarten…

Seit einiger Zeit beschäftigen mich botanische Studien, deren Ausarbeitung mich immer mehr fasziniert. Im letzten Blog habe ich eine erste Studie zu Walnüssen vorgestellt, jetzt folgt der Zweig aus einer anderen Sicht – mit einer aufgeplatzten Fruchtschale, die die reife Nuss zeigt.

Das war schon eine Herausforderung, denn nicht nur die strukturierte Nussschale auszuarbeiten, sondern auch auf die schnell vertrocknende Fruchtschale zu reagieren ist knifflig. Seit einer Woche versuchte ich  den Zweig frisch zu halten. Doch nun war das Ende seines Überlebenswillens erreicht und er trocknete beinahe schneller aus als ich malen konnte. Damit muss man leben. Ich begann also mit den Fruchtschalen, da hier die Veränderungen am schnellsten vor sich gingen. Die Blätter hatte ich bereits für die erste Studie ausgiebig studiert und konnte diese Erfahrungen für die zweite Arbeit nutzen.

"Walnusszweig II", Zwischenergebnis, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnusszweig II“, Zwischenergebnis, (c) Cordula Kerlikowski

Hier sind auch die feinen Fädchen zu sehen, die die Nuss in der Schale abpolstern und an deren Innenseite halten. Das ergibt auch die Furchen in der verholzten Nussschale.

Schritt für Schritt geht es wieder über viele Lasuren zum Endergebnis:

"Walnusszweig II" - 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnusszweig II“ – 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten

Dieses Mal habe ich nicht alle Blätter voll ausgearbeitet, um den Fokus auf die drei Nüssen zu lenken. Wichtig waren mir aber die typischen Drehungen der Blätter, die das Bild lebendiger erscheinen lassen.

Was nun noch bleibt, wäre die Darstellung der reifen Nüsse in verschiedenen Ansichten. Das überlege ich mir noch. Fürs erste ist es genug mit den Walnüssen. Ich freue mich jedoch auf den Frühling. Dann geht es mit der Studie über die Blattknospen und Blüten weiter…

Bambus hat so viele interessante Arten, dass es sich lohnt sich näher damit zu beschäftigen. Nicht viele  gedeihen in unserem Klima, obwohl die Pflanze robuster ist als wir Europäer denken. Ein tropischer blauen Bambus, Bambusa Chungii, gefällt mir besonders.

So nahm ich heute meinen Bamboo-Mixed-Media-Block, der, wie der Name schon sagt, aus 90% Bambusfasern besteht und das Foto eines Freundes von den Philippinen, um diese besonders schöne Art als Aquarell zu malen:

"Bambusa Chungii" - Aquarell auf Bamboo Mixed Media, 24 x 32cm, (c) by Cordula Kerlikowski

„Bambusa Chungii“ – Aquarell auf Bamboo Mixed Media, 24 x 32cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Ich arbeitete hier hauptsächlich mit drei Farben, nur für die Details verwendete ich eine vierte, abgemischt mit Türkis und Indigo. Dadurch wirkt das Aquarell harmonisch und ruhig. Auf allzu viele Details habe ich verzichtet, damit das blasse Blau der Halme gut zur Geltung kommt.

Es gibt auch roten und schwarzen Bambus – also noch jede Menge zu entdecken…

Am vergangenen Samstag war ich in Dresden und habe beim Gerstaecker Künstlerfachmarkt zum „Tag der offenen Tür“ die Goauchemalerei vorgestellt, die im Zuge der Acrylmalerei fast in Vergessenheit geraten ist.

Die Farben sind deckend bis teildeckend, können aber auch in gewissem Grade lasierend verwendet werden, wobei hier durchaus ein gewisser Unterschied zum Lasureindruck eines Aquarells besteht. Sie bleiben nach dem Trocknen wasserlöslich und können auch mit hellen Farben übermalt werden. Kompakt verwendet, wirkt ein Gouachebild wie eine Acrylmalerei – nur die Oberfläche ist matt statt seidenmatt bis glänzend. So sehe ich die Gouachemalerei als eine Technik an, die sich in der Verwendung zwischen Aquarell- und Acrylmalerei einordnet.

Hier die Studie einer Kastanienblüte, die ich während der Veranstaltung gemalt habe:

"Kastanienblüte" (Studie) - Gouache auf Andalucia-Aquarellpapier, 36 x 48 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Kastanienblüte" (Studie) - Gouache auf Andalucia-Aquarellpapier, 36 x 48 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Ich habe sie bewußt sehr zart ausgearbeitet um zu zeigen, dass auch ein aquarellartiger Eindruck erreichbar ist. Möglicherweise überarbeite ich die Blätter noch mit einem kräftigeren Grün und mehr Details, denn eigentlich sind sie sehr stark strukturiert und haben gezackte Ränder. Da kämpfen dieses Mal tatsächlich zwei Seelen in mir…:

Die Perfektionistin sagt: „Weitermachen bis alles stimmt“, die Spontane sagt: „Sofort anhalten!“. Nun, mal sehen, wer diesmal gewinnt…

PS:

Kleiner Tipp: die Gouachemalerei eignet sich bestens für Entwürfe für Acrylbilder, da der Gesamteindruck einem Acrylbild sehr nahe kommt. Ich verwendete sie mehrfach, um damit Entwürfe für Zeitschriftenartikel anzufertigen.

Viel Spaß beim Ausprobieren und Wiederentdecken !!!

Ich zeige auf Vorführungen, Schulungen oder Messen gerne, wie ein Bild entsteht und wie die einzelnen Materialien wie Papiere, Pinsel oder Farben, richtig eingesetzt, schöne Ergebnisse ermöglichen. Es liegt in der Natur der Sache, dass ich dabei meine Arbeit immer wieder unterbreche, um Fragen zu beantworten oder einzelne Schritte zu wiederholen.

So bin ich in der Motivwahl oft eingeschränkt und nutze dann oft kleine Stilleben, Pflanzendetails oder Objekte (Steine, Wurzeln, Muscheln, Blätter…), greife aber auch gelegentlich auf ein Foto zurück.

Ein Freund schickte mir das Foto einer kleinen Pflanze aus Australien. Australien ist für die meisten von uns, auch für mich, ein  Traumziel – weite Landschaft, Einsamkeit, großartige Naturphänomene, Aborigines, Felszeichnungen, natürlich auch Känguruhs und Koalabären, pulsierende Städte und interessante Menschen. Neben den großen, imponierenden Schaustücken des australischen Kontinents gibt es aber auch viele kleine, beeindruckende Details wie diese kleine Pflanze, die sich im „Kings Canyon“ am Fels festhält, ihren Platz gefunden und sich unbeeindruckt von der kargen Umgebung für ihr Leben eingerichtet hat.

Zunächst nutze ich das Foto für ein Aquarell:

"Auatralische Impression I" - Aquarell auf Bütten, 30 x 40 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Australische Impression I" - Aquarell auf Bütten, 30 x 40 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Die lang ausgestreckte Wurzel gewährt ihr Halt, die kleinen krallen sich in feinste Felsrisse und bringen die Stabilität, die sie für ihr Wachstum braucht. Und so kann sie selbst hier gedeihen, recken sich saftig-blaugrüne Blätter ins Licht. Sie bilden einen lebendigen Kontrast zum rotvioletten Hintergrund – grandiose Kulisse für ein kleines Pflänzchen….

„Kampf ums Überleben“, wie es sicher die Biologen nennen würden oder „Aus Wenigem das Beste machen“, wie es die Lebenskünstler tun oder einfach nur „ein wunderschönes Stück Natur“ (wie wir es sicher auch hier bei uns finden werden, wenn wir bereit sind, mit offenen Augen durch unsere Umwelt zu gehen…)? Die Antwort ist sicher für jeden von uns anders – und ich überlasse sie Ihnen!

Alternativ dazu eine Interpretation mit Acrylfarben – kompakter, kräftiger, aber ebenso farbenfroh und stimmungsvoll:

"Australische Impression II), Acryl auf Karton, 30 x 40 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Australische Impression II", Acryl auf Karton, 30 x 40 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

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