Es ist interessant und lehrreich, eine Pflanze über das Jahr zu beobachten und immer wieder in verschiedenen Techniken zu zeichnen. Das lohnt sich einerseits, um die Feinmotorik und den Blick fürs Motiv zu schulen, aber auch, um sich ein Archiv aufzubauen, aus dem man sich bei der Gestaltung von weiteren Arbeiten jederzeit bedienen kann, ohne die Pflanze selbst vor sich zu haben.

Gestern zeichnete ich einen jungen Trieb des Wilden Weins, auch Jungfernrebe genannt, heute nahm ich ausgewachsene Blätter und Blütenstände als Motiv:

"Wilder Wein - Detail" - ca. 20 x 20 cm, Zeichnung auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

„Wilder Wein – Detail“ – ca. 20 x 20 cm, Zeichnung auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

Die Stiele der Blätter sind nun rot gefärbt, auch die kleinen Blütenstände haben eine leicht rote Tönung bekommen. Die kleinen, zarten Haftranken sind verschwunden, die Pflanze hat den nun stärkeren Zweig schon gut an der Wand verankert. Der untere, waagerechte Zweig ist bereits verholzt.

Das alles kann man nun je nach Belieben detailgetreu oder abstrahiert zu Papier bringen. Dem Anfänger sei hier auch eine Bleistiftskizze empfohlen, die nur die Konturen zeigt, danach eine weitere Skizze mit den Tonwerten (Graustufen) des Motivs. Das macht zwar mehr Arbeit, hilft aber gut als Gedächtnisstütze. Beim Vermalen der Tusche können Details der Zeichnung verloren gehen, die später dadurch eventuell schwerer nachzuvollziehen sind. Für die fertige, kolorierte Zeichnung ist das nicht wichtig, denn hier geht es um eine schwungvolle, lebendige Zeichnung.

Will man später jedoch eine detailreichere Zeichnung ausarbeiten, sind die Skizzen wertvoll. Auch Fotos helfen sich zu erinnern. Ich arbeite lieber mit den originalen Pflanzenteilen – das fällt mir leichter als nach einem Foto zu zeichnen. Ich verwende diese Aufnahmen eher, um die Farbwerte nachzuvollziehen…

Im Garten meiner Malschülerin habe ich heute noch schnell eine Skizze von einer Akelei angefertigt. Die zeige ich demnächst…

Zur Erinnerung – hier meine Zeichnung vom jungen Trieb:

https://cordulakerlikowski.wordpress.com/2012/06/13/wilder-wein-oder-auch-ausputzen-schafft-motive/

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Mein Badfenster war ziemlich mit wildem Wein zugewuchert und es kam kaum noch Tageslicht in den Raum. Es wurde also höchste Zeit die Triebe wegzuschneiden. Dabei erhielt ich schöne lange Ranken: teils junge Triebe mit zarten Blättchen, teils größere Blätter und Blütenansätze.

Das forderte geradezu, heute noch schnell eine Zeichnung davon anzufertigen und vielleicht auch noch einige Skizzen für spätere Arbeiten:

"Weinranke" - erste Schritte, (c) Cordula Kerlikowski

„Weinranke“ – erste Schritte, (c) Cordula Kerlikowski

Zunächst arbeite ich mit Tusche und Feder, danach vermale ich die Linien mit Wasser. Meine neue Zeichenfeder ist noch nicht richtig eingezeichnet und kratzt etwas – das ist jedoch nicht problematisch, denn gelegentliche „Hopser“ der Feder auf dem Papier bringen zusätzlich Leben ins Bild.

"Weinranke" - Motiv und Zeichnung, (c) Cordula Kerlikowski

„Weinranke“ – Motiv und Zeichnung, (c) Cordula Kerlikowski

Hier sind die schönen Blättchen sehr gut zu sehen und es ist nicht schwer sie auf das Papier zu bringen. Ich habe dabei weniger auf authentische Farben als auf den Schwung der Ranke und die Eleganz der Blättchen geachtet. Das war mir in diesem Falle wichtiger. Die Zeichnung soll leben…

Hier das Ergebnis:

"Weinranke" - Zeichnung auf Aquarellpapier, ca. 20 x 20cm, (c) by Cordula Kerlikowski

„Weinranke“ – Zeichnung auf Aquarellpapier, ca. 20 x 20cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Durch den Kontrast zwischen Grün und Violett leuchtet die Ranke und die zarten Linien der Klammerfädchen kommen gut zur Geltung. Tonwertabstufungen betonen Licht- und Schattenbereiche.

Morgen werde ich eine weitere Zeichnung anfertigen,dann mit ausgewachsenen Blättern und Blütenansätzen. Ich freu mich drauf!

Gestern berichtete ich über meine neu erstandenen Tinten, die ich in einer Zeichnung ausprobiert hatte.

Heute setze ich diese „morbide“ Serie mit einer Efeu-Ranke fort, denn auch dieser ist ein Symbol von Vergehen und Auferstehen, ziert Friedhöfe und Denkmäler, aber auch alte Baumriesen und Parks:

"Efeu" - Zeichnung auf Aquarellpapier 425 g/m², 20 x 20 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Efeu" - Zeichnung auf Aquarellpapier 425 g/m², 20 x 20 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Hier entsprachen die Farben auf den Blättern, zumindest im oberen Bereich der Ranke,  sogar den verwendeten Schreibtinten Alt-Bordeaux und Alt-Goldgrün, so dass ich mit schönen Kontrasten spielen konnte ohne mich allzu weit von den Originalfarben zu entfernen:

"Efeu" - Detail und Ranke, 20 x 20 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Efeu" - Detail und Ranke, 20 x 20 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Morgen versuche ich mich an einer Physalis…

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