Ich werde oft gefragt wie es mir gelingt so naturalistische Zeichnungen oder Gemälde auszuarbeiten:

"Spiegelungen" - Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Spiegelungen“ – Acryl auf Leinwand, 80 x 100cm, (c) Cordula Kerlikowski

"Gelbbrust-Ara" Acrylmalerei, 80 x 80 cm (c) von Cordula Kerlikowski

„Gelbbrust-Ara“ Acrylmalerei, 80 x 80 cm (c) von Cordula Kerlikowski

In jeder Technik geht es dabei um das Erkennen der wesentlichen Formen, Linien und Farben, um Tonwerte und Abstufungen:

"Walnüsse" - 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

"Zwei Birnen" - Aquarell, 16 x 16cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Zwei Birnen“ – Aquarell, 16 x 16cm, (c) Cordula Kerlikowski

In der Bleistift- oder Tuschezeichnung kommt es auf die richtige Abstufung der Tonwerte an:

"Ginkgo-Blätter", Bleistiftzeichnung auf Skizzenpapier, (c) Cordula Kerlikowski

„Ginkgo-Blätter“, Bleistiftzeichnung auf Skizzenpapier, (c) Cordula Kerlikowski

"Lilie" - Bleistiftzeichnung 1996, (c) by Cordula Kerlikowski

„Lilie“ – Bleistiftzeichnung 1996, (c) by Cordula Kerlikowski

In der Farbstiftzeichnung geht es sowohl um Tonwertabstufung als auch um die richtigen, aber wenigen Farben:

"Koala", Farbstiftzeichnung auf Pastellpapier, 30x40cm, (c) by Cordula Kerlikowski

„Koala“, Farbstiftzeichnung auf Pastellpapier, 30x40cm, (c) by Cordula Kerlikowski

In jeder dieser Arbeiten ist es in erster Linie  das SEHEN. Genau hinschauen, was das Objekt aussagt…

Warum mir das in dieser Weise gelingt ist schwer zu sagen. Ich vermute, dass ich eine Art von fotografischem Gedächtnis oder des fotografischen Sehens habe. Beispielsweise genügt es, eine Wohnung oder einen (begrenzten) Ort einmal zu sehen und ich kann ihn noch viele Jahre später bis ins Detail beschreiben. Möglicherweise ist das bei meinen Arbeiten hilfreich…
Aber trotzdem ist es für Andere  möglich zu ähnlichen Ergebnissen zu kommen, wenn er/sie das SEHEN trainiert und vor allem immer wieder übt.

Am besten ist es am Original zu arbeiten: man kann es von allen Seiten betrachten, Licht- und Schattenbereiche erkunden, Blüten und Blätter befühlen usw. Das hilft sehr bei der realen Erfassung der Details. Manchmal geht das nicht. Entweder es ist Winter und ich will ein Blumenbild arbeiten, oder ich war einfach noch nicht dort, wo es mein angestrebtes Objekt gibt. Im Falle des Koala musste ich auf Fotos einer Kollegin zurückgreifen. Und einen Porsche fahre ich eh nicht!

Für Auftragsarbeiten oder Zeichnungen/Malereien im Winter fertige ich mir einen großen Fundus von Fotos, die das Objekt aus allen möglichen Richtungen darstellen, Details darstellen oder flüchtige Eindrücke einfangen. Damit geht schon einiges…

Nach Jahren ist die notwendige Routine und eine Menge Erfahrung vorhanden, die immer schwierigere Objekte gelingen lässt. Der Weg ist das Ziel…. Und ich zeichne schon seit meiner Kindheit…

Zweifel? In meinen Kursen kann man es erlernen… in angemessenem Tempo …

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Seit einiger Zeit beschäftigen mich botanische Studien, deren Ausarbeitung mich immer mehr fasziniert. Im letzten Blog habe ich eine erste Studie zu Walnüssen vorgestellt, jetzt folgt der Zweig aus einer anderen Sicht – mit einer aufgeplatzten Fruchtschale, die die reife Nuss zeigt.

Das war schon eine Herausforderung, denn nicht nur die strukturierte Nussschale auszuarbeiten, sondern auch auf die schnell vertrocknende Fruchtschale zu reagieren ist knifflig. Seit einer Woche versuchte ich  den Zweig frisch zu halten. Doch nun war das Ende seines Überlebenswillens erreicht und er trocknete beinahe schneller aus als ich malen konnte. Damit muss man leben. Ich begann also mit den Fruchtschalen, da hier die Veränderungen am schnellsten vor sich gingen. Die Blätter hatte ich bereits für die erste Studie ausgiebig studiert und konnte diese Erfahrungen für die zweite Arbeit nutzen.

"Walnusszweig II", Zwischenergebnis, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnusszweig II“, Zwischenergebnis, (c) Cordula Kerlikowski

Hier sind auch die feinen Fädchen zu sehen, die die Nuss in der Schale abpolstern und an deren Innenseite halten. Das ergibt auch die Furchen in der verholzten Nussschale.

Schritt für Schritt geht es wieder über viele Lasuren zum Endergebnis:

"Walnusszweig II" - 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnusszweig II“ – 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten

Dieses Mal habe ich nicht alle Blätter voll ausgearbeitet, um den Fokus auf die drei Nüssen zu lenken. Wichtig waren mir aber die typischen Drehungen der Blätter, die das Bild lebendiger erscheinen lassen.

Was nun noch bleibt, wäre die Darstellung der reifen Nüsse in verschiedenen Ansichten. Das überlege ich mir noch. Fürs erste ist es genug mit den Walnüssen. Ich freue mich jedoch auf den Frühling. Dann geht es mit der Studie über die Blattknospen und Blüten weiter…

Gestern und heute habe ich an einer weiteren botanischen Studie gearbeitet. Nach Birnen, Äpfeln, Kastanien und Kürbissen folgt nun ein Walnusszweig. Hier in Berlin gibt es Walnussbäume in vielen Gärten – sie sind auch geschützt und so ist solch ein Baum oft Segen und Fluch für die Besitzer. Mit den Massen an Nüssen arrangieren sie sich noch gern, aber das viele Laub und besonders die Fruchtschalen machen sehr viel Arbeit.

So entgeht den Menschen oft die Schönheit der Walnussbäume. Einen Zweig, an dem die Nüsse noch in ihrer Schale stecken, kennt kaum noch jemand.

Hier nun also Schritt für Schritt mein Walnusszweig:

"Walnüsse" - Schritt1, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – Schritt 1, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

Nach der Vorzeichnung male ich mich zunächst am Holz des Zweiges locker und lege dann erste Lasuren über die Fruchtschalen.

Danach lasiere ich das Laub in ein bis zwei ersten Schichten. Wichtig: nicht den Überblick verlieren bei den vielen verschiedenen, teilweise verdrehten Blättern!

"Walnüsse" - Schritt 2, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – Schritt 2, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

Um nicht „betriebsblind“ zu werden, arbeite ich abwechselnd auch an den Details der Früchte. Ständige Kontrolle ist wichtig, um alle Feinheiten korrekt zu erfassen. Das braucht Zeit – und die sollte man sich auch nehmen.

Weiter geht es dann mit der Überarbeitung der Blätter – Lasur auf Lasur:

"Walnüsse" - Schritt 3, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – Schritt 3, Aquarell auf Bütten-Papier, (c) Cordula Kerlikowski

Immer wieder vergleiche ich das Zwischenergebnis mit dem vor mir liegenden Zweig, um nichts zu übersehen. Das geht am konkreten Objekt viel besser als von einem Foto! Sowohl die Blätter als auch die Fruchtschalen altern während der Stunden, in denen ich an ihnen arbeite. Deshalb habe ich nicht jeden braunen Punkt oder jede trockene Stelle berücksichtigt.

Knifflig ist die Oberfläche der Fruchtschalen. es gibt sowohl weiße Punkte als auch dunkle. Das muss von Anfang an berücksichtigt werden. Nachträgliches Aufbringen weißer Punkte mit Deckfarbe ist nicht empfehlenswert.

Die Früchte im Detail:

"Walnüsse" - Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

Hier ist auch gut der kurze Stiel zu sehen, davor sitzt eine Blattknopse…

Und nun das fertige Aquarell:

"Walnüsse" - 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnüsse“ – 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

In einer weiteren Studie werde ich mich genauer mit den Früchten beschäftigen: Nuss in der Fruchtschale, aufgeplatzte Schale, aufgeschnittene Schale mit Nuss, die Nuss ohne Schale (geschlossen und geöffnet)….

In der Regel beschäftige ich mit abstrakter Malerei und nutze dazu viele verschiedene Ausdrucksformen und Techniken. Ich lasse mich gerne treiben ohne das genaue Ziel bereits vor Augen zu haben. Das passt zu mir und ich finde so meistens zu einem optimalen Ergebnis, das mich wiederum zu neuen Arbeiten inspiriert.

Manchmal gibt es aber zu Recht Ausnahmen von dieser Regel:

Zum einen, weil ich nach einer intensiven abstrakten Arbeitsphase einfach mal Lust bekomme, etwas „Reales“ zu schaffen, andererseits, weil ein Kunde bestimmte Vorstellungen zu einer Auftragsarbeit hat. Weiterhin will ich oft einfach wissen, ob ich die Herausforderung bewältigen kann. So in folgenden zwei Fällen:

"Gelbbrust-Ara" Acrylmalerei, 80 x 80 cm (c) von Cordula Kerlikowski

"Gelbbrust-Ara" Acrylmalerei, 80 x 80 cm (c) von Cordula Kerlikowski

Hier waren Künstler vom Förderverein der Hauptstadtzoos in Berlin angesprochen worden, für eine Auktion zu Gunsten der genannten Einrichtungen Bilder beizusteuern.

Nun ist ein Papagei ein wirklicher Hingucker und früher gab es im Tierpark auf dem Hauptweg zum Schloss Friedrichsfelde eine Reihe von diesen Vögeln im Freien auf Sitzstangen und es war schön, sie nah zu erleben. Leider ist das heute aufgrund des Fehlverhaltens mancher Mitbürger nicht mehr möglich. So entschied ich mich also für den Gelbbrust-Ara, zumal ich hier auch meine Lieblingsfarben Primacryl Kobalttürkis, Phthaloblau grünlich und Kadmiumgelb einsetzen konnte.

Schon allein die Vorzeichnung in dieser Größe war recht mühsam, aber gegenüber der Feinarbeit am Gefieder, dem Schnabel und vor allem am Auge doch noch die kleinere Übung. Ich habe mehrere Stunden täglich Feder für Feder gemalt – und es hatte schon etwas Meditatives. Aber je mehr der Ara zum Leben erwachte, desto mehr Spaß hatte ich an der Arbeit.

Dieses Bild hätte ich am Ende beinahe lieber selbst behalten und es war gut, dass die Auktion bald stattfand, sonst hätte ich ihm womöglich nicht mehr hergegeben.

Ähnlich verhielt es sich mit diesem Bild:

"Sittiche" - Acrylmalerei auf Leinwand, 50 x 70 cm (c) von Cordula Kerlikowski

"Sittiche" (c) Cordula Kerlikowski, 50 x 70 cm, Acrylmalerei auf Leinwand

Hier bestellten die Mitarbeiter einer Firma zum 50. Geburtstag ihres Chefs das Bild – Vorgabe waren die Vögel, die er gerne mag und oft fotografierte.

Auch hier arbeitete ich nach einem Foto, denn solch detaillierte Feinarbeit ist an lebenden Tieren nicht möglich, zumal ich nun mal weder Aras noch Sittiche zu Hause halten oder mit Staffelei, Acrylfarben und Leinwand im Tierpark auftauchen möchte. Ich habe mich bemüht, aus verschiedenen Fotovorlagen die charakteristische Haltung dieser Vögel herauszuarbeiten und den Hintergrund möglichst wie in freier Wildbahn zu gestalten. Außerdem sollten die Tiere „leben“ und so wirken, als würden sie gleich losflattern, den Kopf zum Betrachter drehen oder ein fröhlich krächzen. Hier ist es wichtig, rechtzeitig zum Ende zu kommen. Lieber lasse ich ein Detail weg und konzentriere mich auf wesentliche Bereiche wie Augen, Schnäbel, Körperhaltung und eine vertretbare Anzahl lebensnah gemalter Federn…

Da ein Mitarbeiter der besagten, europaweit arbeitenden Firma im selben Hause ein Büro hatte, sah mir auch noch regelmäßig jemand über die Schulter. Ich glaube, für ihn war es recht interessant, bei der Entstehung zuzuschauen – und mich hat es nicht weiter gestört. Durch den Ara hatte ich ja schon ausreichend Routine…

Beide Arbeiten sind bei den Empfängern gut und mit Freude angenommen worden – was natürlich sehr wichtig für mich ist und mich zufrieden macht.

Ich habe bei der Arbeit an den Acryl-Gemälden viel gelernt, eine Herausforderung gemeistert und ….. Lust bekommen, nun wieder ein paar abstrakte Werke zu schaffen.

So ist das, der stete Wechsel ist meine feste Größe….

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