KEILRAHMEN SELBST HERSTELLEN

Sicherlich fragt ihr euch, warum man sich Keilrahmen selber machen sollte. Stimmt! Auf den ersten Blick. Jedoch sprechen inzwischen einige Gründe dafür:

1. Es ist nahezu jedes Format möglich, im Gegensatz zu handelsüblichen Formaten.

2. Man kann die Art der Keilrahmen – Bespannung selbst bestimmen, je nach gewünschtem Oberflächeneffekt (Baumwolle, grobe Leinwand, Sackleinen etc). Es gibt im Handel ganze Rollen in verschiedenen Qualitäten, aber auch Teilrollen oder kleinere Abschnitte, so dass jeder nach seinem Bedarf etwas passendes finden sollte. Grundierte Maltuche ersparen das aufwändige eigene Leimen und Grundieren.

3. Im Handel bekommt man sehr hochwertige, vorgefertigte Leisten, die eine ausgezeichnete Stabilität besitzen und den Stoff gut halten. So entsteht in eigener Herstellung ein Keilrahmen höchster Qualität, für die man im Handel schon richtig Geld bezahlen muss.

4. Somit folgt aus (3.), dass man Geld sparen kann – echt nicht zu verachten.

5. Der Aufwand an Werkzeugen ist gering. Die meisten sind ohnehin in einem Durchschnittshaushalt vorhanden.

WAS BRAUCHEN WIR FÜR EIGENE KEILRAHMEN?

– 2 x 2 Keilrahmenleisten
je nach gewünschter Größe (z.B. 2 Leisten á 60 cm und zwei Leisten á 100 cm), bei Formaten ab 50 x 60 cm sollte auch noch ein Mittelstück verwendet werden.

– 1 Stück Maltuch
ca. rundherum etwa 10 cm größer als das gewünschte Format (bei einer Leistenhöhe von 2 cm).

– Werkzeuge
Hammer, besser noch Holzhammer, Metallwinkel, Schere, Bleistift, Tacker, breiter Pinsel

Das Material

Das Material

WIE WERDEN KEILRAHMEN GEMACHT?

Legt euch zunächst das Material zurecht, am besten auf einer Decke auf einen festen Untergrund, und dann die Holzleisten mit Nut und Feder locker zusammenstecken. bei größeren Formaten nicht das Mittelstück vergessen. Nach und nach die Leisten fester zusammen bringen, bis die Lücke zwischen den Leisten geschlossen ist. Ggf. vorsichtig einen Hammer verwenden und die Rechtwinkligkeit  immer mal wieder mit dem Metallwinkel überprüfen:

Nut und Feder zusammenstecken

Nut und Feder zusammenstecken

fertig zusammen gesteckter Keilrahmen

fertig zusammen gesteckter Keilrahmen

Danach legt ihr den Rahmen mit dem gewölbten Rand nach unten auf die Rückseite der grob zugeschnittenen Leinwand. Das Ganze so ausrichten, dass der Keilrahmen mittig aufliegt. Wenn ihr euch bei den ersten Malen noch nicht sicher seid, könnt ihr euch mit einem Bleistift Markierungen setzen. Wichtig ist eine Markierung der Mitten der jeweiligen Leisten.

Jetzt folgt der nächste Schritt:  Legt an der längeren Seite des Keilrahmens den Stoff straff über die Leiste und tackert ihn mit einer ersten Krampe  in Höhe der Markierung fest. Dann auf der gegenüberliegenden Seite ebenso verfahren. Weiter auf den Mitten der Schmalseiten eine erste Tackerung setzen. Von der Mitte ausgehend  zu  den Seiten weiter tackern, dabei die Leinwand straff, aber nicht mit Gewalt über die Kanten auf die Leisten ziehen. Nach meiner Erfahrung geht das auch gut ohne Tuchzange. Das Ergebnis sollte so aussehen:

Das Maltuch ist auf den Leisten fixiert

Das Maltuch ist auf den Leisten fixiert

So sehen die Ecken aus

So sehen die Ecken aus

 

Sicherlich kommt jetzt das Schwierigste – das Umlegen der Ecken zu einem schönen, sauberen Rand. Dazu zunächst einen glatten, diagonalen Falz bilden (in einer Linie zu der darunter liegenden Fuge von Nut und Feder) und dann zu einer Seite der Leiste umschlagen:

 

Diagonaler Falz in Fiugenrichtung

Diagonaler Falz in Fugenrichtung

Umgeschlagene Ecke

Umgeschlagene Ecke

Nun nur noch das übrige Stoffstück sauber auf die Kante legen und dort festtackern. Aufpassen, das Ihr nicht die Fuge zutackert! Diese Fuge ist nötig, damit der Keilrahmen “arbeiten” und Spannungsunterschiede ausgleichen kann!!!

Kleiner Tipp: überlegt euch vorher, ob das geplante Bild im Hoch- oder im Querformat hängen soll. Dann könnt ihr die Ecken so umschlagen, dass an den sichtbaren Seiten des Keilrahmens (links und rechts) keine Falze zu sehen sind.  Vergesst nicht, dass die Ecken einer Seite (oben und unten) in die  gleiche Richtung  umgeschlagen sein müssen – sonst sieht es komisch aus.. Das ist mir auch schon passiert. Wenn es dazu kommt – kein Problem, man kann die Krampen  entfernen und die Ecke neu ausrichten.

Wenn alles geklappt hat, sollte der fertige Keilrahmen  so aussehen:

 

Rückseite

Rückseite

Vorderseite

Vorderseite

Mittlerweile kann sich das Ergebnis schon ganz gut sehen lassen, finde ich. Jetzt stellt sich noch die Kardinalfrage nach den kleinen Holzkeilen, die man immer sieht und die bei den “Keilrahmen von der Stange” in kleinen Tüten mit dabei sind.

TIPP AM RANDE – HOLZKEILE ODER “WASSERKUR” ???

Nach meiner Erfahrung sind die Holzkeile meist nicht notwendig. Die Keile werden, je zwei gegenüber in die kleinen ausgefrästen Schlitze in den Ecken der Leistenverbindung gesteckt und bei Bedarf mit einem kleinen Hammer tiefer in die Schlitze geklopft. Dadurch werden die Leisten an ihrer Steckverbindung auseinandergetrieben und der Stoff spannt sich.

Diese Methode ist recht rabiat und bei dünnen Maltüchern besteht die Gefahr, dass der Stoff reißt.

Ich bevorzuge den Einsatz von Wasser. Dazu verwende ich einen breiten Flachpinsel, mit dem ich die Rückseite der Leinwand großzügig und recht nass einpinsele. Auch unter die Leisten und in die Ecken muss Wasser gelangen können. Alternativ kann das Ganze auch mit einem Wassersprüher gemacht werden- Hauptsache, die Leinwand ist gut durchtränkt. Danach den Keilrahmen waagerecht trocknen lassen, ggf. die Ecken beschweren, damit sich nichts verziehen kann.

 

Wässern der Leinwand-Rückseite

Wässern der Leinwand-Rückseite

Wässern der Leinwand-Rückseite

Wässern der Leinwand-Rückseite

Nach dem Trocknen ist der Keilrahmen glatt und gut gespannt. Diesen Vorgang kann man übrigens auch an fertigen Bildern wiederholen, falls sie sich während des Hängens verzogen haben.

Auch das Umspannen verzogener Bilder auf neue Keilrahmen oder das Neubespannen alter Keilrahmen ist auf diese Weise möglich – ihr seht also, es hat schon Vorteile, das selbst mal auszuprobieren.

Versucht es einfach mal an einem kleinen Format oder einem ausrangierten alten Keilrahmen.

Viel Spaß!

P.S.: Eine Malschülerin hat einen alten Keilrahmen mit  reliefartig strukturierten Kleiderstoff bespannt. Natürlich musste sie dessen Oberfläche noch mit Acrylbinder wasserfest machen und danach mehrfach mit Gesso grundieren. Aber die erhabenen Blumenranken der Stofftstruktur boten einen ganz interessanten Untergrund für ein Acrylbild…..

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Es ist Dienstag – der Tag, an dem ich meine beiden kleinen Malgruppen im Atelier habe. Zudem bin ich am Packen und Räumen, denn die Räumlichkeiten in der Behringstraße stehen  mir nicht mehr lange zur Verfügung. Das Ganze habe ich durch die Entscheidung beschleunigt, bereits Ende Juli auszuziehen.

Deshalb war ich schon früh im Atelier, um weiter Material zu sichten, Bilder zu ordnen, Kisten zu packen. Bei der Gelegenheit habe ich auch gleich alte Arbeiten bzw. Demonstrationsstücke auf Keilrahmen abgezogen und neu bespannt. So kann ich nach dem Umzug ohne Verzögerung weiter arbeiten:

Werkzeug zum Aufziehen von Leinwand auf Keilrahmen, Foto (c) Corfdula Kerlikowski

Werkzeug zum Aufziehen von Leinwand auf Keilrahmen, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Das geht recht einfach. Früher scheute ich diesen Aufwand, inzwischen habe ich genug Routine schnell und unkompliziert neue Malgründe herzustellen. Zum einen ist das viel günstiger, zum anderen kann ich so Formate schaffen, die es nicht im Handel zu kaufen gibt. Außerdem muss ich ab und zu mit Werkzeug hantieren – das Schrauben, Tackern, Schneiden und Ausrichten mag ich einfach…

Insgesamt habe ich heute wohl an die 20 Rahmen umgespannt – meist kleinere Formate, und diese erst einmal zusammengestellt um sie später zusammen einzupacken.

einige nreu bespannte Keilrahmen, Foto (c) Cordula Kerlikowski

einige neu bespannte Keilrahmen, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Hier sind einige der Formate zu sehen, quadratisch und im Langformat…

Später werde ich die Rahmen, die noch nicht fest genug erscheinen, auf der Rückseite mit einem Wassersprüher oder einem breiten Pinsel anfeuchten. Dann spannt sich der Stoff wie ein Trommelfell und die Keilrahmen sind fertig zum Malen.

einige nreu bespannte Keilrahmen, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Das Lager wächst…  Foto (c) Cordula Kerlikowski

Sicherlich ist das erst einmal Aufwand, aber es geht wirklich ziemlich schnell und ich schleppe keine „Altlasten“ mit, die dann wieder in der Ecke verschwinden. Bilder, die mir wichtiger sind, spanne ich ggf. ebenfalls ab und rolle sie über einen großen Pappzylinder, drumherum kommt zum Schutz vor Verstauben eine Folie. Bei Bedarf kann ich sie wieder auf einen Keilrahmen aufbringen. So kann man auch Platz sparen.

Die Mittagspause habe ich genutzt, um schon einige Radierungen für meine Ausstellung bei Armenat-Keramik im August zu rahmen. Ich mag es, mir für diese Sichtung und Rahmung Zeit zu nehmen und die Auswahl langsam wachsen zu lassen. Hier also die ersten Bilder:

Vier Radierungen, im Rahmen je 20 x 20 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Vier Radierungen, im Rahmen je 20 x 20 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Ich habe die Radierungen mit Bütten-Passepartouts versehen – das gefällt mir gut, zumal durch den unregelmäßigen Büttenrand jede Rahmung individuell ausfällt.

Am Nachmittag geht es mit Aquarellmalerei mit zwei langjährigen Malschülerinnnen weiter. Was genau heute enstehen wird, entscheiden wir meist ganz spontan – es ist Sommer, auch wenn es draußen zur Zeit nicht so ausschaut. Aber ein kleines Stilleben wäre doch schön… Kirschen ?????

Und zum Ausklang des Tages freue ich mich auf ein Treffen mit Neno Artmann, mein XING- und Facebook-Kontakt und Künstlerkollege. Er ist gerade in Berlin und wir werden sicher viele Themen zum Austausch haben…

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