Für meine ersten Ergebnisse im Bereich Ätzradierung habe ich nun doch etwas länger gebraucht.

Mit der Kaltnadelradierung kenne ich mich recht gut aus: sie ist relativ einfach herzustellen, kommt ohne Säure, Kolophonium etc. aus und ist somit auch für Anfänger gut zu handhaben. Das Arbeiten auf Kunststoffplatten kostet wenig Kraft, die Verwendung von Zinkplatten kann schon Muskelkater in Hand und Unterarm verursachen. Jedoch ist das Druckbild bei Metallplatten schöner und die Platte arbeitet sich nicht ganz so schnell ab. Kunststoffplatten ergeben ca. 10 Drucke, Zinkplatten 12-20 Drucke – danach sind die Gravuren verbraucht.

"Verliebt" Cordula Kerlikowski, je 5 x 5 cm, Kaltnadelradierung auf Hahnemuehle- Kupferdruckbütten

Die Ätzradierung erfordert viel mehr Planung, Vorausschau und Materialeinsatz (Salpetersäure, Kolophonium, Heizplatte, Asphaltlack….). Man kann eine Strichätzung ausführen, wobei die Zink- oder Kupferplatte mit Asphaltlack abgedeckt wird und die Zeichnung mit einer Radiernadel ohne großen Kraftaufwand durch diese Schicht „geschnitten“ wird. Im Säurebad ätzen sich die Linien tief ein – das Druckbild ist sauber und bleibt auch nach vielen Druckvorgängen klar und deutlich.
Tonwertabstufungen erhält man, indem man Kolophonium auf die Platte pudert, diese erhitzt bis das Pulver schmilzt und eine fühlbar rauhe Oberfläche hinterlässt. Nun wird im Wechsel Lack aufgetragen und geätzt – Flächen, die hell bleiben sollen, werden zuerst abgedeckt, die dunkelsten Flächen zuletzt. Ihr seht, das allein kann schon verwirren… Wenn dann auch noch ein Dreiplattendruck entstehen soll, wie ihn Susanne Haun für ihr Buch ausgearbeitet hat, ist das Chaos perfekt!

Also habe ich mir zunächst eine ganz kleine Zinkplatte genommen und mit einer  Strichätzung begonnen. Das Auftragen und gleichmäßige Einschmelzen des Kolophoniums ist mir nicht sehr gut gelungen – an einigen Stellen hatte ich es zu dick aufgetragen, wodurch im Druck bläschenartige Erhebungen entstehen (siehe unten), jedoch waren die Tonwertabstufungen schon ganz ok:

Erster Druckversuch - viele Fehler auf der Platte

Die Bläschen ergeben zwar eine interessante Struktur, dominieren jedoch die Zeichnung. Auch die spiralförmige Linie ist nicht klar abgegrenzt, so dass das ganze verschwommen wirkt. Also zunächst ein recht enttäuschendes Ergebnis.

Aber aufgeben wollte ich nicht – es wäre schade ums Material und die aufgewendete Zeit. Zunächst dachte ich daran, den Druck durch eine darüber ausgeführte  Tuschezeichnung zu verbessern, entschied mich dann aber, das überschüssige Kolophonium vorsichtig abzutragen und die Spirallinie nachzuätzen. Das sah dann schon wesentlich besser aus:

2. Druckreihe - monochrom

Hier sind die Linien klarer und die störenden Pünktchen verschwunden. Für die beiden äußeren Drucke verwendete ich Paynesgrau, ein bläuliches Dunkelgrau: links weniger Farbe weggewischt, so dass auch auf den glatten Flächen Tonwerte verbleiben, rechts viel Farbe ausgewischt, wodurch hauptsächlich die geätzten Linien hervortreten.

Die dünne Linie oben rechts gefiel mir immer noch nicht so ganz, ich beschloss daher, diese durch den Farbauftrag abzuschwächen bzw. ihr später durch eine Tuschelinie aus der Druckfläche heraus eine schlüssige Bedeutung zu geben.

Nun kann ich beginnen mit verschiedenen Druckfarben zu experimentieren. sehr gerne verwende ich lasierende Farben. Die gedruckten Flächen und Linien wirken dann besonders leicht und transparent, auch in der Mischung verhalten sich lasierende Farben besonders reizvoll:

Farbenspiele, links Siena gebr., rechts Kobaltblau

Links ein Druck in lasierendem Siena gebrannt, rechts in deckendem Kobaltblau, in der Mitte die Druckplatte.

Vor jedem Druckvorgang mit einer neuen Farbe sollte die Platte gewissenhaft gereinigt werden, damit die Farben klar und sauber gedruckt werden. Man kann aber auch bewußt Farben ineinander wischen und erhält so sehr interessante Mischtöne und Farbübergänge, hier mit Siena gebrannt und Paynesgrau:

"Schnecke" - 5 x 5cm - Radierung von Cordula Kerlikowski

"Schnecke" 5 x 5cm - Radierung von Cordula Kerlikowski

Diese beiden Varianten gefallen mir am besten. Durch die verwendete Farbmischung wirkt die Schnecke nun erdverbunden, etwas morbide, aber eben natürlich und die Rundungen der Form kommen hier wesentlich besser zur Geltung.

Ich fertigte noch verschiedene weitere Drucke an, auf denen ich in den nächsten Tagen weiter experimentieren werde. Dann kommt auch die Zeichenfeder zum Einsatz….

Meine „Tauschwand“

15. Dezember 2011

Heute habe ich auch die Arbeit von Conny Niehoff gerahmt und entschieden, dass ein 20 x 20cm Rahmen Susannes Zeichnung nicht optimal zur Wirkung bringt. Also doch ein Passepartout dazu, einen Holzrahmen silber streichen und nun, denke ich, ist es perfekt.

Die Arbeiten von Conny Niehoff und Susanne Haun an meiner "Tauschwand"

Mal sehen, ob die beiden Werke nach und nach Gesellschaft bekommen – ich tausche gerne.

Es macht ja selten Sinn, wenn Künstler und Künstlerinnen sich gegenseitig ihre Werke abkaufen. Sie wissen die Arbeit der Kollegen zu schätzen und da ist ein Tausch doch eine echte Alternative und ein Bereich in den eigenen Räumen, voll mit Bildern von befreundeten Künstlern, etwas ganz besonderes.

So freue ich mich, heute mein erstes Tauschbild bekommen zu haben:

"Kleine Ratte" 20 x 20 cm Tuschezeichnung auf Aquarellpapier - von Susanne Haun

Es stammt aus der Feder von SUSANNE HAUN, einer großartigen Zeichnerin. Mich begeistern viele ihrer Arbeiten, aber immer wieder erstaunt es mich, wie sie mit wenigen, gezielt gesetzten Linien das Wesentliche von Tieren erfasst: den schimpfenden Amselmann, die neugierige Giraffe, die Vogelkinder im Nest oder eben diese kleine Ratte, die doch so gar nichts von dem von vielen so verachteten Nager an sich zu haben scheint.

Bei Susannes Ateliereröffnung habe ich mich sofort in diese kleine Pelzkugel verliebt und so hat es mich sehr gefreut, dass Susanne heute, bei ihrem Arbeitsbesuch in meinem Atelier, einen Tausch anbot und sich  im Gegenzug eine Arbeit von mir ausgesucht hat, auch ein Tier, genauer – einen Vogel:

"Paradiesvogel" 10 x 15 cm Kaltnadelradierung - von Cordula Kerlikowski

Morgen bekommt Susannes Zeichnung einen schlichten, edlen Alu-Rahmen (ich wusste wohl unbewußt  schon beim letzten Stöbern im Künstlerfachmarkt, wozu ich das Rahmen-Sonderangebot gebrauchen könnte) und dann suche ich einen schönen Platz, damit es ihm bei mir gut geht, dem kleinen Nagetier.

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