Kaum eine Pflanze wurde in der Geschichte der Malerei so oft abgebildet wie die Lilie:

"Lilie" - Farbstiftzeichnung auf Zeichenkarton, 20 x 30 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

„Lilie“ – Farbstiftzeichnung auf Zeichenkarton, 20 x 30 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

In der Kunst wird die Lilie als Symbol der Jungfräulichkeit verwendet. Sie verkörpert die Unschuld, die unbefleckte Empfängis Marias und die Reinheit. Meist sehen wir die Blüte in weiß, was die Aussage noch einmal verstärkt, denn wir kennen auch heute noch weiß als Farbe der Unschuld und Reinheit. Aus diesem Grunde trugen die Bräute bei ihrer Hochzeit ein weißes Kleid und einen Kranz aus weißen Orangenblüten. Heute hat sich da einiges verändert, aber wir kennen uns mit Symbolen ja auch kaum noch aus.

Auf Altarbildern und Gemälden, die Maria bei der Verkündigung oder mit dem Jesuskind darstellen, sehen wir die Lilie, neben anderen, am häufigsten. Die Botschaft war damals auch demjenigen verständlich, der nicht lesen und schreiben konnte:  hier sieht er die Jungfrau, die von einem Engel die Botschaft über ihre Schwangerschaft erfährt (Verkündigung) bzw. er wird darauf hingewiesen, dass die dargestellte Frau Gottes Sohn geboren hat und beide rein, unschuldig und Gott zugewandt sind…

Auch auf Portraitdarstellungen junger Mädchen kann man die Blume gelegentlich entdecken.

In der Stillebenmalerei ist die Lilie ebenfalls ein beliebtes Motiv. Wie ich bereits im Teil 1 zur Schwertlilie angeführt habe, ist bei diesen Bildern der Symbolgehalt stärker verschlüsselt bzw. nur bedingt gegeben.

Beispiele in der Kunst:

Hugo van der Goes: Portinari-Altar

Meister der Verkündigung von Ais: Verkündigung Mariens

Jan van Eyck: Verkündigung Mariens

Stefan Lochner: Madonna im Rosenhaag

Francesco di Giorgio: Krönung Mariens

Leonardo da Vinci: Verkündigung

Carlo Crivelli: Madonna mit der kleinen Kerze

Literaturquellen:

Rolf Toman (Hrsg.): “Die Kunst der italienischen Renaissance”,
Könemann, ISBN 3-8331-1040-6

Rolf Toman (Hrsg.): “Die Kunst der Gotik”,
Könemann, ISBN 3-8331-1038-4

Wikipedia

Die gezeigte Farbstiftzeichnung ist in meinem Buch

“Zeichnen Basics – Blumen und Blüten”
(OZ-Verlag)

erschienen.

Kleines P.S.:  Zur Abiturprüfung im Fach Kunst war es meine Aufgabe die Madonnenbilder im Laufe der Kunstgeschichte anhand der „Madonna im Rosenhaag“ von Lochner und der „Sixtinischen Madonna“ von Rafael zu vergleichen. Was für ein Fest für mich!

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Gestern sprach ich kurz die Symbolik der Akelei an, die ich in einer Bleistiftzeichnung dargestellt hatte. Im Nachgang dieses Artikels fand ich es interessant, einige weitere Blumen und Blüten mit ihrer Symbolik zu zeigen, die uns heute zumeist verloren gegangen ist. In früheren Jahrhunderten konnten die Menschen die Bilder lesen wie ein Buch und erkannten neben den dargestellten Figuren auch die ganze Geschichte zu ihnen. Wichtig, da viele Menschen damals weder lesen und schreiben konnten.


Als erstes stelle ich die Iris, auch Schwertlilie genannt, vor.

"Blaue Schwertlilie" - Aquarell, (c) by Cordula Kerlikowski

„Blaue Schwertlilie“ – Aquarell auf Hahnemühle Bütten 300 g, rau (c) von Cordula Kerlikowski

Die Schwertlilie erinnert weitläufig an den Griff eines Schwertes, damals ein Alltagsgegenstand. Sie symbolisiert den durch die Waffe hervorgerufenen Schmerz, das Leid, auch die seelische Verletzung.

Darstellungen in der Kunst zu religiösen Themen, insbesondere mit Maria und dem Jesus-Knaben, verweisen hier bereits auf das Schicksal des Kindes.

Andere Quellen nennen den griechischen Namen Iris (Regenbogen) als Symbol für die Überbringung göttlicher Botschaften sowie für die Versöhnung. Auch in diesem Sinne sind die Gemälde lesbar…

In den niederländischen und flämischen Stilleben findet man die Schwertlilie oft. Hier kommt die Lesart auf den Kontext an: Wunsch des Auftraggebers im Sinne des religiösen Bezugs, Inhalt der Bildtitel oder rein dekorativer Charakter… Vor allem bei den Kartuschen- und Nischenbildern sind religiöse Verweise erkennbar…

Sollten Sie also wieder in einer Gemäldegalerie unterwegs sein – suchen Sie nach dieser Blüte!

Beispiele in der Kunst:

Goossen van der Weyden: „Madonna mit Kind“

Hugo van der Goos: „Anbetung des Kindes durch die Hirten“

Leonardo da Vinci: „Madonna in der Felsengrotte“

Literaturquellen:

Udo Becker: „Lexikon der Symbole“,
Herder spektrum, ISBN 3-451-04870-1

Rolf Toman (Hrsg.): „Die Kunst der italienischen Renaissance“,
Könemann, ISBN 3-8331-1040-6

Jochen Sander (Hrsg.) „Die Magie der Dinge – Stillebenmalerei 1500-1800“,
Städel Museum, Katalog zur Ausstellung 2008/2009

Wikipedia

Gestern erfuhr ich, dass die Tochter einer befreundeten Malschülerin geheiratet hat. Das erinnerte mich an eine Arbeit, die ich als Hochzeitsgeschenk gemalt hatte, da sich das Brautpaar von mir ein Bild gewünscht hatte:

"Irish Wedding" - Mischtechnik auf Leinwand, 60 x 80 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Irish Wedding" - Mischtechnik auf Leinwand, 60 x 80 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Die familiäre Wurzeln der Braut liegen in Nordirland, und so war es naheliegend, Elemente der irischen/keltischen Mythologie in das Bild einzubringen:

Das Grün des Hintergrundes steht für die „grüne Insel“ Irland, das Grün der Wiesen, Wälder, der naturbelassenen Weiten des Landes. Im Mittelpunkt sehen wir einen Baum mit kräftigen Wurzeln und einer ausladenden Krone, der die gesamte Bildfläche einnimmt.  Der Baum ist ein zentrales Symbol der irischen/keltischen Märchen- und Sagenwelt, er bedeutet Kraft, Standfestigkeit, Schutz, Weisheit, Beständigkeit. Vor diesem Baum bewegen sich Figuren, teils reale, teils Fabelwesen… Unten rechts eine Hirschkuh – in der irischen Sage oft ein verzaubertes Mädchen, das es zu erlösen gilt, aber auch mit Weisheit, Kraft, Güte und Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Links daneben ein Mensch, ein junger Mann, der sich mit offenen Armen auf die Hirschkuh/das Mädchen zubewegt. Er wird es sein, der sie wählt, auserwählt, ein Leben mit ihr beginnen will. Zwei Vögel und ein kleines Fabelwesen sitzen auf den Zweigen des Baumes und beobachten die Szene. Dazwischen schwebt ein etwas größeres Wesen, vielleicht ein Engel, der seine schützenden Flügel über die beiden ausbreitet und negative Einflüsse, Leid, Schmerz und Angst fernzuhalten versucht. Der Eindringling, der sich von rechts oben nähern will, hat keine Chance. Und so habe ich versucht, die Stimmung einer jungen Liebe an ihrem großen Tag festzuhalten – die Hoffnung, das Glück, die zärtlichen Gefühle füreinander, die Freude am Leben, die Träume und Illusionen des jungen Paares.

Damals wünschte ich Ihnen: „Möge das rauschende Fest, das ich miterleben durfte, der Start in ein glückliches gemeinsames Leben sein, das Sonnentage genießt, Stürme übersteht und jeden Tag zu etwas besonderem macht“.

Es hat nicht gehalten… Und so überdauerte das Bild die kurze Ehe. Vielleicht läuft es dieses Mal besser…. Alles Gute!

Heute habe ich mit dem Entwurf für ein Logo beschäftigt. Ein befreundeter Blogger bat mich darum, etwas zu entwerfen, dass die Aussage seines Blogs unterstreicht, das sich mit einem weltumfassenden und weltverbindenden Thema befasst.

Das alte Logo beinhaltete im Grundsatz Regenbogenfarben, das Peace-Zeichen und den Schriftzug des Blogs. Damit eine Wiedererkennbarkeit erreicht wird, habe ich mich bemüht, diese Elemente wieder aufzunehmen:

"Logo - Entwurf" - 40 x 40 cm, Aquarell auf Andalucia-Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowswki

"Logo - Entwurf" - 40 x 40 cm, Aquarell auf Andalucia-Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

Die Sonne und das Peace-Symbol stehen im Mittelpunkt, da sie überall auf der Welt für Leben, Licht und Frieden/Freiheit stehen. Die Sonne teilt mit ihren langen Strahlen das Blatt in 5 Segmente, in die ich markante „Wahrzeichen“ und Ornamente der einzelnen Kontinente einsetzte:

Afrika: Sonnenuntergang,Pyramide, Schirmakazie, folkloristisches Dekorband

Asien: entspannendes Violett, Lotosblüte, Bambus

Amerika: Kandelaberkaktus, Monument Valley, Meereswellen der Surferparadiese

Europa: Felder, Wiesen, bunt gefärbte Wälder, Flüsse

Australien: Känguru, Erdtöne, Malereien der Aborigines, …

Dabei nutze ich vor allem die „ewigen“ Zeichen der Kontinente, seit Jahrtausenden existent, Generationen begleitend, wobei die Kulturlandschaft Europas vielleicht ein wenig davon abweicht… Die Motive fügen jeweils sich unterhalb der Sonne ein und werden durch die Blattkante begrenzt.

Um das Peace-Symbol herum kann nun der Titel des Blogs eingesetzt werden, wenn der Entwurf dem Auftraggeber gefallen sollte. Ob dem so ist – darauf bin ich gespannt…. Aber ich versuche es gerne auch noch mit einem anderen Ansatz…

Immer einmal wieder beschäftigen mich unsere kulturellen Wurzeln, die Symbole unserer Vergangenheit und die Frage nach Beständigkeit, Wandel und der kleinen oder großen Ewigkeit.

Eng verbunden damit sind die religiösen Prägungen, die besonders Europa über 2000 Jahre zu dem gemacht haben, was es ist. Dabei sind mir die fragwürdigen Marksteine dieses Weges durchaus bewußt und ich kann mich längst nicht mit allem identifizieren, was ich hier sehe und erfahre. Doch spüre ich gern den Ursprüngen nach: den Lehren der Urchristen, den Kernaussagen des Christentums, unabhängig von Machtstreben und persönlichen Ambitionen, – und insbesondere den Menschen hinter den Geschichten der Bibel.

In diesem Zusammenhang entstanden 2005 zwei Arbeiten, die den Grundstock einer Serie bilden sollen:

"Passion" - Acrylmalerei auf Leinwand, 50 x 60 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Passion" - Acrylmalerei auf Leinwand, 50 x 60 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Erlösung" - Acrylmalerei auf Leinwand, 50 x 60 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Erlösung" - Acrylmalerei auf Leinwand, 50 x 60 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Hier  bewegte mich die Frage: was trieb einen Menschen wie Jesus von Nazareth an, den gewählten Weg bis zum Ende zu gehen, was bedeuten Glaube, Überzeugung und Selbstverständnis für den Lebensweg eines Menschen? Warum läßt ein Vater das Leiden seines Sohnes auf diese Weise, scheinbar hart und emotional unbeteiligt, zu?

„Passion“ und „Erlösung“ enthalten die gleichen Symbole: das Kreuz, das Jesus trägt und das seinen Tod bedeutet, die kleine Quadrate stehen für die ihm zugefügten Wunden, die Farben Rot für den Schmerz, Blau für emotionale Kälte, Angst, Einsamkeit und Feindschaft, Grün für Hoffnung, Liebe, Wärme und Geborgenheit. So versteht sich „Passion“ als Moment der Kreuzigung, wobei hier das schmale grüne Kreuz im Hintergrund die Hoffnung auf Erlösung, die Gegenwart und den Beistand des Vaters, symbolisiert.Weitere Kreuzformen wirken wie die Gitter einer Festung, aus der es kein Entrinnen gibt.

„Erlösung“ spiegelt die Aussage der „Passion“ und kehrt sie um: Es ist vollbracht (schmales Kreuz links), der Tod ist Zwischenstation, Vater und Sohn sind vereint (großes grünes Kreuz) – nun bestimmen Wärme, Hoffnung und Liebe den Gesamteindruck des Bildes: Kreuz und Wundmale sind noch da, der Schmerz noch präsent, aber er weicht zurück in die Form eines schmalen, kleinen Kreuzes, die bindenden Gitter verlieren sich…

Diese Darstellung ist weder theologische Lehrmeinung noch stellt sie ein religiöses Statement dar. Es ist meine persönliche Sicht auf eine alte Geschichte: ich möchte Jesus von Nazareth als eine historische Gestalt, als einen Mann sehen, der sich dessen, was er tat, sehr bewußt war und diesen Weg auch gegen alle Warnungen oder die Ängste seiner Angehörigen (Eltern, Freunde…) gegangen wäre – als freier Herr über seine Entscheidungen. Und dass sein Vater das respektiert hat, aber doch seine Präsenz spüren lässt.

Seine Mutter Maria und Maria Magdalena begleiten seine letzten Stunden, der Vater erwartet ihn und der (Lebens)Kreis kann sich schließen…

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