Für heute hatte ich mir vorgenommen, mit meinen reichlich vorhandenen Öl-Pastellen und Öl-Sticks eine Studie zu versuchen, für die ich eine Leinwand verwendete, deren Acryl-Untermalung für ein anderes Bild zu dunkel geraten war.

Spannend war für mich die Frage, ob ich auf dieser dunklen Untermalung helle Flächen herausarbeiten kann. Tatsächlich funktionierte das sehr gut, ohne Weiß verwenden zu müssen.

Die Farben konnte ich sehr leicht mit den Fingern ineinander arbeiten, wodurch sehr schöne Farbverläufe entstanden:

"Dshinn" - Studie, Öl-Pastelle und Öl-Sticks auf Leinwand, 35 x 80 cm,  (c) Cordula Kerlikowski

„Dshinn“ – Studie, Öl-Pastelle und Öl-Sticks auf Leinwand, 35 x 80 cm, (c) Cordula Kerlikowski

Teilweise ließ ich die Untermalung stehen, die meisten Flächen habe ich mit den Pastellen überarbeitet, wobei ich die darunter liegenden Strukturen in die Arbeit einbezog. Der „Dshinn“ war also nicht von vornherein geplant, sondern ergab sich aus der Beschäftigung mit den Farben und Strukturen.

Mitten im Malen/Zeichnen fiel mir auf, dass ich die ganze Zeit mit der linken Hand arbeitete. Im Grobmotorischen oder bei höherem Krafteinsatz ein Reflex, da ich umtrainierte Linkshänderin bin – hier hat sich die linke Hand von ganz allein die Dominanz verschafft.

Und deshalb schaut der Dshinn wohl auch nach links und sucht, gerade aus der Flasche aufsteigend, sein Märchen… Wem soll er die drei Wünsche erfüllen? Sind es die ewig nervenden “ Viel Geld, ein Palast, schöne Frauen“ oder mal etwas anderes, kreatives, ideelles? Es wäre ihm zu gönnen, einmal außergewöhnliche Wünsche zu erfüllen. Offensichtlich hält er schon danach Ausschau…

Das Arbeiten mit den Pastellen hat mir sehr gefallen. Ich verwendete Material von Sennelier – die Pastelle und Sticks sind sehr weich und cremig und lassen sich ohne weitere Hilfsmittel sehr gut verarbeiten. Das Verwischen mit den Fingern oder einem Gummi-Pinsel genügt und geht sehr einfach. Die Leuchtkraft ist immens und verändert sich nicht. Das war doch mehr als ich erwartet hatte. Spannend ist nun, diese Farben in verschiedenen Mischtechniken partiell einzusetzen…


In den letzten Wochen war ich durch viele verschiedene Aufgaben beansprucht. Zum einen liefen die ersten Kurse zum „Botanischen Malen und Zeichnen“ an, es gab verschiedene Anfragen für Auftragsarbeiten, Terminabsprachen, die Malreise 22.-28.4.2013 nach Goslar war vorzubereiten uvm.

Da blieb und bleibt  wenig Zeit für die eigene künstlerische Arbeit nur für mich, obwohl sie natürlich nie ganz unterbleibt.

So nutzte ich die Ostertage, um eine großformatige Arbeit wieder aufzunehmen, die ich vor Ostern schon begonnen hatte. Die Fahrt durch das Schneetreiben zum Arbeitsort war schon besonders – einfach zu winterlich für die Osterzeit.

Sicher hat die Sehnsucht nach Sonne die Hand geführt, so dass sich die Farbigkeit meiner Arbeit von Blau-Türkis nach Grün und Gelb bewegte:

noch ohne Titel - 1. Arbeitsphase, (c) Cordula Kerlikowski

noch ohne Titel – 1. Arbeitsphase, (c) Cordula Kerlikowski

Die Abmessungen von zusammen 4 x 100 x 240 cm waren für meine Verhältnisse schon ziemlich groß, und das Hantieren mit diesen sperrigen Formaten eine Herausforderung für sich.

eine Woche später... (c) Cordula Kerlikowski

eine Woche später… (c) Cordula Kerlikowski

Es entwickelte sich, entgegen einem ersten spontanen Themenansatz, eine ganz andere Sicht auf die Dinge und nun fanden sich fliegende, schwebende Elemente auf der Untermalung, viel Bewegung und Farbspiel.

Hier das Ergebnis:

"Don't catch my birds of paradise..." Acryl/Mischtechnik auf Leinwand, 4 x 100 x 240 cm (2teilig) (c) Cordula Kerlikowski

„Don’t catch my birds of paradise…“ Acryl/Mischtechnik auf Leinwand,  4 x 100 x 240 cm (2teilig) (c) Cordula Kerlikowski

… und einige Details:

Detail 1 - (c) Cordula Kerlikowski

Detail 1 – (c) Cordula Kerlikowski

Detail 2 - (c) Cordula Kerlikowski

Detail 3 – (c) Cordula Kerlikowski

Detail 5 - (c) Cordula Kerlikowski

Detail 2 – (c) Cordula Kerlikowski

Detail 3 - (c) Cordula Kerlikowski

Detail 4 – (c) Cordula Kerlikowski

Spannend, wie sich die Bildideen mit dem Arbeitsfortschritt verändern können. Und natürlich gehört es für mich dazu, die Strukturen zeichnerisch zu vertiefen, zu verändern und zusammenzufassen…

Am Mittwoch werde ich das Doppel aus dem Atelier meiner Kollegin abholen. Ich bin gespannt, wie ich das Bild dann wahrnehme…

„The Secret of Aquarius“ – or: 50 Years Old – a Little Bit Wiser?

Heute ist mein 50. Geburtstag und zu diesem Anlass gibt es ein besonderes Bild, ein besonderes Blog und eine englische Übersetzung.

The 8th of February 2013 – this is my 50th anniversary. Occasionally there is a special painting, a special blog and its English version.

50 ist nur eine Zahl wie jede andere und doch ein guter Anlass für ein Resümee. In den letzten Jahren hat sich für mich viel verändert – privat und beruflich. Ich bin neue Wege gegangen, habe Risiken in Kauf genommen, mich ausprobiert, viel gesehen, neue Freunde gefunden, mich von anderen verabschiedet und viele neue Impulse bekommen. Es bewegt sich viel in meinem Leben und das ist gut so!

50 are just like any other number. Yet it means a mile stone. So let’s take a look upon what has happened so far. Both my private life and my profession have been seeing many changes during the recently passed years. I left my well-known paths in favour of unknown ones. And I took several risks. I got acquainted with unknown features of myself and consequently with new friends. And I said Farewell to some friends and features that had become dated. I love the way my whole life has been taking!

"Vogelflug" - Acrylmalerei/Mischtechnik 100 x 120cm (c) by Cordula Kerlikowski

2003 – „Vogelflug“ – „Covey of the Birds“ – Acrylmalerei/Mischtechnik 100 x 120cm (c) by Cordula Kerlikowski

Ganz bewusst habe ich mich in den letzten 3 Wochen an eine besondere Arbeit gemacht: seit langem stand bei mir eine große Leinwand (120 x 150cm) mit einer begonnenen Arbeit, die mir inzwischen nicht mehr entsprach. Also ausnahmsweise übermalen und neu beginnen! Nach einem Jahr Abstinenz von großen Formaten endlich wieder ein Anlass, die Hände mit Acrylfarbe zu tönen…

During the last three weeks I had been working on a very special project. Owning a large canvas (120x150cm) with a painting from my former times I recently had recognized that this painting no longer represented neither any of my styles nor any of my personal  features – so I took the canvas and OVERPAINTED the picture having become dated! What a warmly appreciated occasion to coulour my hands in acryl material after a one-year-lasting period of keeping away from large format!

er meiner Lieblingspinsel: "Grigio" von Da Vinci

Meine Hände in Farbe – my hand with paint

Blau- und Grüntöne sollten es sein – Wasserfarben, so wie der Wassermann bzw. die Wasserfrau es liebt. Die Strukturen entstanden im emotionalen Fluss – ich denke in dieser Phase nie darüber nach, was entstehen soll. Das ergibt sich…

Tints and shades of blue and green should dominate the painting according to the coulours of water strongly loved by Aquarius – male and female, whereas there was no plan concerning its structures. There is never a plan concerning structures in this phase of painting – structures are always flowing from my emotions.

"Secret of Aquarius" - Zwischenergebnis, 1,20 x 1,50m, (c) Cordula Kerlikowski

„Secret of Aquarius“ – Zwischenergebnis, 1,20 x 1,50m, (c) Cordula Kerlikowski

Auch die darauf folgenden Strukturen kommen aus dem Unterbewussten – nur sind sie in dieser Arbeit weicher, fließender, femininer – im Gegensatz zu früheren Arbeiten. Vielleicht liegt es daran, dass ich neben dem Spachtel auch die Finger als Werkzeug eingesetzt habe. Auf den Einsatz von Komplementärkontrasten verzichtete ich völlig. Das ist mir jedoch erst später bewusst geworden.

The subsequent structures also arise from my subconscious mind and as I recognized later they tend to be softer, more fluent and more feminine than the structures in my former paintings. Maybe this results from using my fingers as instruments in addition to a spatula.  And as I recognized only later, too, I had done my painting without using any complimentary contrasts.

Arbeiten mit Spachtel und Finger - working with palette knife and finger, (c) Cordula Kerlikowski

Arbeiten mit Spachtel und Finger – working with palette knife and finger, (c) Cordula Kerlikowski

weiche Strukturen - smooth structures, (c) Cordula Kerlikowski

weiche Strukturen – smooth structures, (c) Cordula Kerlikowski

Tuschelinien, wie sie  für mich typisch sind, ordnen sich nun unter – geben den Strukturen nur sanfte Bewegungsimpulse, grenzen den Betrachter weniger aus als in früheren Arbeiten. Insofern fasst dieses Bild meine Entwicklung der letzten 2-3 Jahre gut zusammen. Ich habe Lust bekommen hier weiter zu arbeiten, großformatig und farbintensiv…

Having always been typical for my art my lines of Indian ink are now submitting transmitting only smooth impulses to the structures’ movements and are less excluding the viewer. This painting summarizes quite well my personal development during the last 2-3 years. I discovered the pleasure of painting upon large canvas with intense coulours.

Detail - detail, (c) Cordula Kerlikowski

Detail – detail, (c) Cordula Kerlikowski

Detail - detail, (c) Cordula Kerlikowski

Detail – detail, (c) Cordula Kerlikowski



"Secret of Aquarius" 120 x 150cm, Das Ergebnis - the result, (c) Cordula Kerlikowski"Secret of Aquarius" 120 x 150cm, Das Ergebnis - the result, (c) Cordula Kerlikowski

„Secret of Aquarius“ 120 x 150cm, Das Ergebnis – the result, (c) Cordula Kerlikowski

So gibt es also keinen Grund auszuruhen oder meine Neugier auf neues einzuschränken. Genug Impulse für die nächsten 50 Jahre!

So there is no reason to take a rest or to restrict myself in being curious for anything new. Impulses enough for the 50 years to come!

(Ein großes Dankeschön an Gabi Blache für die Übersetzung – Thank you so much, Gabi Blache, for translating!!!)

Für die Ausstellung bei Eveline Armenat (ich berichtete am letzten Donnerstag) arbeite ich weiter an einigen Miniaturen. Heute verwendete ich ein außergewöhnliches Format, das mir durch früher einmal gekaufte Bütten-Passepartouts vorgegeben war. Bambus bietet sich aufgrund seiner Längsausrichtung natürlich besonders an – und so sollte es dann auch sein:

Allen drei Variationen ist die Ausführung auf Aquarellpapier gemeinsam – jedoch habe ich in allen drei Fällen nach dem Auflegen des Bütten-Passepartouts über dieses weiter gezeichnet. Im Foto ist das vielleicht nur bedingt zu erkennen, im Original ist die Wirkung stärker…

Variante 1 – klassisches Grün:

"Bambus I" - 6 x 17cm/20 x 30cm Aquarell/Mischtechnik

„Bambus I“ – 6 x 17 cm/20 x 30 cm Aquarell/Mischtechnik

Dieses Blatt wirkt harmonisch –  so wie die meisten von uns Bambus kennen und erwarten. Die Vielfalt dieser Pflanze ist jedoch viel größer und wenn ich auch farblich vielleicht etwas stärkere Kontraste eingesetzt habe, so stimmt die Farbigkeit der folgenden Arbeiten doch in etwa:

Variante 2 – Blautöne:

"Bambus II" - 6 x 17cm/20 x 30cm Aquarell/Mischtechnik (c) Cordula Kerlikowski

„Bambus II“ – 6 x 17cm/20 x 30cm Aquarell/Mischtechnik

Ja, es gibt „blauen“ Bambus – grau-türkisfarben in etwa: Bambusa Chungii zum Beispiel…

Und hier ein Bambus, in dem Grün und Violett vorkommen – Neosino Calamus als ein Vertreter dieses Farbspiels…:

Variante 3 – Grün-Violett:

"Bambus III" - 6 x 17 cm/ 20 x 30 cm Aquarell/Mischtechnik, (c) Cordula Kerlikowski

„Bambus III“ – 6 x 17 cm/ 20 x 30 cm Aquarell/Mischtechnik

Obwohl Zeichen- und Malstil identisch sind und auch das Motiv das Gleiche bleibt, wirken die drei Arbeiten ziemlich unterschiedlich.

Die Rahmung wird eine Herausforderung. Zum einen möchte ich den schönen Büttenrand des Passepartouts erhalten, zum anderen gibt es für dieses Format mit Sicherheit keinen Standardrahmen….

Nachdem ich in den letzten Tagen recht konzentriert an Bleistiftzeichnungen, Aquarellen oder Literaturrecherchen gearbeitet habe, war es Zeit, mich wieder etwas entspannter mit Mischtechniken zu befassen:

"Blütenzweig" - 15 x 21cm, Mischtechnik auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

„Blütenzweig“ – 15 x 21cm, Mischtechnik auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

Aquarellfarbe schnell und unkontrolliert auf das Blatt werfen, trocknen lassen und los gehts!

Ich suche zunächst nach einigen markanten Strukturen, die ich dann beginne auszuarbeiten – das kann eine Blüte sein, ein knorriger Ast, ein Blatt. Alles andere ergibt sich nach und nach…

Hier ein zweites Beispiel:

"Blütenbaum" - 25 x 21cm, Mischtechnik auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

„Blütenbaum“ – 25 x 21cm, Mischtechnik auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

Der Ausgangspunkt war folgender:

"Blütenbaum" - Schritt 1, 15 x 21cm, Aquarellfarbe auf Papier, (c) bx Cordula Kerlikowski

„Blütenbaum“ – Schritt 1, 15 x 21cm, Aquarellfarbe auf Papier, (c) by Cordula Kerlikowski

Und so ging es weiter:

"Blütenbaum" - Detail, 15 x 21cm, Aquarellfarbe auf Papier, (c) bx Cordula Kerlikowski

„Blütenbaum“ – Detail, 15 x 21cm, Aquarellfarbe auf Papier, (c) by Cordula Kerlikowski

"Blütenbaum" - Detail, 15 x 21cm, Aquarellfarbe auf Papier, (c) bx Cordula Kerlikowski

„Blütenbaum“ – Detail, 15 x 21cm, Aquarellfarbe auf Papier, (c) by Cordula Kerlikowski

Sicherlich noch flüssiger und spontaner als die erste Arbeit, zeigt das Blatt, wie man die fließenden Strukturen für eine schnelle Zeichnung ausnutzen kann.

Dabei sollte der Spaß am Experimentieren im Vordergrund stehen.

Also: Kopf ausschalten und die Farben und Formen fließen lassen!

Gestern berichtete ich, was ich tue, wenn ich mich für künstlerische Arbeiten blockiert fühle. Das passiert ab und zu, sollte aber nicht die Regel werden. Ein bißchen Disziplin gehört eben auch dazu.

Manchmal entwickeln sich die Dinge dann ganz spontan wieder in eine produktive Richtung und so ging es mir nach der letzten Zeichnung auch. Nun wird also aus der anfänglichen Blockade eine Serie entstehen, in der ich mit Strukturen, Farbverläufen und verschiedenen Farbetönen experimentieren werde. Heute zeichnete ich ein Pendant zum ersten Bild – ich mag das Türkis und das Zusammenspiel von Schwarz, Weiß und Blau…:

“Landschaft abstrakt II – blau”, 25 x 25 cm, Mischtechnik auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

“Landschaft abstrakt II – blau”, 25 x 25 cm, Mischtechnik auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

Hier habe ich bewußt einen schwarzen Rand gezogen, dadurch bekommt das Bild noch mehr Abstand zum Passepartout, mit dem ich die Zeichnung einfassen will.

Fortsetzung folgt…

Heute stelle ich eine Arbeit vor, die ich nicht betitelt habe – eher selten bei mir, aber hier möchte ich den Betrachter auf seine eigene Gedankenreise schicken:

o.T., 70 x 100 cm, Mischtechnik auf Acrylkarton, (c) by Cordula Kerlikowski

o.T., 70 x 100 cm, Mischtechnik auf Acrylkarton, (c) by Cordula Kerlikowski

Ich arbeitete auf einem sehr großen Papierformat – 70 x 100 cm ist schon ungewöhnlich, da bei solcher Größe eher eine Leinwand verwendet wird. Der Papierbogen muss fixiert werden. Entweder nutzt man eine große Hartfaserplatte o.ä., wenn an der Staffelei gearbeitet werden soll, oder man klebt den Bogen auf dem Arbeitstisch fest. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, erleichtert jedoch die Arbeit. Ich begann meine Arbeit auf dem Arbeitstisch. Für die Festlegung der schwarzen Linien positionierte ich das Blatt auf der Staffelei.

Schwungvolle Bewegungen und graphische Strenge wechseln sich nun ab: ganz offensichtlich ist die Dominanz von Rot und Türkis, die schwarzen Linien wirken formgebend und halten sich im Hintergrund bzw. unterstützen nur die Bewegung der beiden Hauptfarben.

Was ist zu sehen? Suchen Sie selbst…

Beim Sichten und Sortieren meiner Arbeiten entdeckte ich zwei Bilder, die vor einiger Zeit entstanden, die aber wegen ihrer vielschichtigen Blautöne immer noch zu meinen Lieblingen gehören:

„Translucence“ – Durchscheinen, Durchsichtigkeit, Hindurchschimmern – eine Sinfonie der Lichtreflexe…

"TRAnsluceNCE I" - Acrylfarben auf Acrylmalkarton, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"TRAnsluceNCE I" - Acrylfarben auf Acrylmalkarton, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"TRAnsluceNCE II" - Acrylfarben auf Acrylmalkarton, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"TRAnsluceNCE II" - Acrylfarben auf Acrylmalkarton, 50 x 70 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Anregung hierfür war die Bitte eines Freundes, ihm ein großes Poster für seine Auftritte als DJ zu entwerfen und zu gestalten. Er legte TRANCE-Music auf, deshalb also auch der etwas ungewöhnliche Mix von Groß- und Kleinbuchstaben im Bildtitel. Bedeutende Vertreter dieser Musikrichtung waren z.B. Paul van Dyk oder Blank and Jones. Bei den Farben ließ er mir freie Wahl – und so finden wir Kontraste zwischen warmen und kalten Tönen – Blau trifft auf Gelb und Orange – rote Akzente ziehen den Blick auf sich. Es entsteht der Eindruck vor einem Glasfenster zu stehen, durch das Sonnenlicht in den Raum fällt – vielschichtig gebrochen, immer wieder in neuen Nuancen aufblitzend. Wir werden hineingezogen in die Tiefe des Bildes, des Raumes, schweben mit den brüchigen Objekten des Vordergrundes ins Licht….

Im Original (70 x 100cm) habe ich zudem partiell nachtleuchtendes Gelb verwendet, was zusätzliche Effekte liefert…

Kommunikation – ein Thema in unserer Kommunikations- und Mediengesellschaft. Wir sind bei Facebook, mailen, smsen, chatten, twittern, veröffentlichen unsere Interessen bei pinterest usw. Was inzwischen oft auf der Strecke zu bleiben scheint, ist die individuelle Kommunikation: das Gespräch miteinander, der direkte Kontakt und die damit verbundene Ehrlichkeit und Offenheit. Nur keine Zeit verlieren – möglichst knappe Informationen, wenig Inhalt, Technik ersetzt immer öfter persönliche Interaktion… Nun verurteile ich das nicht, in vielen Fällen ist das alles nützlich und gut, nur sollten wir darauf achten, dass wir dabei nicht unsere Fähigkeit zum persönlichen Umgang miteinander verlieren.

"Kommunikation" - Mischtechnik auf Leinwand, 120 x 200 cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Kommunikation" - Mischtechnik auf Leinwand, 120 x 200 cm (2-teilig), (c) by Cordula Kerlikowski

Wer sich offenbart, wird verletzlich, andererseits gibt gerade das die Möglichkeit, sich auszutauschen, Gefühle zu zeigen, Leidenschaft zu entwickeln. Auch Streit gehört dazu, Kampf, Versöhnung, Anteilnahme…

Dafür steht das nuancenreiche Rot. Im Original wirkt es unter jedem Licht anders: Sonne lässt es leuchten, ein Spot hebt Bildpartien hervor, im Kerzenlicht scheinen sich die roten Flächen zu bewegen… Mit der Kamera ist dies nur eingeschränkt darzustellen.

Wir bewegen uns in diesem Raum – einmal stürmisch und voranstrebend, ein anderes Mal vorsichtig und zurückhaltend, aber immer in Interaktion mit anderen. Manchmal prallen Meinungen, Emotionen, Körper aufeinander, manchmal gibt es stille Berührungspunkte, vorsichtige Annäherung, Zärtlichkeiten, leise Sätze – für kurze Momente oder ein längeres Gespräch…

Das sind die ocker-dunkelblauen Strukturen, verbunden durch die feine Tuschezeichnung…

Und immer wieder gibt es Initialzündungen, kleine Funken, Höhepunkte, Momente des Erstaunens, klein Wunder – dargestellt durch die türkisfarbenen Lichtpunkte…

Es wäre doch schade, wenn wir diese Erlebnisse verlieren, verdrängen oder vergessen würden…

In der Regel beschäftige ich mit abstrakter Malerei und nutze dazu viele verschiedene Ausdrucksformen und Techniken. Ich lasse mich gerne treiben ohne das genaue Ziel bereits vor Augen zu haben. Das passt zu mir und ich finde so meistens zu einem optimalen Ergebnis, das mich wiederum zu neuen Arbeiten inspiriert.

Manchmal gibt es aber zu Recht Ausnahmen von dieser Regel:

Zum einen, weil ich nach einer intensiven abstrakten Arbeitsphase einfach mal Lust bekomme, etwas „Reales“ zu schaffen, andererseits, weil ein Kunde bestimmte Vorstellungen zu einer Auftragsarbeit hat. Weiterhin will ich oft einfach wissen, ob ich die Herausforderung bewältigen kann. So in folgenden zwei Fällen:

"Gelbbrust-Ara" Acrylmalerei, 80 x 80 cm (c) von Cordula Kerlikowski

"Gelbbrust-Ara" Acrylmalerei, 80 x 80 cm (c) von Cordula Kerlikowski

Hier waren Künstler vom Förderverein der Hauptstadtzoos in Berlin angesprochen worden, für eine Auktion zu Gunsten der genannten Einrichtungen Bilder beizusteuern.

Nun ist ein Papagei ein wirklicher Hingucker und früher gab es im Tierpark auf dem Hauptweg zum Schloss Friedrichsfelde eine Reihe von diesen Vögeln im Freien auf Sitzstangen und es war schön, sie nah zu erleben. Leider ist das heute aufgrund des Fehlverhaltens mancher Mitbürger nicht mehr möglich. So entschied ich mich also für den Gelbbrust-Ara, zumal ich hier auch meine Lieblingsfarben Primacryl Kobalttürkis, Phthaloblau grünlich und Kadmiumgelb einsetzen konnte.

Schon allein die Vorzeichnung in dieser Größe war recht mühsam, aber gegenüber der Feinarbeit am Gefieder, dem Schnabel und vor allem am Auge doch noch die kleinere Übung. Ich habe mehrere Stunden täglich Feder für Feder gemalt – und es hatte schon etwas Meditatives. Aber je mehr der Ara zum Leben erwachte, desto mehr Spaß hatte ich an der Arbeit.

Dieses Bild hätte ich am Ende beinahe lieber selbst behalten und es war gut, dass die Auktion bald stattfand, sonst hätte ich ihm womöglich nicht mehr hergegeben.

Ähnlich verhielt es sich mit diesem Bild:

"Sittiche" - Acrylmalerei auf Leinwand, 50 x 70 cm (c) von Cordula Kerlikowski

"Sittiche" (c) Cordula Kerlikowski, 50 x 70 cm, Acrylmalerei auf Leinwand

Hier bestellten die Mitarbeiter einer Firma zum 50. Geburtstag ihres Chefs das Bild – Vorgabe waren die Vögel, die er gerne mag und oft fotografierte.

Auch hier arbeitete ich nach einem Foto, denn solch detaillierte Feinarbeit ist an lebenden Tieren nicht möglich, zumal ich nun mal weder Aras noch Sittiche zu Hause halten oder mit Staffelei, Acrylfarben und Leinwand im Tierpark auftauchen möchte. Ich habe mich bemüht, aus verschiedenen Fotovorlagen die charakteristische Haltung dieser Vögel herauszuarbeiten und den Hintergrund möglichst wie in freier Wildbahn zu gestalten. Außerdem sollten die Tiere „leben“ und so wirken, als würden sie gleich losflattern, den Kopf zum Betrachter drehen oder ein fröhlich krächzen. Hier ist es wichtig, rechtzeitig zum Ende zu kommen. Lieber lasse ich ein Detail weg und konzentriere mich auf wesentliche Bereiche wie Augen, Schnäbel, Körperhaltung und eine vertretbare Anzahl lebensnah gemalter Federn…

Da ein Mitarbeiter der besagten, europaweit arbeitenden Firma im selben Hause ein Büro hatte, sah mir auch noch regelmäßig jemand über die Schulter. Ich glaube, für ihn war es recht interessant, bei der Entstehung zuzuschauen – und mich hat es nicht weiter gestört. Durch den Ara hatte ich ja schon ausreichend Routine…

Beide Arbeiten sind bei den Empfängern gut und mit Freude angenommen worden – was natürlich sehr wichtig für mich ist und mich zufrieden macht.

Ich habe bei der Arbeit an den Acryl-Gemälden viel gelernt, eine Herausforderung gemeistert und ….. Lust bekommen, nun wieder ein paar abstrakte Werke zu schaffen.

So ist das, der stete Wechsel ist meine feste Größe….

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