Ab und zu brauche ich es Dinge auszuprobieren, die ich noch nie gemacht habe oder so gar nicht kann. Das gibt mir eine Auszeit von meiner täglichen Arbeit, macht Spaß, wirft aber auch zurück in eine ungewohnte Situation, in der sich sonst meine MalschülerInnen befinden.

Dreidimensionales Arbeiten fällt mir schwer, deshalb versuche ich das nur ab und zu. Hier ein Beispiel:

"Funny Girl" - Lufttrocknender Ton und Tusche, ca. 25 c 20cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Funny Girl" - Lufttrocknender Ton und Tusche, ca. 25 c 20cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Funny Girl" - Lufttrocknender Ton und Tusche, ca. 25 c 20cm, (c) by Cordula Kerlikowski

"Funny Girl" - Lufttrocknender Ton und Tusche, ca. 25 c 20cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Mein „Funny Girl“ entstand nach einem Aufenthalt in Hannover. Die dort im Stadtgebiet aufgestellten farbenfrohen und zugleich skurrilen „Nanas“ der französischen Künstlerin Niki Saint Phalle faszinierten mich so, dass ich selbst einmal versuchen wollte, eine Figur zu schaffen, die weiblich und zugleich abstrakt, verspielt und zugleich klar erscheint. Weiterhin wollte ich ausprobieren, ob es möglich ist, auch mit der Reduktion auf Schwarz und Weiss Akzente zu setzen: fröhlich, selbstbewußt, offensiv, neugierig, kommunikativ, frech, offen – das ist sie – meine Sommerimpression….

Heute möchte ich eine Arbeit zeigen, die schon sehr lange zurückliegt, jedoch mein Fable für die Tuschezeichnung erklärt.

Ich fahre sehr oft und gern nach Goslar: früher zur Sommerakademie, seit 7 Jahren mit meinen MalschülerInnen. Gern bin ich auch privat dort, die alte Kaiserstadt bietet so viel zu sehen: mittelalterlicher Stadtkern, interessante Kirchen und Museen, u.a. das Mönchehaus-Museum. In der Stadt stehen Werke bekannter Künstler (auch von Kaiserring-Preisträgern) und der Kaiserring ist in der Kunstszene ein vielbeachteter Preis.

Ich mag dort vor allem die versteckten Winkel, die kleinen Gassen und die Details am alten Fachwerk. Die Frankenberger Kirche hat es mir dabei besonders angetan – ein schlichter Bau, rein äußerlich, im Inneren eine wunderschöne barocke Kanzel.

Hier haben wir oft gezeichnet:

Goslar-Frankenberger Kirche - Tuschezeichnung auf Karton, (c) by Cordula Kerlikowski

Goslar-Frankenberger Kirche - Tuschezeichnung auf A3 - Karton, (c) by Cordula Kerlikowski

Die Entstehung dieser Federzeichnung schon fast 17 Jahre zurückliegt. Eine der ersten Begegnungen mit einer Stadt, die mir inzwischen lieb und teuer geworden ist, Quelle der Inspiration, des Kraftschöpfens, von Begegnungen und Erfahrungen.

Ein kleines Detail an der Frankenberger Kirche, wenn man um die Apsis herumgeht, dicht neben einem Seiteneingang. Es ist wie Meditation, in der Stille dieses Ortes zu zeichnen – stundenlang – Blätter, Mauerstrukturen, Schieferschindeln zu erfassen, darzustellen – möglichst exakt zu sein und sich doch auf das Wesentliche zu konzentrieren. Sicherlich ist an dieser Arbeit nicht alles perfekt – es war eben der Stand meiner damaligen Möglichkeiten. Heute würde ich manches anders herausarbeiten, aber ich genieße es nach wie vor, gelegentlich in langer Kleinarbeit solche Momentaufnahmen zu zeichnen. Der Efeubewuchs existiert so schon nicht mehr und so sind diese Arbeiten auch schon fast Zeitzeugen des Wachsens und Vergehens…

Heute kann ich mir kaum noch vorstellen, Stunden und Tage an einem Platz zu sitzen und in dieser Weise so akribisch vor mich hin zu zeichnen, zumal ich diesen Platz inzwischen ganz anders zu Papier bringen würde… weniger Details, Konzentration auf das Wesentliche… Was jedoch geblieben ist: meine Liebe zur Tuschezeichnung…

Experimente…

29. Dezember 2011

Gestern habe ich mit Vernis Mou experimentiert. Hier drückt man in den aufgetragenen, weichen Ätzgrund strukturierte Materialien ein: das können Blätter, Stoffe, Jutebänder, Gräser uvm. sein. Ich verwendete für meine ersten Versuche alte Spitzenreste.

Die Druckplatte wird mit dem Stoff darauf durch die Presse gezogen – nach dem Abheben des Materials haben sich die Strukturen in den Ätzgrund gedrückt und beim Abziehen geben sie Bereiche der Druckplatte wieder frei, so dass die Säure hier Angriffsfläche hat. Auf diese Weise können sehr filigrane Druckbilder entstehen.

Auch hier sind Geduld und Experimentierfreude gefragt, um ein interessantes Ergebnis zu bekommen. In der Regel sind etliche Probedrucke notwendig, um die Zwischenschritte zu überprüfen und die Druckplatte weiter zu bearbeiten. Diese Probedrucke werden meistens verworfen. Kupferdruckpapier ist teures, sehr hochwertiges Papier. Deshalb versuche ich meist daraus, soweit möglich, noch etwas Spannendes zu machen. Hier ein Beispiel:

Probedrucke und Ausarbeitung - Vernis Mou und Tusche - von Cordula Kerlikowski

In der oberen Abbildung  sieht man ein ziemlich undeutliches Druckbild, die Tonwerte liegen zu nah beieinander, die weiße Fläche hebt sich zu stark ab. Eigentlich ein Blatt zum Wegwerfen.

Unten ein mit Tusche überarbeiteter Druck – hier sind die feinen Strukturen des Spitzenstoffes besser zu sehen. Da florale Elemente den Stoff dominieren, habe ich über den Druck eine Tuschezeichnung in Siena und Sepia gesetzt, die einen weichen Übergang schafft und ein harmonisches Gesamtbild ergibt.

Das Ergebnis ist hier genauer zu betrachten:

"Unikatdruck" - , 10 x 15cm, Vernis Mou und Tuschezeichnung - von Cordula Kerlikowski

Mit einer anderen Farbe gedruckt und monochrom gezeichnet, wirkt die Arbeit ganz anders. Da die Spitze nur den unteren Bereich der Druckplatte abgedeckt hat, bleibt rechts oben freier Platz, den ich  immer wieder anders gestalten kann:

"Unikatdruck" - 10 x 15cm, Vernis Mou und Tuschezeichnung - von Cordula Kerlikowski

Das Kupferdruckpapier, ich verwendete  Kupferdruckbütten der Firma Hahnemühle,  hält einiges aus, so dass auch mit Aquarellübermalungen experimentiert werden kann.

Die Druckplatte ist, wie gesehen, noch lange nicht fertig ausgearbeitet – es wird also weitere Probedrucke geben, mit denen ich „spielen“ kann…

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