Seit einiger Zeit beschäftigen mich botanische Studien, deren Ausarbeitung mich immer mehr fasziniert. Im letzten Blog habe ich eine erste Studie zu Walnüssen vorgestellt, jetzt folgt der Zweig aus einer anderen Sicht – mit einer aufgeplatzten Fruchtschale, die die reife Nuss zeigt.

Das war schon eine Herausforderung, denn nicht nur die strukturierte Nussschale auszuarbeiten, sondern auch auf die schnell vertrocknende Fruchtschale zu reagieren ist knifflig. Seit einer Woche versuchte ich  den Zweig frisch zu halten. Doch nun war das Ende seines Überlebenswillens erreicht und er trocknete beinahe schneller aus als ich malen konnte. Damit muss man leben. Ich begann also mit den Fruchtschalen, da hier die Veränderungen am schnellsten vor sich gingen. Die Blätter hatte ich bereits für die erste Studie ausgiebig studiert und konnte diese Erfahrungen für die zweite Arbeit nutzen.

"Walnusszweig II", Zwischenergebnis, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnusszweig II“, Zwischenergebnis, (c) Cordula Kerlikowski

Hier sind auch die feinen Fädchen zu sehen, die die Nuss in der Schale abpolstern und an deren Innenseite halten. Das ergibt auch die Furchen in der verholzten Nussschale.

Schritt für Schritt geht es wieder über viele Lasuren zum Endergebnis:

"Walnusszweig II" - 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Walnusszweig II“ – 24,5 x 24,5cm, Aquarell auf Bütten

Dieses Mal habe ich nicht alle Blätter voll ausgearbeitet, um den Fokus auf die drei Nüssen zu lenken. Wichtig waren mir aber die typischen Drehungen der Blätter, die das Bild lebendiger erscheinen lassen.

Was nun noch bleibt, wäre die Darstellung der reifen Nüsse in verschiedenen Ansichten. Das überlege ich mir noch. Fürs erste ist es genug mit den Walnüssen. Ich freue mich jedoch auf den Frühling. Dann geht es mit der Studie über die Blattknospen und Blüten weiter…

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Von meinem Wohnzimmerfenster aus sehe ich zwei riesige Kastanienbäume, deren glänzende Früchten zur Zeit auf dem Rasen reichlich zu finden sind. Es ist spannend, die verschiedenen Reifestufen der Kastanien zu betrachten. Sowohl die stacheligen Kugeln als auch die braunen Früchte selbst sind interessant und vielfältig. Es gibt keine zwei Objekte, die identisch sind.

Diese Formen möglichst naturgetreu nachzuempfinden ist nicht ganz einfach. Sowohl die glänzende Oberfläche der Kastanien als auch die weichen, manchmal schon bräunlich verfärbten Stacheln der Hülle oder die vertrocknenden Blätter sind eine Herausforderung. Hier kommt alles zur Anwendung, was die Aquarellmalerei ausmacht: Nass-in-Nass-Technik, Lasurmalerei, Lavieren, Nass-auf-Trocken, die Details dann mit einem ganz dünnen Pinsel trocken auf die trockene Malfläche:

"Kastanien" - Zwischenergebnis, 25 x 25cm, Aquarell auf Bütten

„Kastanien“ – Zwischenergebnis, 25 x 25cm, Aquarell auf Bütten

Zunächst beginne ich mit den verholzten Stielen. Hier kann ich noch mit den Farben experimentieren ohne dass Korrekturen auffallen – bei den hellen Stachelkugeln ist das nicht mehr so frei möglich, da hier die Farben heller und zu dunkle Bereiche kaum noch aufzuhellen sind. Die in den Zweigen verwendeten Farben nutze ich auch für die braune Oberfläche der Kastanien. Blätter und Fruchtschalen lege ich zuerst mit leichten, sehr hellen Lasuren an.

Lasuren sind der Schlüssel zu perfekten Ergebnis. Es macht sehr viel Arbeit, eine Schicht auf die andere zu legen. Immer wieder warten, bis die Fläche gut durchgetrocknet ist… Um die Wartezeit konstruktiv zu nutzen, arbeite ich nach und nach in anderen Bildbereichen erste Details heraus.

Da ich hier eher eine botanische Studie ausarbeite, verzichte ich bewußt auf einen Hintergrund und Schatten auf Tischflächen etc.

Wichtig sind mir die Details der Pflanzenteile. Nach etlichen Stunden Arbeit wird dieses Ergebnis sichtbar:

"Kastanien" - Aquarell auf Bütten, 25 x 25cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Kastanien“ – Aquarell auf Bütten, 25 x 25cm, (c) Cordula Kerlikowski

Dann nehme ich mir noch etwas Zeit, um das Bild zu überprüfen, kleine Unregelmäßigkeiten zu verbessern oder Details zu vertiefen. Jedoch ist es wichtig rechtzeitig aufzuhören. Irgendwann kommt der Moment, in dem man Gefahr läuft, die Arbeit zu verderben… Also Vorsicht!

Hier noch ein Detail:

"Kastanien" - Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

„Kastanien“ – Detail, Aquarell auf Bütten, (c) Cordula Kerlikowski

Im nächsten Frühling werde ich auf einem großen Bogen Aquarellpapier eine Studie beginnen, die im Laufe des Jahres alle Entwicklungsstufen eines Kastanienbaumes aufnimmt: Laubknospen, Blütenstand (siehe meine Goauche-Studie), Fruchtansatz, ausgewachsene Stachelkugeln, reife Früchte… Darauf bin ich schon gespannt!

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