Ich bereite gerade einen Zeichenkurs im Atelier meiner Kollegin Isabelle Zacher-Finet vor. Dabei geht es um die Verwendung von Aquarellstiften auf Leinwand.

Aquarellstifte gibt es in verschiedenen Qualitäten und Ausführungen: mit Holz ummantelt oder als Vollminenstifte. Ihnen allen gemeinsam ist die Vermalbarkeit mit Wasser.  Je weicher die Mine des Stiftes, desto leichter lassen sich die Linien vermalen. Härtere Stifte eignen sich gut, um abschließend dünne, ordnende Linien aufzutragen.

Normalerweise kennen wir die Anwendung von Aquarellstiften auf Papier, als reine Zeichnung, vermalt oder in Kombination mit Aquarellen oder Formen der Mischtechnik. Aber auch auf Leinwand lässt sich sehr gut arbeiten.

Das Ergebnis kann so aussehen:

"LIlie" - Aquarellstiftzeichnung auf Leinwand, 30 x 30 cm, (c) Cordula Kerlikowski

„Lilie“ – Aquarellstiftzeichnung auf Leinwand, 30 x 30 cm, (c) Cordula Kerlikowski

Ich habe die Blüte direkt auf die Leinwand gezeichnet und danach Schritt für Schritt die gezeichneten Linien vorsichtig angelöst und in die Fläche vermalt. Es sind nur drei Farben ! Trotzdem ist die Leuchtkraft immens. Das liegt an der starken Pigmentierung der Stifte (Faber castell – Albrecht Dürer).

Es empfiehlt sich, die Zeichnung am Schluss zu fixieren, da sie wasserlöslich bleibt. Eine in Richtung Bild aufschäumende Sektflasche an Silvester hätte fatale Folgen.

In diesem Sinne – blumige Jahresendgrüße!

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Gestern vor einem Jahr ist mein erster Blogbeitrag online gegangen. Im Alltagstrott hätte ich das beinahe vergessen…

So war es an der Zeit zu resümieren und auf das vergangene (Blog-) Jahr zurückzublicken. Was habe ich gelernt, was erreicht, welche positiven und negativen Erfahrungen begleiteten mich? Es ist eine Vielfalt von Arbeiten entstanden, die die ganze Bandbreite meiner Ideen, Fertigkeiten und Möglichkeiten zeigen. Das macht mich stolz.

Von der abstrakten Acrylmalerei über die Druckgrafik bis zum naturalistischen Aquarell war alles vertreten, was meine Kreativität abbildet…

Zu diesem kleinen Jubiläum nun eine besondere Arbeit vorzustellen war gar nicht so einfach. Etwas neues sollte es schon sein. Deshalb versuchte ich es mit Farbstiften, Pastellkreiden, Bleistift… Naturalistisch mein altes Thema „Spirale/Muschel“ aufzugreifen war also nicht möglich. Schauen Sie selbst, was mir heute aus Pinsel und Feder geflossen ist:

“ Maria Stuart – Die Einsamkeit der verbanntenKönigin“ 35 x 51 cm, Mischtechnik auf Aquarellpapier, (c) Cordula Kerlikowski

Manchmal beginne ich damit, die Farben fließen zu lassen. Noch keine Planung, kein Titel, kein Ziel – so geht es am besten. Mit dem Setzen der ersten Linien entsteht dann eine Idee – zunächst vage, dann immer konkreter…

Oft höre ich dabei Musik, die nicht unbedingt mit dem Thema der Malerei zu tun hat (Heute war es Gotye – „Somebody that I use to know“) – ein einziger Titel in der Endlosschleife. Durch die ständige Wiederholung der Rhythmen bildet sich ein eigentümliches Hintergrunderlebnis, das es ermöglicht abzuschalten und loszulassen. Die Gedanken beginnen zu kreisen während die Hand ihre eigenen Bahnen zieht. Das ist ein sehr entspannender und entspannter Zustand. Automatisierte Sicherheit im Handwerk gewährleistet mir dabei, nicht den Faden zu verlieren…

So spann sich nach und nach die Figur einer Königin zusammen: aufrecht, stolz, würdevoll, jedoch einsam und der Welt entrückt. Die Blüte in ihren verborgenen Händen scheint mehr einer Distel  als einer eleganten exotischen Blume zu ähneln- unverwüstlich, aber wehrhaft. Damit entstand unbewußt ein Hinweis auf  das Symbol Schottlands – die Distel…

Die um die Figur schwingenden Linien können sowohl ihr Gewand darstellen als auch die sich um sie schließenden Fesseln. Das Ende dieser stolzen Frau ist allgemein bekannt…

Nun denn… eine Zeitreise in die schottische Geschichte und zugleich Erinnerung an besuchte Orte, die mit Maria Stuart in Verbindung stehen. Und zum Schluss: die Hinrichtung dieser ambivalenten Persönlichkeit fand (nach julianischem Kalender) am 8. Februar 1587 in London statt. 376 Jahre später (nach gregorianischem Kalender) wurde ich geboren…

Heute war viel Bürokram zu bewältigen – also hatte ich nicht so recht die Lust etwas neues zu beginnen und habe stattdessen meine Bestände um- und aufgeräumt.

Ich gebe zu, manchmal gehe ich mit meinen Skizzen und Studien nicht gerade zärtlich um und so kann es passieren, dass eine Arbeit dort landet, wie sie nicht hingehört – zwischen die Blätter eines alten Aquarellblocks zum Beispiel.

Doch umso größer ist die Freude über das Wiedersehen, wenn überraschend ein Bild zum Vorschein kommt, das ich schon vergessen hatte:

"Malve" - 24 x 32 cm, Aquarell auf Aquarellkarton 300g/m², (c) Cordula Kerlikowski

„Malve“ – 24 x 32 cm, Aquarell auf Aquarellkarton 300g/m², (c) Cordula Kerlikowski

Diesem Malvenzweig habe ich im Garten einer Freundin gemalt – als Aquarell auf einem meiner Lieblingspapiere. Es macht Spaß, die Sonne zu genießen, den Duft der Blumen aufzunehmen und vor einer Pflanze zu sitzen um sie abzubilden. Ich habe diese Malve nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitet – ungewöhnlich für mich, oder? Ich glaube, der angebotene Kaffee und der Eisbecher waren zu verlockend….

Das ist nun schon wieder Erinnerung. Noch ein paar schöne Herbsttage und damit verbundene Arbeiten über Blätter und Früchte, dann kommt der Winter… Zeit der Stilleben oder abstrakter Malerei… Mal sehen, was dann unter meinen Händen das Licht der Winterwelt erblickt…

Am Wochenende erwähnte ich schon den Duft, der hier in der Stadt von den Linden ausgeht. Berlin ist dafür bekannt eine sehr grüne Stadt zu sein und vor allem über die Linden wurde schon viel geschrieben, gesungen und komponiert. Sie gehören für uns Berliner zum Sommeranfang!

Zumal dieser Honigduft sogar die Abgase an den großen Kreuzungen  übertrumpft!

Deshalb sollen also auch die Lindenblüten nicht in meiner Serie fehlen:

Lindenblüten als Vorlage zum Zeichnen, Foto (c) by Cordula Kerlikowski

Lindenblüten als Vorlage zum Zeichnen, Foto (c) by Cordula Kerlikowski

Hier sind Blüten in verschiedenen Reifestufen zu sehen, auch erste kugelige Früchte sind wahrzunehmen. Zeichnerisch muss man hier nicht zu sehr ins Detail gehen, jedoch trotzdem die wesentlichen Charaktereigenschaften versuchen zu treffen.

Durch die filigrane Form der Blüten ist auch die Hintergrundgestaltung etwas fummeliger:

"Lindenblüten" - ca. 20 x 20cm, Federzeichnung auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

„Lindenblüten“ – ca. 20 x 20cm, Federzeichnung auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

Ich denke, so kann es gehen. Einen zweiten Versuch habe ich mit meinem gepflückten Zweig nicht, denn er entwickelte inzwischen eine gewisse „Lebendigkeit“, die sich in winzigen Krabbeltierchen äußert, so dass ich ihn zurück in die Natur entlassen musste. Die Haselnuss hält sich dagegen noch gut…

Gestern ging mein Tag ziemlich durcheinander und ich musste mehrfach umdisponieren. Dem ist auch mein Blogartikel zum Opfer gefallen – was ich nun also nachhole:

Ich hatte also gestern Abend noch einen ungeplanten „Hilfseinsatz“ und war spät in der Stadt unterwegs. Es duftete intensiv nach Honig – die Linden blühen! Leider fand ich gerade keinen kleinen Zweig, den ich hätte mitnehmen können – ich war ja auch in Eile. Aber auf dem Rückweg baumelten dann beinahe vor meiner Nase diese Haselnüsse:

Haselnuss, Foto: (c) Cordula Kerlikowski

Haselnuss, Foto: (c) Cordula Kerlikowski

Die musste ich doch mitnehmen!

Heute habe ich sie gezeichnet:

Mein Arbeitsplatz: Haselnuss, Feder, Tinte, Papier..., Foto (c) Cordula Kerlikowski

Mein Arbeitsplatz: Haselnuss, Feder, Tinte, Papier…, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Ich zeichnete das Motiv für meine Serie, die ich bei ArmenatKeramik im August ausstellen will und nutzte wieder meine Lieblingsfarben, Feder und Aquarellblock.

Diesmal war das Motiv selbst aufgrund der großen Blätter fast formatfüllend. Damit verändert sich die Herangehensweise – dem Hintergrund kommt weniger Bedeutung zu als bei den anderen Zeichnungen, während die Ausarbeitung der Nüsse und des Blattes detailreicher sein muss.

Hier ist das Ergebnis:

"Haselnüsse" 25 x 25cm, Tinte auf Aquarellpapaier, (c) by Cordula Kerlikowski

„Haselnüsse“ 25 x 25cm, Tinte auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

An manchen Stellen habe ich die Grüntöne durch etwas Bordeaux verändert, das gibt auf der großen Fläche etwas mehr Räumlichkeit.

Heute werde ich auf die Suche nach einem kleinen Zweig Lindenblüten gehen, solange sie noch blühen.

Kleiner Tipp: man kann solche Mitbringsel in einer dicht schließenden Dose mit ein paar Tropfen Wasser mehrere Tage im Kühlschrank frisch halten.

Nachdem ich in den letzten Tagen recht konzentriert an Bleistiftzeichnungen, Aquarellen oder Literaturrecherchen gearbeitet habe, war es Zeit, mich wieder etwas entspannter mit Mischtechniken zu befassen:

"Blütenzweig" - 15 x 21cm, Mischtechnik auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

„Blütenzweig“ – 15 x 21cm, Mischtechnik auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

Aquarellfarbe schnell und unkontrolliert auf das Blatt werfen, trocknen lassen und los gehts!

Ich suche zunächst nach einigen markanten Strukturen, die ich dann beginne auszuarbeiten – das kann eine Blüte sein, ein knorriger Ast, ein Blatt. Alles andere ergibt sich nach und nach…

Hier ein zweites Beispiel:

"Blütenbaum" - 25 x 21cm, Mischtechnik auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

„Blütenbaum“ – 25 x 21cm, Mischtechnik auf Aquarellpapier, (c) by Cordula Kerlikowski

Der Ausgangspunkt war folgender:

"Blütenbaum" - Schritt 1, 15 x 21cm, Aquarellfarbe auf Papier, (c) bx Cordula Kerlikowski

„Blütenbaum“ – Schritt 1, 15 x 21cm, Aquarellfarbe auf Papier, (c) by Cordula Kerlikowski

Und so ging es weiter:

"Blütenbaum" - Detail, 15 x 21cm, Aquarellfarbe auf Papier, (c) bx Cordula Kerlikowski

„Blütenbaum“ – Detail, 15 x 21cm, Aquarellfarbe auf Papier, (c) by Cordula Kerlikowski

"Blütenbaum" - Detail, 15 x 21cm, Aquarellfarbe auf Papier, (c) bx Cordula Kerlikowski

„Blütenbaum“ – Detail, 15 x 21cm, Aquarellfarbe auf Papier, (c) by Cordula Kerlikowski

Sicherlich noch flüssiger und spontaner als die erste Arbeit, zeigt das Blatt, wie man die fließenden Strukturen für eine schnelle Zeichnung ausnutzen kann.

Dabei sollte der Spaß am Experimentieren im Vordergrund stehen.

Also: Kopf ausschalten und die Farben und Formen fließen lassen!

Mein Badfenster war ziemlich mit wildem Wein zugewuchert und es kam kaum noch Tageslicht in den Raum. Es wurde also höchste Zeit die Triebe wegzuschneiden. Dabei erhielt ich schöne lange Ranken: teils junge Triebe mit zarten Blättchen, teils größere Blätter und Blütenansätze.

Das forderte geradezu, heute noch schnell eine Zeichnung davon anzufertigen und vielleicht auch noch einige Skizzen für spätere Arbeiten:

"Weinranke" - erste Schritte, (c) Cordula Kerlikowski

„Weinranke“ – erste Schritte, (c) Cordula Kerlikowski

Zunächst arbeite ich mit Tusche und Feder, danach vermale ich die Linien mit Wasser. Meine neue Zeichenfeder ist noch nicht richtig eingezeichnet und kratzt etwas – das ist jedoch nicht problematisch, denn gelegentliche „Hopser“ der Feder auf dem Papier bringen zusätzlich Leben ins Bild.

"Weinranke" - Motiv und Zeichnung, (c) Cordula Kerlikowski

„Weinranke“ – Motiv und Zeichnung, (c) Cordula Kerlikowski

Hier sind die schönen Blättchen sehr gut zu sehen und es ist nicht schwer sie auf das Papier zu bringen. Ich habe dabei weniger auf authentische Farben als auf den Schwung der Ranke und die Eleganz der Blättchen geachtet. Das war mir in diesem Falle wichtiger. Die Zeichnung soll leben…

Hier das Ergebnis:

"Weinranke" - Zeichnung auf Aquarellpapier, ca. 20 x 20cm, (c) by Cordula Kerlikowski

„Weinranke“ – Zeichnung auf Aquarellpapier, ca. 20 x 20cm, (c) by Cordula Kerlikowski

Durch den Kontrast zwischen Grün und Violett leuchtet die Ranke und die zarten Linien der Klammerfädchen kommen gut zur Geltung. Tonwertabstufungen betonen Licht- und Schattenbereiche.

Morgen werde ich eine weitere Zeichnung anfertigen,dann mit ausgewachsenen Blättern und Blütenansätzen. Ich freu mich drauf!

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