Heute war ich im Künstlerbedarf, um neue Zeichenfedern zu kaufen. Mein Bestand an Federn, insbesondere an Zeichenfedern, hatte sich abgearbeitet und die letzten beiden Zeichnungen machten schon Mühe, weil die stumpfe Feder nicht mehr gut über das Papier zog und zudem die Tinte nicht mehr richtig annehmen wollte.

Hier sind die „Lebensphasen“ meiner Zeichenfedern gut zu sehen:

Die Lebensphasen meiner Zeichenfedern, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Die Lebensphasen meiner Zeichenfedern, Foto (c) Cordula Kerlikowski

Bei mir müssen die Federn funktionieren, sie haben es nicht leicht mit mir: sie verbleiben immer in ihrem Federhalter, werden während des Zeichnens und nach Beendigung der Arbeit abgewischt, aber nie besonders geputzt. Nach und nach bilden sie mit dem Federhalter eine symbiotische Verbindung – beide altern im gleichen Takt und sind dann auch zeitgleich am Ende…

Das hier ist eine Feder, die ich mir aus der Toskana mitgebracht habe. Sie ist edel und ich benutze sie nur zum Schreiben bzw. für ganz „brave“ Feinarbeiten. Es täte mir unendlich leid, dieses schöne Stück zu verlieren:

Schreibfedern - Foto (c) by Cordula Kerlikowski

Schreibfedern – Foto (c) by Cordula Kerlikowski

Diese Feder hat mir auch schon als Fotoobjekt gedient und die Aufnahmen sind in Stockagenturen als Download verfügbar:

Schreibfeder auf altem Brief

Für den alltäglichen Gebrauch benutze ich Schreib- bzw. Zeichenfedern, wobei die größere mehr Tinte aufnimmt und stärkere Linien zulässt, die schmalere ist für Feinarbeiten gut geeignet:

Zeichenfedern - Foto (c) by Cordula Kerlikowski

Zeichenfedern – Foto (c) by Cordula Kerlikowski

Diese sind ganz neu und ungebraucht. Je nach Hersteller muss man die Stahlfedern einmal erhitzen oder kann sie gleich verwenden…

Auch mit anderen Zeichenfedern ist gut arbeiten:

Bambusfeder, Zugfeder, Glasfeder - Fot (c) by Cordula Kerlikowski

Bambusfeder, Zugfeder, Glasfeder – Fot (c) by Cordula Kerlikowski

Die Bambusfeder gibt unregelmäßig Tinte ab, man kann keine glatten Linien ziehen und der Strich ist immer unregelmäßig. Früher habe ich diese Feder gehasst, da ich noch zu pingelig und detailversessen gezeichnet habe. Heute schätze ich sie vor allem für das Arbeiten in Mischtechniken.

Die Zugfeder wird eher im Technischen Zeichnen oder in der Kartografie verwendet. Sie macht sehr gleichmäßige Linien, deren Stärke man mittels des kleinen Rädchens an der Seite regeln kann. Das muss man üben – aber sie hat durchaus ihre Vorteile, zumal sie viel Tinte aufnehmen kann.

Die Glasfeder ist etwas ganz besonderes. Sie zieht eine sehr gleichmäßige Linie und nimmt viel Tinte auf, so dass man lange zeichnen kann ohne „nachzutanken“. Spontane Schwingungen durch Variation des Drucks auf die Federspitze sollte man allerdings tunlichst vermeiden – die Feder könnte zerbrechen. Sie hält aber trotz allem eine Menge aus. Glasfedern sind seit dem 18. Jh. gebräuchlich, man kann sie auch nachschärfen. Also ein Werkzeug (fast) für ein ganzes Künstlerleben.

Weiterhin gibt es ein paar Exoten, mit denen man auch ganz gut zeichnen kann: Stäbchen vom China-Imbiss, kleine Zweige, Schilfrohr, Zahnstocher… es gibt kaum Grenzen des möglichen…

Aber wie auch immer – irgendwann sind die Federn am Ende ihrer Kräfte angelangt: stumpf, vom Acrylat oder dem Schellack in der Tusche verklebt, die Federhalter verlieren Teile der Lackierung, kurz und gut: sie müssen ersetzt werden:

Verbrauchte Zeichenfedern - Foto (c) by Cordula Kerlikowski

Verbrauchte Zeichenfedern – Foto (c) by Cordula Kerlikowski

Man sieht es ihnen an, sie sind am Ende ihrer Laufbahn, haben mich aber immerhin einige Jahre begleitet. Da so eine Feder inkl. Federhalter nur ca. 1 € kostet, lohnt eine intensive Pflege in der Regel nicht. Dazu bin ich, ehrlich gesagt, auch zu bequem…

Nun also wieder neue, spitze, scharfe Federn für neue Zeichnungen – morgen gehts los!!!

Kürzlich habe ich eine Zinkplatte mit einer begonnenen Kaltnadelradierung wiedergefunden, von der ich schon nicht mehr wusste, dass es sie gab. Ich berichtete darüber im Dezember im Blog „Fundstücke…“

Gestern war es nun an der Zeit sie weiter zu bearbeiten. Da zwischen der ersten Arbeitsphase und dem Heute eine ganze Weile vergangen war, musste ich mich zunächst wieder sowohl an die Arbeitsweise als auch an den Stil der Gravur herantasten. Das Einschneiden des Motivs in die Platte mit der Radiernadel kostet Kraft: je tiefer die Gravur, desto kräftiger die Linie. Gerade bei den winzigen Kreuzschraffuren, die die dunkelsten Bereiche ergeben sollen, braucht es Geduld und Ausdauer.

Eva - Arbeitsfortschritt

Druckplatte, Lichtquelle und Radiernadel - Foto v. Cordula Kerlikowski

Da die Zinkplatte ziemlich spiegelt ist es manchmal schwer, die Tiefe der Linien einzuschätzen bzw. überhaupt das Bild auf der Platte richtig wahrzunehmen. Hier half mir eine quergelegte Tischlampe.

Wie im Bild gut zu sehen, sind vorerst keine weiteren Arbeitsmittel nötig um eine Kaltnadelradierung anzufertigen. Die Verwendung unterschiedlicher Radiernadeln erleichtert in vielen Fällen die Arbeit, ist aber nicht zwingend erforderlich.

Hier die vorerst fertige Platte:

Aus der serie "Paradiesgarten"

Druckplatte "Eva" aus der Serie "Paradiesgarten" - von Cordula Kerlikowski

Die eingeschnittenen Linien und Flächen sind gut zu erkennen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Platte bereits für den Seriendruck fertig ist.

Zunächst werde ich einen Probedruck herstellen um zu überprüfen, ob dieser sowohl die Tonwerte, die hier nur durch die Gravur erreicht werden können, als auch die Linienführung wunschgemäß abbildet. In der Regel sind Korrekturen erforderlich.

Diesen Arbeitsgang werde ich heute im Atelier ausführen, denn nun benötige ich die Druckpresse, Kupferdruckpapier, spezielle Farben und viel Platz…

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